Plattbauch - Libellula depressa

Kamera: Canon EOS 7D Mark II

Objektiv: EF300mm f/2.8L IS USM + 2x Extender II

Blende: 9

Belichtungszeit: 1/500

Brennweite: 600.0 mm

ISO: 500

Freihand

Kommentare

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ADMIN

Hallo Christian,

da hast Du ordentlich Rohr vor der Kamera gehabt!
Dieses Foto vom Plattbauch ist ein schönes Beispiel dafür, dass man "über viele Wege nach Rom kommt", sprich dass man mit unterschiedlichen Fototechniken in den Makrobereich vorstoßen kann. Mit den satten 600mm physikalische Brennweite hast Du einen wunderbar großen Abstand zum Objekt - hinzu kommt der 1,6-fache Grobfaktor des CMOS-Sensors der Kamera.

Nun zum Foto:

Die Schärfe ist gut, am besten ist sie auf dem vorderen Abdomenbereich. Zum Kopf nimmt sie leider ein wenig (minimal) ab, ist aber immer noch gut. Der Mittelpunkt der Schärfenebene liegt also ganz leicht vor dem Libellenkopf.
Die Punktschärfe ist - vor allem vor dem Hintergrund des Einsatzes des 2fach-Konverters - gut.

Das Licht ist relativ hart, wodurch auch die Kontraste stellenweise recht stark sind: Helle Bildbereiche sind etwas zu hell, dunkle saufen nach unten hin leicht ab (z.B. vordere Körperunterseite der Libelle). Das harte Licht wirkt sich auch negativ auf die Farbwiedergabe des Blaus auf dem Hinterleib der Libelle aus. Es wirkt regelrecht ausgebleicht. Das ist typisch bei zu steilem Licht.
LÖSUNG: zufriedenstellend nur in den Griff zu bekommen durch Ausweichen auf andere Tageszeit / Lichtverhältnisse.

Bildaufteilung: Links von der Libelle nimmt die Wiedergabe eines unscharfen Weidenzweiges flächenmäßig nahezu knapp die Hälfte des gesamten Bildes ein. Dieser Bereich ist aber ziemlich uninteressant, stört sogar eher, da er relativ scharf abgebildet ist und Unruhe ins Bild bringt. Auch wenn die Weidenzweige einen typischen Lebensraum des Plattbauchs darstellen, bringen sie - so abgelichtet - zu viel Unruhe ins Bild. Hinzu kommen die ebenfalls unruhigen Lichtverhältnisse (hell/dunkel) dieses großen Bildbereichs. Die Libelle hingegen sitzt in der rechten Bildhälfte - und schaut nach rechts raus aus dem Bild. Das ist ungünstig. Es ist wesentlich harmonischer, die Tiere INS Bild hineinschauen zu lassen.
LÖSUNG: entweder ein Hochformat aus so einem Motiv machen, oder die Libelle links ins Bild positionieren und dann nach rechts in den größeren Bildraum schauen lassen. Ich weiß natürlich nicht, wie es bei diesem Bild hier dort weiterging, aber das, was man rechts sieht, ist ein schönerer Hintergrund als links im Bild.

Mit Blende 9 hast Du eine bereits relativ geschlossene Blende gewählt. Da aber beide Flügel bereits von vor ihrer Mitte beginnen, in die Unschärfe überzugehen, wäre es sehr interessant, dieses Foto auch mit beispielsweise Blende 4 zu machen. Dann wären die Flügelenden noch etwas unschärfer (wie gesagt, macht nichts, da sie ohnehin nicht scharf sind), dafür aber der Hintergrund mit seinen störenden Strukturen und Hell-Dunkel-Bereichen harmonischer aufgelöst. Es ist also immer sehr wichtig zu überlegen: Was bringt einem ein Schließen der Blende bzw. ein Mehr an Tiefenschärfe. Mit der langen Brennweite wäre der eigentliche Libellenkörper auch bei Blende 4 komplett scharf gewesen.

Tja, das sind alles diese Abwägungen mit wäre, hätte, sollte ...! Spannend ist diese Aufnahme allemal schon alleine deswegen, weil sie mit einer Riesentröte + Konverter und einer 1/500 Sek. freihand aufgenommen wurde! Der Einsatz solcher Techniken im Nahbereich eröffnet dem Makrofotografen super interessante Einsatzmöglichkeiten!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht,

Roland

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