• extensiver Acker; © R. GÜNTER

Thema Insektensterben:

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Thema Insektensterben:

Do, 29/06/2017 - 11:25
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Es kommt Bewegung in die ganze Sache!

TOP-Thema im heutejournal (ZDF): Das "Insektensterben"

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima) in extensiv genutztem Acker

Seit einigen Wochen häufen sich die Berichterstattungen über den dramatischen Rückgang der Insekten. Insbesondere verschiedene Radiosender berichten zunehmend über die Ergebnisse der Forschungen, die Auslöser des Ende des vergangenen Jahres verfassten offenen Briefs zahlreicher deutscher Insekten-Wissenschaftlern (Entomologen) sind. Wir stellten diesen offenen Brief hier bei Makrotreff ein.

Gestern Abend war das "Insektensterben" (so heißt dieser Sachverhalt mittlerweile sehr medienwirksam) Thema bei Klaus Kleber im heutejournal (ZDF) um 21:45 Uhr. Interessant: Es war das TOP-Thema! Es war der erste Beitrag im Journal, unterstützt durch einen eingespielten Film-Plot, zusätzlich im Studio kommentiert vom ZDF-Umweltexperte Volker Angres. Das Ganze ist zu sehen hier:

Die Wichtigkeit des Sachverhalts scheint allmählich erkannt zu werden - auch, wenn die Dramaturgie des Ganzen mehr an der zu erwartenden fehlenden Bestäuberleistung seitens der Bienen festgemacht wird und damit schlecht für den Menschen ist. Allerdings liegt man hier voll im Einklang mit der allgegenwärtigen anthropozentrischen Sichtweise, die uns in der Konsequenz ihrer Ausprägung allmählich an zahlreiche Abgründe führt (1).

Von wissenschaftlicher Seite wird heute eindeutig die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Chemie-Einsätzen auf ausgeräumten Produktionsflächen als Hauptverantwortlicher für diese negative Entwicklung gesehen (siehe u.a. den angesprochenen offenen Brief). Interessant ist nun die prompte Reaktion des Bauernverbandes auf den Beitrag im heutejournal: Der klassischen Sextanerlogik folgend, ist es dem Umweltbeauftragten des Deutschen Bauernverbandes Erhard Hartelt nicht zu dumm, festzustellen, dass es auch andere Ursachen für den Rückgang der Insektenpopulationen gibt. Tja, das kennt man doch noch aus alten Schulzeiten: Hatte der Sitz-Nachbar auch eine Fünf, war die eigene doch gar nicht mehr so schlimm!
Immerhin sieht er auch Handlungsbedarf bei der Landwirtschaft und nimmt den landwirtschaftlichen Bereich dann doch "sehr ernst" - na, geht doch! Wir werden sie an den Taten messen ...

Und auf eines ist dann auch immer wieder Verlass: die geöffnete bäuerliche Hand. Alois Heißenhuber, seines Zeichen Agrarökonom, spult postwendend die übliche (bäuerliche) Forderung nach finanzieller Entschädigung durch öffentliche Mittel (auch genannt "Ausgleichszahlungen" oder "Fördergelder") für die Landwirte ab, sollten sie tatsächlich weniger martialisch mit Grund und Boden und allem, was darauf kreucht und fleucht, umgehen (siehe Beitrag heutejournal). Solange in unserem Wirtschaftssystem das Prinzip gilt, dass der Verzicht auf Zerstörung von Ökosystemen und Tötung von Lebewesen entschädigt werden muss, werden wohl (weiterhin) sämtlichen auch noch so gut gemeinten Absichtserklärungen ins Leere laufen.

Wesentlich zielführender und für mich als Menschen wohltuender sind doch da die ehrlichen Worte von Frau Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Landesamts für Umwelt (LfU), und Volker Angres. Beide benennen auffallend offen die Gründe, warum die Naturschutz- und insbesondere die Agrarpolitik der vergangenen Jahren so deutlich ins Leere gelaufen und damit mitverantwortlich für die aktuelle Miesere unserer Mitbewohner auf diesem Planeten ist - aber seht Euch am besten selbst den Beitrag im heutejournal an ...

Roland Günter

 

Literaturhinweis:

(1) siehe hierzu auch: Tiere denken; v. Richard David Precht; Wilhelm Goldmann Verlag München; 2016; 2. Auflage

Anmerkung: Precht thematisiert zwar in seinem Buch schwerpunktmäßig die Themenkomplexe rund um Themen wie Nutztiere, Tiere essen, Tierversuche usw. Aber seine ausführliche Betrachtung der allgemeinen Beziehungen des Menschen heutiger Kulturen zu seinen Mitgeschöpfen inklusive deren Ursprünge ist sehr lesenswert und veranschaulicht den Stellenwert aller Tiere uns Menschen gegenüber aus unserer anthropozentrischen Weltsicht.

Extensiv genutzter Acker mit "Begleitwuchs"

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von Makrofoto. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

Kommentare

Das finde ich sehr gut und sehr hilfreich, wenn Herr Kleber und sein Team das schon als sendungswürdig erachtet! Vielleicht tut sich mal was zeitnah. In der Zeit-Beilage"Forschungsfelder" wurde auch über interessante Maßnahmen berichtet.

Ein kleiner Funken Hoffnung. :-) Leider sitzt nur wenig Kompetenz in der oberen landwirtschaftlichen Führungsebene.;-)

LG Gabi

 

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