Spidy, spidy on the run ...

(Leider) wieder mal nur ein Gelegenheitsschnappschuß ... aber mir ist es eh lieber nicht dauern von Spinnen und Gezeugs belagert zu werden ;)

Wenigstens ging es sich noch aus den Blitz (runde Softbox 45cm, aufgesteckt) und das Stativ zu holen, bevor der Regen zu heftig wurde.

Spinne von vorne und evtl. weiter ran wäre mir auch recht gewesen, aber war logistisch nicht möglich.

So ist's halt ein Fluchtbild geworden ... rechtfertigt wenigstens die etwas sehr "dynamische" Pose des Krabblers.

lgs

Kommentare

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo raketenaffe,

Du sprichst bereits einige entscheidende Dinge bei Deinem Spinnenbild (übrigens eine Kreuzspinne) an: "Spinne von vorne und evtl. weiter ran wäre mir auch recht gewesen, aber war logistisch nicht möglich".

Stelle Dir folgende Frage: War das Motiv so gut, so einzigartig, dass Du es dennoch fotografieren musstest?

Nur wenn Du diese Frage ruhigen Gewissens mit "Ja" beantworten kannst, solltest Du dieses Foto machen - und dann auch erst anderen Menschen zeigen.

Ein Beispiel: Du siehst einen Maikäfer im Rückenflug, der sich dabei mit einem viel kleineren Marienkäfer paart. Die Szenerie spielt sich vor untergehender Sonne ab - und beide merken nicht, dass sie schnurstracks auf das bereits geöffneten Maul eines Braunbären zufliegen.
Du reißt die Kamera hoch - obwohl Du eigentlich etwas (zu) weit weg bist. Und obwohl Du die beiden fliegenden Käfer nicht genau von vorne "erwischst" (was man dann auch hoffen sollte, ansonsten wärst Du vor ihnen im Maul des Braunbären), schießt Du ein Foto - ein einziges Foto, dafür reicht die Zeit, ehe die Käfer im Braunbärenmaul verschwinden und Du ab jetzt als nächster ganz oben auf des Bärens Fressliste stehst.

Zeige dieses Bild der Welt! Es ist es wert, von jedem Menschen auf diesem Planeten und darüber hinaus gesehen und bestaunt zu werden. Und vor allem: Jeder dieser Menschen hat ungefragt dafür Verständnis, dass Du etwas weit entfernt von den im Rückenflug befindlichen Käfern warst und sie auch nicht spektakulär von vorne fotografieren konntest. Das Foto rechtfertigt sich dennoch selbst. Kein Betrachter wird sagen: Das Foto ist doof, weil der Fotograf sich nicht zugunsten einer besseren Perspektive schnell zwischen die fliegenden kopulierenden Käfer und den mit geöffnetem Maul wartenden Braunbären positioniert  hat und sich somit dann vor dem Eintreffen der im Rückenflug befindlichen Käfer vom Braunbären hat als Erster fressen lassen.

Und nun stelle Dir noch ein Frage:

Trifft das alles auch auf Dein Kreuzspinnenbild oben zu?

Oder anders gefragt:

Ist es das Motiv oben wert oder ist es so spektakulär und einzigartig, dass es es rechtfertigt, trotz der von dir beschriebenen und auch auf dem Bild erkennbaren widrigen Umstände fotografiert zu werden?

 

Was will ich damit sagen?

Ich will damit sagen, ein Fotograf sollte sich immer fragen, was er mit seinem Foto sagen will. Und dann muss er sich noch eine weitere Frage stellen:

Erkennt der Betrachter meines Fotos, was ich damit sagen will?

Beim Kreuzspinnenbild "am Haken" ist das nicht der Fall. Es ist für den Betrachter nicht offensichtlich, dass es für Dich nicht möglich war, näher ran zu gehen und/oder eine bessere Perspektive zum Hauptmotiv einzunehmen. Auch ist die fotografierte Situation (sprich: das Motiv) nicht einzigartig genug, um sie trotz der logistischen Hemmnisse zu rechtfertigen. So stellt sich jeder Betrachter die Frage: Warum nur soll ich mir die Spinne von hinten anschauen, wo ich Tieren (selbst Spinnen:-)) doch soooo gerne in die Augen schaue? Und wo es doch gar nicht soooo schwierig ist, sitzende Kreuzspinnen auch mal tatsächlich von vorne fotografieren zu können?

Fazit:

Versetze Dich als Fotograf in die Situation derjenigen Person, der Dein Bild betrachtet.

Sie kennt nicht die vielleicht widrigen Bedingungen, unter denen das Bild entstand. Und sie ist während der Bildbetrachtung wahrscheinlich auch überhaupt nicht in der gleichen Emotion, in der Du bei der Erstellung des Fotos warst. Was bleibt nun für den Betrachter übrig? Versteht er das Bild. Kann er es überhaupt verstehen?

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt. Deine Emailadresse ist nötig, um Dich über neue Antworten zu informieren.