Focus Stacking leicht gemacht! | MAKROTREFF

Focus Stacking leicht gemacht!

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Focus Stacking leicht gemacht!

Fr, 12/09/2014 - 21:33
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Schaut man sich in verschiedenen Fotocommunities um, so stößt man immer häufiger auf Begriffe wie „Das Foto ist gestacked , zusammengestacked, stacken usw. Doch was ist dieses sogenannte Focus Stacking überhaupt? Im Grunde ist es ganz einfach...

Als Beispiel kannst Du Dir eine Fliege vorstellen auf deren Facettenaugen Du den Fokus Deiner Kamera setzt. Die Augen sind auf dem Foto dann scharf, der Hinterleib verschwindet in Unschärfe. Nun fokussierst Du auf den Hinterleib und machst ebenfalls ein Foto. Nun sind die Augen unscharf, der Hinterleib jedoch scharf. Diese zwei Fotos werden nun zu einem Bild zusammengerechnet auf dem Augen und Hinterleib scharf sind! – Fertig!

Beispiel eines Stacks: Aus 9 Einzelfotos entsteht ein Foto mit durchgängiger Schärfe.

Nun stellst Du dir sicherlich die Frage: Warum nicht einfach Abblenden ohne Ende, dann wird der Schärfebereich doch auch größer? Der Gedanke ist zwar im Grunde nicht falsch, doch in der Makrofotografie insbesondere bei hohen Abbildungsmaßstäben kommt mit kleiner werdender Blende schnell die Beugungsunschärfe ins Spiel. Das Foto wird also ab einer gewissen Blende nicht mehr schärfer sondern wieder unscharf.

Keine Profiausrüstung nötig!

Für das Focus Stacking brauchst Du nicht zwingend teures Equipment wie ein Stativ oder einen Makroschlitten. Diese können zwar bei statischen Motiven wie Pflanzen etc. von Vorteil sein, doch zumindest bei nicht zu hohen Abbildungsmaßstäben erzielt man auch ohne diese Hilfsmittel tolle Ergebnisse!

Wie funktioniert‘s?

Ich empfehle grundsätzlich zwei Vorgehensweisen zum Focus Stacking (Achtung bei Beiden gilt: auf manuellen Fokus stellen):

  1. Stacking durch Fokusverschiebung am Fokusring

Bei dieser Methode veränderst du durch langsames drehen am Fokusring die Lage der Schärfeebene am Motiv und machst gleichzeitig Fotos. Das bedeutet, um beim Beispiel der Fliege zu bleiben, Du fokussierst die Fliegenaugen, machst ein Foto, drehst ein Stück weiter und machst erneut ein Foto usw. Am Ende werden die Einzelbilder mittels Software zusammengefügt.

  1. Stacking durch Körperbewegung zum Motiv hin oder weg

Die Schärfeebene lässt sich auch mit einer anderen Methode durch das Motiv schieben. Dazu fokussierst Du das Motiv machst ein Foto und bewegst Dich dann durch leichtes Vorbeugen ein kleines Stück auf das Motiv zu, machst wieder ein Foto usw. bis Du den Bereich abgedeckt hast den Du später komplett scharf haben möchtest.

 

focus-stacking3.gif

Animation der unterschiedlichen Schärfenebenen. Der Fokus wurde erst auf den vorderen Fuß gesetzt, ein Foto gemacht und ein Stück weiter hinten fokussiert und wieder ein Foto gemacht. Das wird solange wiederholt bis man alle Teile des Motivs fotografiert hat, die man später scharf haben möchte.

Welche Software wird benötigt?

Es gibt mittlerweile ein großes Angebot an Software die man zum Focus Stacking verwenden kann. Eine Empfehlung auszusprechen fällt hier nicht leicht. Zu nennen sind auf jeden Fall Adobe Photoshop, Helicon Focus, Zerene Stacker und Combine ZP (Freeware). Alle Programme liefern gute Ergebnisse! Ich empfehle sich einfach mal die entsprechenden Testversionen anzuschauen, und dann zu entscheiden, mit welcher Software man am besten zurechtkommt.

Schwierigkeiten beim Focus Stacking

Beim Stacken ohne Stativ und Makroschlitten sind kleine Verwacklungen und Verschiebungen nicht zu vermeiden. Dadurch kann es beim Zusammenrechnen der Einzelfotos durch die Software zu Fehlern, so genannten “Halos” kommen. Das sind helle unscharfe Schleier oder Umrandungen die besonders an den Übergängen der verschiedenen Schärfeebenen oder feinen Strukturen wie Haaren, auftreten.

Um die Halos zu vermeiden, sollte man darauf achten, möglichst nahtlose Übergänge zwischen den Einzelfotos zu machen und am besten die einzelnen Schärfeebenen immer etwas überlappen zu lassen. Desweiteren sollte sich das Motiv während der Aufnahme der Stackreihe möglichst nicht bewegen (Achtung Wind!). Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine gleichbleibende Belichtung der einzelnen Fotos. Hier kann aber in der Nachbearbeitung noch nachjustiert werden.

Focus Stacking Video - Stacking Beispiel mit Photoshop und Zerene Stacker

Valentin Gutekunst ist der Gründer von Makrotreff und Herausgeber von Makrofoto und selbst ein ambitionierter Makrofotograf. Mit seinen Fotos möchte er den Menschen die Faszination und Schönheit der Natur und deren Geschöpfe wieder näher bringen. Und damit das Bewusstsein schaffen, dass es gilt diese Artenvielfalt zu bewahren! Neben der Aufklärungsarbeit rund um die biologische Vielfalt, gibt er sein Wissen und seine Erfahrung mit viel Freude und Engagement weiter und auch aus seinen Makrotricks macht er kein großes Geheimnis.

Kommentare

Erstellt von Rüdiger J. (nicht überprüft) on Fr, 09/09/2016 - 12:21 Permanenter Link

Hallo Valentin,
vielen herzlichen Dank für diesen Beitrag.
Besonders toll finde ich, daß Du in kleinen Schritten erklärt hast, sodaß ich als Neuling in diesem Thema alles gut verstanden habe.
Viele Grüße
Rüdiger

Erstellt von Sabine (nicht überprüft) on So, 16/10/2016 - 13:14 Permanenter Link

Hallo Valentin,
ich möchte mich auch herzlich für diese interessante Anleitung bedanken.
Ich beschäftige mich erst seit kurzem mit Fokus Stacking und bin ganz fasziniert von dieser Aufnahmetechnik.
Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man ein Stacking Aufnahme Freihand machen kann.
Es müssen bei dieser Technik doch extrem wenige Millimeter scharf gestellt werden. Bei Freihand Aufnahmen im Makrobereich hat man doch schon Probleme, diese halbwegs anständig hinzukriegen.
Gibt es da noch irgendwelche Tipps, wie man Freihand solche Aufnahmen besser machen kann?
Tschüss
Sabine

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