Hallo,
ich hab das mal versucht mit den Libellen ,ist ziemlich daneben gegangen .
Die zwei besten (von vielen schlechten ) lade ich mal hoch.
Beim ersten Foto mit der Lotusknospe wirkt eigentlich die Knospe mehr bzw. gleich stark.
Beim zweiten Foto wirkt der Körper nicht scharf .
Nun meine Fragen,:
Was hätt ich anders machen sollen?
Welche Einstellungen an der Kamera muß ich vornehmen?
Soll man auf die Augen fokussieren ?
Wie bringt man den ganzen Körper dann scharf ?
Oder ist meine Kamera gar nicht geignet dafür?
Absolutes Neuland für mich .
Wäre dankbar für die Antworten auf meine Fragen.
LG
Geli
Kommentare
ADMIN
Hallo Geli,…
Hallo Geli,
zunächst mal vorweg: Dein Versuch mit den Libellen ist alles andere als daneben gegangen! Die beiden von Dir eingestellten Fotos haben gute Komponenten - und geben eine Menge Auskunft. Also - ab ins Detail:
Zunächst zur Bestimmung: Du hast völlig richtig und treffend gegoogled! Es ist die Große Pechlibelle (Ischnura elegans) - eine der häufigsten Libellenarten bei uns - weil sie äußerst anspruchslos und damit sehr anpassungsfähig ist.
Auf dem ersten Foto (Foto oben) hast Du eine sehr interessante biologische Aussage fotografiert: das sogenannte Paarungsrad der Libellen. Das obere, blaue Tier ist das Männchen, das untere das Weibchen - hier ein junges Weibchen.
Die beiden fliegen so eine Weile miteinander rum, dabei werden die Spermien übergeben. Anschließend macht sich das Weibchen alleine auf zur Eiablage an versteck liegenden Wasserstellen.
Nun zum Foto:
Dieses Foto hat einige sehr gut gelöste Aspekte. Zunächst ist es hervorragend, dass Du die Kamera absolut parallel zum Paarungsrad ausgerichtet hast. Dadurch sind beide Libellen bis zu den Flügelspitzen scharf - das ist gar nicht so einfach!
Die Bildgestaltung und -aufteilung ist auch sehr ansprechend: schlicht mit Konzentration auf´s Wesentliche, gute Positionierung von Libellen und Knospe. Die klaren Linien der Knospenblätter harmonieren ansprechend zur Form des Paarungsrades. Das ist sehr schön!
Hintergrund: Der ist etwas schwierig. Durch den hellen Hintergrundbereich rechts unten verliert das Foto etwas an "Strahlkraft" und Brillanz. Hier versuchen, über Bildbearbeitung den hellen "Fleck" etwas zu verdunkeln und die Libellen selbst etwas mehr aufzuhellen.
Zu Deinen Fragen im Einzelnen:
Was hättest Du anders machen sollen? -- Bei diesem Bild nicht viel !!! Der etwas störende helle Bereich im Hintergrund war vorgegeben. Hättest Du deshalb die Perspektive gewechselt, wäre das Paarungsrad nicht mehr parallel zur optischen Achse gewesen. Ergebnis: die Libellen in vielen Bereichen unscharf. Das wäre ein Killer gewesen!
Auch die Kameraeinstellungen, die Du vorgenommen hast, sind hier richtig gewählt - damit komme ich auch zur zweiten Frage. Du hast auf Deiner Kamera ein fest installiertes Zoomobjektiv. Wähle bei Makro-Motiven möglichst die längeren (Tele-)Brennweiten aus - das hast Du hier getan. Ich habe zu den Charakteristiken und Eigenschaften von Brennweiten in der Makrofotografie hier auf Makrotreff einen Artikel geschrieben: "MakroBrennweiten - Welche darf´s den sein?". Was hier über die Eigenschaften der unterschiedlichen Brennweiten steht, gilt weitestgehend auch für den Einsatz Deines Objektivs.
Beim zweiten Foto (einzelne Libelle), hast Du mit dem Wert 9.12 eine wesentlich kürzere Brennweite gewählt - und das zeigt sich im eher ungünstigeren Hintergrund! Hier sind die Strukturen noch so stark durchgezeichnet, dass sie störend wirken. Da hast Du einen sehr schönen Vergleich mit Deinen eigenen beiden Fotos. Außerdem: Machst DU Makrofotos mit den kürzeren Brennweiteneinstellungen Deines Objektivs, musst DU super nah ans Motiv ran! Dann gibt´s fast das berühmte "Makro-Küsschen"!
ALSO: Bei Makrofotos möglichst Brennweiten ab ca.100mm wählen! Erhöht sich dadurch die Verwacklungsgefahr, ISO-Wert leicht erhöhen und/oder Blende etwas mehr öffnen und/oder Stativ einsetzen - oder auf das Motiv verzichten!
Die Blende 4,5 ist hier ebenfalls optimal gewählt. Mehr hättest Du an Tiefenschärfe auch nicht gebraucht, da - wie bereits gesagt - die Libellen exakt quer zur Kamera sitzen.
Soll man auf die Augen fokussieren?
Klar, die Augen sind IMMER das Wichtigste! Deshalb stellt sich die Frage eigentlich gar nicht so, wie Du sie gestellt hast. Die Frage ist eher: WIE fokussiere ich auf die Augen? Und da ist es in der Makrofotografie in der Regel leichter, nicht über den Autofokus zu gehen, sondern manuell zu fokussieren. Wählst Du Autofokus, verändert sich die Achse oft alleine schon dadurch, dass Du die Kamera nach dem Setzen des Fokuspunktes neu (endgültig) ausrichtest - also leicht verdrehst. Das reicht bei diesen minimalen Tiefenschärfenbereichen oft schon aus, dass der vorherig angesteuerte Fokuspunkt in die Unschärfe rutscht.
LÖSUNG: Manuell fokussieren. Und zwar
bei Fotos vom Stativ: durch drehen am entsprechenden Objektivring;
bei Fotos freihand: durch vorherige ca. Einstellung der Schärfe, und dann gehst Du mit der gesamten Kamera vor und zurück, bis das Motiv voll in der Schärfe liegt - und lässt den Schuss fliegen :-). Hierbei legst Du also durch Deine vorherige Grobeinstellung nicht die Schärfe, sondern den gewünschten Abbildungsmaßstab fest. Die Schärfe suchst und findest Du dann durch die Vor- und Zurückausrichtung der ganzen Kamera.
Wie bringt man den ganzen Körper scharf?
Wie oben beschrieben, ist der Ausgangspunkt für die Schärfe das Auge. Ob dann der Rest vom Körper scharf wird, liegt daran, ob Du Dich entsprechend zu ihm ausrichtest, eine entsprechende Brennweite, Blende und so weiter wählst.
Bei Deinem zweiten Bild der einzelnen Libelle sitzt die Libelle leicht schräg, sodass die offene Blende 2.8 hier zu wenig Tiefenschärfe für das Hinterleibsende (Abdomen) lieferte. Hättest Du die Blende aber weiter geschlossen - was vom Licht her ja lässig möglich gewesen wäre - hättest Du einen noch unruhigeren Hintergrund gehabt - also auch nicht gut. Hier wäre besser gewesen, was ich oben beschrieben habe: Brennweite über 100mm, dann die Blende auf vielleicht 4 bis 5.6 - und möglichst noch präzisere Parallelausrichtung zum Libellenkörper - und zack, das Foto wäre (noch) besser geworden :-) !
Oder ist meine Kamera gar nicht geeignet dafür?
Doch, sie ist dafür geeignet - und zwar so lange, bis Du an die Grenzen Ihrer Möglichkeiten stößt! Aber das dauert noch eine kleine Weile.
Klar, es gibt Fotosysteme, die speziell für die Makrofotografie ausgelegt sind und dann auch in diesem Bereich höhere Leistungen erbringen. Aber die muss man erst einmal zu nutzen wissen, sonst bringt einem dieses Mehr nichts außer einen deutlich leereren Geldbeutel! Solche Systeme sind zum Beispiel Systemkameras oder Spiegelreflexkameras mit der Möglichkeit von Objektivwechseln. Dann kannst Du Dir ein spezielles Makroobjektiv mit beispielsweise 90 oder 105mm draufschrauben - und losziehen. Hier hast Du zwar weniger Variations- und Einstellungsmöglichkeiten als mit Deiner Bridge-Kamera mit Zoomoptik, aber in dem dann vorgegebenen Bereich erreichst Du höhere Qualität - wie gesagt DU (!), nicht die Kamera mit ohne DU, wie Viele meinen! Man muss das üben und beherrschen, wie überall anders auch im Leben. Im Moment übst Du mit Deiner recht guten Bridge-Kamera - so lange, bist Du das kannst, was sie auch kann. Dann erst wird ein Wechsel wirklich sinnvoll.
(Anmerkung: Wenn Du allerdings in diesem Deinem Tempo so weitermachst, dauert das allerdings doch gar nicht mehr so lange :-). Aber ich sage Dir dann Bescheid, wenn es soweit ist ...)
Also Alles in Allem: Dafür, dass das alles "absolutes Neuland" für Dich ist, machst Du große Schritte auf einem faszinierenden Weg!
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",
Roland
Puhhhh !!!!…
Puhhhh !!!!
Hallo Roland,
deine Bildbeurteilung ist ja wieder vom aller Feinsten .
Mein schnelles Lernen, beruht wahrscheinlich von deiner auf dem Punkt genauen Bildbeurteilung,die ich mir bei jeder "Fotosafari "wieder ins Gedächtnis rufe.
Ich lese ,so wie diese ,jede Bildbeurteilung öfters durch ,also bestimmt drei ,vier mal bis ich alles einigermaßen Verstanden habe .
Mir fehlen schon fast die Worte ,wie viel Zeit du dir nimmst,das ist wirklich bemerkenswert.
Also wieder vielen vielen Dank.
LG
Geli
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