Ein schlafender Marienkäfer auf der schon etwas Herbstlichen verblühten Spätsommerwiese

Hallo Ihr lieben,

Ich habe einen schlafenden Marienkäfer entdeckt, aber diesmal gibt es kein Auge zum Scharfstellen. Der Marienkäfer hat sich ziemlich in die verblühte Knospe vergrochen. Das Foto wurde Hochkant beschnitten, weil es mir so am besten gefallen hat.

Ich hatte mehrere Bildausschnitte zuvor ausprobiert. Es war etwas Windig, wenig Sonne und wieder Freihand aufgenommen. Das Foto habe ich notgedrungen etwas bearbeiten müssen, da bei den Marienkäfern der Panzer beim Blitzen, oder auch so in der Sonne sehr schnell überbelichtet ausbrennt. Weniger Iso ist keine alternative, das habe ich schon versucht. Der eine Schwarze Punkt in der Mitte den musste ich komplett retuschieren. Wie könnte man so etwas in Zukunft vermeiden.? Ich hoffe das Foto gefällt trotzdem.

LG Christine

 

Canon Eos 80D

Aufsteckblitz mit Diffusor

Kommentare

Profile picture for user Flora1958

MOD

Hallo Christine,

ich finde es sehr schön wie der Marienkäfer dort so geborgen sitzt.Da hat er sich ein kuschliges Plätzchen ausgesucht :-)

LG Gabi

Profile picture for user Chris Tine

Hallo Gabi,

Ich freue mich sehr darüber das es dir gefällt. Ja das stimmt dort ist er wunderbar geborgen, da kann er auch wenigstens nicht heraus fallen.

Ich habe noch ein Foto von ihm gemacht, aber das ist mehr von oben fotografiert gleich als ich ihn entdeckt habe. Dieses Foto hat mir aber besser gefallen. Auf der einen Seite war die Knospe etwas tiefer um seitlich noch diese Aufnahme zu machen.

LG sendet dir Christine :-)

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo Christine,

ein schönes Foto, das eine spezielle Aussage sehr deutlich transportiert: Das Prinzip des "Vergehens". Im Frühjahr "wird alles neu", erscheint alles frisch, jung; der Herbst ist die Zeit des Vergehens, des Rückzugs.

Dieses Prinzip des Werdens und Vergehens ist ein sehr reizvolles Fotomotiv – und gar nicht so einfach, in der Zweidimensionalität eines Fotos treffend wiederzugeben. Es ist dir gelungen!

Gehen wir es im Einzelnen durch:

Perspektive:

Die Perspektive ist sehr gut gewählt, weil, wie Du weiter unten in Deiner Antwort zu Gabis Kommentar schreibst, durch die schräge Aufsicht die Tiefe, der Schutz des verdorrten "Pflanzenkorbs" gut zum Ausdruck kommt. Leider, wirklich leider ist der Blick auf den Kopf nicht frei. Das wäre das berühmte "Tüpfelchen auf dem I". Aber das konntest Du hier nicht lösen, ohne bei diesem Schritt andere Nachteile einzufahren. Deshalb bleibt´s dabei: Perspektive in Ordnung.

ISO-Wert:

Der etwas höhere ISO-Wert ist hier sogar von Vorteil. Die ISO 400 führen zu einem leichten Rauschen, die Kontraste verstärken sich leicht. Dadurch wird die Aussage des "Vergehens" unterstrichen. Das Bild erhält eine Art Vintage-Effekt.

Licht / Reflexe:

Damit sind wir beim Hauptthema dieses Bildbeispiels.

Ja, die Reflexbildung bei insbesondere glänzenden Käferkörpern ist fast immer sehr stark. Dies ist eine Charakteristik des Chitins der Insekten und kann insbesondere bei größeren Flächen sehr deutlich auftreten.

Die wirklich einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, ist die Fotografie mit verhältnismäßig riesigen Diffusoren. Spezialisierte Käferfotografen laufen mit riesigen Konstrukten in der Gegend herum, total ausgerichtet auf ihr Lieblingsmotiv: Käfer und ihre glänzenden Rücken. Das Prinzip dabei ist, die Fläche des Lichts so groß wie möglich zu machen. Die vollkommene Lösung liegt im Lichtzelt: Hier ist alles Umgebende diffuses Licht. Und die spezialisiertesten Spezialisten unter den Käferspezialisten laufen tatsächlich mit Lichtzelten in der Pampa herum.

Und dennoch muss eines hier bedacht werden: Dort, wo Licht ist, gibt es auch immer Reflexe! Selbst bei völlig diffusem Himmel (natürlich auch ein Diffusor - eben ein natürlicher!) treten überall in der Natur Reflexe auf. Und obwohl wir sie häufig nicht bewusst als solche wahrnehmen, sind sie dennoch da.

Wir merken es häufig dann, wenn wir sie wegnehmen. So bei Deinem Bild oben: Du hast die Reflexe auf dem Rücken des Käfers völlig beseitigt (übrigens: gut, dass Du es angibst!). Warum Du sie beseitigt hast, liegt auf der Hand; die leider oft zu starken Reflexe insbesondere auf den glänzenden Chitinflächen der Käfer sprach ich oben bereits an.
Aber nun wirkt der Käfer matt, sehr matt, zu matt. Er wirkt – hm, wie tot. Und genau dieses Prinzip erleben wir fast immer, wenn wir Reflexe vollständig entfernen.

Hier bei diesem Beispiel ist das sogar noch relativ in Ordnung, verstärkt es doch ebenfalls die Aussage des "Vergehens" – so nach dem Motte: Auch der Käfer ist bereits vergangen :-). Aber ganz grausam wirkt das, wenn beispielsweise die winzigen Lichtpunkte, die sich fast immer in Augen wiederfinden, entfernt werden. Damit tötet man die Tiere! Hier muss man also sehr behutsam vorgehen.

Wie geht man nun am besten damit um?

Die erste Regel lautet:

Reflexe dürfen sein, sind sogar oft wichtig und von positiver Bildwirkung.

Insbesondere Blitz-Gegner argumentieren hier oft zu weit in die andere Richtung. Da werden schnell jegliche Reflexe verteufelt, ohne zu wissen, dass in der "natürlichen" Natur nicht nur bei Sonnenlicht, sondern auch bei diffusem Himmel überall Reflexe vorhanden sind, die Leben in Bilder einhauchen.

Die nächste Regel lautet:

Reflex ist nicht gleich Reflex. Auf die Charakteristik und Stärke kommt es an.

Man muss also lernen, mit Reflexen umzugehen. Dafür muss man sie erst einmal in ihrer Vollständigkeit wahrnehmen, erkennen und analysieren. Anschließend überlegt man, wie man mit ihnen umgeht.

Und damit sind wir bei einer dritten Regel:

Reflexe wollen behutsam behandelt werden.

Nachdem also vorhandene Reflexe erkannt und analysiert wurden, entscheidet man, welche man versucht zu beseitigen, welche man nur abschwächt und welche vielleicht vollständig belässt. Hierbei ist es zunächst einmal nachrangig, ob dies bereits während der Aufnahme mittels beispielsweise Diffusor geschieht oder erst bei der Nachbearbeitung. Wichtig ist hier, auf einen natürlichen Ort der belassenen Reflexe zu achten (wo reflektiert das Licht im Hauptmotiv natürlicherweise?) sowie auf eine ansehnliche Reflexstärke (völlig ausgefressene Reflexe stören häufig).

Und nun sind wir wieder bei Deinem Marienkäferbild. Du hast die Reflexe auf dem Rücken vollständig beseitigt. Das wirkt fast unnatürlich bis tot.
Achte mal darauf: Selbst bei trübem Wetter treten leichte Reflexe auf solchen glatten Chitinflächen auf. Die Kunst ist es, diese zu halten. Wieder auf Dein Marienkäferbild bezogen: Hier hätte es auch die Möglichkeit gegeben, entweder den Reflex an einer kleinen Stelle zu "schonen" und damit als Lichtpunkt zu nutzen. Oder – und das ist noch schwerer umzusetzen, entspricht aber der Königsdisziplin – auf einer etwas größeren Fläche den vorhandenen Reflex anstatt vollständig zu beseitigen nur abzuschwächen. Das ist das große Ziel beim Einsatz von Diffusoren – und die große Schwierigkeit beim Retuschieren im Nachhinein. Dies bedarf Übung und wird schnell zum nervigen Gefummel. Schließlich wollen Makronistinnen fotografieren und nicht wochenlang am Computer steif rumsitzen :-). Aber so ist das nun mal – leider.

Hier gibt es also keine Generalregel (obwohl wir ja oben schon drei an der Zahl hatten - grins). Der Einzelfall entscheidet, welche Reflexe wie stark beseitigt werden. So entscheide ich beispielsweise auch bei meinen geblitzten Aufnahmen immer individuell, wie ich mit den Reflexen verfahre; von Aufnahmesituation zu Aufnahmesituation anders. Und natürlich versuche auch ich bereits während der Erstellung des Fotos, störende Reflexe bestmöglich zu vermeiden. Hierfür nutze ich ebenfalls Diffusoren.
Aber: Ich beseitige Reflexe fast nie ganz! Da gibt es nur wenige Ausnahmen. 

Du siehst, das Thema mit den Reflexen ist ein großes! Vielleicht verfasse ich mal einen eigenen Post dazu hier auf Makrotreff :-).

So, nun beende ich mal diese Bildbesprechung. Sonst sitzen wir alle noch Weihnachten hier...

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Profile picture for user Chris Tine

Hallo Roland,

Ich Danke dir sehr für deine Bildbesprechung und kann dir nur zustimmen.

Mit den Reflektoren das wäre der versuch wert und so ein Lichtzelt ist mit Sicherheit auch eine sehr gute Möglichkeit und werde ich mir mal besorgen.  

Meine Gedanken waren auch schon bei der Bearbeitung des Fotos das der Käfer ohne diese Reflexe etwas Tod aussieht. Ich habe schon mehrere Marienkäfer Fotografiert, und es ist wahr man muss da von Bild zu Bild über die Reflexe entscheiden, manchmal sind sie auch nur ganz dezent, da ändere ich dann nichts und ja an den Augen würde ich nie etwas ändern, das funktioniert gar nicht. Wenn sich einer da etwas auskennt der merkt das dann sofort und mir reicht es auch eigentlich schon wenn ich das schon weis und mir das Foto dann deshalb schon nicht mehr gefällt. Bei Diesem Foto habe ich das für und wieder auch mehrfach immer wieder abgewogen und auch das andere Foto getestet. Ich bin da immer sehr kritisch mit meinen Fotos und lösche rigoros wenn es nicht zu ändern ist, das lässt mir dann keine Ruhe. Einerseits ist das mit Reflexen ein schöner Glänzender Marienkäfer Panzer rund herum aber in der Mitte einfach etwas Überbelichtet und ausgefressen und das Motiv lies sich leider auch nicht mehr draußen wiederholen wie das so ist. Das Endergebnis sehe ich leider oft erst später richtig am PC, obwohl ich bei meiner Kamera Überbelichtungs warnung eingeschaltet habe, das zeigt zwar an, aber vor Ort kann man das nie so genau am Display erkennen. Ich füge hier nochmal das Foto ein mit den unbearbeiteten Reflexen.

So verbleibend,1000 Dank und ich finde deine Bildbesprechungen ganz große Klasse.

Liebe Grüße Christine

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ADMIN

Hallo Christine,

ja, ein schönes Beispiel: Das erste Bild zeigt einen "toten" Marienkäfer, das zweite einen lebenden, dafür aber mit unschönen Reflexen. Und diese Reflexe sind wirklich nicht so einfach zu "entschärfen". Da hast Du oben beim ersten Bild schon ziemlich sauber gearbeitet.

Die Kunst läge hier, wie beschrieben, tatsächlich im Entschärfen. Reflexe ja, aber nicht so störend. Das ist eine große Geißel insbesondere bei der Fotografie von Käfern mit glänzenden Flügeldeckeln.

Danke für den schönen, aufschlussreichen Vergleich!

Lieber Gruß,

Roland

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