Verdauungstropfen bei Insekten | MAKROTREFF
  • Fliege mit Verdauungstropfen
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  • Blumenfliege (Anthomyiidae) mit Verdauungstropfen
  • Margeriten-Bohrfliege mit Verdauungstropfen / Tephritis neesii
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  • Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) mit Verdauungstropfen

Verdauungstropfen bei Insekten

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Verdauungstropfen bei Insekten

Mi, 29/06/2016 - 17:34
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Der User Christian Mandt ("Krischan") hat ein schönes und gleichzeitig interessantes Foto von einer Fliege in der Galerie "Makrofotografie" eingestellt, das eine ebenso interessante Verhaltensweise unter Insekten zeigt. Dieses Bild möchte ich zum Anlass nehmen, zu diesem faszinierenden Verhalten einen kurzen Artikel einzustellen.

Schmeißfliege mit Verdauungstropfen / Foto: Christian Mandt ("Krischan")

Pentax K-5 II s; Pentax DA 35mm Macro; Bl. 6,3; 1/200 Sek.; ISO 200; 

Das Foto von Christian Mandt zeigt, wie eine Fliege einen Verdauungstropfen mit ihren Mundwerkzeugen festhält. Hierbei handelt es sich um ein immer wieder auftretendes, aber selten zu beobachtendes Verhalten bei Insekten verschiedener Familien und Ordnungen. Die kleinen Tiere würgen einen mehr oder weniger klaren Tropfen heraus, halten ihn kurz mit ihren Mundwerkzeugen fest, um ihn anschließend mit dem Saugrüssel (bei Fliegen) wieder einzusaugen. Das Ganze wird mehrmals wiederholt - immer wieder erscheint der Tropfen am Mund, wird pulsierend ausgewürgt und wieder eingesogen. Manchmal wird der Tropfen dabei immer größer. Das ganze Spiel kann recht lange dauern; bei einer Wildbiene habe ich dies über viele Minuten beobachtet.

Der Grund für dieses Verhalten ist bis heute nicht abschließend geklärt. Es gibt verschiedene Theorien:

1.  Fliegen und Bienen haben keinen Magen im eigentlichen Sinne. Sie verdauen ihre Nahrung größtenteils außerhalb des Körpers. Vereinfacht ausgedrückt, sondern sie enzymreichen Speichel ab, den sie der Nahrung noch außerhalb des Körpers oder bei der Aufnahme beimischen. Die Nahrung wird durch die agressiven Enzyme schnell verflüssigt. Mit dem Einsaugen und Ausstoßen des Verdauungstropfens wird (wahrscheinlich) der Enzymgehalt im bereits aufgenommenen Nahrungsbrei erhöht. Es könnte sich also um eine Art "Nachverdauung" handeln, eine Art "Wiederkäuen" bei Insekten :-).

2.  Es gibt auch die These, dass während des pulsierenden Einsaugens und Ausstoßens des Tropfens verdauungsunterstützende Bakterien aus der Luft mit der Oberfläche des Tropfens aufgenommen werden.

3.  Eine weitere These geht von einer Abkühlungsfunktion aus. Fliegen und auch Bienen produzieren bei hektischen Flugmanövern eine hohe Körperwärme, die sie über Verdunstung an der Tropfenoberfläche wieder abgeben. So könnten sie über das pulsierende Einsaugen und Ausstoßen eine Menge überschüssige Hitze loswerden.

Nun, wie dem auch sei. So ganz genau weiß das wohl nur die Fliege (oder Biene), nicht aber der Homo sapiens. Einerseits wissen wir mittlerweile eine ganze Menge über unsere Mitbewohner, andererseits wissen wir aber sehr Vieles eben auch noch nicht. Bleibt zu hoffen, dass das Interesse an solchen Fragen beim Menschen nicht einschläft. Zumindest ergibt der oben geschilderte Vorgang tolle Makromotive, wie die Aufnahme von "Krischan" zeigt.

Ich stelle noch einige weitere Fotos ein, die uns einen "Einblick" in den Verdauungstropfen einiger Insekten geben:

Fliege (Diptera) mit Verdauungstropfen / Foto: Susanne Wunn (Userin "Susanne Wu ...")

Nikon D800E; Nikkor 105mm f/2,8 Macro; Bl. 8; 1/250 Sek.; ISO 200;

 

Fliege (Diptera) mit Verdauungstropfen auf Dahlien-Blüte / Foto: Gudrun Neuser (Userin "gudrunneuser")

Panasonic Lumix DMC-FZ1000; 146mm + Raynox-Makrovorsatz DCR-250; Bl. 8.0; 1/640 Sek.; ISO 800

 

Blumenfliege (Anthomyiidae) mit Verdauungstropfen auf regennasser, abblühender Blüte der Busch-Malve (Lavatera sp.)

Olympus E-M1; Sigma 150mm f/2.8 Makro; ISO 400; Blende 8; 1/250 Sek.

 

Fliege (Diptera) mit Verdauungstropfen auf einer Margeritenblüte

Olympus E5; Sigma 105mm f2.8 Makro; Bl. 9; ISO 100; Zangenblitz

 

Magerwiesen-Margeriten-Bohrfliege (Tephritis neesii) mit Verdauungstropfen auf einem Margeritenblatt

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 60mm f2.8 Makro; Bl. 9; ISO 200; Zangenblitz

 

Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) mit Verdauungstropfen auf Margeritenblüte;
zu erkennen ist der hohe Nektar- und Pollenanteil im Tropfen. Das Bienen-Männchen "pulsierte" minutenlang!

Olympus E5; Sigma 105mm f2.8 Makro; Bl. 9; ISO 100; Zangenblitz


In diesem Sinne viel Spaß beim Beobachten und Fotografieren von Insekten und  -  "Gut Licht",

Roland Günter

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von Makrofoto. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

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