BAD NEWS: Insektensterben! - Offener Brief | MAKROTREFF
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BAD NEWS: Insektensterben! - Offener Brief

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BAD NEWS: Insektensterben! - Offener Brief

Di, 07/02/2017 - 22:19
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Nichts für schwache Nerven! Wer so etwas nicht verknusen kann, sollte jetzt nicht weiterlesen. Hier kommen bad news. Es geht um das drastisch fortschreitende Insektensterben. Die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Menschen, die dies bemerken, nicht tolerieren und sich klar positionieren.

Vor wenigen Wochen formulierten zahlreiche anerkannte und unabhängige Wissenschaftler einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten des Bundeslandes Baden-Württemberg, Herrn Winfried Kretschmann. Lesen lohnt sich - trotz bad news!

Weitere, über diesen Offenen Brief hinausgehende Informationen: siehe unten im Anschluss an den Brief

 

Insektensterben: Offener Brief an den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg

sowie an die zuständigen Minister der Landesregierung
aus Anlass des drastischen Rückgangs unserer Insektenpopulationen


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Minister Hauk, sehr geehrter Herr Minister Untersteller,

Als mit der Tierwelt unserer Heimat vertraute Naturinteressierte und Fachentomologen registrieren auch wir seit einigen Jahren mit Sorge einen auffälligen Rückgang von Insekten und insektenfressenden Wirbeltieren in Südwestdeutschland. Wir nehmen daher die im Januar 2017 bei der EU-Kommission bevorstehende Prüfung der Wiederzulassung der drei Neonikotinoid-Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zum Anlass, uns mit der Bitte an Sie und an die zuständigen Minister zu wenden, sich im Rahmen Ihrer politischen Möglichkeiten gegen die Wiederzulassung dieser Stoffe einzusetzen. Aus Sicht zahlreicher kompetenter Wissenschaftler sind die zuvor genannten Insektizide ein wesentlicher Grund für den derzeitigen alarmierenden, ja beängstigenden Rückgang vieler Insektenarten. 

Wie Sie wissen, wurde durch gründliche Untersuchungen und Beobachtungen in Deutschland und anderen Ländern festgestellt (1, 2), dass binnen weniger Jahre ein erheblicher Einbruch in den Populationen zahlreicher Insektenarten zu verzeichnen ist. Das betrifft Blüten besuchende wie auch andere Arten der verschiedensten Insektengruppen, am auffälligsten wohl die Honigbiene (3). Die Naturschutzverbände NABU und BUND rechnen mit Einbußen von bis zu 80 % der Biomasse an Insekten in den letzten Jahren (4). Als Hauptgrund für dieses “Verschwinden” wird jeweils der Einsatz von systemischen Insektiziden, namentlich der o. g. Stoffe vermutet. Diese Stoffe wirken auf das Nervensystem und somit auf den Orientierungssinn und das Verhalten von Insekten und anderen Gliedertieren. Darüber hinaus weisen diese Stoffe lange Halbwertszeiten auf - je nach Umweltbedingungen bis zu mehreren Jahren - wodurch sie im Boden wie auch im Grundwasser persistieren und wirksam bleiben (5).

Dem Rückgang der Artenvielfalt in unserer Landschaft liegt natürlich noch ein ganzes Bündel anderer Ursachen zugrunde (z.B. Landschaftsverbrauch, Monotonisierung und “Ausräumung” der Landschaft, Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, großflächiger Einsatz von Herbiziden, Stickstoffeinträge, Klimaveränderung und zunehmende Luft- und Lichtverschmutzung). Dieser Prozess verläuft bereits seit vielen Jahren und ist am deutlichsten am Verschwinden der Vögel der Agrarlandschaft sichtbar (z.B. Kiebitz, Rebhuhn, Feldlerche). Der vor mehreren Jahren abrupt und vielerorts beobachtete starke Rückgang bei nahezu allen bestäubenden und vielen anderen Insektenarten im Südwesten steht aber offensichtlich in direktem Zusammenhang mit der Aussaat von Neonikotinoid-gebeiztem Maissaatgut.

Von diesem massiven Rückgang der Insekten sind nicht allein die Honigbiene und auch nicht ausschließlich landwirtschaftliche Flächen betroffen, vielmehr sind seither auch in weniger intensiv genutzten Bereichen im Oberrheingebiet, namentlich auch im Kaiserstuhl, zahlreiche Insektenarten weitgehend ausgefallen. Viele bisher häufige Arten sind auf geringere Individuenzahlen reduziert, während die schon immer recht seltenen Besonderheiten der hiesigen Insektenfauna heute kaum noch auffindbar sind; für einen Teil dieser Arten trägt das Land Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung (z. B. 6, 7).

Obwohl der Einsatz von drei Neonikotinoid-Wirkstoffen seit 2013 einstweilig verboten wurde, hat sich die bedrohliche Situation wegen der Langlebigkeit und des Vordringens der Neonikotinoide über Luft und Wasser in weitere Biotopbereiche sogar noch zugespitzt. Damit einhergehend wird außerdem ein nicht minder drastischer und Besorgnis erregender Rückgang an insektenfressenden Wirbeltieren, insbesondere an bestimmten Vogelarten, wissenschaftlich nachgewiesen und von vielen Menschen beobachtet (8). 

Das Insektensterben findet dennoch von breiten Kreisen der Bevölkerung unbemerkt statt. Vielleicht fällt es Autofahrern mit gutem Gedächtnis auf, wenn nach längerer Autobahnfahrt die Windschutzscheibe – im Gegensatz zu früheren Jahren – fast insektenfrei ist. Für aufmerksame Naturbeobachter wird dies auch am Ausbleiben des früheren Gewimmels und Gesummes von vielen Insekten auf blühenden Sträuchern im Frühjahr offensichtlich. Nicht zuletzt fällt den mit der Kartierung von Insektenarten beauftragten Fachleuten an der Leere ihrer Netze, Klopfschirme und Fallen die Veränderung auf. Die bemerkenswert große Artenvielfalt und Insektenfülle, die wir am südlichen Oberrhein noch vor 15 Jahren dokumentiert haben (9) - u. a. über 2.100 Käferarten - ist augenscheinlich seither stark zurückgegangen. 

Als mittel- bis langfristige Folgen bei einem weitgehenden Ausfall der Blütenbestäuber würden sich für die Landwirtschaft enorme Einbußen ergeben, da in Europa etwa 80 % der Ernte von Bestäubern abhängig sind (10). Darüber hinaus kommt es in der gesamten naturnahen Umwelt zu weiteren schweren Beeinträchtigungen des ohnehin gestörten Gleichgewichts.

Die Insektenwelt ist schon jetzt so weitgehend dezimiert, dass es wahrscheinlich Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen wird, bis ihre Vielfalt wieder einigermaßen hergestellt ist. Wir appellieren deshalb an Sie, Herr Ministerpräsident, Herr Minister Untersteller und Herr Minister Hauk, die folgenden Vorschläge und Forderungen zu unterstützen und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und Zuständigkeiten umzusetzen: 

  • Ein vollständiges und dauerhaftes Verbot der Neonikotinoide in der Europäischen Union noch vor Beginn der Vegetationszeit 2017 als eine der am raschesten realisierbaren Maßnahmen, z.B. über die Forderung und Unterstützung einer Bundesratsinitiative.
  • Die Realisierung und Erweiterung eines breit angelegten Programmes, entsprechend der ambitionierten Zielsetzung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz der Vorgängerregierung (11, 12), als Maßnahme gegen das Verschwinden der Insekten, nämlich die umgehende Veranlassung und großzügige Finanzierung von nachhaltigen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität wie z.B. die Renaturierung von Ackerrändern (“Ackerrandstreifen”), die konsequente Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen, die möglichst großflächige Neuausweisung bzw. Vergrößerung von Schutzgebieten nach Naturschutz- und Landeswaldgesetz sowie die Förderung des Arten-, Biotop- und Landschaftsschutzes wie auch der Biologischen Landwirtschaft auf allen Ebenen der Planung, der Verwaltung und der Umsetzung vor Ort.
  • Die alsbaldige Einführung eines landes- und bundesweiten Langzeit-Monitorings wichtiger Zeigergruppen von Insekten und Insektenfressern. Zu fordern sind auch systematische Rückstandsuntersuchungen auf Neonikotinoide in Böden, Gewässern, Pflanzen und Insekten.
  • Unterstützung der Einrichtung eines unabhängigen Forschungszentrums mit der Aufgabe, alle Ursachen für den aktuell zu beobachtenden Rückgang der Insektenpopulationen zu ergründen und Schutzkonzepte zu entwickeln. Dazu gehört auch die Erfassung und Auswertung von entsprechenden Untersuchungen, Beobachtungen und Konsequenzen im In- und Ausland.
  • Die längerfristige Förderung von Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung des allgemeinen Problembewusstseins über die weitreichenden Konsequenzen des Insektensterbens.

Noch ist es nicht zu spät, die Artenvielfalt unserer Insektenwelt und damit die Vielfalt und das Gleichgewicht der naturnahen Umwelt in Deutschland und Europa zu stabilisieren - doch allerhöchste Zeit, wenn es demnächst zur Abstimmung über eine mögliche Wiederzulassung der hochproblematischen Neonikotinoide kommt. Eine falsche Entscheidung hierbei könnte verheerende Folgen haben und wäre unvereinbar mit allen Vorstellungen von Nachhaltigkeit und umweltgerechter Landwirtschaft.

Das Verschwinden der Insekten und damit eines Teils unserer Lebensqualität wird von vielen Menschen mit Sorge gesehen. Daher erwarten die Bürger von der Landesregierung, dass dieses Thema mit der notwendigen Ernsthaftigkeit behandelt wird. Ergreifen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und Zuständigkeiten Maßnahmen, die diese dramatische Verarmung unserer Natur in Baden-Württemberg und darüber hinaus aufhalten und baldmöglichst umkehren. 

Dazu gehört aktuell ganz besonders, mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Wiederzulassung der gefährlichen Neonikotinoide zu verhindern.

Wir sehen Ihren Antworten mit Interesse entgegen und bedanken uns im Voraus für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen,
Freiburger Entomologischer Arbeitskreis 

Der Brief wird von folgenden Verbänden und Organisationen mitgetragen:

Arbeitsgemeinschaft Feldherpetologie und Artenschutz Baden-Württemberg e.V.
Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V.
Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Koleopterologen (ASK) im Entomologischen Verein Stuttgart 1869 e.V.
Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturschutz
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband
BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein
Entomologische Arbeitsgemeinschaft im Naturwissenschaftlichen Verein Karlsruhe e.V.
Fachschaft für Ornithologie Südlicher Oberrhein
Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg e.V.
Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV)
Naturfreunde Baden-Württemberg
Naturfreunde, Ortsgruppe Freiburg
Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Baden-Württemberg
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kreisverband Freiburg
Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V.

Dieser Offene Brief wurde initiiert und formuliert
vom Freiburger Entomologischen Arbeitskreis (FREAK)

 

Literatur (Auswahl):

1. ANONYMUS, 2016: NABUwarnt vor Insektensterben. —Naturin NRW 1/2016: 8-9

2. STEIDLE,J.et al., 2016: Alarmstufe Rot –Insektensterben statt Bienentanz: Wissenschaftler fordern Sofortmaßnahmen gegen Artenschwund. —http://cache.pressmailing.net/content/db97de98-4cda-4c82-bc00-58ca89614e87/Resolution_Insektenschutz_Oktober_2016.pdf

3. WENZEL,K.-W.,2015:Neonikotinoid-Insektizideals Verursacher des Bienensterbens –Ein Addendum zum Beitrag von Hans-Joachim Flügel in der März-Ausgabe der EZ (Hymenoptera: Apidae). —Entomologische Zeitschrift 125(2), S. 67-73

4. NABU, 2016: Dramatisches Insektensterben –Rückgang um 80 Prozent in Teilen Deutsch-lands. —https://www.nabu.de/news/2016/01/20033.html

5. GOULSON D., 2013: An overview of the environmental risks posed by neonicotinoid insecti-cides. —Journal of Applied Ecology50, S.977–987

6. EBERT,G.,HOFMANN,A.,KARBIENER,O.,MEINEKE,J.-U.,STEINER,A.&TRUSCH,R.(2008): Rote Liste und Artenverzeichnis der Großschmetterlinge Baden-Württembergs (Stand: 2004). —LUBW Online-Veröffentlichung

7. LANDESANSTALT FÜR UMWELTSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG (LFU)(HRSG.),2001: Rote Liste der Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) Baden-Württembergs -2. Fassung, Stand 15.September 2000 -1. Auflage 2001).—NATURSCHUTZ-PRAXIS,ARTENSCHUTZ 5

8. HALLMANN C.et al., 2014: Declines in insectivorous birds are associated with high neonico-tinoid concentrations. —Nature 511, S. 341-343

9. LANDESANSTALT FÜR UMWELTSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG (LFU)(HRSG.), 2000: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein. —Naturschutz-Spectrum –Themen 92; Verlag Regionalkultur

10. GODFRAY,H.C.J.et al., 2015: A restatement of recent advances in the natural science evi-dencebase concerning neonicotinoid insecticides and insect pollinators. —Proceedings of the Royal Society B, Biological Sciences 282: 20151821.

11. MINISTERIUM FÜR LÄNDLICHEN RAUM UND VERBRAUCHERSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG (MLR),2014:Naturschutzstrategie Baden-Württemberg.  Biologische Vielfalt und naturverträgliches Wirtschaften –für die Zukunft unseres Landes. —Broschüre, 2. Aufl., 119 Seiten

12. MINISTERIUM FÜR LÄNDLICHEN RAUM UND VERBRAUCHERSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG (MLR),2016:Bericht zur Lage der Natur in Baden-Württemberg. —Broschüre MLR, Drucknummer 2-2016-61, Januar 2016, 116 Seitenund:Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 15/7930 vom 13.01.2016

Weiterführende Informationen:

Die im Offenen Brief angesprochene bevorstehende Prüfung der Wiederzulassung der drei höchst gefährlichen Neonikotinoid-Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam bei der EU-Kommission findet im Herbst 2017 statt.

Am 08. Januar 2017 wurde dieser Brief auch von der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. als Offener Brief an die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Hannelore Kraft, gesandt.

Kommentare

Erstellt von Gabi Jaeger (nicht überprüft) on Sa, 11/02/2017 - 13:54 Permanenter Link

Danke euch für die Info.

Ich werde diesen Brief ausdrucken und an Freunde und Bekannte weitergeben.Einige davon sind auch in der Landwirtschaft tätig. Es ist besser als nichts zu tun. Vielleicht kann ich damit die Aufmerksamkeit von ein paar Menschen erreichen.

Leider wird vielen Landwirten von den großen Herstellern der Spritzmittel anderes vorgegaukelt.

Ich wohne in einer Kirschenanbau- Region. Auf den Plantagen ist es mittlerweile gängige Praxis unter den Bäumen alles abzuspritzen, damit man dort nicht mähen muß, sondern ohne Mühe die Stiegen aufstellen kann. Fragen darf man nicht stellen. Leider verderben einige radikale Umweltschützer mit teilweise dummer und heftiger Vorgehensweise die Fortschritte der anderen. Ich halte einen Gedankenaustausch beider Seiten für wichtig!

LG Gabi

 

Hallo Gabi,

der von Dir angesprochenen Praxis der Fehlinformation der Landwirte durch die großen Hersteller der Spritzmittel begegne ich auch immer wieder, insbesondere bei Diskussionen im Anschluss der Multivisions-Vorträge, die ich halte. Sehr häufig werde ich hierbei mit äußerst verwunderten Reaktionen seitens anwesender Landwirte konfrontiert, die teils völlig entsetzt feststellen, dass sie diese Dinge, die ich in den Vorträgen zeige, noch nie gehört, geschweige denn gesehen hätten. In diesem Zusammenhang wird dann zusätzlich oft deutlich, dass auch der Bauernverband seine Mitglieder (in diesem Berufs-Verband sind - defensiv ausgedrückt - sehr viele Landwirte organisiert) offensichtlich sehr einseitig informiert.

Leider stellt der Bauernverband für zahlreiche Landwirte anscheinend die einzige Informationsquelle dar. Denn leider wird von sehr vielen Landwirten die Information von "Grüner Seite" (beispielsweise Naturschutzverbänden und Co.) regelrecht boykottiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig - und leider auch immer wieder begründet in einem, auch da gebe ich Dir Recht, ziemlich unklugen Vorgehen dieser "grünen" Seite. Dennoch wünsche ich mir zunehmend hier auch eine stärkere Differenzierungsbereitschaft seitens der Landwirte.

Wir scheinen derzeit in einer Sackgasse zu stecken. Die Situation, die sich jetzt aktuell darstellt, ist das vorläufige Ergebnis jahrzehntelanger Vorgehensweise unserer (land)wirtschaftlichen und naturschutzorientierten Praktiken. Die Gegenwart zeigt: Diese Praktiken sind alles andere als erfolgreich. Der Druck auf die Lebensräume ist groß wie nie zuvor. Unsere Ökosysteme sind kurz davor zu kollabieren. Und hier geht es nicht nur um "weit von uns entfernt" befindliche Systeme wie die tropischen Regenwälder, die Polkappen oder den Golfstrom. Es geht um die Ökosysteme direkt vor unserer Haustüre, die derzeit massiv und mit viel zu wenig Rücksichtnahme-Bereitschaft zerstört werden.

Dies zeigt, dass es höchste Zeit ist für ein Umdenken, und zwar nicht im Rahmen der bisher (gescheiterten) Vorgehensweisen! Wir müssen gänzlich neue Wege gehen. Die Notwendigkeit hierfür wird nicht zuletzt durch den Offenen Brief zahlreicher Wissenschaftler deutlich. Ob die Politiker bereit sein werden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu reagieren, auch wenn sie hierbei einzelnen Lobby-Verbänden auf die Füße steigen müssen, wird sich zeigen.

Lieber Gruß,

Roland

Etwas zum Freuen für euch! Zur Info

Heute morgen war in unserer Zeitung ein Artikel vom Landkreis. Offensichtlich gibt es hier in Hessen ein Programm für Argarumwelt und Landschaftspflegemaßnahmen (  Halm). Kreisweit haben Landwirte über 225 Hektar Blühflächen freiwillig angelegt. Hinzu kommen weitere Agrarumweltmaßnahmen wie Ackerflächen mit vielgliedrigen Fruchtfolgen ( 1700 ha),Erosionsschutzstreifen ( 85 ha) Ackerrandstreifen ( 32 ha) sowie Ackerwildkrautflächen ( 7 ha). So stand es hier im Artikel.

Besonders freut mich dabei die Freiwilligkeit, denn das setzt voraus, dass sich Menschen mit diesem Thema auseinander gesetzt haben.

LG Gabi

 

Erstellt von Johannes Kurzawa (nicht überprüft) on Sa, 18/02/2017 - 14:53 Permanenter Link

Schön zu sehen das es noch Mitstreiter gibt.

Hier in NRW gibt es auch einen offenen Brief an die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Hannelore Kraft,
sowie an den
Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Johannes Remmel.

Gemeinsam sind wir stark, packen wir es an.

Hallo Johannes,

ja, diejenigen Menschen, die sich mit dem Inhalt beziehungsweise den Forderungen des Offenen Briefs identifizieren, werden immer mehr. Ich bin gespannt, ob weitere Bundesländer nachziehen werden ...

Lieber Gruß,

Roland

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