Lieber Roland,
diese Schwebfliege habe ich vorgestern am Waldrand in der Nachmittagssonne aufgenommen. Sie hat sich dann ziemlich bodennah auf einem dürren Halm niedergelassen. Ich nehme an das es sich hierbei um die oben genannte Hain-Schwebfliege handelt. Ich habe sie auch von oben mit der Zeichnung kurz gesehen aber nur von der Seite aufgenommen da mir die Seitenlage besser gefiel.
Es ist nach vergleich die einzige Art die gepasst hat und die noch bis November fliegt.
Das Foto habe ich mit Blende 6.3 aufgenommen und etwas stärker beschnitten, da die Schwebfliege ziemlich klein war. Es kann daher sein das der Hintergrund ein wenig rauscht, aber das ist mir lieber da man so die feinen Härchen viel besser erkennen kann, als wenn ich zu stark entrausche. Demnächst werde ich es mal mit Zwischenringen versuchen um gleich etwas näher heran zu kommen.
Liebe Grüße sendet Dir
Christine :-)
Canon Eos 80D
Freihandaufnahme
Kommentare
ADMIN
Hallo Christine,…
Hallo Christine,
super attraktiv bei diesem Foto ist der "Schwung" des vertrockneten Grashalms und die Art und Weise, wie Du ihn ins Bild gesetzt hast. Dies in Verbindung mit der Platzierung der Schwebfliege in den Goldenen Schnitt rechts oben (mit Blick ins Bild) ist sehr gut gelöst.
Folgende zwei Punkte:
Schärfe:
Du hast das Foto mit Blende 6.3 gemacht. Für die Seitenansicht liefert diese Blende etwas zu wenig Schärfentiefe. Die Kontrastkante oben am Rücken und um den Kopf herum liegt voll in der Schärfe – und das ist auch gut. Allerdings die zur Kamera gewandte Vorderseite der Fliege liegt bereits vor der Schärfeebene – und ist somit leicht unscharf. Hierzu gehört der vorgewölbte Thorax-Teil (Brust) und das ebenfalls vorgewölbte Facettenauge. Gerade letzteres wird nur noch als matschiger Fleck dargestellt. Die einzelnen Facettenaugen zeichnen sich nicht mehr ab.
LÖSUNG:
In so einem Fall also tatsächlich besser mit einer größeren Schärfentiefe, sprich einer geschlosseneren Blende arbeiten.
Licht:
Die Nachmittagssonne (schräge November-Sonne) kommt von rechts. Dadurch ist das Gesicht der Fliege im Schatten. In Verbindung mit den leichten Unschärfen auf der Vorderseite der Fliege wirkt dadurch alles etwas flau, wenig brillant. Das ist aber tatsächlich diesen beiden Faktoren geschuldet. Ein Gegenbeispiel dazu stellt Dein Blumenfliegen-Foto dar.
Gerade bei diesem Foto ist das mit der mangelnden Schärfe sehr schade, weil der Bildaufbau wirklich sehr ansprechend ist...
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",
Roland
Hallo Roland,…
Hallo Roland,
vielen lieben Dank für deine Beurteilung.
Es stimmt das die Schwebfliege vielleicht seitlich ein wenig an den dickeren Stellen etwas unscharf daherkommt. Umso mehr man hineinzoomt umso mehr wird es sichtbar. Eventuell verstärkt sich das Ganze aber auch noch durch die starke Bild Beschneidung. Normalerweise vermeide ich solche starken Bild Beschneidungen, aber hier musste es leider sein.
Ich zeige dir jetzt nochmal die Original Größe (Datei als Screenshot. die hat aber leider nur wenige KB).
Das Problem war eigentlich zuerst ein ganz anderes, das die Schwebfliege sehr Bodennah auf diesem trockenen Halm saß und der Hintergrund ziemlich nah und unruhig war.
Die Schwebfliege war auch zudem noch sehr klein und daher kam mir die Idee das Foto lieber mit einer offeneren Blende zu fotografieren damit der Hintergrund nicht noch stärker hervortritt. (Näher konnte ich mich nicht heran schleichen, das Tierchen hatte vorher mehrmals seinen Platz gewechselt und ich hatte nur das 100er Makro dabei.)
Da ich während der Aufnahme also schon bemerkte das die Schwebfliege sehr klein im Bild war habe ich auch aus diesem Grund heraus, (da ich schon daran dachte im Notfall das Foto etwas zu beschneiden) die offenere Blende 6.3 gewählt, da ich dann auch zudem noch eine niedrigere Iso benötigte um bei einem größeren Beschnitt noch eine bessere Bildqualität zu erreichen.
Den Starken Beschnitt musste ich wie sich dann herausstellte aber auf jeden Fall machen, damit auch der trockene Halm ordentlich durchgezeichnet ins Bild gesetzt wurde, (da der trockene Halm durch den noch immer etwas zu unruhigen Hintergrund auch bei Blende 6.3 teilweise nicht so gut aussah. Hätte ich eine noch geschlossenere Blende benutzt wäre der Hintergrund noch mehr zu sehen gewesen und noch mehr Kaos im Bild. Wahrscheinlich sogar noch mehr wie bei meinem Schlupfwespenfoto. Hätte ich da trotzdem noch mit einer geschlosseneren Blende Fotografieren sollen? und sollte man Fotos überhaupt so stark beschneiden? Ich wette viele tun das, aber würden es nie jemandem erzählen.
Dies waren meine Gedanken während der Aufnahme und der Bearbeitung,
Liebe Grüße
Christine
ADMIN
Liebe Christine,…
Liebe Christine,
Du hast Dir eine Menge Gedanken bei der Erstellung und auch bei der Bearbeitung des Fotos gemacht. Du hast zwar oben bei Deiner Bildbeschreibung angegeben, dass Du einen etwas stärkeren Beschnitt vorgenommen hast, mit so viel hatte ich allerdings nicht gerechnet. Von der Retusche hast Du nichts erwähnt.
Was ist das Problem dabei?
Ich kann immer nur das kommentieren, was ich sehe. Zusätzlich bin ich auf die Angaben der Makronisten angewiesen; das sind vor allem die Exif-Daten aus der Kamera und zusätzliche Angaben zum Bild.
Nun überlege mal, wie sich aus meiner Sicht die Bildbesprechung abgespielt hat. Schaue Dir Dein oben eingestelltes Foto an, dann betrachte das Originalfoto. Klar, das sieht ganz anders aus. Viele Dinge wusste ich nicht: z.B. die Stärke des Beschnitts – und damit die eigentliche Charakteristik des Hintergrundes (im Original, so wie es bei der Aufnahme tatsächlich war); oder auch die Tatsache, dass Du bereits einiges vom Halm weggeschnitten und/oder wegretuschiert hattest.
Wenn ich das Original gesehen hätte, wäre meine Kommentierung zumindest teilweise in eine andere Richtung gelaufen. Und nun kommt das Entscheidende: Vielleicht in eine Richtung, die Dir mehr gebracht hätte, denn DU willst ja schließlich Tipps haben und Dich verbessern. Anstatt dessen kommst Du jetzt im Nachhinein, also nach meiner Besprechung, mit den Einzelheiten raus und erklärst mir, warum die Dinge im Bild so sind, wie sie sind. Das ist nicht zielführend!
Insofern entscheide also bitte selbst, inwieweit Du ein Bild nachbehandelst, egal, in welche Richtung und in welcher Intensität. Jedenfalls sind dies alles Dinge, die wegführen vom ursprünglichen Foto. Das Foto bzw. das Fotografieren ist aber Thema hier auf Makrotreff, nicht die Bildbearbeitung. Dafür gibt es andere Foren, wo das alles wesentlich kompetenter und qualifizierter besprochen wird als hier bei uns.
Deshalb mein Tipp:
Versuche verstärkt, von vornherein gute Fotos zu machen, indem Du Fehler beim Fotografieren vermeidest oder, sollten die Bedingungen ungünstig und nicht änderbar sein (was bei wildlebenden Tieren durchaus öfter der Fall sein kann und wird), auf das Foto verzichtest.
Wenn Du Dich dazu entscheidest, hier bei Makrotreff ein Foto einzustellen, bearbeite es entweder nicht oder nur wenig. Ist ein Foto von vornherein so, dass es Deiner Meinung nach dieser ganzen Bearbeitungen bedarf, ehe Du es hier einstellst, verzichte auf die Einstellung. Denn dann bewegen wir uns einfach zu weit weg vom Foto und zu sehr hin zur Qualität und Sinnfrage von Bildnachbearbeitung. Das ist ein anderes Thema.
Hinzu kommt, dass Du damit super viel Zeit von mir bindest. Bitte das jetzt nicht falsch verstehen, aber so ein Beispiel wie oben beschäftigt mich eine Zeit lang, ohne dass es Dir was bringt.
Was das Beschneiden bzw. die Stärke der Beschneidung allgemein anbetrifft, hier meine Gedanken dazu:
Dieses Thema wird sehr kontrovers diskutiert, und noch kontroverser gehandhabt. Daraus resultiere ich für mich: Jeder sollte hier seine eigene Sichtweise dazu entwickeln und seinen eigenen Weg gehen.
Die beste Qualität eines Fotos erreicht man, indem man es von vornherein sauber erstellt. Wir hier bei Makrotreff wollen uns auf die Bildentstehung, also auf das tatsächliche Fotografieren, beschränken und konzentrieren, diesen Teil der fotografischen Arbeit unterstützen und verbessern helfen, und die Fotografie als kreatives Handwerk betrachten. Damit ist in unseren Augen den Makronisten am meisten geholfen. Wer sich daran nicht auch orientiert und beispielsweise extrem starke Beschnitte in die Routine seiner Praxis übernimmt und zur Gewohnheit macht, betrügt sich letztendlich selbst.
Lieber Gruß,
Roland
Lieber Roland,…
Lieber Roland,
das ist schon in Ordnung und ich finde es auch ganz ok das du mir das schreibst. Ich wollte dich nicht verärgern damit oder Verletzten, glaub mir das bitte, es tut mir so leid. Ich sehe das ja ganz genauso.
Meine anderen Fotos sind nicht wie dieses hier so stark bearbeitet worden oder beschnitten und es liegt natürlich auch nicht in meinem Sinn das wieder oder weiter zu tun. Es war ein Fehler von mir auch nicht gleich alles mit anzugeben ich entschuldige mich hier vielmals bei dir und stehe dazu, das mache ich nicht wieder. Ich habe das so gar nicht bedacht.
Ich müsste halt nur einen Weg finden so kleine Tiere in der Größe darzustellen das sie einfach Formatfüllender sind um nicht so viel beschneiden zu müssen. Zurzeit ist das große Problem, das sie ziemlich versteckt irgendwo sitzen und deshalb nicht so einfach vom Boden oder vom Hintergrund freizustellen sind.
Gerade wegen dem drum herum, aber sie suchen ja jetzt auch ihren wichtigen Schutz und die Geborgenheit wegen der Kälte.
Liebe Grüße und ich wünsche dir noch einen möglichst schönen Abend
Christine
ADMIN
Liebe Christine,…
Liebe Christine,
kein Problem, ist ja alles nicht so "schlimm". Aber bedenke bitte, dass es viele Situationen in der freien Natur gibt, die einfach nicht zufriedenstellend zu fotografieren sind. Ja, Tiere leben versteckt, sie sitzen auch schonmal zu hoch – nicht nur bei Dir, auch bei mir mit meinen 2 Metern Körpergröße :-), das ist alles relativ – und man erwischt sie manchmal auch nur von hinten, weil sie sich einfach nicht rumdrehen und man selbst nicht vor sie kommt.
Wenn Du die sogenannten "tollen Fotos" von Profis siehst, glaub´ bloß nicht, dass das die einzigen Fotos sind, die sie von diesem Tier, von dieser Pflanze oder von sonst was gemacht haben! Die hatten auch oft vorher unzählige Fehlversuche, ungünstige Situationen oder sonstige Misserfolge, bis dann am Ende die wirklich tollen Fotos im Kasten sind. Der große Unterschied ist: Sie zeigen die anderen Fotos nicht! Und das ist auch gut so, denn die will tatsächlich keiner sehen. Und wenn dann am Ende einige wenige erstklassige Volltreffer dabei sind, bei denen wirklich alles gestimmt hat, dann ist alles gut gelaufen. Ich will damit sagen, der "Schwund" hinter den geglückten Fotos ist normal, den hat jeder im Rucksack.
Ich gebe Dir ein Beispiel: In der MAKROFOTO Nr. 5 ist eine umfangreiche Reportage über die Schmuckgrabwespe abgedruckt. Dieses Tier ist in dieser Form bisher noch nie fotografiert worden. Die Aufmachung in der MAKROFOTO sieht ziemlich "lecker" aus, wirkt gut, kommt gut rüber.
So, nun die ganze Wahrheit: Ich habe für diese Story etwa 7000 Fotos gemacht, während eines Zeitraums von etwa 4 Wochen. 6985 davon zeige ich nicht, die sind nicht irgendwo abgedruckt. Warum? Weil sie für mich nicht zu dem Ziel geführt haben, was ich mir gesteckt hatte. Anders formuliert: Weil sie nicht gut genug sind!
Eine solche oder zumindest ähnliche Bilanz schlummert hinter jeder Profi-Story. Das Niveau solcher Fotos ist so hoch, dass man hier nicht nur Volltreffer fabrizieren kann. Das geht nicht.
Und so ist auch schon das pauschale Niveau der allgemeinen Makrofotografie so hoch, dass lange nicht alle Motive auch wirklich zufriedenstellend auf den Sensor zu bannen sind. Hier muss man sich gute Fotos wirklich im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten.
Ich denke, wenn Du das bei Deiner (Makro)fotografie berücksichtigst, wird dir das helfen.
Lieber Gruß,
Roland
Guten Morgen lieber Roland,…
Guten Morgen lieber Roland,
das ist ja sowas von lieb von dir, dass du mir das hier so offen schreibst. Ich bin jetzt total überwältigt deswegen.
Deine super schönen Fotos von der Schmuckgrabwespe habe ich in der Ausgabe 5 schon gesehen. Ich habe die Zeitschrift ja auch.
Das ist alles unheimlich faszinierend und ich kann mir schon sehr gut vorstellen das dies keineswegs so einfach war, im gegenteil. Ich werde mir deine Worte hier jetzt auch noch ganz fest zu Herzen nehmen.
Ich wünsche dir ein schönes erholsamen Wochenende
Ganz liebe Grüße
Christine
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