Makrofotografie Tipps & Tricks TOP 10 | MAKROTREFF
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Makrofotografie Tipps & Tricks TOP 10

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Makrofotografie Tipps & Tricks TOP 10

So, 29/06/2014 - 11:21
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Vergiss die 0815-Tipps aus Fotomagazinen und Zeitschriften! Hier erfährst Du von einem routinierten Makrofotografen auf was es wirklich ankommt!

1. Achte auf gutes Licht!

Makrofotografie-Tipp-1

Das Licht spielt in der Fotografie, insbesondere der Makrofotografie, im Grunde die wichtigste Rolle. Für ein gutes Foto braucht es gutes Licht! Doch was ist „gutes“ Licht eigentlich? Die Antwort ist einfach: diffuses (weiches) Licht!  Diese Art von Licht umspielt dein Motiv förmlich und leuchtet es gleichmäßig aus. Damit vermeidet man Bereiche auf dem Motiv die überstrahlt oder zu dunkel (schattig) sind!

Für Dich als MakrofotografIn heißt das: Meide das harte Licht der prallen Mittagssonne und gehe vorzugsweise entweder früh am Morgen (kurz vor oder kurz nach Sonnenaufgang) oder am späten Nachmittag (kurz vor Sonnenuntergang) auf Fototour!

Du hast zu diesen Tageszeiten keine Lust oder Zeit? Dann mache aus dem harten Sonnenlicht einfach „gutes Licht“ indem du bspw. ein Diffusor über dein Motiv hältst! Oder positioniere Dich so vor das Motiv, dass dein Schatten es komplett abdeckt. Damit blendest Du das harte Licht förmlich aus. Gleiches gilt natürlich auch bei bewölktem Himmel! Das ist, wenn es nicht gar zu dunkel ist, ebenfalls ein guter Zeitpunkt, um auf Motivjagd zu gehen!

Ein weitere Möglichkeit um Dein Motiv optimal auszuleuchten und etwaige schattige Bereiche aufzuhellen ist die Verwendung eines kleinen Reflektors. Dieser lässt sich auch leicht selbst basteln zum Beispiel einfach ein Stück Styroporplatte mit Alufolie umwickeln. Damit lässt sich gezielt Licht auf das Motiv lenken.

Für Blitzlicht gilt übrigens dasselbe Prinzip des diffusen Lichtes! Verwende dazu Softboxen, ein kleines Lichtzelt um das Motiv herum oder ein Diffusor.

2. Spiele mit der Schärfe!

Makrofotografie-Tipp-2

Eine knackige Schärfe an der richtigen Stelle des Motivs ist ebenfalls ein Charakteristikum für ein tolles & schönes Foto! In der Makrofotografie solltest Du dazu den automatischen Fokus deaktivieren und voll auf den manuellen Fokus setzen! Die Automatik stellt grundsätzlich die Stelle des Motivs scharf, die man eben gerade nicht scharf haben möchte ;-). Mit dem manuellen Fokus lässt sich die gewünschte Stelle wunderbar einfach und schnell auswählen und man kann förmlich mit der Schärfe „spielen“. Man sieht beim „durchscrollen“ der Schärfeebene durchs Motiv gut wie das Foto wirkt, wenn etwa ein anderer Bereich scharf wäre.

Hat Deine Kamera die Funktion des Focus Peaking solltest Du diese auf jeden Fall aktivieren. Dadurch wird das manuelle Scharfstellen noch leichter, da die Kanten des Bereichs der gerade scharf ist, durch farbige oder weiße Punkte hervorgehoben wird.

3. Stelle das Motiv richtig frei!

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Eigentlich hätte man ja gerne das komplette Motiv schön gleichmäßig scharf und trotzdem einen weichen Hintergrund ohne die vielen störenden Objekte im Vorder- oder Hintergrund. Das ist mittels Focus Stacking heute zwar kein Problem mehr (Siehe dazu Tipp 9 – Focus Stacking). Doch eine durchgängige Schärfe des Motivs macht noch lange kein gutes Foto aus, im Gegenteil! Ein gelungenes Spiel mit der Schärfe wirkt für den Betrachter meist deutlich stimmiger und damit schöner. Das liegt daran, dass unser Auge ebenfalls Motive nicht komplett im Ganzen scharf wahrnimmt, sondern weiter hinten liegende Bereiche insbesondere der Hintergrund auch unscharf erscheinen! Übertriebene Focus Stacks wirken somit oft „unnatürlich“ auf den Betrachter.

Ein Motiv freistellen heißt, es aus dem Hintergrund herauszuholen und die Aufmerksamkeit auf das Motiv zu lenken. Das gelingt indem Du sehr offenblendig (z.B. f/2.8) arbeitest. Eben gerade so, dass das Motiv oder der Bereich den Du hervorheben willst, noch scharf ist. Der Hintergrund samt störenden Objekten wie z.B. Grashalme oder andere Pflanzen etc. sollten jedoch komplett in Unschärfe untergehen!

4. Wähle die richtige Perspektive!

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Natürlich ist es leichter einen Frosch oder eine schöne Blüte stehend von oben herab zu fotografieren. Doch schon während ich den Satz geschrieben habe, kam mir das Gähnen, denn diese Perspektive ist zumeist langweilig! Das liegt wiederum daran, dass wir es in unserem Alltag gewohnt sind, die kleinen Dinge aus der „Vogelperspektive“ zu sehen. Deshalb mein Tipp: Gehe auf Augenhöhe mit dem Motiv! Lege dich, wenn es sein muss auch mal in den Schlamm! Wähle außergewöhnliche Perspektiven! Das macht Deine Fotos interessant und aufregend!

5. Sei geduldig!

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Das wichtigste in der Makrofotografie ist die Geduld! Die meisten Tiere haben eine relativ kurze Fluchtdistanz das merkst Du z.B. bei Schmetterlingen, die sofort das Weite suchen, wenn du ihnen zu Nahe kommst! Hier muss man sich in Geduld üben, sich ruhig in eine gute Stellung bringen und warten, warten und warten und nochmals warten. Bis der Falter, die Biene oder das gewünschte Motiv sich an die Stelle setzt an der man seine Kamera bereits ausgerichtet hat!

Gerade Insekten sind in den frühen Morgenstunden oder in den späten Abendstunden viel träger und damit leichter zu fotografieren! Versuche nicht in der prallen Mittagssonne einem Schmetterling nachzujagen (Er ist schneller! Glaube mir ;-))

6. Schau genau hin!

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Im Grunde könnte dieser Punkt auch unter „Sei geduldig“ stehen, doch er ist mir so wichtig, dass ich ihn nochmal extra aufführen möchte! Der Tipp erklärt sich von selbst: Schau genau hin! Nur wer seine Umwelt richtig wahrnimmt und auskundschaftet entdeckt Dinge, ob Pflanzen oder Tiere, die man sonst nie wahrgenommen hätte! Ich empfehle Dir deshalb: Nimm Dir die Zeit und setze Dich einfach mal an ein Stück Blumenwiese, an einen Baumstamm, an einen Bach oder Waldboden und beobachte genau. Du wirst überrascht sein! Nur so fallen einem Tiere, wie kleine Springspinnen, Kugelspringer, Springschwänze, aber auch seltene Pflanzen auf! Meine Makrotouren sind meist gar nicht von großer Distanz, sondern ich verbringe eher viel Zeit an einer tollen Stelle und schaue genau hin, anstatt einen Halbmarathon zu laufen getreu dem Motto „an der nächsten Wegkreuzung wartet sicher das tolle Motiv“  ;-).

7. Informiere Dich!

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Der Spruch „Wissen ist Macht“ ist zwar bereits etwas ausgelatscht, doch auch in der Makrofotografie können die richtigen Informationen sehr hilfreich sein. Deshalb mein Tipp: Informiere Dich! Schaffe Dir Naturführer an und lege dir ein Basiswissen über Insekten, Spinnen, Pflanzen und Co an! Nur wenn Du weißt wo und wann z.B. bestimmte Insekten oder Pflanzen vorkommen, kannst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und sie fotografieren!

Du hast eine seltene Pflanze oder Tier gefunden? Behalte den genauen Standort für Dich und poste ihn nicht auf Facebook oder sonst wo, denn das führt dazu, dass sich eine Masse an Hobbyfotografen auf den Weg macht. Sind diese abgezogen, ist meist nicht mehr viel übrig von Tier oder Pflanze.
Artenwissen-Artikel auf Makrotreff vermitteln Dir interessante Informationen über bestimmte Arten!

8. Gehe näher ran!

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Spätestens wenn das fotografierte Insekt nur als Punkt auf Deinem Foto erkennbar ist, sollte Dir klar sein, dass das nicht unbedingt der Weg zu einem schönen Foto sein kann! Deshalb gilt: Näher ran! Versuche das Motiv möglichst formatfüllend abzulichten, dadurch erkennt man viel mehr Details und das Foto wirkt interessanter und beeindruckender! Allerdings kommt auch ein Makroobjektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 bei kleinen Insekten schnell an seine Grenze. Deshalb sind weitere Hilfsmittel wie Nahlinsen, Zwischenringe oder Retroadapter nötig, um das Motiv noch größer darzustellen! (Mehr dazu hier).

Diesen Tipp solltest Du allerdings nicht als Dogma betrachten und immer so nah ran gehen wie nur möglich, denn auch das Fotografieren von Motiven, die nicht komplett formatfüllend sind und z.B. dafür noch die Blüte oder der Grashalm auf der sie sitzen mit auf dem Foto ist, haben ihren Reiz!

9. Mache von Focus Stacking Gebrauch!

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Bei zunehmenden Abbildungsmaßstäben, sprich bei umso höheren Vergrößerungen, desto kleiner wird der Bereich (Schärfeebene) des Motivs der noch scharf ist. Zum Beispiel: Die Augen einer Libelle sind zwar scharf, der Rest verschwindet jedoch bereits in Unschärfe. Ein extremeres Beispiel: Nur die Antenne eines Kugelspringers ist noch scharf der Rest nicht.

Was kann man tun, um dennoch das Motiv und nicht nur ein Detail ansprechend darstellen zu können? Die Antwort ist: Focus Stacking. Diese Methode ist mittlerweile relativ einfach geworden und funktioniert im Grunde so: Man macht mehrere Fotos und schiebt dabei die Schärfeebene durchs Motiv. Das heißt auf dem ersten Foto ist die Antenne scharf, auf dem nächsten bereits die Augen und dann der Vorderkörper usw. Abschließend stacked man diese Fotos mittels Software zu einem Bild zusammen.

Das funktioniert auch bei „größeren“ Motiven wie bspw. einer Blüte die man je nach Größe schon mit 3-4 Einzelfotos komplett scharf zusammengestacked bekommt!

Nun stellst Du dir sicherlich die Frage: Warum nicht einfach Abblenden ohne Ende, dann wird der Schärfebereich doch auch größer? Der Gedanke ist zwar im Grunde nicht falsch, doch in der Makrofotografie insbesondere bei hohen Abbildungsmaßstäben kommt mit kleiner werdender Blende schnell die Beugungsunschärfe ins Spiel. Das Foto wird also ab einer gewissen Blende nicht mehr schärfer sondern wieder unscharf.

Mehr zur Beugungsunschärfe kannst Du in diesem Artikel lesen: Die optimale Blende in der Makrofotografie

10. Fotografiere im RAW-Format!

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Die Zeiten von begrenztem Fotospeicher sind schon lange vorbei. Mittlerweile sind selbst 64 GB SD-Karten relativ günstig zu haben! Demzufolge ist es eher nebensächlich, ob ein Foto nun 10 MB oder 5 MB hat. Deshalb der Tipp: Fotografiere im RAW-Format! Gerade im Makrobereich, wo oft Lichtmangel herrscht,  lässt sich so noch einiges aus Fotos, die unter- oder überbelichtet sind, herausholen. Aber auch bei Farbverläufen und nachträglichem Weißabgleich zeigt das RAW-Format seine Stärke! Da das Handling von RAW-Dateien inzwischen durch Lightroom, LightZone etc. sehr einfach geworden ist, spricht im Grunde nichts mehr gegen das Fotografieren im RAW-Format.

Schlusswort

Zum Abschluss dieser „TOP 10  Makrofotografie Tipps & Tricks“ sei noch auf folgendes Zitat verwiesen:

Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind. Alexander Graham Bell

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Kommentare

Erstellt von M.Franzius (nicht überprüft) on Sa, 15/10/2016 - 17:15 Permanenter Link

Bei den Tipps vermisse ich Hinweise auf die Fotoausrüstung und bei der Definition von Makro Hinweise auf die Sensorgröße.
So lassen sich Nahaufnahmen von Motiven mit 10 cm² Fläche mit Kompaktkameras mit kleinen Sensoren oft schon mit "Bordmitteln", sprich dem fest verbauten Objektiv, in hoher Qualität erstellen, wohingegen man bei Kleinbildsensoren schon echte Makroobjektive benötigt - das ist doch hochinteressant!
Desweiteren ist der Abbildungsmaßstab von der Sensorgröße abhängig, weshalb es m.E. mehr Sinn macht die Größe der abgelichteten Fläche anzugeben anstatt den Maßstab!

Hallo Fatty,

der Vergleich beider Wege in die Makrowelt hinkt. Die Arbeitsweise der beiden verschiedenen Brennweiten ist zu unterschiedlich, um allgemein von "besseren Ergebnissen" zu sprechen.

Was diese brennweitenbedingten Unterschiede anbetrifft, empfehle ich Dir den Artikel

MakroBrennweite - Welche darf´s den sein?

hier auf Makrotreff. Da kannst Du Dir einen Überblick über die physikalisch bedingten unterschiedlichen Abbildungsformen von unterschiedlichen Brennweiten im Makrobereich machen. Du wirst dann sehen, wie wichtig es ist, dass Du selbst formulierst, was Du vorwiegend wie fotografieren möchtest.

Dennoch sollte ein Unterschied beider von Dir formulierten Objektive angesprochen werden. Das 100er Elmarit ist ein Makro, und damit auch für den Makrobereich optimal korrigiert. Das trifft für das 50er nicht zu. Es ist für den Bereich optimal berechnet, für den sein Einsatz auch vorgesehen ist; das ist der Bereich von unendlich bis zur kürzesten Einstellentfernung des Objektivs. Das heißt nicht, dass alles, was Du mit diesem Objektiv an einem Auszug (Balgen, Zwischenringe oder sonst was) produzierst, schrottig und für die Tonne ist. Aber es ist eben nicht ganz so gut wie das, was das 100er MAKRO in großen Abbildungsmaßstäben in der Lage ist zu leisten!

Lieber Gruß,

Roland

 

Prima, alles gesagt worden was wichtig ist und selbst wenn man kein Bild mit nach Hause nimmt, hat man mit den Augen mehr gesehen, als jeder "Normalo" der einfach an den schönsten Momenten vorbei wanderst.
Die Fotoausrüstung, Abbildungsmaßstäbe oder Sensorgrößen ist ein nachrangiges Thema, das Informieren ,Schauen, Beobachten, steht an Nummer eins.

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