Insekten im Haus | MAKROTREFF

Insekten im Haus

Alle Fotos wurden im Haus mit Lupenobjektiven und Balgen aufgenommen. Ich verwendete als Beleuchtung LED-Leuchten zur Einstellung und ein auf "Slave" geschaltetes Blitzgerät, das ich mit dem Kamerablitz (Master) zündete.

Es sind meine ersten Versuche mit "neuer" Technik!

Kommentare

Hi MF401,

ob es nun schön ist tote Insekten zu fotografieren soll hier jetzt nicht diskutiert werden. Allerdings scheinen deine Motive schon etwas gelitten zu haben, das sieht man ihnen leider an. Zu Übungszwecken sind solche Motive aber durchaus interessant. Du solltest darauf achten noch weicheres Licht zu bekommen indem du deinem Blitzgerät noch einen aufsetzt. Auch der Fokus sitzt noch nicht richtig auf dem Motiv. Hier geht deutlich mehr wie du auch auf diesem Foto von "Der-Photowerker" erkennen kannst:

http://www.makro-treff.de/de/galerie/fliege-5

 

Hi Valentin,

vielen Dank für deinen prompten Kommentar. Du hast Recht, mir ging es in erster Linie um die Übung. Allerdings frage ich mich: Wie kann ich lebende Insekten, die sich ja rasch bewegen, mit Abbildungsmaßstäben jenseits von 1:1 fotografieren?

Deine Tipps mit dem Licht bzw. dem Focus werde ich natürlich beherzigen.

Viele Grüße aus der Oberpfalz

Manfred (MF401)

 

Hi Manfred,

hast du dir unsere Hefte schon mal angesehen? Dort findest du viele Tipps auch was das fotografieren mit Blitzlich anbelangt:

www.makro-treff.de/zeitschrift

Ansonsten ist es grundsätzlich eine Geduldsache jedes Tier hält irgendwann mal still ;-) Bei Fliegen klappt es eigentlich ganz gut wenn man sich langsam an sie annähert und wilde Bewegungen vermeidet.

Der Vorteil vom Blitzlicht ist aber auch, dass du schnelle Bewegungen einfrieren kannst und somit auch sich bewegende Tiere bei großem ABM gut ablichten kannst.

Hi Valentin,

ich finde die Hefte MAKROFOTO ganz toll!!! Ich habe mir das erste schon angesehen und die weiteren zwei Ausgaben schon bestellt.

 

Zur 1. Ausgabe habe ich eine Frage an dich:

Auf den Seiten 38/39 ist das Coverfoto ganz abgebildet.

1. Welche Nahlinse hast du hier verwendet?

2. Der Vorteil von Nahlinsen ist doch, dass man keinen Belichtungsverlängerungsfaktor hat, oder?

 

Mit fotografischen Grüßen

Manfred

Hi Manfred,

verwendet habe ich dort das Raynox DCR-250. Man hat schon etwas Lichtverlust allerdings hält sich das in Grenzen der Vorteil ist eher, dass sie sehr flexibel und unkompliziert einsetzbar sind (s. Heft 2 Schnappfassung). Und die optische Qualität ist bei den Raynoxlinsen sehr gut!

LG
Valentin

Hallo Manfred401,

erste einmal herzlich willkommen hier bei Makrotreff!

Schön, dass Du Deine ersten Versuche einstellst, hieraus kann man eine ganze Menge Informationen herauslesen. Und dass Du erst einmal tote Insekten fotografierst, ist insofern schon sinnvoll, als dass Du hier den "Ernstfall" testen kannst und Dich erst einmal technisch neu einjustierst! Und zu diesem Technischen gibt es eine ganze Menge zu sagen. Gehen wir schrittweise vor:
 

Geräte:

Mit der 70D hast Du ein sehr leistungsfähiges Werkzeug in der Hand. Das ist schonmal in Ordnung. Und die "alten" Lupenobjektive 20mm und 35mm aus der Analogzeit von Canon sind ebenfalls voll in Ordnung. Damit kannst Du auf jeden Fall sehr gut arbeiten.

Allerdings gibt es hier einige Dinge unbedingt zu beachten:


Schärfe:

Foto eins und drei sind unscharf.

Kurzer Einschub: Bitte stelle immer nur ein Foto ein, damit die hier besprochenen Details eindeutig zuzuordnen sind. Siehe hierzu auch die Hinweise zum Einstellen von Galerie-Fotos.

Die Unschärfe ist in erster Linie eine Unschärfe verursacht durch Beugung. Die entsteht im Makrobereich ab einer bestimmten Schließstellung der Blende - und zwar um so schneller und stärker, je größer der wird. Du kannst also nicht bedenkenlos die Blende zumachen, um möglichst viel Tiefenschärfe zu erhalten. Das Bild wird dann relativ schnell komplett unscharf - und das ist hier passiert (insbesondere bei Foto 3). Du hast nicht die von Dir eingestellte Blende angegeben (siehe hierzu bitte wieder die Hinweise zum Einstellen von Galerie-Fotos). Aber ich sehe den Fotos an, dass sie deutlich zu weit geschlossen war. Lasse Dich hier nicht davon irritieren, was die Hersteller für Blendenschließungen an ihren Makro- und insbesondere Lupen-Objektiven ermöglichen! Das geht häufig bis 22 oder sogar 45 - und ist totaler Unsinn! Also: Bitte unbedingt immer die eingestellte Blende mit angeben!


Licht:

Du hast für die Fotos oben ein Blitzgerät eingesetzt. Das ist natürlich generell in Ordnung. Aber abgesehen von den Nachteilen nur eines Blitzes und auch abgesehen von dem, was Valentin andeutet (), liegt das Hauptproblem bei Deinem Blitzeinsatz in der zu geringen Blitzentfernung zum Motiv. Du bist mit dem Blitz zu nah an der Fliege! Dadurch wird das Licht super grell (siehe vor allem Bild 2), das kannst Du irgendwann auch mit einem Diffusor nicht mehr befriedigend.

Es ist also wichtig, mit dem Blitz einen größeren Abstand, ja fast möglichst großen Abstand zum Motiv zu wählen. Und genau das wird gerade bei der Lupenfotografie aufgrund des super geringen Motivabstands zur Optik ein großes Problem (das Objektiv selbst ist im Weg!). Bei der Arbeit in diesen Abbildungsmaßstäben wird die Platzierung und Montage des Lichts ein verzwicktes Thema. Aber versuche erst einmal, den Blitz weiter zurück zu nehmen, dann gleichzeitig etwas abzuschwächen mit einem Diffusor oder Ähnlichem, und wenn Du Dich dann noch weiter verbessern willst, nehme einen zweiten Blitz hinzu. Du wirst an den Ergebnissen die großen Unterschiede sofort erkennen.
 

Schmutz:

Du hast einen Haufen Schmutz auf den Fotos. Hier sieht´s fast aus wie auf einer illegalen Müllkippe (grins). Das ähnelt schon fast einem alten Scan eines noch älteren Dias!
Damit meine ich nicht die schon von Valentin angesprochenen vielen kleinen Partikeln auf den Tieren. Vielmehr ist Dein Sensor super verschmutzt! Normalerweise sieht ein Sensor so erst aus, nachdem er vom Fotografen drei Monate auf dem Bauch robbend durch die Sahara geschleift wurde, auf der Suche nach der höchsten Sanddüne :-) ! Deshalb:

TIPP: Unbedingt Deinen Sensor reinigen lassen! Sonst nimmst Du diesen Schmutz immer mit und hast ihn auf jedem Foto!
 

Allgemeines (zum Unterschied analoge / digitale Fotografie):

Die digitale Fotografie offenbart viele Details schneller als die analoge Fotografie! Das analoge Bild hattest Du früher entweder erst einmal auf kleiner "Abzugs-Größe" (z.B. 9x13 cm) oder ganz klein als Dia. Da sah man überhaupt nichts! Erst bei der Projektion wurde das Dia vergrößert dargestellt - aber in der Projektion sah alles toll aus! Das lag daran, dass es mit viel Licht auf eine Landwand "geschmissen" wurde.

Das digitale Bild zeigt sich in der Regel direkt einmal auf voller Bildschirmgröße. Und mit einem kleinen Klick bist Du auch schon in der vergrößerten Ansicht, im Idealfall in der 1:1-Größe. Hierfür brauchte man früher beim Dia eine Lupe! Und das hat fast keiner gemacht, zumindest nicht mit einer 6- oder gar 8-fach Lupe! Die hatte man benötigt, um in etwa das zu sehen, was heute beim digitalen Bild die 1:1-Ansicht offenbart.

Bei diesen Vergrößerungen sieht man nun alle guten Taten, aber auch alle Sünden des Fotografen: tolle Schärfen, aber auch die Unschärfen; sauberen Sensor, aber auch Flecken usw. ...

Wie gesagt, viele dieser Dinge passten auch schon früher bei der analogen Fotografie bzw. bei den Dias nicht, aber sie fielen hier nicht so auf. Schau Dir einmal "alte" Dias unter diesem Gesichtspunkt an, und Du wirst wahrscheinlich vom "Analog-Blitz" erschlagen werden ... :-). Jetzt in der Digitalwelt taucht das alles sofort auf - und nun gilt es, das zu vermeiden.


Nun hoffe ich, Deine Motivation beim Vorhaben "Neueinstieg in die digitale Fotografie" nicht getrübt, sondern ordentlich angefacht zu haben. Eines versichere ich Dir: Beachte die hier angesprochenen Dinge, und Du wirst ruck-zuck riesige Unterschiede feststellen - und genauso ruck-zuck Deine Fotofreude in Richtung Fotohimmel katapultieren!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Hallo Roland,

 

vielen Dank für die Menge an guten Tipps, die mir sicherlich in ZUkunft weiterhelfen werden.

Was die Einstellung auf dem zweiten Foto betrifft, so kann ich mich noch gut erinnern, dass ich das Lupenobjektiv 3,5/20mmm verwendet habe und soweit ich weiß, Blende 11 verwendet habe. Leider habe ich nicht auf die förderliche Blende geachtet. Die wäre nämlich bei diesem Abbildungsmaßstab (6,5:1) 4 gewesen. Ich habe mir nämlich extra eine Tabellle dafür errechnet, aber im Eifer des Gefechts eben zu weit abgeblendet.

Zu Foto 1 und 3: Dass man bei diesem Abbildungsmaßstäben (Foto 1: ca. 3:1 / Foto 2: ca. 4:1) nur eine Schärfentiefe von weit unter einem Millimeter hat, erschwert die Sache natürlich zusätzlich. Ist es vertretbar wenn sich auf jedem Bild wenigstens ein scharfer Fixpunkt (z.B. das Auge) befindet?

Was den Sensor betrifft: Ich dachte es genügt, wenn er bei jedem Ausschalten durch die Kamera selbst gereinigt wird. Das war offenbar ein Irrtum!

Herzlichen Gruß

Manfred401

 

 

Hallo Manfred401,

ja, Du hast selbst bereits sehr viele "Problempunkte" herausanalysiert. Ein sehr wichtiger Punkt ist tatsächlich die förderliche Blende. Dazu haben wir hier in Makrotreff einen hilfreichen Artikel eingestellt: Die förderliche Blende in der Makrofotografie - falls Du ihn ohnehin nicht schon gefunden hast. Meine Erfahrung zeigt, dass es oft auch noch ausreicht, eine Stufe weiter als die tatsächlich laut Tabelle angegebenen förderlichen Blende abzublenden. Mehr ist aber kaum drin, sonst verschwimmt alles in einer Art Sauce! Nun bekommt natürlich aufgrund der sehr geringen Tiefenschärfe die optimale Ausrichtung derselben eine große Rolle! Und: hier wird nun auch das Prinzip des Focus-Stackings interessant. Damit wurde beispielsweise die schöne Aufnahme des Users "der-photowerker" von der Fliege erstellt, wie Valentin schon anmerkte. Aber das ist erst einmal natürlich nicht mit der von Dir eingesetzten Technik vergleichbar, bei der man völlig anders vorgeht. Natürlich darf man hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Dennoch: Deine Technik ist deswegen nicht unbrauchbar! Sie muss nur richtig eingesetzt werden.
 

Kurze Anmerkung zum Fokus-Stacking:

Heute werden viele Makrofotos mit der Focus-Stacking-Methode gemacht - und vor allem kräftig angepriesen! Diese Methode ist auch tatsächlich sehr interessant, aber nicht das Allheilmittel, für das sie oft hingestellt wird. Zum einen ist es ja nicht so, dass es vor der Entwicklung dieser Technik keine guten Fotos im (extremen) Nahbereich gab! Wer die Makrofotografie gut beherrscht, kann auch ohne Fokus-Stacking zu sehr guten Aufnahmen kommen. Fokus-Stacking ersetzt nicht die bisherige Vorgehensweise, sondern erweitert bisherige Möglichkeiten - und das auch nur in begrenzten Situationen. Eine der größten Einschränkungen ist, dass sich das Motiv nicht oder nur wenig bewegen darf. Damit scheiden viele Motive mit hoher biologischer Relevanz, so z.B. bewegte Verhaltensweisen von Insekten. Man muss ein wenig aufpassen, dass man mit einer übertriebenen Fokus-Stacking-Anwendung nicht mit der Zeit zu viele zwar optisch schöne, aber doch recht starre, langweilige Fotos mit geringer inhaltlicher Aussage macht. Hier bewahrheitet sich wieder einmal ein guter, alter Grundsatz: Erst, wer die alten Regeln und Methoden beherrscht, kann neue wirklich gut und bereichernd einsetzen!


Und damit sind wir bei Deiner Frage bezüglich des "einen scharfen Fixpunktes":

Sehr häufig reicht natürlich ein scharfer Fixpunkt! Aber man kann das unmöglich verallgemeinern. Hier kommen viele andere entscheidende Punkte dazu wie z.B. die Form und Stärke der Dreidimensionalität des Motivs oder die Ausrichtung der . Zur Ausrichtung der Schärfeneben habe ich kürzlich einen Artikel bei Makrotreff eingestellt:

Die Schärfenebene in der Makrofotografie

Hier findest Du viele praxisrelevante Hinweise genau zu diesem Punkt.

Schau Dir auch das folgende Foto des Weibchens der Purpurringbremse (Heptatoma pellucens) an:

Purpurringbremse (Heptatoma pellucens)

vergrößerte Ansicht

Dieses Foto habe ich nicht gestackt, es wurde vom Grundprinzip her gesehen mit der gleichen Technik gemacht, mit der Du auch arbeitest. Aber hier trifft die optimale Blende zusammen mit der optimalen Lage des Fixpunktes - eines Fixpunktes! Und der liegt auf dem rechten Facettenauge und der Gesichtsmaske. Dadurch, dass ich nicht gestackt habe, erhält das Bremsendamen-Portrait einen weichen Übergang in die unscharfen Bereiche - die aber auch nicht mehr bildwesentlich sind. Dies entspricht weitestgehend unserem natürlichen Sehen!

Also, lange Rede, kurzer Sinn: Du hast, wie bereits gesagt, eine leistungsfähige Technik und Optik. Und ich denke, Du bist auf einem guten Weg, aus dieser Ausgangslage heraus auch gute Bilder zu machen!

TIPP:    Du schreibst, dass Du nun mehr Zeit als früher hast und damit jetzt den Wechsel von der Analog- in die Digitalfotografie vollziehen willst. Arbeite zunächst mehr in Abbildungsbereichen bis etwa 1:1. Erst, wenn hier alles läuft, gehe in die weitere Vergrößerung. Jenseits von 1:1 fangen neue Welten an!!! Hier werden die physikalischen Grenzen schnell erbarmungslos enger! Es wird Dir leichter fallen, diese Grenzen erfolgreich herauszufordern, wenn die übrigen Unterschiede zur digitalen Fotografie keine Rolle mehr spielen. (Die Lupenobjektive laufen Dir ja nicht weg :-) .)

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Hallo Roland,

 

vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar. Ich bin erst heute dazugekommen ihn zu lesen.

Du hast Recht; ich werde mich zunächst mehr auf Abbildungsmaßstäbe bis 1:1 beschränken. Ich wollte nur im Eifer der Euphorie und der neuen Ausrüstung ein paar "echte" Makrofotos schießen (Nach einer Definition beginnen angeblich Makrofotos erst ab ABM 1:1).

Was die Technik des Fokus-Stackings betrifft, so ist es doch fast unmöglich damit lebende Insekten abzubilden, oder? Trotzdem gibt es im Internet immer wieder "gestackte" Insektenaufnahmen, die von vorne bis hinten scharf sind. Wie funktioniert denn das?

Genauso ist es jenseits von 1:1 (fast) unmöglich sich bewegende Objekte zu fotografieren. Der komplizierte Aufbau (Stativ, Balgengerät, Makroschlitten ... usw.) verhindern doch, dass man adäquat schnell reagieren kann. Schade! Oder gibt es einen Profitipp dazu?

Mit makrofotografischen Grüßen

Manfred

 

Hallo Manfred,

ich bin zwar erst kurz hier im Treff, möchte aber als Amateur auch ein klein wenig zu Deiner Frage, ob Fokus-Stacking an lebenden Tieren möglich ist, beitragen.

Es ist in jedem Fall möglich lebende Insekten zu "stacken". Die einzige Voraussetzung dafür ist, daß Dein Motiv sich komplett ruhig verhält.

Das bedeutet einmal, daß das Insekt sich nicht bewegt. Dies ist vor allem am Morgen bei Sonnenaufgang gegeben. Die meisten Insekten befinden sich hier in der Kältestarre und benötigen einige Zeit in der Sonne um sich aufzuwärmen. Hier entstehen dann Fotos, bei denen sich z.B. Tautropfen auf den Augen befinden. Auch am Abend kannst Du Stacking-Aufnahmen anfertigen, da sich viele Insekten bereits einen Schlafplatz für die Nacht ausgesucht haben und diesen nur sehr ungern wieder verlassen. Hier mußt Du Dich aber immer noch ganz vorsichtig nähern, um die Tiere nicht zu vertreiben. Zudem wird das Licht am Abend immer weniger, am Morgen im mehr (wenn Du ohne Blitz arbeitest). Auch bei Tag finden sich immer wieder Insekten die sich für einige Zeit ruhig verhalten, gerade an Tagen mit niedrigen Temperaturen oder nassem Wetter.

Zum anderen müssen aber auch die Umgebungsparameter stimmen. Und das bedeutet, absolute oder fast absolute Windstille, damit sich die Ansitze der Insekten nicht im Wind bewegen. Bei ganz leichtem Zug kann man noch versuchen die Ansitze mit Pflanzenklammern zu stabilisieren.

Aber beim Focus-Stacking gerade ab ABM 1:1 werden Dir viele Stacks daneben gehen. Im Internet sieht man halt immer nur die gelungenen Ergebnisse. Die vielen, die im Datenpapierkorb landen nicht.

Viele Grüße Dirk

Hallo Manfred,

ich kann das mehr als verstehen, das mit dem "Eifer der Euphorie" - und dann ab in die Super-Vergrößerung! Es ist wirklich äußerst reizvoll, in den starken Maßstäben zu arbeiten.

Die Definition eines "Makrobereichs" ist nicht eindeutig. Die eine Definition sagt, alles zwischen 10:1 und 1:10 ist der Makrobereich, die andere Definition meint zu wissen, Makro begänne erst ab 1:1. Dann gibt es da noch den Bereich der "Lupen-Fotografie". Bei den einen fängt der schon bei 1:1 an (also da, wo wiederum bei anderen doch eigentlich der Makrobereich beginnt!), bei den anderen erst irgendwo ab 5-10:1 so bis etwa 18:1. Du siehst, hier wird super rumtheoretisiert. Eigentlich hat da keiner was davon! Deshalb würde ich hier gar keine "neue" Definition aufstellen, sondern ohne die große Zielvorgabe, in welche Vergrößerung man nun hinein möchte, vorschlagen, sich schrittweise immer größeren Abbildungsmaßstäben anzunähern. Das ist der Garant für Makrofoto-Freuden!


Focus-Stacking:

Zur Technik des Focus-Stackings hat Valentin einen anschaulichen Artikel hier bei Makrotreff eingestellt:

Focus-Stacking leicht gemacht

Ich weiß nicht, ob sich Deine Frage auf die Technik des Focus-Stackings bezieht. Wenn ja, wirst Du hier alles dazu finden.

Zur Praxis und damit zum Einsatz des Focus-Stackings:

Es ist durchaus möglich, lebende Insekten mittels Focus-Stacking abzubilden. Viele, wenn nicht sogar die meisten der Fotos, die Du so im Internet findest und die Du ansprichst, sind wahrscheinlich tatsächlich von "lebenden" Insekten. Das Entscheidende ist, dass sich die Insekten nicht bewegen! Schaue Dir die Aufnahmen genau an: Die Tiere sitzen still! Sehr häufig werden die frühen Morgenstunden genutzt, wenn die Tiere klamm und Tau-behangen irgendwo an Halmen sitzen und darauf warten, dass die Sonne aufgeht, sie wärmt, und dann erst der eigentliche Tag für sie losgeht. Ich nenne das aufgrund der sich wiederholenden und damit etwas eingeschränkten Bildaussage schonmal gerne unterkühlte Tiere mit Tautropfen, die darauf warten, von der Sonne "zurück ins Leben gerufen" zu werden. Oder sie sitzen einfach so irgendwo reglos rum, sodass sie "gestackt" werden können. Dann weisen sie diesen großen Tiefenschärfenbereich auf.

Es ist nicht möglich, Fotos von sich bewegenden Insekten zu stacken. So sind beispielsweise die Fotos der Geschichte "INSEL-LEBENSRÄUME - Mini-Eldorados für Makronisten" nicht gestackt. Bei den meisten der Fotos von der Heuschreckensandwespe bewegt sich die Wespe, teilweise ordentlich stark! Das siehst Du zum Beispiel am fliegenden Sand. Die Fotografie solcher Situationen ermöglicht natürlich erst die tiefen Einblicke in die Verhaltensweisen unserer Insekten. Vielleicht kommt ja mal irgendwann eine Technik auf den Markt, die hierbei hilfreich ist. Zur Zeit müssen diese Hürden noch mit der guten, alten, "handgemachten" Methode gelöst werden: die optimale Wahl und Platzierung der fotografischen "Ur-Elemente" Blende und Zeit! Die gelten schon seit Anbeginn des fotografischen Zeitalters - unverändert. Focus-Tracking kommt nun durch die Hintertüre und kratzt da ein wenig dran rum :-), sprich: versucht, hier ein wenig auszutricksen, und das mit Erfolg - aber eben auch mit Grenzen.

Nachtrag: Ich sehe gerade, dass Dirk ("der-photowerker") Dir nahezu zeitgleich einen Kommentar geschrieben hat. Ich stimme ihm zu, insbesondere auch zu seinem letzten Gedanken - ein guter Hinweis! Unterschätze nicht den Ausschuss, der beim Stacken entsteht und nirgendwo gezeigt wird.


Fotografieren jenseits von 1:1

Natürlich ist es nicht ganz einfach, in großen Abbildungsmaßstäben sich bewegende Objekte zu fotografieren. Aber es geht - Gott sei Dank!

Eine größere Herausforderung hierbei besteht im Scharfstellen: Es dauert erst schon einmal ein wenig, bis man überhaupt den Schärfepunkt so in etwa platziert hat. Bewegt sich dann das begehrte Makro-Wesen, ist besagter schon wieder weg, und man fängt von vorne an. Darüber kann man schon mal den "Wolf" kriegen! Und im ungünstigsten Fall kann es geschehen, dass nach unzählbar vielen Versuchen die Einsicht Oberhand gewinnt, hier walte dieselbe Sinnlosigkeit, mit der Hunde versuchen, ihre Schwänze zu fangen. Das trifft in besonderem Maße dann zu, wenn man jedes mal auch noch ein Stativ verrücken muss, einen Makroschlitten vor- und zurückkurbelt oder mit dem Balgengerät anfängt, Ziehhamonika zu spielen!

Aus diesem Grunde setzte ich äußerst selten ein Stativ ein, noch seltener einen Makroschlitten. Nahezu alle Fotos, die Du von mir siehst, sind ohne diese beiden Teile gemacht worden, also freihand. Und während der Aufnahme kurbel ich auch nicht am Balgengerät herum. Das mache ich vor der Aufnahme!
Würde ich mit Stativ arbeiten, hätte ich genau die Probleme, die Du in Deiner Frage ansprichst.

Ich weiß, dass viele häufig oder sogar ausschließlich mit Stativ arbeiten. Das hat natürlich auch seine Vorteile. Und wenn man das lange genug übt, wird man hier sicherlich auch richtig gut und schnell(er). Ich habe mir recht schnell angewöhnt, ohne zu arbeiten. Eine Voraussetzung hierfür ist natürlich eine nicht zu lange Belichtungszeit. Und da es gerade bei den sehr großen Abbildungsmaßstäben meist von Vorteil ist, Blitzlicht einzusetzen, übernimmt damit die Leuchtdauer dieses Blitzlichtes die tatsächlich wirksame Belichtungszeit - und die lässt sich gut mit der Hand halten.

Die Vorgehensweise ist dann folgende: Vor dem "Hochheben" der Kamera ans Auge die (Makroobjektiv-Einstellung, Balgengerät- oder Anzahl der Zwischenringe) festlegen und einstellen. Damit hat man dann in erster Linie die Vergrößerung (also den ) festgelegt. Dann mit der ganzen Apparatur ans Auge gehen und mit dem gesamten Kopf mit Kamera davor langsam in Richtung "Model" gehen - bis es scharf ist, besser gesagt: bis der Schärfepunkt exakt an der richtigen Stelle liegt. Und dann lässt Du ruck-zuck das Vögelchen fliegen! Der Rest ist, wie so oft im Leben, eine Frage der Übung! 

TIPP:   Fange auch hier erst mal an, unbewegte Objekte zu fotografieren. Wende dabei genau die oben beschriebene Methode an - selbst auch dann, wenn Du für den Einsatz eines Stativs ausreichend Zeit (z.B. Urlaub) und Raum (z.B. einen Tanzsaal) hast. Dann bekommst Du allmählich ein Gefühl für ein solches Arbeiten.

Hier siehst Du zwei Beispielbilder, die - jenseits von 1:1 - freihand so entstanden sind, wie oben beschrieben, mit den dazugehörigen Bilddaten:

Blüte des Gewöhnlichen Reiherschnabels (Erodium cicutarium)

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 38mm f/2.8 Lupenobjektiv am Balgengerät; ISO 100; Blende 5.6; Zangenblitz;
6:1, freihand

 

Kaukasusvergissmeinnicht-Blüte (Brunnera macrophylla)

Olympus E-M1; Olympus Zuiko 38mm f/2.8 Lupenobjektiv am Balgengerät; ISO 100; Blende 5.6; Zangenblitz;
4:1, freihand

Und wenn Du dann ein wenig Übung hast, kannst Du Dich erfolgreich bewegten Vertretern der faszinierenden Krabbelwelt nähern:

Larve des Distel-Schildkäfers (Cassida rubiginosa) mit Kotmaske (auf Stachel aufgespießte Exkremente über dem Körper).

Olympus E-M1; Sigma 105mm f/2.8 Makro + Zwischenring; ISO 200; Blende 8.0; Zangenblitz; 2,5:1, freihand

Der Bursche misst satte 4 mm - und läuft gerade schräg auf die Kamera zu. Mit ein wenig Übung erwischst Du mit der Schärfe genau den Kopf.

Auch das ist noch eine recht langsame Bewegung, dennoch braucht man eben ein wenig Übung. Aber auf diese Weise entstehen dann Fotos von sich bewegenden Motiven mit entsprechender Aussagekraft.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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