freut mich, daß es Dir gefällt! Daß das Stacken mit dem Kinon schwierig sei, habe ich jetzt schon mehrfach gehört, kann ich jedoch nicht bestätigen. Das Kinon ist ja eine Triplet-Konstruktion und Triplets sind eigentlich schon recht scharf und auch kontrastreich - allerdings nur in der Mitte.
Die Kinons zeichnen sich als Projektionsobjektive durch eine sehr deutliche Zentralschärfe aus. Sobald die Bildmitte verlassen wird, lässt die Schärfe schnell und deutlich nach. Die Schärfe selbst ist – je nach Licht- und Kontrastverhältnis im Motiv – oft eher mäßig. Die Stärke der Kinons (hiervon gibt es eine ganze Menge verschiedene) am modernen Sensor liegt in ihrer Art der Unschärfendarstellung in Verbindung mit einem recht stark ausgeprägten Swirl sowie einer Kinon-eigenen "Bild-Aura" (Zusammenspiel von Farbwiedergabe, Schärfe und Unschärfe).
Dies alles zeigt, dass Kinons nicht besonders gut dafür geeignet sind, um mit ihnen Focus Stacks zu machen. Die Kontraste im Schärfebereich "verschwimmen" sehr häufig (oft im Minimalbereich). Die Folge: Programme tun sich beim Zusammenrechnen der Einzelbilder schwer, eine klare, endgültige Schärfe zu finden.
Bei deinem Bild wird dies deutlich. In kleiner Größe betrachtet, wirkt die Distel relativ scharf. In der 1:1-Vergrößerung wird jedoch deutlich, dass nirgendwo eine echte, sauber Schärfe liegt. Da ist vielmehr eine seltsame, künstlich gerechnete "scheinbare Schärfe", die völlig untypisch für ein Kinon und letztendlich eine Unschärfe ist. Hinzu kommt, dass durch das Zusammenrechnen der Einzelfotos die Kontraste stark zunehmen. Dadurch entsteht ein Bild, bei dem der Eindruck des Hauptmotivs (hier der Distel) nicht mehr in einem harmonischen Verhältnis zum gemalten Hintergrund steht; die Distel ist zu "konkret" abgebildet für das malerische Umfeld. Das Ungünstigste jedoch ist, dass das Bild nahezu komplett die Kinon-typische Abbildungscharakteristik verliert. Ein Kinon-Bild sieht einfach anders aus. Es hat, wie oben beschrieben, einen ganz eigenen Charme, und der ist durch das Stacken verloren gegangen. Entstanden ist ein Bild ohne Charme, ohne Ausstrahlung, ohne Individualität. Ein Kinon-Bild wirkt im Gesamten, nicht durch irgendeine Art von Schärfe!
Bei der Fotografie mit alten Objektiven spielen die individuellen Abbildungscharakteristiken eine große Rolle. Sie haben einen großen Anteil an der Kreativarbeit in der Vintage-Makrofotografie. Aus diesem Grund spricht Vieles dafür, bei der Ursprungsleistung eines jeweiligen Objektivs zu bleiben und diese alleine zu nutzen. Ebenfalls unter anderem aus diesem Grund sehe ich auch die Modifikationen von Vintage-Objektiven eher kritisch.
Fazit: Kinon-Objektive sind hochinteressante Vintage-Objektive mit einer ausgesprochen individuellen Abbildungscharakteristik. Es ist absolut sinnvoll und lohnenswert, diese auch auf den Sensor zu bringen.
Ich verstehe den Drang, über das "einfache" Fotografieren mit Vintage-Objektiven hinaus zu experimentieren; schließlich ist auch dies eine Art von Kreativität. Aber ich bin auch der Meinung, wir sollten die daraus entstehenden Ergebnisse fotografisch sauber einwerten. Vintage-Objektive sind in ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen so vielfältig, dass wir bei ihren tollen Individualeigenschaften bleiben sollten. Sollte die Schärfeleistung eines bestimmten Objektivs in einer bestimmten Motivsituation nicht ausreichen, findet sich ein anderes Vintage-Objektiv mit einer höheren Schärfeleistung. Dieses kann dann eingesetzt werden, ohne die jeweilige individual-typische Abbildungscharakteristik zu stören.
Kommentare
MOD
Hallo Klaus,vor dem…
Hallo Klaus,
vor dem Hintergrund macht sich Deine Distel richtig gut. Ich habe noch nie mit einem Kinon gestackt. :-) Ich stelle es mir aber schwierig vor.
Liebe Grüße
Gabi
Hallo Gabi,freut mich, daß…
Hallo Gabi,
freut mich, daß es Dir gefällt! Daß das Stacken mit dem Kinon schwierig sei, habe ich jetzt schon mehrfach gehört, kann ich jedoch nicht bestätigen. Das Kinon ist ja eine Triplet-Konstruktion und Triplets sind eigentlich schon recht scharf und auch kontrastreich - allerdings nur in der Mitte.
Liebe Grüße
Klaus
ADMIN
Hallo Klaus,ein paar…
Hallo Klaus,
ein paar Einjustierungen zum
Stacken mit Kinons:
Die Kinons zeichnen sich als Projektionsobjektive durch eine sehr deutliche Zentralschärfe aus. Sobald die Bildmitte verlassen wird, lässt die Schärfe schnell und deutlich nach. Die Schärfe selbst ist – je nach Licht- und Kontrastverhältnis im Motiv – oft eher mäßig.
Die Stärke der Kinons (hiervon gibt es eine ganze Menge verschiedene) am modernen Sensor liegt in ihrer Art der Unschärfendarstellung in Verbindung mit einem recht stark ausgeprägten Swirl sowie einer Kinon-eigenen "Bild-Aura" (Zusammenspiel von Farbwiedergabe, Schärfe und Unschärfe).
Dies alles zeigt, dass Kinons nicht besonders gut dafür geeignet sind, um mit ihnen Focus Stacks zu machen. Die Kontraste im Schärfebereich "verschwimmen" sehr häufig (oft im Minimalbereich). Die Folge: Programme tun sich beim Zusammenrechnen der Einzelbilder schwer, eine klare, endgültige Schärfe zu finden.
Bei deinem Bild wird dies deutlich. In kleiner Größe betrachtet, wirkt die Distel relativ scharf. In der 1:1-Vergrößerung wird jedoch deutlich, dass nirgendwo eine echte, sauber Schärfe liegt. Da ist vielmehr eine seltsame, künstlich gerechnete "scheinbare Schärfe", die völlig untypisch für ein Kinon und letztendlich eine Unschärfe ist.
Hinzu kommt, dass durch das Zusammenrechnen der Einzelfotos die Kontraste stark zunehmen. Dadurch entsteht ein Bild, bei dem der Eindruck des Hauptmotivs (hier der Distel) nicht mehr in einem harmonischen Verhältnis zum gemalten Hintergrund steht; die Distel ist zu "konkret" abgebildet für das malerische Umfeld.
Das Ungünstigste jedoch ist, dass das Bild nahezu komplett die Kinon-typische Abbildungscharakteristik verliert. Ein Kinon-Bild sieht einfach anders aus. Es hat, wie oben beschrieben, einen ganz eigenen Charme, und der ist durch das Stacken verloren gegangen. Entstanden ist ein Bild ohne Charme, ohne Ausstrahlung, ohne Individualität. Ein Kinon-Bild wirkt im Gesamten, nicht durch irgendeine Art von Schärfe!
Bei der Fotografie mit alten Objektiven spielen die individuellen Abbildungscharakteristiken eine große Rolle. Sie haben einen großen Anteil an der Kreativarbeit in der Vintage-Makrofotografie. Aus diesem Grund spricht Vieles dafür, bei der Ursprungsleistung eines jeweiligen Objektivs zu bleiben und diese alleine zu nutzen. Ebenfalls unter anderem aus diesem Grund sehe ich auch die Modifikationen von Vintage-Objektiven eher kritisch.
Fazit:
Kinon-Objektive sind hochinteressante Vintage-Objektive mit einer ausgesprochen individuellen Abbildungscharakteristik. Es ist absolut sinnvoll und lohnenswert, diese auch auf den Sensor zu bringen.
Ich verstehe den Drang, über das "einfache" Fotografieren mit Vintage-Objektiven hinaus zu experimentieren; schließlich ist auch dies eine Art von Kreativität. Aber ich bin auch der Meinung, wir sollten die daraus entstehenden Ergebnisse fotografisch sauber einwerten. Vintage-Objektive sind in ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen so vielfältig, dass wir bei ihren tollen Individualeigenschaften bleiben sollten. Sollte die Schärfeleistung eines bestimmten Objektivs in einer bestimmten Motivsituation nicht ausreichen, findet sich ein anderes Vintage-Objektiv mit einer höheren Schärfeleistung. Dieses kann dann eingesetzt werden, ohne die jeweilige individual-typische Abbildungscharakteristik zu stören.
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht"
Roland
Hallo Roland,herzlichen Dank…
Hallo Roland,
herzlichen Dank für die ausführliche Kommentierung und die technischen Erläuterungen!
Beste Grüße
Klaus
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