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Minimalistische Fotografie

Hallo Gerhard,

Mainecoon und Du habt einen sehr interessanten Austausch zum Thema "minimalistische Fotos" geführt. Dabei fällt unter anderem der Begriff Negativraum. Zu diesen Themen ein paar weiterführende Gedanken:


Negativraum

Diesen Begriff verwende ich bei meinen Workshops. Er stammt aus der Kunst und wird beispielsweise als einer unter mehreren Punkten innerhalb der Bildanalyse verwendet. Er ist das Gegenstück zum Positivraum, der – vereinfacht ausgedrückt – das Hauptmotiv darstellt. Der Negativraum ist also alles außerhalb des Hauptmotivs. Somit beschreibt er nicht nur den Hintergrund. Er ist der Raum vor, hinter und auch neben dem Hauptmotiv.

In der Bildbeschreibung spielt der Negativraum eine große Rolle. In der Regel dient er dem Hauptmotiv, verstärkt seine Aussage oder verschafft ihm zumindest eine attraktive Bühne. Eine sehr verstärkte Bedeutung erhält er bei der Vintage-Makrofotografie; aufgrund der Abbildungscharakteristiken der eingesetzten alten Objektive kann er sogar dem Hauptmotiv die Schau stehlen. Dann wird hier auf Makrotreff der Oscar dem Nebendarsteller verliehen... :-).
 

Minimalistische Fotografie

Natur- und Makrofotografie bewegt sich häufig in den Bereichen der Pflanzen-, Tier- oder auch Landschaftsfotografie. Dennoch kann man die Natur oder Teile von ihr durchaus auch minimalistisch abbilden. Das ist ein hoch interessantes Feld. Die Betrachtung wird künstlerischer, eine sehr geeignete Methode ist Reduktion.

Solche Fotos lassen viel Raum – viel Negativraum. Es entsteht Tiefe. In diesem tiefen Raum kann der Bildbetrachter einsinken, sich hineinfallen lassen. Der (Negativ-)Raum gibt Raum für eigene Vorstellungen, für Phantasien. Er kann symbolhaft angedeutete Informationen enthalten (minimalistische Strukturen, Farben usw.), oder auch ganz leer sein.

Die fototechnische Methode, diesen Raum darzustellen bzw. zu schaffen, ist die Unschärfe. In ihr entsteht er, durch sie entsteht er. Am deutlichsten wird er mittels Offenblende erzeugt. Lichtstarke Objektive sind hierfür prädestiniert. Blenden von 2.8 und darunter sind die Wahl.

Viele alten Objektive (Vintage-Objektive) sind sehr lichtstark. Mit offener Blende eingesetzt, zeichnen sie sogar häufig auch das Hauptmotiv eher leicht unscharf, zumindest nicht so extrem scharf wie moderne, hervorragend korrigierte Objektive. Es entstehen weiche Kanten, bei Lichteinfall sogenannte Flares oder ein Coma. Auch diese Erscheinungen – keine konkreten "Objekte" sondern eben nur Erscheinungen – tragen zur Reduktion bei und regen damit zusätzlich die Phantasie des Bildbetrachters an.

Minimalistische Fotografie ist eine Disziplin, die bei vielen fotografischen Richtungen angewandt werden kann, so auch bei der Natur(makro)fotografie. Ihr geht die Frage voran, auf welche Weise ich ein Motiv sehe und festhalten möchte. Insbesondere künstlerische Ansätze gehen gerne diesen Weg der minimalistischen Darstellung, der Reduktion.

Ich hänge mal ein Bild hier an, das dies beispielhaft zeigt. Ich schreibe erst einmal nichts zum Inhalt bzw. zu meiner Intention. Damit ist der Phantasie beim Betrachten völlig freier Lauf gegeben. Vielleicht schreibe ich später einmal etwas zu meiner Absicht, die ich mit diesem Foto ausdrücke.

Lieber Gruß,

Roland

Sony A7 II; Canon 0.95/50mm (Objektiv von 1961); Blende 0.95; 1/500s; ISO 100

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