Wespe in Schneckenhaus

Hallo zusammen,

ich fand während des tollen Makro-Workshops mit Roland (meine Besprechung) am Fuß einer Trockemauer ein Schneckenhaus. Um es besser fotografieren zu können, hob ich es auf und legte es auf die Mauer. Da ich keinen Blitz habe, ist es nur dokumentarisch. Aber Roland bekam am nächsten Tag bei der Bildbesprechung Schnappatmung :-)

Warum, erzählt er am besten selber.

Es grüßt

Mainecoon

Kommentare

Hallo Mainecoon,

prima, dass du dieses Foto hochgeladen hast, denn die Geschichte dazu ist wirklich spannend für alle user.War halt sehr interessant unser Workshop, auf allen Ebenen ;-)

LG Flora 1958

 

Hallo Mainecoon,

jou, das war ein toller Fund von Dir. Und gut, dass Du ihn fotografiert hast. Damit erst hast Du die Geschichte um dieses kleine Tier im Schneckenhaus festgehalten und ermöglicht, sie zu erfahren.

Die kleine Wespe im Schneckenhaus dürfte eine Erzwespe (Chalcididae) sein, wahrscheinlich eine Erzwespe der Gattung Brachymeria. Innerhalb dieser Gattung gibt es allerdings mehrere Arten, und eine Bestimmung bis zur Art ist anhand des Fotos nicht sicher möglich. Deshalb ist die Bezeichnung

Erzwespe (Brachymeria sp.) - oder, etwas unwissenschaftlicher, dafür aber einprägsamer: Mainecoon-Erzwespe :-).

Erzwespen-Biologie (Brachymeria)

Schauen wir uns die interessante Biologie an, die hinter der Mainecoon-Erzwespe bzw. allgemein hinter Brachymeria-Erzwespen lauert:

Brachymeria-Erzwespen parasitieren bei unterschiedlichen Wirten. Einige von ihnen suchen Larvenstadien von Fliegen auf, insbesondere deren reife Larven. Interessant ist, dass sie wohl weniger von den Larven selbst angezogen werden, sondern mehr von dem Substrat, in dem diese Larven leben. Und das kann nun genau die Geschichte der Mainecoon-Erzwespe in „Deinem“ Schneckenhaus sein: Man sieht im Inneren des Schneckenhauses noch so ´nen schwärzlichen Schnodder. Das könnten Reste einer Schneckenhausbienen-Brut sein.

Schneckenhausbienen - die ersten Nachmieter im Schneckenhaus

Puh, jetzt wird´s kompliziert. Wir müssen einen Schlenker machen:
Es gibt bei uns drei Wildbienenarten, die ihre Nester in leeren Schneckenhäusern anlegen. Das erste Ei wird tief im Inneren des Schneckenhauses abgelegt, mit Pollen und Nektar versorgt und abschließend mit einer Trennwand verschlossen. Dann wird das zweite Ei gelegt und ebenfalls nach Futtereintrag in seine Brutzelle verschlossen. Das ganze Spiel geht so lange so weiter, bis der vordere Eingang des Schneckenhauses erreicht ist. Hier wird dann von der Biene die endgültige Abschlusswand gefertigt.

Nachdem sich nun aus den Eiern im Inneren des Schneckenhauses Larven, Puppen und schließlich die adulten Bienen entwickeln, schlüpfen diese im Folgejahr aus. Übrig bleibt das nun leere Schneckenhaus mit allerlei Brutresten der ausgeschlüpften Schneckenhausbienen.

"Schnodder"-Fliegen - die zweiten Nachmieter im Schneckenhaus

Ich habe schon oft Schneckenhäuser gesehen, aus denen die Brut ausgeschlüpft war und die dann so oder so ähnlich aussehen wie das von Dir gefundene und fotografierte. Nun ist da so ein organischer Rest-Schnodder drin (Brutreste), der natürlich wiederum für kleine Fliegen mit Eiablagewunsch (Diptera) interessant sein kann. Davon gibt es ein ganze Menge verschiedene, schwer zu bestimmende Arten, die ihre Brut in verschiedenem organischen Substrat anlegen - unter anderem auch in Brutresten von Schneckenhausbienen.

Mainecoon-Erzwespen - die dritten Nachmieter im Schneckenhaus

Und nun könnte diese Mainecoon-Erzwespe im Schneckenhaus nachgeschaut haben, ob das der Fall ist und sie dort ihren Wirt findet (eben die Schnodder-Fliegenlarven), um in sie ihre Eier abzulegen - exakt im dem Moment, als Du das Schneckenhaus gefunden und aufgehoben hast (hättest Du das gedacht, als Du es aufgehoben hast - grins?

Biodiversität im Schneckenhaus

Hier schließt sich also der Kreis: Am Anfang war die Schnecke mit ihrem Haus. Dann kamen Schneckenhaus-Bienen, danach restefressende Fliegen. Und schließlich die Erzwespe, um nachzuschauen, ob da noch Larven der restefressenden Fliegen sind. Das ist eine tolle Geschichte!

Der Korrektheit halber ...

Hier ist allerdings eine Menge könnte, würde usw. dabei, weil die Mainecoon-Erzwespe anhand des Fotos nicht eindeutig bis zur Art bestimmt werden kann. Solange die Art aber nicht ganz genau feststeht, kann man nur spekulieren, ob sie genau eine der Arten ist, die sich wie beschrieben verhalten. Auch wenn die gesamte geschilderte Biologie tatsächlich in der Natur genau so vorkommt, handelt es sich also genau genommen im vorliegenden Fall um eine "Vielleicht-Geschichte".

Trotzdem super interessant!

Und was sagt uns diese Geschichte?

Gehe in Dich und sei achtsam, wenn Du das nächste Mal ein Schneckenhaus aufhebst :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Und was sagt uns diese Geschichte?

Gehe in Dich und sei achtsam, wenn Du das nächste Mal ein Schneckenhaus aufhebst :-).

Genau es könnte nämlich auch eine Springsprinne rausspringen ;-) Schneckenhäuser sind gerade bei Ameisenspringspinnen sehr beliebt.

Tolle Geschichte! Sollte man vielleicht in die Diskussion schieben?! @ Roland

 

LG

Valentin

Neuen Kommentar schreiben

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt. Deine Emailadresse ist nötig, um Dich über neue Antworten zu informieren.
CAPTCHA
dieser Test dient dazu den Spam zu verhindern. Wir bitten um Verständnis!