Insekten mit Milben | MAKROTREFF
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Insekten mit Milben

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Insekten mit Milben

So, 19/03/2017 - 10:36
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Nicht schön, aber interessant: Insekten mit Milben.

Insekten und Milben gehören zusammen. Auch, wenn das gar nicht so ganz nach unserem menschlichen Geschmack ist: Diesem Phänomen liegen faszinierende Zusammenhänge zugrunde.

Unser Mitglied "Flora1958" hat ein Foto einer Hummel mit Milben eingestellt - für mich ein Anlass, auf dieses Thema näher einzugehen.

Immer wieder begegnet man Insekten, auf denen Milben hocken. Insbesondere Wildbienen - zu ihnen gehören auch die Hummeln - und Schmetterlinge tragen Milben auf ihren Körpern. Aber man findet sie auch auf Vertretern fast aller anderen Insektenordnungen wie Fliegen, Wanzen, Libellen, Heuschrecken oder Käfern.

Milben gehören zu den Spinnentieren - rasch zu erkennen an ihren acht Beinen im ausgewachsenen Stadium (Insekten haben nur sechs Beine). Sie gibt es in Größen zwischen 0,1 und 4mm, kommen in fast allen Lebensräumen vor und gehören mit mehreren zigtausend Arten zur artenreichsten Gruppe innerhalb der Spinnentiere. Man sieht also: Milben sind ein Riesenthema!

Genauso vielfältig wie ihre Verbreitung ist ihre Lebensweise: Sie können völlig für sich alleine leben, parasitisch an oder in Pflanzen und Tieren, oder auch nur in Vergesellschaftung mit anderen Tieren.

Milben gehören auch zur Welt der Bienen/Wildbienen (inklusive den Hummeln). Viele sind harmlose Gäste, andere parasitieren als Blutsauger an den erwachsenen Tieren oder schmarotzen bei der Bienenbrut, was schnell zu erheblichen Verlusten führen kann.

Nicht schön, aber dafür harmlos!

Wieder eine andere Gruppe von Milben - meist unschöne, hellbraune Gebilde mit langen Beinen -  leben in den Wildbienennestern von Abfällen und Bienenkot und nutzen die erwachsenen Bienen als Transportmittel, um andere Nester zu erreichen. Diese für die Bienen sogar "nützlichen" Vertreter findet man insbesondere im zeitigen Frühjahr öfters auf Hummeln oder beispielsweise auf der Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis), hier vor allem auf den zuerst schlüpfenden Männchen.

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Männchen mit Milben.

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Die im April/Mai schlüpfenden Männchen der Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis) kommen bereits mit den Milben aus ihrem Nest heraus. Die "Mitfahrer" haben mit der Wildbiene zusammen im Nest überwintert und klammern sich nun an die Männchen, um von ihnen zu neu entstehenden Nestern getragen zu werden. Dort leben sie wieder von den Abfällen im Nest: Kot, Pollenreste, Hautreste von Häutungen. Dieses Phänomen wird in der Biologie als Phoresie bezeichnet: Ein Tier nutzt ein anderes Tier, um einen anderen Ort zu erreichen, ohne dieses zu schädigen - "vorübergehende Transportgesellschaft".

Häufig klammern sich die Milben in großer Zahl an ihren Transporteuren fest:

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Männchen mit vielen Milben auf dem Thorax (Brust).

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Es werden so gut wie keine Körperstellen ausgespart:

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Männchen mit vielen Milben auf dem Thorax (Brust).

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Ein "Bienen-Turm" mit Milben: Zwei Männchen versuchen, sich mit einem Weibchen zu paaren. Hier trägt auch das Weibchen (das untere Tier) Milben.

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis); Paarungsversuch zweier Männchen mit einem Weibchen - alle Tiere mit Milben besetzt.

Olympus OM-4Ti; Olympus 80mm F4.0 Makrokopf am Balgengerät; ISO 50; Blende 8.0; 1/60 Sek.
 

Bei dieser an Oregano (Origanum vulgare) Nektar aufnehmenden männlichen Düsterbiene (Stelis punctulatissima) ist gut erkennbar, dass sich die Milbe nicht festgesaugt hat. Vielmehr läuft sie frei auf der Biene herum (Auge). Sie ist eben "nur" Passagier!

Düsterbienen-Männchen (Stelis punctulatissima) mit Milbe auf Oregano (Origanum vulgare).

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Makro; ISO 200; Blende 8.0; 1/250 Sek.
 

Es gibt sehr viele verschiedene Milbenarten, auch unter den "Bienen-Reitern". Die hier gezeigten Milben auf der Schöterich-Mauerbiene ist wahrscheinlich eine Vertreterin der Gattung Chaetodactylus. Auf Hummeln lässt sich besonders gerne die Hummelmilbe (Parasitus fucorum) kutschieren - äußerlich kaum von der "Mauerbienen-Verwandten" zu unterscheiden. Sie ist in fast allen Hummelnestern zu finden, sorgt dort für "saubere" Verhältnisse und gehört damit zum Gesamtkomplex des Hummelstaates dazu.

Arbeiterin der Wiesenhummel (Bombus pratorum) mit Milbe auf Acker-Witwenblume (Knautia arvensis).

Olympus E-3; Sigma 105mm f/2.8 Makro; ISO 100; Blende 10.0; 1/200 Sek.

Schön - aber dafür nicht harmlos!

Eine etwas andere Situation liegt beispielsweise bei den auffällig rot gefärbten Samtmilben der Gattung Trombidium sp. vor. Sie gehören zu den größten heimischen Milben und leben parasitisch vor allem gerne bei Schmetterlingen, aber auch bei zahlreichen anderen Insektengruppen.

Großes Ochsenauge (Maniola jurtina) mit Samtmilben (Trombidium sp.).

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 100; Blende 5.6; 1/1000 Sek.

Diese wunderschönen rot gefärbten Tierchen piesacken ihre Wirte gewaltig: Im Gegensatz zu ihren oben gezeigten Verwandten beißen sie sich als Larven in Gelenkhäuten ihrer Wirtstiere fest und saugen Blut. Hier entwickeln sie sich zum fertigen Insekt, verlassen dann ihren Wirt und gehen zu einer freilebenden, räuberischen Ernährungsweise in der oberen Bodenschicht über, wo sie vor allem Insekteneier aussaugen.

Großes Ochsenauge (Maniola jurtina) mit Samtmilben (Trombidium sp.).

Olympus E-M1; Olympus 90mm f/2.0 Macro; ISO 100; Blende 5.6; 1/1000 Sek.

Diese kurze Übersicht stellt nur einen kleinen Bereich aus dem Leben und der Vielfalt der Milben vor. Wer mehr über diese faszinierenden, kleinen, schönen und auch hässlichen Tierchen wissen möchte, dem kann ich folgende Abhandlung empfehlen:

Lexikon der Biologie - Milben (in spektrum.de)


Und hier noch ein interessanter Beitrag vom registrierten Makrotreff-Mitglied "water castle":

Gruselige Vorstellung!


Ich wünsche allen Makronisten tolle Milben-Beobachtungen - und vielleicht auch das eine oder andere gute Milbenfoto!

Roland Günter

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