Pflanzenfotografie bei Wind | MAKROTREFF
  • Margeritenblüte / Leucanthemum vulgare
  • Glockenblumen-Blüte
  • Hahnenfuß / Ranunculus sp.

Pflanzenfotografie bei Wind

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Pflanzenfotografie bei Wind

Mo, 05/09/2016 - 15:25
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Häufig passiert es, dass ein Makronist vor einer wunderschönen Blume steht, sie aber nicht fotografieren kann, weil sie zu sehr im Wind hin- und herwackelt. Hier gibt´s jedoch einige Möglichkeiten, dennoch nicht mit leeren Händen nach Hause kommen zu müssen.

Wohl jeder Makronist kann davon "ein Liedchen singen": Man findet eine schöne Pflanze mit einer noch schöneren Blüte; ein Sonnenstrahl bricht sich soeben Bahn durch die lockereren Zweige eines in der Nähe stehenden Baumes und streift sanft die transparenten Blütenblätter. Jetzt muss alles schnell gehen: Kamera raus, richtiges Objektiv drauf, mit oder ohne Stativ ausrichten und - Mist! Jetzt kommt Wind, die Blüte wackelt! Und noch schlimmer: Lässt der Wind endlich nach, ist die Sonne aus dem perfekten "Sonnenloch" in der Baumkrone herausgewandert, die Blüte liegt im Schatten.

Pflanzenfotografie kann sehr viel Spaß machen - aber auch eine große Herausforderung darstellen, wenn der Wind beim Fotografieren "mitmachen" will! Alle Bedingungen können noch so gut passen - weht dann jedoch der Wind zu stark, kann das einen zur Weißglut bringen! Denn oft lassen es die Lichtverhältnisse nicht zu, eine entsprechend kurze Verschlusszeit zu wählen, die die windbedingte Bewegung "einzufrieren" vermag. Doch es gibt einige recht unkomplizierte kleine Tricks, mit denen man sich helfen und das eine oder andere schon verloren geglaubte Motiv doch noch retten kann.


Den richtigen Moment zum Auslösen abwarten

Eine Möglichkeit, die Wirkung einer leichte Brise wenigstens etwas zu entschärfen, liegt in der Wahl des richtigen Auslösezeitpunktes. Eine leicht hin- und herwackelnde Blume bewegt sich am schnellsten in der Mitte ihrer Pendelbewegung, am langsamsten im Moment der Umkehrbewegung an beiden Enden der Pendelbahn. Genau genommen bleibt sie im Moment der Kehrtwende sogar kurz bewegungslos stehen, ehe sie sich wieder auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung macht. Und so seltsam es klingen mag: Erwischt man exakt diesen Zeitpunkt beim Auslösen der Kamera, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Pflanze trotz Windbewegung scharf ist.
Dies kann man üben! Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gefühl für die Bewegung einer Pflanze im Wind. Dann braucht man nur noch ein flottes Fingerchen - und schon fliegt das Vögelchen im richtigen Moment ´raus :-).

Bei der Erstellung des folgenden Fotos einer Margeritenblüte (Leucanthemum vulgare) wehte dauernd ein leichter Wind. Es gab kein noch so kleines Zeitfenster, in dem sich der Wind eine Pause gönnte. Ich positionierte mich quer zur Windbewegung und löste im Moment der Umkehrbewegung der Blüte aus. Eine 1/200 Sek. reichte aus, um die Margeritenblüte scharf abzubilden.

Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 300mm Makro F2.8; ISO 160; Blende 4.5; 1/200 Sek.

Pflanze fixieren

Eine weitere Möglichkeit, trotz (leichtem) Wind zu brauchbaren Pflanzenfotos zu kommen, liegt in der Fixierung. Hierzu benötigt man einen Draht, dessen Ende zu einer kleinen Öse gebogen wurde. Hilfreich ist auch beispielsweise eine sogenannte Krokodilklemme, verbunden mit einem Teleskopstab mit Spitze.

Equipment zum Fixieren von Pflanzen, die meinen, im Wind wackeln zu müssen

 

Den Draht (oder die Krokodilklemme) fixiert man nun möglichst knapp unter dem Blumenausschnitt, den man fotografieren möchte, also beispielsweise bei einem Blütenfoto knapp unterhalb dieser Blüte. Die andere Seite des Hilfsmittels steckt man in die Erde oder beschwert sie auf Bodenhöhe mit einem Stein, Ast oder ähnlichem. Dadurch wird ein längerer Pflanzenstil fixiert und wackelt deutlich weniger stark im Wind; der Hebel, an den der Wind nun angreift, ist deutlich verkürzt. Zusätzlich befindet sich im oberhalb des Fixierpunktes liegenden Pflanzenteils eine stabilisierende kleine Spannung. Dies stellt eine sehr wirksame Hilfe beim Fotografieren im Wind dar! Und das Schöne dabei ist: So ein Draht kostet (fast) nichts und passt in jede Fototasche! Auch eine Krokokdilklemme ist günstig zu erwerben. Nur ein Teleskopstab mit Spitze und aufgepflanzter Krokodilklemme ist ein selten zu erhaltendes Zubehör - aber ungemein praktisch!

Ich kenne da Experten, die sind regelrechte Weltmeister im Pflanzenfixieren! Die buchen sogenannte ET´s (Equipment-Träger), die sie hinter sich herlaufen und das ganze Zubehör-Zeug tragen lassen. Da wird dann auch schonmal eine einzige Pflanze an zwei, drei oder noch mehr Stellen mit Drähten, Klemmen und Schnüren fixiert - teilweise in wohlüberlegten und eingehend erprobten Gegenwinkeln, um Spannungen und Gegenspannungen optimal auszuloten. Nicht mal ein Tornado schafft´s dann noch, eine Belichtungszeit von 1 Sekunde und mehr zu "verwehen". Genial! Hier zeigt es sich wieder einmal, dass man mit Übung sehr weit kommen kann.
(Anmerkung: Mir ist das zu viel Gefriemel! Ich schätze die Wirkung einer kleinen, unauffälligen Fixierung - und gut ist!)
 

So sieht eine unauffällige, leichte Fixierung aus: Gesamtansicht einer beispielhaft fixierten Pflanze.
Die durch den Draht verursachte Spannung sowie der kürzere Angriffshebel oberhalb der Fixierung verringern die Windbewegung der Schafgarbenblüte relativ stark.

 

Diese Blüte des Kleinen Wiesenknopfs (Sanguisorba minor) wackelte im Wind ordentlich hin und her. Dennoch konnte ich trotz der andauernden Bewegung aufgrund der Fixierung mit einer verhältnismäßig "langen" 1/125 Sek. die Blüte scharf ablichten.

Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 90mm Makro F2.0; ISO 320; Blende 8; 1/125 Sek.


Flucht nach vorne

Als dritte Möglichkeit bleibt natürlich die klassische Flucht nach vorne. Kann der Wind nicht ausgetrickst, sprich umgangen werden, integriert man ihn eben beim Fotografieren! Man wählt eine besonders lange Zeit und bringt die Bewegung der Pflanze(n) im Wind wirkungsvoll zur Geltung. Hierbei lohnen sich die mutigsten Experimente hinsichtlich der Blende und vor allem der Belichtungszeit!
Ein Beispiel zeigt das folgende Bild von Hahnenfuß in einer Wiese, schwer vom Wind gebeutelt:

Hahnenfuß (Ranunculus sp.)

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 90mm Makro F2.0; ISO 100; Blende 5,6; 1/100 Sek.

 

Also: Nur, weil des windet, muss man noch lange nicht mit leeren Händen (leerer Speicherkarte) nach Hause kommen!

Bleibt mir, Euch zukünftig weniger Frust und stattdessen mehr Freude bei der Pflanzenfotografie bei Wind zu wünschen.

In diesen Sinne "Gut Licht",

Roland Günter

Kommentare

Hallo Roland,

der ARTIKEL ist wieder vom allerfeinsten ! super!

und das mit dem Draht ist ja ganz schlau !

 am schnellsten in der Mitte ihrer Pendelbewegung.........( der Satz ist am interessantesten  ,das muss ich mal beobachten )

und das Foto mit der Wiesen-Margerite ist ein Traum ! ( die anderen sind auch schön )

LG

GELI

Erstellt von Manfred Schmierl (nicht überprüft) on Mi, 12/10/2016 - 06:17 Permanenter Link

Hallo Roland,

schöner Artikel und danke für den Tipp mit dem Draht!

Beste Grüße,

Manfred

Erstellt von Gast (nicht überprüft) on So, 16/10/2016 - 14:35 Permanenter Link

Tolle Tipps und großartige Fotos.
Auf die Idee, die Blumen mit ihrer Windrichtung zu fotografieren, bin ich noch nie gekommen und habe es bisher auch noch nirgends gesehen.
Großartig!
Tschüss
Sabine

Hallo Roland,

sehr schöner Artikel, der Mut zum Ausprobieren macht.

Allerdings würde ich von der Krokodilklemme in dieser Form abraten,

da sie doch recht heftig "zupackt" und somit den Halm abknicken lässt.

Man kann die "Zähne" mit einer Zange aufbiegen, dann ist die Klemme sanfter.

Alternativ kann man aber auch seiner Frau eine Haarklemme mopsen.

Die sind supersanft zu jeglichem Ansitz.

Hier der Link zum Kauf:

http://www.ebay.de/itm/10-Stk-Silber-Hair-Clips-Metall-Haarklammern-Haarspangen-Haarclip-Haarschmuck-/121540529231?hash=item1c4c614c4f

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