Makrofotografie Ethik

springspinne

Zeige Respekt vor der Natur und deren Geschöpfe.

Als ambitionierter Makrofotograf stand sicher jeder von uns bereits vor der Entscheidung, ob man in die Umwelt eingreifen soll, um ein Foto zu „optimieren“ oder nicht. Ein störend ins Motiv hängender Grashalm wird entfernt oder ein Marienkäfer auf ein schöneres Blatt umgesetzt. Doch manche überschreiten die Grenze und hängen bspw. Frösche an Leinen auf, um ein originelles Foto zu schießen. Oder gehen mit Kältespray im Gepäck auf Fototour, um hyperaktive Insekten ruhigzustellen. Problematisch wird es auch wenn auf der Jagd nach Fotos von seltenen und geschützten Pflanzenarten keine Rücksicht genommen wird. Häufiges Betreten dieser meist geheimgehaltenen Standorte führt dazu, dass der Boden verdichtet wird und noch in der Erde ruhende Pflanzen stark gefährdet werden. Dazu gehört bspw. der Gelbe Frauenschuh, der  teilweise bis zu 16 Jahre in der Erde verbleibt, ehe er das erste Mal austreibt und Blüten bildet.

Die genannten Beispiele verdeutlichen die Problematik über die sich jeder Makrofotograf Gedanken machen sollte. Folgende Auflistungen sollen dazu beitragen eine grobe ethische Richtlinie für den Umgang mit Tieren und Pflanzen in freier Wildbahn zu bilden.

§ 1  Umgang mit Tieren und Pflanzen

  1. Anfassen vermeiden!

Das Anfassen von Tieren und Pflanzen sollte dringend vermieden werden. Gerade kleine Tiere könnten dadurch leicht verletzt werden. Das gewaltsame Festhalten von Tieren z.B. am Bein ist ein absolutes No-Go!

  1. Umsetzen von Tieren und Pflanzen

Das Umsetzen von Tieren und Pflanzen sollte aus in (1) genannten Gründen vermieden werden und falls nötig nur mit äußerster Vorsicht vollzogen werden (Tiere danach wieder an den Ursprungsort zurücksetzen). Geschützte Pflanzen dürfen selbstverständlich nicht umgesetzt oder entnommen werden!

  1. Sammeln verboten!

Das Sammeln von Tieren oder geschützten Pflanzen, d.h. sie aus ihrem ursprünglichen Lebensraum zu entnehmen, ist grundsätzlich verboten.

  1. Künstliche Eingriffe

Künstliche Eingriffe wie bspw. das Aufhängen von Organismen an Leinen, oder das Besprühen mit Kältespray, sowie das Zusammensetzen von verschiedenen Tieren (z.B. Schnecke auf einen Frosch) und viele anderen künstliche Eingriffe, sollten aus ethischen Gründen grundsätzlich unterlassen werden. Dadurch entstehen zwar originelle Fotos, die mit Sicherheit viel Aufmerksamkeit auf Facebook, Flickr usw. auf sich ziehen, doch um welchen Preis? Darauf sollte geachtet werden, bevor man ein solches Foto bewertet.

5. Blitzen vermeiden!

Auch wenn das Blitzen gerade bei höheren Abbildungsmaßstäben unerlässlich ist, sollte das gleiche Tier nicht zu oft geblitzt werden. Gerade Insekten haben empfindliche Komplexaugen, die dadurch Schaden nehmen könnten. Aber auch für andere Tiere ist ein direkter Lichtblitz ins Auge nicht gerade angenehm.

 

§ 2  Erhaltung der Lebensräume

  1. Schaden an den Lebensräumen minimieren!

Beim Herumstreifen durch die Natur sollte man sich Gedanken machen (Und Informieren! Schutzgebiet?) wo man entlang läuft und unnötiges Kaputttrampeln von Pflanzen etc. vermeiden. Grundsätzlich gilt: Auf dem Weg bleiben!

Auch auf das Abknicken von Ästen oder das Abreißen/Abschneiden von Pflanzenteilen wie Blätter oder Blüten sollte verzichtet werden. Es könnte ein Lebensraum für Insekten (z.B. Spinnennest oder Eier eines Schmetterlings) sein.

  1. Seltene Lebensräume schützen!

Du hast eine seltene Pflanzen- oder Tierart entdeckt? Das ist schön für Dich! Doch halte den Ort möglichst geheim und poste nicht gleich bei Facebook etc. das Foto inklusive der genauen Koordinaten. Das könnte nämlich dazu führen, dass Du das nächste Mal anstelle der seltenen Art auf eine Horde (leider nicht seltenen!) wilder Fotografen triffst.

  1. Müll hinterlassen verboten!

Achte streng darauf, dass du kein Müll hinterlässt. Für viele eine Selbstverständlichkeit, leider nicht für alle!

 

§ 3  Informieren und Aufklären

  1. Informieren

Wenn man vorhat Tiere und Pflanzen in freier Wildbahn zu fotografieren, sollte man sich über diese ausführlich (vorher!) informieren. WO und WANN kann ich sie finden? WIE leben sie? Fluchtdistanz? Gefährdung?

  1. Aufklärung leisten!

Wenn du andere Menschen dabei beobachtest wie sie ein unethisches Verhalten gegenüber der Natur und deren Lebewesen zeigen, gehe auf diese Personen zu und informiere sie darüber, dass es falsch ist was sie da gerade machen.

(Dazu sei auf die Schrift von Kant zum Thema „Was ist Aufklärung“ verwiesen)

 

Du hast Vorschläge für weitere ethische Richtlinien die aufgenommen werden sollten? Melde Dich einfach! Kontakt