Laternen in der Wiese

Vorgestern Abend als das Licht in der Wiese langsam knapp wurde ist mir aufgefallen, dass kleine Tautropfen entstanden. Irgendwie dachte ich, es ist ein wenig, als ob jemand Laternen anzündet. 
Das Pentacon 2.8/135 war leicht abgeblendet, weil ich Schwierigkeiten hatte überhaupt etwas Schärfe auf die Tropfen zu bekommen (ja ja, die Augen) und außerdem den Hintergrund etwas mehr zeichnen wollte. Ich habe etwas experimentiert, indem ich die Frontlinse gedreht habe. Ansonsten ist das Objektiv sehr scharf aber ich wollte mal etwas ausprobieren. 
Zu meiner konkreten Frage: Ich habe das Bild aus dem Raw entwickelt. Abgesehen davon, dass ich keinen besonders guten Bildschirm habe und mit den Farben etwas unsicher bin, beschäftigt mich das Rauschen. Ich sehe öfter gerade bei den Vintage Makros doch recht deutliche "Körnung". Ist das so vielleicht sogar gewollt? Und wie ist das hier? Im Darktable habe ich entrauscht, aber hinterher weder weiter entrauscht noch geschärft. Irgendwie ist ja eh kein Pixel-Peeking angesagt. Also wenn Ihr dazu etwas sagen könnt, wäre ich dankbar. Gern natürlich auch andere Tipps oder Feedback.
Liebe Grüße
Lars

Kommentare

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ADMIN

Hallo GreyEagle,

ich kann deine Assoziation  mit "angezündeten Laternen" gut nachvollziehen. Das Licht schwindet, mit ihm lösen sich die Konturen und Kontraste auf – und dann erscheinen wie aus dem Nichts gedämpfte kleine Lichtpunkte...

Ja, dies zeigt zwar das Bild, aber so wirklich spannend ist es dennoch nicht. Dies liegt unter anderem daran, dass das Pentacon 2.8/135mm an sich schon keine sehr ausgeprägt Abbildungscharakteristik zeigt. Diese hast Du durch den leichten Blendenschluss und die Modifikation zusätzlich reduziert – was unweigerlich zu einem flauen, kontrastarmen Bild ohne wirklichen Schärfepunkt führt.

Diese von Dir beschriebene Laternenwirkung kommt erst dann attraktiv zur Geltung, wenn das Bild mehr Brillanz hat und dann noch mit einem Objektiv aufgenommen wird, das ihm noch einen bestimmten Look spendiert. Das können verschiedene Vintage-Objektive sein, das müsste man in der jeweiligen Situation ausprobieren. Aber wie gesagt, das Pentacon zeichnet sich hier nicht besonders aus. Sehr interessant wären beispielsweise lichtstarke 50(55)mm-Objektive mit Blende 1.4 oder sogar besser 1.2. Sie würden die Dämmerungsstimmung (und mit ihnen die "Laternen") herausarbeiten, ohne sie zu "zerstören".

Bildrauschen ist bei der Vintage-Makrofotografie nicht generell angesagt. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden – beispielsweise bei höheren ISO-Werten infolge Lichtmangels. Aber beim Entrauschen muss man dann möglichts vorsichtig und defensiv vorgehen, damit der besondere Look des eingesetzten Objektives erhalten bleibt; der geht nämlich bei stärkeren Bildbearbeitungen sehr schnell flöten. Dass Du nicht weiter entrauscht hast, ist also sehr gut. Die besonderen Charakteristiken kommen von den Objektiven, nicht von der Nachbearbeitung!

Das Thema, das Du Dir gestellt hast, ist sehr spannend. (Vintage-)Fotografieren in der Dämmerung ist ein sehr interessantes Feld. Hast Du die Möglichkeit, dies mit einem anderen Objektiv zu machen? Wenn ja, lohnt es sich, dranzubleiben :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht"
Roland 

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Makronist

Hallo Roland, danke für die ausführliche und lehrreiche Antwort. 
Interessant, dass Du sagst, die Linsendrehung verringert die Abbildungscharakteristik. In diesem Bild hast Du auf jeden Fall Recht, so ganz überzeugt hat mich das Experiment auch generell nicht aber ich frage mich, wozu Menschen dann diese Mods eigentlich machen. Seis drum, die Linse wird wieder richtig gedreht. 
Ich hätte folgende Objektive zur "Auswahl": 
Pentacon 3.5/30
Domiplan 2.8/50
AGFA Color 1.9/50
Sonnar 3.5/135 (Zebra)
Pentacon 4/200
und verschiedene Zwischenringe.
Wenn Du von 50-55mm sprichst, fallen die letzten zwei Objektive ja raus. Also sollte ich wohl die 3 kurzen Brennweiten einfach mal probieren (auch wenn sie nicht soo lichtstark sind). Übrigens habe ich mir die Aufgabe "(Vintage-)Fotografieren in der Dämmerung" nicht bewusst gestellt. Ich hatte nur noch keine Lust nach Hause zu gehen, wo ich so auf der Wiese lag. Die Dämmerung kam dann irgendwie ganz von allein und wollte auch ein paar Fotos ;-) Ist es aber definitiv wert, vertieft zu werden.
Viele Grüße und Dir auch immer gut Licht
Lars

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ADMIN

Hallo Lars,

die meisten für das Malen mit der Kamera geeigneten Vintage-Objektive besitzen derart tolle Abbildungseigenschaften, dass es absolut ausreicht, mit ihnen ohne Modifikationen zu arbeiten. Im Gegenteil: Die meisten Modifikationen (hier gibt es nur wenige Ausnahmen!) führen zwar vielleicht zu einem "wilderen" Malstil. Gleichzeitig jedoch leidet in der Regel die Schärfeleistung,  häufig auch die Brillanz. Aber vor allem gilt: Die eigentlich tolle individuelle Abbildungcharakteristik der unveränderten Optik geht meist flöten. Deshalb gehe ich mit Modifikationen sehr moderat um.

Unter den von dir aufgelisteten Objektiven ist das Domiplan vielleicht noch am ehesten geeignet, weil es unter den genannten Objektiven über die deutlichste Malcharakteristik verfügt. Aber vor allem manche Objektive mit einer Blende von ca. 1.5 und größer (nicht alle alten Objektive mit diesen Werten!) wären hier klar im Vorteil.

Oft sind es die Gelegenheiten, die einem die Idee zu einem tollen Foto-Thema liefern – so, wie bei dir das Fotografieren der "Laternen" in der Dämmerung. So entstehen oft die schönsten und vor allem interessantesten Fotos :-).

Liebe Grüße

Roland

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