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Extreme Makrofotografie leicht gemacht

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Extreme Makrofotografie leicht gemacht

Do, 28/08/2014 - 12:00
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Entgegen der landläufigen Meinung extreme Makrofotografie sei nur etwas für ausgefuchste Profis mit teurem Equipment möchte ich euch hiermit zeigen, dass fotografieren mit extremen Abbildungsmaßstäben kein großes Geheimnis ist. Jeder kann dies mit einfachen Mitteln selbst tun.

Foto: Grüne Krabbenspinne von Valentin Gutekunst - etwa 5:1 mit Retroadapter und Zwischenringen.

Was sind überhaupt extreme Makrofotos?

Mit Definitionen sollte man immer vorsichtig sein, dennoch meine ich wenn ich von extremer Makrofotografie spreche im Grunde alles was den Abbildungsmaßstab von 1:1 übersteigt. Eines ist jedoch sicher, diese Art der Makrofotografie macht unheimlich Spaß und nebenbei eröffnet sich einem eine ganz neue Welt. Man entdeckt Details die man vorher nie wahrgenommen hatte!

Foto: Zebraspringspinne mit Beute von Valentin Gutekunst - etwa 2:1 mit Raynox-DCR250

Was braucht man dazu?

Natürlich gibt es zahlreiche Wege, um extreme Makrofotos zu machen und jeder Makrofotograf hat wieder eine andere Philosophie. Doch eigentlich gibt es nur zwei Techniken:

  1. Extreme Makrofotos ohne Focus Stacking

  2. Extreme Makrofotos mit Focus Stacking

Mehr über Focus Stacking erfährst Du hier:Makrofotografie Tipps und Tricks TOP 10

Welche man davon nun wählt hängt meist vom zu fotografierenden Objekt ab. Denn für’s Focus Stacking braucht man ein ruhiges Motiv und möglichst völlige Windstille.

Foto: Skorpionsfliege von Valentin Gutekunst - etwa 2:1 mit Raynox-DCR250

Egal ob Focus Stacking oder nicht, die Voraussetzungen für die extremen Makrofotos bleiben gleich: Man braucht entsprechendes Equipment, um über den Abbildungsmaßstab von 1:1 des Makroobjektivs zu kommen. Auch hier gibt es viele Wege um ans Ziel zu kommen, doch ich möchte euch hier die zwei unkompliziertesten und günstigsten vorstellen.

1. Nahlinsen (Achromaten)

Eine Nahlinse wird wie ein Filter auf das Objektiv aufgeschraubt bzw. gesetzt und verkürzt die Brennweite des Objektivs, d.h. die nimmt ab und man kann dementsprechend näher an das Objekt heran.

Auch wenn Nahlinsen oft einen schlechten Ruf haben und dies für die billigen auch gerechtfertigt ist, kann ich die hochwertigen Makronahlinsen wie das Raynox DCR-150 oder DCR-250 aus persönlicher Erfahrung nur empfehlen. Diese Linsen sind etwas teurer, dafür bieten sie eine hervorragende Bildqualität und verhindern wirkungsvoll die , die bei billigen Nahlinsen gang und gebe ist.

Ein enormer Vorteil der Nahlinsen im Gegensatz zum Hantieren mit dem Retroadapter ist, dass die Automatik der Kamera, also die Blendensteuerung etc. weiterhin funktioniert und die Handhabung sehr unkompliziert ist.

Mit einem entsprechenden Filteradapter (Step-down 49mm-43mm) lassen sich auch zwei Raynox Nahlinsen übereinander setzen und man erreicht noch höhere Abbildungsmaßstäbe.
Verwende Objektive mit großer Brennweite, um noch größere Abbildungsmaßstäbe zu erreichen

2. Retroadapter (Umkehrring)

Der Retroadapter kostet um die 10 EUR und ermöglicht es ein Objektiv umgekehrt an die Kamera anzubringen! Dadurch hat man einen Lupeneffekt und kann in hohe Abbildungsmaßstäbe vordringen! Der Nachteil: Jegliche Automatik (Blendensteuerung, Autofokus etc.) geht verloren. Deshalb sollte man alte Objektive verwenden die noch eine manuelle Einstellung der Blende zulassen. Alternativ kann man sich auch einen (viel) teureren Retroadapter kaufen, der die Daten überträgt oder man verwendet ein normales Objektiv und setzt auf dieses ein weiteres Objektiv in Retrostellung auf.

Für eine wirklich hohe Vergrößerung besorge dir ein günstiges gebrauchtes Weitwinkelobjektiv, z.B. mit 24 mm (Noch geringere Brennweiten wie 16 mm ermöglichen zwar eine noch höhere Vergrößerung, doch das Handling (z.B. die benötigte Lichtmenge) wird umso schwerer, desto kleiner die Brennweite!) und ein paar Zwischenringe, sowie einen Retroadapter. Mit dieser Kombination kannst du preiswert und einfach mit hohen Abbildungsmaßstäben experimentieren!

Foto: Rüsselkäfer von Valentin Gutekunst - Abbildungsmaßstab etwa 2:1 mit Raynox-DCR250

Foto: Fliege von Valentin Gutekunst - Abbildungsmaßstab etwa 3:1 mit Retroadapter

Vergleich zwischen einem Makroobjektiv (Tamron 90 mm), mit dem man einen Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht und einem Weitwinkelobjektiv, das mit einem Retroadapter in Retrostellung an die Kamera angebracht wurde. Noch näher ans Motiv kommt man bspw., in dem man zusätzlich zum Retroadapter noch Zwischenringe oder Nahlinsen verwendet. Oder man nutzt ein Objektiv mit noch kleinerer Brennweite (z.B. 18 mm).

Durch diese zwei Hilfsmittel sind extreme Makrofotos für Jedermann unkompliziert und günstig realisierbar. Allerdings sollte man beachten, dass je höher der Abbildungsmaßstab, desto kleiner die Schärfentiefe und desto mehr Licht wird benötigt. Deshalb sollte man es sich überlegen mit Blitz (Bitte kein Ringblitz, oder mögt ihr etwa Fotos von Insekten mit weißen Ringen in den Augen? Mehr dazu in Ausgabe 2 von Makrofoto) oder Lampen zu arbeiten.

Euch hat der Artikel gefallen? Oder ihr habt weiterführende Fragen? Ich freue mich über Feedback in den Kommentaren!

Kommentare

Anmerkungen zur (direkten) Retrostellung:

* es funktionieren nicht alle Objektive (z.B. das Sigma 60mm f.2.8 DN bringt Retro keine Schärfe im Nahbereich)

Abhilfe kann die indirekte Retrostellung bringen, so benenne ich es wenn man ein Objektiv normal anbringt (mit Automatikfunktion) und vor das Objektiv ein anderes Objektiv in Retrostellung bringt, hierfür wird lediglich ein Kupplungsring benötigt der die Objektive am Filtergewinde miteinander kuppelt. Der Maßstab liegt im Verhältnis der Brennweite des normal angebrachten Objektivs zur Brennweite des Retroobjektiv.

Hierfür funktioniert auch obiges Objektiv in Normalstellung, wenn man dann das Sigma 30mm Objektiv in Retrostellung vorsetzt ergibt sich 60mm zu 30 mm = Maßstab 2:1, bei ca. 3,5 cm Arbeitsabstand.

Man kann auch ein Zoomobjektiv in Retrostellung verwenden, dann ergibt sich ein variabler Maßstab. Wichtig ist es als Objektiv in Normalstellung ein Teleobjektiv zu nehmen sonst ergibt sich u.U. ein runder Bildkreis, das Sigma 60mm (MFT) hat sich bei mir bewährt.

 

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