Artenwissen: Der kleine Eisvogel

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Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla) ist ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter –nicht umsonst vergleicht ihn Arno Bergmann (1952) mit fliegenden Edelsteinen, welche Anfang Juli entlang von Waldsäumen schwebend beobachtet werden können.

Die Art ist in ganz Deutschland verbreitet, jedoch in vielen Bundesländern und Regionen stark gefährdet und bedroht. Sie wird somit in der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“ eingestuft. Vor allem im Norden Deutschlands stellt der kleine Eisvogel eine große Seltenheit dar –doch auch im Rest Deutschlands werden dieses Juwel nicht viele Menschen zu Gesicht bekommen haben. Gründe hierfür finden sich vor allem in der Standortanbindung der Tiere, welche fast ausschließlich auf eher schattigen Standorten, kalkreicher und meist feuchter Laub(misch)wäldern vorkommen. Nach eigenen Beobachtungen bevorzugt die Art lichte Wälder auf felsigem Untergrund und starkem Relief –bestenfalls mit Bachläufen durchzogen.

Die Raupen des Kleinen Eisvogels leben vorzugsweise an Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) oder Wald-Geißblatt (Lonicera periclymemum). Dort machen sie durch ein besonderes Fraßmuster auf sich aufmerksam: Sie fressen die Spitzen der Blätter, lassen jedoch immer eine Mittelrippe überstehen.

Die winzigen Raupen fressen von August an und überwintern dann in einem kleinem „Hibernaculum“, welches aus einem zurechtgefressenem Blatt zusammengesponnen wird. Eine Suche nach eben diesen Hibernacula stellt eine gute Strategie dar, die Art für verschiedene Regionen nachzuweisen. Mit dem ersten Regen im Frühjahr quillt dann die Raupe wieder an und wird aktiv.

Während sie wächst verwandelt sie sich aus einem „braunen Wurm“ in ein tropisch anmutendes Insekt mit wunderschönen Farben und einer Menge an Dornen.

Sie nimmt bis etwa Anfang Juni weiter Nahrung auf, um sich dann in eine ebenso imposante Puppe zu verwandeln. Diese schlüpft nach wenigen Tagen und gibt das „fliegende Juwel“ frei. Die glänzend-schwarz-braunen Falter besitzen oberseits unterbrochene weiße Bänder und auch auf der orangen Unterseite glänzen weiße und schwarze Flecken. Sie fliegen jedoch vor allem am frühen Morgen entlang von Waldrändern und Wegen und werden so nur sehr selten beobachtet.

Der Kleine Eisvogel ist nach BArtSchV und nach BNatSchG besonders geschützt –er darf also nicht in seinem Lebensraum gestört oder ihm entnommen werden.

Text & Fotos von Toni Kasiske

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