Porträt: Makrofotografin Eileen Hafke | MAKROTREFF

Porträt: Makrofotografin Eileen Hafke

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Porträt: Makrofotografin Eileen Hafke

Mi, 25/09/2013 - 10:17
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Makrotreff sprach mit Eileen Hafke einer jungen, ambitionierten Makrofotografin aus der Nähe von Berlin. Wenn Du wissen willst, was Eileens "Bokeh-Herz" höher schlagen lässt, oder was sie auf einer Makrotour so alles im Gepäck hat, dann hier entlang.....

Eileen Hafke

Hallo Eileen! Erzähl uns etwas über Dich!

Mein Name ist Eileen Hafke, 23 Jahre alt, geboren bin ich in Erfurt, wohne allerdings seit einigen Jahren in einer Kleinstadt in der Nähe von Berlin. In Berlin studiere ich Jura und meine Freizeit widme ich fast ausschließlich der Fotografie.

Kleinstadt? Das klingt so als hättest du die Natur gleich um die Ecke? Ist das so?

Oh ja, das ist genau richtig. Brandenburg - das Bundesland der Seen, meine Motive befinden sich praktisch genau vor meiner Haustür.

Bist du so auch zur Fotografie gekommen? Oder hat das Jurastudium einen kreativen Ausgleich verlangt?

Zur Fotografie kam ich schon etwas früher, um genauer zu sein in der 12. Klasse. In einem Halbjahr hatten wir das Thema "Fotografie" und dort machten wir wiederum einen kleinen Ausflug in die Makrofotografie. Ich hatte damals Alpenveilchen mit einer digitalen Kompaktkamera fotografiert, was mir so viel Freude bereitet hatte, dass ich mir sagte: "Toll, diesem Bereich möchte ich mich später gern intensiver widmen!". So kam ich dann nach meinem Abitur zu meiner ersten DSLR und meinem Wunsch einen kleinen Schritt näher Aber natürlich hat die Fotografie auch einen netten Nebeneffekt für mein Studium, so kann ich gut abschalten.

Dann hatte ich ja gar nicht so unrecht mit dem Juraausgleich?

Ja, du lagst goldrichtig! :-)

 

Wie war für Dich die erste Makrosession mit Deiner DSLR? Großer Umstieg von der Kompakten?

Um ehrlich zu sein, habe ich nach dem Kauf der DSLR nicht direkt mit Makros angefangen. Ich kannte mich überhaupt nicht aus, was wohl auch der Tatsache geschuldet war, dass ich eigentlich eine Bridge-Kamera kaufen wollte. Als ich diese dann im Laden war, sah ich jedoch ein Sonderangebot einer DSLR und habe ganz spontan zugegriffen. Da ich mich nur bezüglich der anderen Kamera bzw. hinsichtlich des anderen Systems informiert hatte, hing ich dann erst einmal in den Seilen und machte meine ersten Gehversuche mit kleinen Spielereien. Ansonsten kann man den Umstieg nicht wirklich in "groß" oder "klein" einordnen. Es ist eben etwas anderes, schon allein in der Handhabung.

Wie sahen Deine ersten Makrogehversuche aus? Wann hast Du gemerkt, dass ein Makroobjektiv vielleicht nicht schlecht wäre?

Mit meinen ersten Versuchen war ich eigentlich ganz zufrieden, obwohl ich heute darüber immer schmunzeln muss, wenn mir die Bilder mal wieder in die Hand fallen. Mit dem 18-55mm-Objektiv war mir die Vergrößerung nicht ausreichend, weshalb ich immer mein 55-200 mm Teleobjektiv für meine ersten Aufnahmen genommen hatte. Es hatte keinen Bildstabilisator, ich hatte kein Stativ und zudem keine Vorstellung davon, wie schwierig es auf 200 mm ist, ein scharfes Bild von einer auf einem Halm sitzenden Libelle zu bekommen. Irgendwann besserte sich das dann und ich lernte relativ schnell dazu, jedoch erkannte ich auch, dass ich gern etwas näher an meine Objekte herangehen möchte, also war mein nächster Schritt die Anschaffung eines Achromaten, in meinem Fall der Raynox DCR-250. Dadurch war schon einiges mehr an Vergrößerung möglich, aber weil ich ohnehin der Makrofotografie zugetan war, hatte ich ein richtiges Makroobjektiv schon bald ins Auge gefasst. Heute kombiniere ich es aber manchmal noch sehr gern mit der Raynox DCR-250.

Grashüpfer - Eileen Hafke

Schmetterling - Eileen Hafke

Was hast du sonst noch im Gepäck wenn du auf Makrotour gehst? Und wie sieht so eine typische Tour bei dir aus?

Im Gepäck habe ich neben meiner Kamera und meinem Makroobjektiv immer meinen 2x-Telekonverter, Zwischenringe, einen Winkelsucher und meine beiden Blitze (Aufsteckblitz und Ringblitz). Da ich mittlerweile auch ein Stativ besitze, nehme ich das auch des Öfteren mit, damit ich mich daran so langsam mal gewöhne (Das sieht dann so aus, dass ich es dabei habe, aber nicht benutze). Alle Fotos, die ich bisher gemacht habe, sind ohne Stativ entstanden. Ansonsten stehe ich für eine Tour immer früh auf, sodass ich noch vor Sonnenaufgang auf "meinem Platz" bin. Dann streife ich durch die Felder und suche nach Motiven. Eine Tour dauert meistens 3 Stunden, oft auch etwas länger. Wenn ich dann alle Bilder soweit im Kasten, eine Vorauswahl getroffen habe und soweit zufrieden bin, geht es dann wieder nach Hause zum Auswerten. Und natürlich zum Absuchen nach Zecken.

Im digitalen Zeitalter verschlingt das Nachbearbeiten und Aussortieren jede Menge Zeit. Wie viel Zeit steckst Du noch in ein einzelnes Foto nachdem Du es geschossen hast? Und welche Software verwendest Du?

Zuerst muss gesagt werden, dass ich rigoros aussortiere. Nach der üblichen Ausschussrate sortiere ich auch andere Bilder, die eigentlich qualitativ verwendbar wären, aus, wenn ich sehe, dass sie mir von der Platzierung des Motivs, von der Struktur des Hintergrundes usw. nicht gefallen. So habe ich nach einer 3-stündigen Tour etwa 6-10 Bilder, mit denen ich arbeiten möchte. Jedes Bild nimmt in der Rohdatenentwicklung und der anschließenden Nachbearbeitung unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Es ist schwierig, dort einen durchschnittlichen Wert anzugeben. Es gibt Bilder, an denen sitze ich eine Stunde, bis es mir dann abschließend gefällt. Bei anderen wiederum habe ich sofort einen Einfall und brauche nur knapp 15 Minuten Die Rohdatenentwicklung erfolgt bei mir mithilfe von Adobe Camera Raw und die Nachbearbeitung mit Adobe Photoshop.

Was sind so die typischen Parameter an denen du noch drehst?

Nun ja, alles will ich da natürlich auch nicht verraten, aber ich bin ein großer Fan der selektiven Farben und der Gradiationskurven.

Feldwespe - Eileen Hafke

Was fasziniert Dich so an der Welt des Kleinen?

Insekten und Spinnen sind wahnsinnig filigran und haben tolle Formen und Farben. Außerdem ist es ihnen egal, ob man ihre Schokoladenseite ablichtet oder nicht - sie machen sich nichts daraus, wie sie auf einem Foto aussehen Darüber hinaus hat man auf Tour Ruhe und kann einfach mal die Einfachheit des Lebens auf sich wirken lassen.

Hat sich dein Blick und Bewusstsein in Hinblick auf die Natur/ Umwelt geändert, seitdem du Fotografierst?

Ja, definitiv. Ich nehme die Tiere anders wahr, habe Achtung vor ihnen. Auch die Natur an sich habe ich mehr zu schätzen gelernt. Wenn ich auf Tour bin, liegt leider sehr oft Müll in den Feldern, Verpackungen aller Art, stinkende Essensreste etc. So etwas verärgert mich immer.

Eileen, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß bei der Makrofotografie!

Mehr von Eileen Hafke findet ihr hier:

Facebook: http://www.facebook.com/eileenhafkephotography

Flickr: http://www.flickr.com/lacrimaaurea

 

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