ein sehr stimmungsvolles Foto! Die Abenddämmerung kommt voll zur Geltung. Du hast es Aus der Dunkelheit genannt, es würde auch gut passen Blaue Stunde in "Pilzhausen". Denn genau diese Blaue Stunde hast Du toll fotografiert.
Bildaussage:
So, wie Du mittlerweile fotografierst, kitzelst Du die Vorteile des eigentlich für die Makrofotografie dieser Art "schwierigen" 40mm-Objektivs immer besser heraus: Du bindest - wie bei Deinem letzten Foto vom Parasol auch - den Hintergrund toll mit ins Bild ein! Beim Parasol ist es der Buchenwald - dort zwar etwas schräg, aber von der Durchzeichnung und damit auch von der Aussage her sehr schön. Hier ist es der durch senkrechte "Striche" (Baumstämme) verwaschene Abendhimmel mit der super tollen Blaufärbung. Damit erhält Dein Foto Zusatzinformationen zum eigentlichen Pilz:
Der kleine Bursche steht im Wald (senkrechte Stiche!), ganz tief unten drin;
Es ist die geheimnisvolle Zeit der Blauen Stunde!
Das ist Informationsverdichtung! Das ist klasse!
Ganz toll ist auch, dass diese blaue Durchzeichnung nicht nur oberhalb des Pilzes (ein Helmling) liegt, sondern auch im rechten Teil des Fotos, und hier sogar bis kurz oberhalb Deiner Signatur. Damit erhält der Lebensraum Wald in der Blauen Stunde Raum, er bekommt Bedeutung - dadurch, dass Du ihm viel Platz im Foto geschenkt hast! Was wäre dort ohne die Blaue Stunde? Nichts, eventuell Schwärze. Das Bild wäre unvergleichlich weniger aussagestark als bei der von Dir hier vorgelegten Lösung! Gefällt mir sehr gut ...
Nun zum Technischen:
Licht:
Das Licht ist - wie bereits angesprochen, das tragende Wirkungselement in Deinem Foto - und hier vor allem die Kombination von Naturlicht (Blaue Stunde) und Kunstlicht (Anstrahlen des Pilzes).
Gut, aber auch notwendig ist, dass der künstliche Lichtstrahl auf dem Pilz so schwach ist, dass es hier zu keinen Ausfressern kommt. Überstrahlungen wären hier tödlich! Insofern toll gelöst, denn ohne zusätzliche Lichtquelle wäre der Pilz in der abendlichen Dämmerungssuppe des dunklen Waldbodens verschwunden ...
Tiefenschärfe:
Die Schärfe liegt genau auf dem Stiel des kleinen, angestrahlten Pilzes. Das ist auch erst einmal gut so. Leider reicht die Tiefenschärfe nicht aus, um auch die Vorderseite des Pilzhutes mit zu schärfen. Der ist etwas unscharf - und dadurch, dass dieser Bereich doch einen recht großen Teil des gesamten Pilzes einnimmt, es dies etwas schade.
Nun hast Du bereits die Blende 9 gewählt - das ist sehr gut! Rein technisch gesehen wäre hier noch eine weitere Blende möglich gewesen, ehe die unschöne Beugung sichtbar greift, also Blende 13 bis 14. Aber jetzt kommen wieder die ganzen "Wärest", "Hättest" und "Könntest" (was ja im Nachhinein so wunderbar einfach ist!) - dennoch mache ich mal weiter :-).
Also: mit einer um eine Stufe weiter geschlossenen Blende wäre etwas mehr Tiefenschärfe herausgekommen. Die Folge: logischerweise rutscht dann die Zeit von 1/100 Sek. auf 1/50 Sek. Ich weiß nicht, ob Du mit Auflage (Stativ oder z.B. Bohnensack, der sich für so eine Art der Motivbewältigung sehr gut eignet!) gearbeitet hast - jedenfalls bei einer 1/50 Sek, wäre es wohl nötig geworden ...
Alternative: Die 1/100 Sek. Belichtungszeit belassen, dafür die ISO-Zahl um eine Stufe rauf. Aber irgendwie rauscht das Bild jetzt bereits ein wenig, das hätte sich dann verstärkt. Das alles zeigt also wieder einmal: Bei der Fotografie bekommt man nichts für umsonst! - insbesondere bei der Makrofotografie.
Alternative Lösung:
Du hast mit Deiner Kamera richtig dicke Pixel-Reserven! Die könntest Du Dir hier zunutze machen. Wenn Du den Ausschnitt von vornherein etwas größer wählst, spiegelt sich das automatisch in einem Mehr an Tiefenschärfe wieder. Damit würde der kleine Pilzbursche wohl komplett in der Schärfe liegen. Und die 24 MB Deines Sensors erlauben Dir dann einen Ausschnitt, wobei immer noch ordentlich viele Pixel übrig bleiben.
Hierbei geht es um kleine Bereiche! Du musst, um diese Lösung umzusetzen, nicht gleich ein paar hundert Meter zurück gehen und quasi eine Landschaftsaufnahme machen :-). Hier reichen oft schon wenige Zentimeter - die Kamera bewusst wenige Zentimeter zurück nehmen, und genau diese Differenz dann über den Beschnitt wieder "ausgleichen". Klar, dann hast Du nicht mehr die vollen 24 Megapixel (sondern vielleicht nur noch 18 oder 20 MB), aber eben einen von vorne bis hinten scharfen Pilz auf dem Waldboden. Wie gesagt: Die Makrofotografie lebt von Kompromissen - das ist der besondere Reiz für uns Makronisten!
TIPP:
Mache diesbezüglich mit Deinem Objektiv Vergleichsaufnahmen mit verschiedenen Einstellungen und verschiedenen Entfernungen zum Hauptmotiv - und vergleiche die Auswirkungen insbesondere auf die Tiefenschärfe. Dann wirst Du mit der Zeit ein Gefühl für Deine fototechnischen Handlungsspielräume entwickeln!
Schärfe:
Wie schon gesagt, die eigentliche Schärfe liegt auf dem Pilzstiel - und der ist auch wirklich fast voll scharf! Und auf dem Stiel liegt sie auch gut und richtig! Die Sache mit dem Pilzhut ist ein Problem der Tiefenschärfe, und das habe ich oben beschrieben.
Rauschen:
Das Bild rauscht ein wenig. Dies lässt sich aber durch ein moderates Entrauschen deutlich verbessern bis aufheben.
Die Tatsache, dass es überhaupt bei den ISO 320 bereits rauscht, liegt an der Lichtsituation. Bei Tageslicht wird der Sensor Deiner Kamera bei ISO 320 überhaupt nicht sichtbar rauschen. Ist aber von vornherein wenig Licht da - so wie hier bei Deinem Dämmerungsfoto - wird bei so gut wie allen Sensoren viel früher ein Grundrauschen sichtbar. Das ist also nichts Wildes, sondern mehr ein übliches Phänomen, wenn man ein solch stimmungsvolles Foto wie Deines hier macht und sich in eine schwierige Lichtsituation wagt!
Sonstiges:
Übrigens gibt es noch einem weiteren Protagonisten auf Deinem Foto: Im Schutz des Pilzhutes, unmittelbar rechts neben dem Stiel im Hut, sitzt eine - ja ich vermute mal kleine Spinne. Das ist nicht ganz genau zu erkennen, aber man kann erkennen, dass es sich um ein Tier mit mindestens 6 Beinen handelt - damit wäre es schonmal ein Insekt. Aber es sieht so aus, als sei dort noch ein weiteres Beinpaar, somit hätte sich hier also in der Blauen Stunde eine Spinne zum Schlafen in den Pilzhut verkrochen (acht Beine sind ein Merkmal von Spinnen!).
FAZIT:
Ein super interessantes, spannendes Makrobild mit hoher Strahlkraft - und toll und passend für diese Jahreszeit!
Kommentare
ADMIN
Hallo pepper,…
Hallo pepper,
ein sehr stimmungsvolles Foto! Die Abenddämmerung kommt voll zur Geltung. Du hast es Aus der Dunkelheit genannt, es würde auch gut passen Blaue Stunde in "Pilzhausen". Denn genau diese Blaue Stunde hast Du toll fotografiert.
Bildaussage:
So, wie Du mittlerweile fotografierst, kitzelst Du die Vorteile des eigentlich für die Makrofotografie dieser Art "schwierigen" 40mm-Objektivs immer besser heraus: Du bindest - wie bei Deinem letzten Foto vom Parasol auch - den Hintergrund toll mit ins Bild ein! Beim Parasol ist es der Buchenwald - dort zwar etwas schräg, aber von der Durchzeichnung und damit auch von der Aussage her sehr schön. Hier ist es der durch senkrechte "Striche" (Baumstämme) verwaschene Abendhimmel mit der super tollen Blaufärbung. Damit erhält Dein Foto Zusatzinformationen zum eigentlichen Pilz:
Das ist Informationsverdichtung! Das ist klasse!
Ganz toll ist auch, dass diese blaue Durchzeichnung nicht nur oberhalb des Pilzes (ein Helmling) liegt, sondern auch im rechten Teil des Fotos, und hier sogar bis kurz oberhalb Deiner Signatur. Damit erhält der Lebensraum Wald in der Blauen Stunde Raum, er bekommt Bedeutung - dadurch, dass Du ihm viel Platz im Foto geschenkt hast! Was wäre dort ohne die Blaue Stunde? Nichts, eventuell Schwärze. Das Bild wäre unvergleichlich weniger aussagestark als bei der von Dir hier vorgelegten Lösung! Gefällt mir sehr gut ...
Nun zum Technischen:
Licht:
Das Licht ist - wie bereits angesprochen, das tragende Wirkungselement in Deinem Foto - und hier vor allem die Kombination von Naturlicht (Blaue Stunde) und Kunstlicht (Anstrahlen des Pilzes).
Gut, aber auch notwendig ist, dass der künstliche Lichtstrahl auf dem Pilz so schwach ist, dass es hier zu keinen Ausfressern kommt. Überstrahlungen wären hier tödlich! Insofern toll gelöst, denn ohne zusätzliche Lichtquelle wäre der Pilz in der abendlichen Dämmerungssuppe des dunklen Waldbodens verschwunden ...
Tiefenschärfe:
Die Schärfe liegt genau auf dem Stiel des kleinen, angestrahlten Pilzes. Das ist auch erst einmal gut so. Leider reicht die Tiefenschärfe nicht aus, um auch die Vorderseite des Pilzhutes mit zu schärfen. Der ist etwas unscharf - und dadurch, dass dieser Bereich doch einen recht großen Teil des gesamten Pilzes einnimmt, es dies etwas schade.
Nun hast Du bereits die Blende 9 gewählt - das ist sehr gut! Rein technisch gesehen wäre hier noch eine weitere Blende möglich gewesen, ehe die unschöne Beugung sichtbar greift, also Blende 13 bis 14. Aber jetzt kommen wieder die ganzen "Wärest", "Hättest" und "Könntest" (was ja im Nachhinein so wunderbar einfach ist!) - dennoch mache ich mal weiter :-).
Also: mit einer um eine Stufe weiter geschlossenen Blende wäre etwas mehr Tiefenschärfe herausgekommen. Die Folge: logischerweise rutscht dann die Zeit von 1/100 Sek. auf 1/50 Sek. Ich weiß nicht, ob Du mit Auflage (Stativ oder z.B. Bohnensack, der sich für so eine Art der Motivbewältigung sehr gut eignet!) gearbeitet hast - jedenfalls bei einer 1/50 Sek, wäre es wohl nötig geworden ...
Alternative: Die 1/100 Sek. Belichtungszeit belassen, dafür die ISO-Zahl um eine Stufe rauf. Aber irgendwie rauscht das Bild jetzt bereits ein wenig, das hätte sich dann verstärkt. Das alles zeigt also wieder einmal: Bei der Fotografie bekommt man nichts für umsonst! - insbesondere bei der Makrofotografie.
Alternative Lösung:
Du hast mit Deiner Kamera richtig dicke Pixel-Reserven! Die könntest Du Dir hier zunutze machen. Wenn Du den Ausschnitt von vornherein etwas größer wählst, spiegelt sich das automatisch in einem Mehr an Tiefenschärfe wieder. Damit würde der kleine Pilzbursche wohl komplett in der Schärfe liegen. Und die 24 MB Deines Sensors erlauben Dir dann einen Ausschnitt, wobei immer noch ordentlich viele Pixel übrig bleiben.
Hierbei geht es um kleine Bereiche! Du musst, um diese Lösung umzusetzen, nicht gleich ein paar hundert Meter zurück gehen und quasi eine Landschaftsaufnahme machen :-). Hier reichen oft schon wenige Zentimeter - die Kamera bewusst wenige Zentimeter zurück nehmen, und genau diese Differenz dann über den Beschnitt wieder "ausgleichen". Klar, dann hast Du nicht mehr die vollen 24 Megapixel (sondern vielleicht nur noch 18 oder 20 MB), aber eben einen von vorne bis hinten scharfen Pilz auf dem Waldboden. Wie gesagt: Die Makrofotografie lebt von Kompromissen - das ist der besondere Reiz für uns Makronisten!
Mache diesbezüglich mit Deinem Objektiv Vergleichsaufnahmen mit verschiedenen Einstellungen und verschiedenen Entfernungen zum Hauptmotiv - und vergleiche die Auswirkungen insbesondere auf die Tiefenschärfe. Dann wirst Du mit der Zeit ein Gefühl für Deine fototechnischen Handlungsspielräume entwickeln!
Schärfe:
Wie schon gesagt, die eigentliche Schärfe liegt auf dem Pilzstiel - und der ist auch wirklich fast voll scharf! Und auf dem Stiel liegt sie auch gut und richtig! Die Sache mit dem Pilzhut ist ein Problem der Tiefenschärfe, und das habe ich oben beschrieben.
Rauschen:
Das Bild rauscht ein wenig. Dies lässt sich aber durch ein moderates Entrauschen deutlich verbessern bis aufheben.
Die Tatsache, dass es überhaupt bei den ISO 320 bereits rauscht, liegt an der Lichtsituation. Bei Tageslicht wird der Sensor Deiner Kamera bei ISO 320 überhaupt nicht sichtbar rauschen. Ist aber von vornherein wenig Licht da - so wie hier bei Deinem Dämmerungsfoto - wird bei so gut wie allen Sensoren viel früher ein Grundrauschen sichtbar. Das ist also nichts Wildes, sondern mehr ein übliches Phänomen, wenn man ein solch stimmungsvolles Foto wie Deines hier macht und sich in eine schwierige Lichtsituation wagt!
Sonstiges:
Übrigens gibt es noch einem weiteren Protagonisten auf Deinem Foto: Im Schutz des Pilzhutes, unmittelbar rechts neben dem Stiel im Hut, sitzt eine - ja ich vermute mal kleine Spinne. Das ist nicht ganz genau zu erkennen, aber man kann erkennen, dass es sich um ein Tier mit mindestens 6 Beinen handelt - damit wäre es schonmal ein Insekt. Aber es sieht so aus, als sei dort noch ein weiteres Beinpaar, somit hätte sich hier also in der Blauen Stunde eine Spinne zum Schlafen in den Pilzhut verkrochen (acht Beine sind ein Merkmal von Spinnen!).
FAZIT:
Ein super interessantes, spannendes Makrobild mit hoher Strahlkraft - und toll und passend für diese Jahreszeit!
In diesem Sinne weiterhin Gut Licht,
Roland
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