Insekten mit Milben | MAKROTREFF
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Insekten mit Milben

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Insekten mit Milben

So, 19/03/2017 - 10:36
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Nicht schön, aber interessant: Insekten mit Milben.

Insekten und Milben gehören zusammen. Auch, wenn das gar nicht so ganz nach unserem menschlichen Geschmack ist: Diesem Phänomen liegen faszinierende Zusammenhänge zugrunde.

Unser Mitglied "Flora1958" hat ein Foto einer Hummel mit Milben eingestellt - für mich ein Anlass, auf dieses Thema näher einzugehen.

Immer wieder begegnet man Insekten, auf denen Milben hocken. Insbesondere Wildbienen - zu ihnen gehören auch die Hummeln - und Schmetterlinge tragen Milben auf ihren Körpern. Aber man findet sie auch auf Vertretern fast aller anderen Insektenordnungen wie Fliegen, Wanzen, Libellen, Heuschrecken oder Käfern.

Milben gehören zu den Spinnentieren - rasch zu erkennen an ihren acht Beinen im ausgewachsenen Stadium (Insekten haben nur sechs Beine). Sie gibt es in Größen zwischen 0,1 und 4mm, kommen in fast allen Lebensräumen vor und gehören mit mehreren zigtausend Arten zur artenreichsten Gruppe innerhalb der Spinnentiere. Man sieht also: Milben sind ein Riesenthema!

Genauso vielfältig wie ihre Verbreitung ist ihre Lebensweise: Sie können völlig für sich alleine leben, parasitisch an oder in Pflanzen und Tieren, oder auch nur in Vergesellschaftung mit anderen Tieren.

Milben gehören auch zur Welt der Bienen/Wildbienen (inklusive den Hummeln). Viele sind harmlose Gäste, andere parasitieren als Blutsauger an den erwachsenen Tieren oder schmarotzen bei der Bienenbrut, was schnell zu erheblichen Verlusten führen kann.

Nicht schön, aber dafür harmlos!

Wieder eine andere Gruppe von Milben - meist unschöne, hellbraune Gebilde mit langen Beinen -  leben in den Wildbienennestern von Abfällen und Bienenkot und nutzen die erwachsenen Bienen als Transportmittel, um andere Nester zu erreichen. Diese für die Bienen sogar "nützlichen" Vertreter findet man insbesondere im zeitigen Frühjahr öfters auf Hummeln oder beispielsweise auf der Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis), hier vor allem auf den zuerst schlüpfenden Männchen.

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Männchen mit Milben.

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Die im April/Mai schlüpfenden Männchen der Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis) kommen bereits mit den Milben aus ihrem Nest heraus. Die "Mitfahrer" haben mit der Wildbiene zusammen im Nest überwintert und klammern sich nun an die Männchen, um von ihnen zu neu entstehenden Nestern getragen zu werden. Dort leben sie wieder von den Abfällen im Nest: Kot, Pollenreste, Hautreste von Häutungen. Dieses Phänomen wird in der Biologie als Phoresie bezeichnet: Ein Tier nutzt ein anderes Tier, um einen anderen Ort zu erreichen, ohne dieses zu schädigen - "vorübergehende Transportgesellschaft".

Häufig klammern sich die Milben in großer Zahl an ihren Transporteuren fest:

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Männchen mit vielen Milben auf dem Thorax (Brust).

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Es werden so gut wie keine Körperstellen ausgespart:

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Männchen mit vielen Milben auf dem Thorax (Brust).

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Ein "Bienen-Turm" mit Milben: Zwei Männchen versuchen, sich mit einem Weibchen zu paaren. Hier trägt auch das Weibchen (das untere Tier) Milben.

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Paarungsversuch zweier Männchen mit einem Weibchen - alle Tiere mit Milben besetzt.

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Bei dieser an Oregano (Origanum vulgare) Nektar aufnehmenden männlichen Düsterbiene (Stelis punctulatissima) ist gut erkennbar, dass sich die Milbe nicht festgesaugt hat. Vielmehr läuft sie frei auf der Biene herum (Auge). Sie ist eben "nur" Passagier!

Düsterbienen-Männchen (Stelis punctulatissima) mit Milbe auf Oregano (Origanum vulgare).

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Makro; ISO 200; Blende 8.0; 1/250 Sek.
 

Es gibt sehr viele verschiedene Milbenarten, auch unter den "Bienen-Reitern". Die hier gezeigten Milben auf der Schöterich-Mauerbiene ist wahrscheinlich eine Vertreterin der Gattung Chaetodactylus. Auf Hummeln lässt sich besonders gerne die Hummelmilbe (Parasitus fucorum) kutschieren - äußerlich kaum von der "Mauerbienen-Verwandten" zu unterscheiden. Sie ist in fast allen Hummelnestern zu finden, sorgt dort für "saubere" Verhältnisse und gehört damit zum Gesamtkomplex des Hummelstaates dazu.

Arbeiterin der Wiesenhummel (Bombus pratorum) mit Milbe auf Acker-Witwenblume (Knautia arvensis).

Olympus E-3; Sigma 105mm f/2.8 Makro; ISO 100; Blende 10.0; 1/200 Sek.

Schön - aber dafür nicht harmlos!

Eine etwas andere Situation liegt beispielsweise bei den auffällig rot gefärbten Samtmilben der Gattung Trombidium sp. vor. Sie gehören zu den größten heimischen Milben und leben parasitisch vor allem gerne bei Schmetterlingen, aber auch bei zahlreichen anderen Insektengruppen.

Großes Ochsenauge (Maniola jurtina) mit Samtmilben (Trombidium sp.).

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 100; Blende 5.6; 1/1000 Sek.

Diese wunderschönen rot gefärbten Tierchen piesacken ihre Wirte gewaltig: Im Gegensatz zu ihren oben gezeigten Verwandten beißen sie sich als Larven in Gelenkhäuten ihrer Wirtstiere fest und saugen Blut. Hier entwickeln sie sich zum fertigen Insekt, verlassen dann ihren Wirt und gehen zu einer freilebenden, räuberischen Ernährungsweise in der oberen Bodenschicht über, wo sie vor allem Insekteneier aussaugen.

Großes Ochsenauge (Maniola jurtina) mit Samtmilben (Trombidium sp.).

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 100; Blende 5.6; 1/1000 Sek.

Diese kurze Übersicht stellt nur einen kleinen Bereich aus dem Leben und der Vielfalt der Milben vor. Wer mehr über diese faszinierenden, kleinen, schönen und auch hässlichen Tierchen wissen möchte, dem kann ich folgende Abhandlung empfehlen:

Lexikon der Biologie - Milben (in spektrum.de)


Und hier noch ein interessanter Beitrag vom registrierten Makrotreff-Mitglied "water castle":

Gruselige Vorstellung!


Ich wünsche allen Makronisten tolle Milben-Beobachtungen - und vielleicht auch das eine oder andere gute Milbenfoto!

Roland Günter

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von Makrofoto. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

Kommentare

Hallo Valentin,

ersteinmal ein riesen Lob und großen Respekt vor Allem, was du hier so phantastisch auf die Beine gestellt hast im Bereich Makro & Co !

Meine Frage betrifft oben genannte Milben - im letzten Jahr ist es mir insg. 3mal passiert, dass ich wirklich große Hummeln hilflos am Boden habe umher"fliegen" sehen, wobei das Fliegen eigentlich nicht mehr möglich war ... Sie sich nur noch gedreht haben, auf dem Rücken gelandet sind .. irgendwo gegen gedonnert sind usw. Bei genauerer Betrachtung saßen alle 3 komplett voll mit den erwähnten hellbraunen bis gelblichen Milben ... selbst direkt am Flügelansatz. Du sagst, dass diese Milben zum Staat praktisch dazu gehören und harmlos wären ?! .... mir kam es eher so vor, als wenn die armen Tiere vollkommen handlungsunfahig waren ... kurz vorm sterben ?! .... da Sie mir leid getan haben, hatte ich die Hummeln dann getötet :-( habe ich da falsch gehandelt ? lg sven

Hallo Sven,

ich kann Deine Emotion, resultierend aus dem Erlebten, was Du oben beschrieben hast, gut verstehen. Es ist tatsächlich für uns Menschen kein schöner Anblick, die Hummeln so "hilflos" am Boden liegen zu sehen.

Aber der Schluss, die ganze Sache stünde im Zusammenhang mit dem, was wir mit unseren Augen sehen und mit unserem Gehirn zusammenfügen können, ist unkorrekt. Wir sehen eine Hummel, apathisch, anscheinend flugunfähig und wehrlos auf dem Boden. Dann sehen wir die Milben. Und nun kombinieren wir, das eine hinge mit dem anderen zusammen. Das ist Menschenlogik, so funktionieren wir. Wir haben unsere Möglichkeiten der Wahrnehmung, und wir unterliegen allzuoft dem Irrtum zu denken, so, wie wir wahrnehmen, funktioniere unsere Umwelt. Das stimmt aber sehr oft nicht - so wie hier auch im Fall der apathischen Hummeln.

Erstens ist es anders, zweitens als man denkt

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass zwischen diesem apathischen Verhalten der Hummeln und den Milben ein Zusammenhang besteht. Dieser "Huckepack-Transport" funktioniert schon seit Jahrmillionen - erfolgreich, und auch zum Vorteil der Hummeln, die dadurch ihre Nester "sauber" halten, das hatte ich oben beschrieben.

Und ich habe schon sehr häufig tatsächlich völlig mit Milben besetzte Hummeln oder auch andere Wildbienenarten gesehen, die NICHT dieses apathische Verhalten zeigten (deshalb habe ich oben auch mal ein Bild einer solchen voll besetzten Biene eingestellt). Ich habe allerdings schon unzählige Vertreter dieser Tiergruppe beobachtet, die sehr apathisch, ja kurz vor dem Tode waren, aber nur sehr wenige Milben auf sich trugen. (Übrigens: Fast alle Hummelköniginnen tragen diese hellbraunen Milben - man muss nur lange genug suchen!)

Wie oben beschrieben, ist dieses Transport-Phänomen insbesondere ein Ereignis des Frühjahrs. Vorrangig sind Hummelköniginnen, aber auch zahlreiche andere Wildbienenarten, betroffen, die ihr Überwinterungsquartier verlassen und sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für die neue Staatengründung machen. Die Milben stammen aus dem Vorjahresnest und haben bereits mit den Königinnen zusammen überwintert. Milben, die im alten Nest zurückbleiben, sterben alle ab.

Was passiert nun? Warum findet man - und da gebe ich Dir völlig Recht - so viele elendig wirkende, apathische Hummeln?

Die Grundlagen-Biologie

Bevor die Königinnen ins Winterquartier gehen, saugen sie ihre sogenannte Honigblase mit Honig voll. Das geschieht in der Regel im August oder Anfang September - also zu einer Jahreszeit, in der in der Regel relativ viele nektarproduzierende Pflanzen im Lebensraum sind. Von diesem Vorrat lebt dann der Hummel-Organismus über den Winter in seiner Ruhephase. Und die im Ende Februar bzw. März erscheinende Königen hat erste einmal auch nur den Rest dieses Vorrats aus ihrer Honigblase zur Verfügung, um aus dem Winterquartier zu krabbeln, sich aufzuwärmen, loszufliegen und die nächsten Nahrungspflanzen zu suchen.

Und nun kommt der ganz gefährliche Engpass! In dieser frühen Jahreszeit gibt es nur sehr wenige blühende, nektarproduzierende Pflanzen. Wenn die Königin nun also nicht baldmöglichst Nahrung findet, wird sie schwach, apathisch, und im äußersten Fall stirbt sie. Dies ist also eine ziemlich gefährliche Phase im Leben einer Hummelkönigin.

Landwirtschaft, Glyphosat, Neonicotinoide & mehr

Und was ist in den vergangenen Jahren nachweislich in großem Stil geschehen? Die Wildpflanzen unserer Lebensräume gehen insbesondere infolge von Lebensraumzerstörung und vor allem infolge der Wirtschaftspraxis insbesondere der konventionellen Landwirtschaft zurück, verschwinden teilweise sogar komplett aus Lebensraumbereichen (Stichworte Glyphosat und Noenicotinoide - siehe hierzu auch den Offenen Brief führender Entomologen hier bei Makrotreff). Und die fehlen nun den Hummeln - entweder, weil sie eben gar nicht mehr da sind, oder weil die Abstände zwischen den noch wenigen vorhandenen Pflanzen so groß sind, dass der Energieaufwand, sie zu erreichen, für die Hummelköniginnen größer ist als der Energienutzen, den sie aus ihrem bereitgestellten Nektar ziehen. Mit einer anhaltenden Negativ-Energiebilanz überlebt kein Lebewesen auf diesem Erdball!

Das Prinzip der Plausibilität

Wir wissen nicht zu hundert Prozent, ob dies die Hauptursache für die "apathischen" Hummeln ist - aber es ist äußerst plausibel, weil logisch, dass dies zumindest stark mit hineinspielt. Wir kennen zumindest Teile der Biologie dieser Tiere. Wir wissen in etwa, was sie wann benötigen. Und wir wissen, wie sich zur Zeit im Eilzug-Tempo unsere Umwelt dramatisch verändert. Wir brauchen nur dieses Wissen zusammenzuführen, um diese Erkenntnis höchster Plausibilität zu erhalten. Dazu brauchen wir eigentlich auch nicht weitere wissenschaftliche Erhebungen, die wir dann zu den zigtausenden dazulegen, die wir schon haben, die aber bisher nicht im geringsten zum Stoppen dieser Entwicklung führen konnten.

Viren, Nematoden & mehr

Es gibt noch weitere Faktoren, die hier mit reinspielen könnten. Hummeln haben, wie die meisten Tierarten, Gegenspieler. So werden zum Beispiel Hummeln von einem Protozoon namens Nosema bombi befallen. Hierbei handelt es sich um ein Virus. Seinem Spezies-Namen bombi ist bereits zu entnehmen, dass es sich auf Hummeln spezialisiert hat. Für Honigbienen gibt´s eine eigene Ausgabe dieses unangenehmen Teils, aus der gleichen Gattung, namens Nosema apis.
Jedoch wissen wir bis heute noch sehr wenig über Viruserkrankungen bei Hummeln. Also wissen wir auch sehr wenig, wie sich Viruserkrankungen auf das Verhalten von Hummeln auswirkt.

Zum Weiteren sind Hummeln stark durch Nematoden gefährdet, insbesondere durch Sphaerularia bombi (da ist ja schon wieder ein bombi). Sie dringen in die Abdomen der überwinternden Hummelköniginnen ein. Nachdem die Hummeln dann im Frühjahr erwachen und das Winterquartier verlassen, fangen die Nematoden an "zu arbeiten": Sie legen ihre Eier in der Hummel ab, aus denen nach wenigen Tagen die Larven schlüpfen. Sie fressen verschiedene Organe der Hummel, auch die Honigblase. Derweil fliegen die Hummelköniginnen draußen herum, zeigen aber bereits Verhaltensänderungen. Sie gründen nie Nester, sondern orientieren sich wieder in Richtung Überwinterungsquartier, wo sie langsam zu Grunde gehen.

Mal wieder Glyphosat und Neonicotinoide

Tja, und die heutige "moderne" Landwirtschaft kommt dann mit der Doppelkeule: Zunächst werden mit Glyphosat die Nahrungspflanzen vernichtet. Und die wenigen Hummeln, die dann noch nicht verhungert sind, bekommen flächenhaft Neonicotinoide auf den Hummelpelz "gebrummt". Neonicotinoide wirken zum teil äußerst grausam. Manche töten nicht sofort, sondern dringen ins Innere der Insekten ein und beeinflussen unter anderem beispielsweise das Gehirn. Es wurde nachgewiesen, dass mit Neonicotinoiden "beschenkte" Wildbienen die Orientierung verlieren und ihre Nester nicht mehr auffinden können - also auch hier Veränderungen des Verhaltens mit schwerwiegenden Folgen. Und ob diese chemischen Stoffe beispielsweise die Hummeln schwächen und über das "normale" Maß hinaus anfällig machen für Viren- und Nematoden-Befall, weiß nicht mal der liebe Gott.

Industrie-Hummeln

Hinzu kommt, dass heutzutage Hummeln massenhaft industriell produziert werden - vorrangig für die Bestäubung von Tomaten in fußballfeldgroßen Gewächshäusern. Schließlich will Homo sapiens ganzjährig rote Tomaten im Discounter erwerben. Dies sind Brutstätten von Krankheiten. Was diese teils sehr anfälligen Industrie-Hummelvölker so alles an Krankheiten in die freie Natur zu den Wildvölkern bringen, auch das weiß noch nicht mal der liebe Gott.

All diese Beispiele können alleine oder in Kombination miteinander für die oben beschriebenen "apathischen" Hummeln verantwortlich sein. Sie alle führen zu Verhaltensänderungen bis hin zum Tode.

Dies zeigt, dass Zusammenhänge in der Natur und ihren Systemen oft nicht so sind, wie sie sich uns mit unseren Sinneswahrnemungs-Möglichkeiten und unserer Art zu denken erschließen. Die oben beschriebene Symbiose zwischen der hellbraunen Milbe und den Hummeln existiert erfolgreich für beide Seiten seit Jahrmillionen. Die aufgezählten "neuen Faktoren" existieren seit wenigen Jahren, maximal Jahrzehnten. Nun sollte man sich nach logischem Menschenverstand die Frage der Plausibilität stellen - und ehrlich beantworten.

Lieber Gruß,

Roland

PS: Du könntest übrigens solchen "apathischen" Hummeln mit dem Angebot von Nahrung helfen. Ob dies sinnvoll ist, sei dahingestellt; das sollte sich Jeder selbst beantworten.
Mit einer Zuckerlösung (KALT, nicht warm!!!) können die stark geschwächten Tiere gestärkt werden. Hier verweise ich auf zwei Links, die nähere und solide Informationen dazu bieten:

Zuckerlösung für Hummeln

Hummel-Fütterung?

Hallo Roland und vielen Dank für deine sehr ausführliche und für mich voller neuer Informationen steckender Antwort !

Tatsächlich hatte ich mich im vergangenen Jahr gefragt, warum bei uns so auffallend wenig blüht - allerdings reden wir hier gerade von einem kleinen Dorf, in dem wohl niemand direkt mit Pestiziden/Glyphosat/Neonicotinoiden hantieren wird ... hoffe ich zumindest :-) ... vielleicht war es auch nur meine Wahrnehmung die falsch lag und es hat schlichtweg kaum noch jemand Blumen und Blüten tragende Büsche usw. vor und hinter seinen Häusern gepflanzt ?! Und die wenigen blühenden Büsche, welche zu finden waren, waren dann entsprechend auch komplett überlaufen mit Wildbienen/Hummeln und anderen geflügelten Vertretern ....

Vermutlich ist all dies ein Teufelskreis - ... wenn all unsere Bienen/Hummeln usw. zb. auf nahe gelegenen Feldern oä. mit Pestiziden in Kontakt geraten .. diese Gifte dann noch zwecks Nahrungszufuhr der nachkommenden Generationen in Ihre Nester tragen und somit dann ggf. sogar die komplette Population vergiftet und vernichtet wird .... tja - dann fällt ebend auch die Bestäubung aller umliegenden Blumen und Pflanzen aus .... vielleicht blühte daher kaum noch etwas ... waren die bunten Farben die man sonst kennt nahezu vollständig aus dem Ortsbild verschwunden :-( Dies bedeutet dann auf der anderen Seite auch wieder kompletten Nahrungsmangel für etwaige überlebende und noch nicht den Giften zum Opfer gefallene Staaten ... da bekommt man wirklich ein mächtig flaues Gefühl in der Magengegend, wenn man etwas darüber nachdenkt ! Was geschieht, wenn der Kreislauf der Bestäubung wirklich einmal komplett unterbrochen wurde ??? Gifte - Insektensterben - keine Bestäubung - keine neue Blüte - keine Nahrung für überlebende Völker .... ein nicht nachzuvollziehendes Verbrechen unserer Agrarwirtschaft/Politik.

Wenn diese Gifte nicht nachhaltig verboten werden, könnte der komplette Lebenszyklus aller Insekten/Vögel uvm. bald zum Stillstand kommen .... dann bestäuben wir auch bald in deutschen Dörfern künstlich oder wie ?!

Schade das in unserer heutigen Welt ganz offenkundig Wissenschaft und Intelligenz und Politik rein garnichts mehr gemein haben - offensichtlich vollkommen entkoppelt sind und sich ökonomischen Interessen vollständig unterworfen haben .... ohne Rücksicht auf kommende Generationen.

Rechne ich dann noch die künstlich gezüchteten und somit Krankheitsanfälligen Insektenvölker hinzu, welche natürlich auch in die freie Natur gelangen und sich dort mit den Residents kreuzen .... somit die Bestände genetisch weiter schwächen ... denn Sie wissen nicht was Sie tun ... die Herren Verantwortlichen in Politik/Wirtschaft/Wissenschaft.

Im Zerstören sind wir ja offensichtlich echte Künstler - nur ob wir auch in der Lage sind, einen von uns vollkommen unterbrochenen Lebenskreislauf irgendwann auch wieder in Gang zu bringen ... das wage ich zu bezweifeln ... :-( Kaputt machen war schon immer leichter und anspruchsloser, als etwas neu aufzubauen - und selbst wenn dies ginge .... welcher enorme Aufwand müßte betrieben werden, um die Natur wieder zu beleben ? :-)

Naja - entschuldige diesen negativen Post unter deinem Artikel ... ich hoffe zumindest Oma Puddelich aus der Nachbarschaft überlegt es sich demnächst zweimal, ob Sie im Baumarkt noch einen großen Kanister RoundUp kauft und im Garten damit alles zusprüht ... toitoitoi

 

Hallo Sven,

Deine Wahrnehmung täuscht Dich wohl eher nicht: Ich bekomme bei meinen Multivisions-Vorträgen seit Jahren von den Besuchern zunehmend genau solche Rückmeldungen. Teilweise brechen die Zuschauer fast in Tränen aus und berichten über gefühlte Schmerzen über die krasse Entwicklung unserer Naturräume - und das, obwohl ich in den Multivisionen den Positivansatz vollziehe, also keine Horrorszenarien präsentiere. Aber diese teils heftigen emotionalen Reaktionen der Zuschauer sind wohl vielleicht gerade mit dieser Positivbetrachtung zu begründen. Viele sehen bei den Veranstaltungen wieder einmal, was sie eben heute nicht mehr sehen, sondern nur noch von früher kennen. Und dann outen sich manche in verblüffender Offenheit und reden tatsächlich sehr deutlich von Ihren Gefühlszuständen diesbezüglich. Das ist bemerkenswert - und erschreckend!

Auch wenn direkt in dem Dorf, von dem Du sprichst, "wohl niemand direkt mit Pestiziden/Glyphosat/Neonicotinoiden hantieren wird", besteht ein deutlich überregionales Problem. Mittlerweile gibt es zunehmend wissenschaftliche Beleg für eine sehr starke und in der Vergangenheit unterschätzte Drift der Schadstoffe. Wenn also irgendwo hunderte Meter oder sogar einige Kilometer weiter weg diese Substanzen gespritzt werden (und das werden sie, weil dies heute in der konventionellen andwirtschaft sogenannte "übliche Praxis" ist), erreichen diese Substanzen per Lufttransport so gut wie jeden Winkel der Umgebung. Bio-Bauern haben deshalb beispielsweise zunehmend Probleme, weil sie, obwohl sie selbst entsprechend ihrer Auflagen nicht spitzen, dennoch diese Substanzen in ihren Produkten haben - und dann natürlich Mega-Probleme mit der Zulassung bekommen! Die Probleme, die uns die (konventionellen) Landwirte bereiten, sind tatsächlich beträchtlich (gelinde ausgedrückt).

Wie Du bereits oben formulierst: Es ist absolut dramatisch und unverständlich, wie sich insbesondere Politiker und Landwirte (inklusiv deren Interessensverbände) diesbezüglich verhalten. Die oben geschilderte Situation ist heute wissenschaftlich belegt und bekannt. Also irgendwann mal rausreden so nach dem Motto "das hat man damals doch alles nicht gewusst" funktioniert nicht und wird hoffentlich dann auch nicht akzeptiert. Hier liegt nachweislich vorsätzliches Handeln vor - auf Kosten der Funktionalität unserer Naturräume!

Übrigens: Ich verstehe zwar Deine Gedanken zu "Oma Puddelich aus der Nachbarschaft" und der Hoffnung, dass diese Oma ihren Garten nicht bespritzt. Es wäre natürlich absolut sinnvoll, die gleichen Maßstäbe auch für unseren Gärten zugrunde zu legen.

Doch darf das natürlich nicht dazu führen, dies als "Ersatz" für die Zerstörung in der landwirtschaftlich genutzten Feldflur anzusehen - quasi so nach dem Motte intaktere Privatgärten im Siedlungsbereich im Tausch gegen zerstörte Agrarlandschaften. Ein solcher Trend in der Handhabung des "Agrarproblems" ist klar erkennbar - und fachlich überhaupt nicht tragbar. Ich habe dazu in einem anderen Zusammenhang schonmal hier bei Makrotreff etwas geschrieben. Im Artikel Schmetterlingshäuser - Fun-Erlebnis-Naturspektakel aus der Retorte findest Du dies im Absatz "Ein anderes Beispiel".

Lieber Gruß,

Roland

 

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