Schwebfliege

Blende 9,5  Iso 250   1/750

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ADMIN

Hallo pepper,

jawohl, auch über diesem Foto einer Schwebfliege "schwebt" zugleich eine latente Unschärfe. Es ist aber nicht so, dass Du dagegen nichts machen kannst. Hier gibt´s einige Stellschrauben, mit denen Du auf Deine individuelle Situation reagieren kannst. Schauen wir uns die Möglichkeiten im Einzelnen an:

Die erste und auch wichtigste Stellschraube ist die Verschlusszeit. Die wird in der Makrofotografie sehr häufig falsch eingeschätzt. Ist zum Beispiel 1/800 Sekunde beim Fotografieren eines Formel1-Wagens auf der Start-Ziel-Geraden eine ausreichend kurze Zeit, um ihn scharf abzubilden, stellt die gleiche Zeit in der Makrofotografie eine immer noch recht träge, lange Belichtungszeit dar. Überlege, wie stark sich - immer im Verhältnis zum gesamten Bildausschnitt - der zitternde Fühler einer Fliege bewegt, oder wie stark sich die Verwacklung des Fotografen auf die Intensität des Verrutschens des groß dargestellten Motivs auswirkt. Um an diese Bewegungsschnelligkeit heranzukommen, muss selbst ein mit beispielsweise 50mm-Objektiv fotografierter Rennwagen schon ordentlich Gas geben - im Verhältnis zum Gesamt-Bildausschnitt!

TIPP: Versuche, die Verschlusszeit bei Makrofotos generell vierstellig, also kürzer als 1/1000 Sek., zu halten!

Möglichkeiten, dies zu erreichen, sind:

- ISO-Zahl anheben.
Du kannst bei Deiner Nikon die ISO-Zahl bei Bedarf ohne weiteres auf 400 bis 800 stellen, ohne dass die Qualität zu stark leidet. Der Sensor dieser Kamera packt dies locker! Hier wird eine Menge Mist geredet, und es bringt überhaupt nichts, in das dumme Wettrennen und die öden Muskelspielchen von Marktvergleichen mit einzustimmen - vor allem bringt dies keine guten Bilder! Also: kommst Du nicht auf die 1/1000 Sek. oder kürzer - ISO Zahl rauf!

- Blende so weit schließen, wie nötig, aber nicht mehr!
Beim einem Hummel-Foto Deiner letzten Bildeinstellung hattest Du Blende 13 eingestellt - hier hätte beispielsweise auch Blende 9 ausgereicht, um die nötige Schärfentiefe zu erhalten. Das hätte etwa zu einer doppelt so kurzen Belichtungszeit geführt.
Hier ist es natürlich nicht ganz einfach, bei jedem Motiv einzuschätzen, welcher Blendenwert unter diesem Gesichtspunkt der beste ist. Da hilft nur eines: üben, üben, und nochmal üben. Und hier ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Sehr hilfreich ist beim Üben die Erstellung von Bildreihen: also mehrere Fotos von der gleichen Situation mit unterschiedlichen Blendeneinstellungen machen und die Ergebnisse nachher hinsichtlich der Auswirkungen auf die Tiefenschärfe vergleichen. Dann wächst so langsam ein Gefühl bei Dir für die optimale Blende.

- Stativ:
Ja, das kann eine Lösung sein, aber man darf hier auch nicht zu viel erwarten! Ich weiß, es gibt viele Makronisten, die auf den Einsatz eines Stativs schwören. Hierzu gibt es - wie so oft bei der Fotografie - 1000 verschiedene Meinungen. Ich setzte ein Stativ möglichst selten, teilweise sogar wochen- oder monatelang gar nicht ein! Meine Makrofotos entstehen zu über 99 % (!) ohne Stativ! Auch ich möchte das Ding nicht immer mitschleppen. Und vor allem wären wohl über 90% meiner "Models" lange über die Berge, hätte ich jedes mal vorher ein Stativ aufzirkeln müssen. Diese Friemelei, die oft darin endet, das beim Aufstellen die komplette Vegetation der gesamten Umgebung (einschließlich der Sträucher und Bäume :-) ) wackelt, ist mir meist zu umständlich - und auch zu blöd! Also versuche ich überall, wo es nur irgendwie geht, ohne Stativ auszukommen. Und das klappt bis auf wenige Ausnahmen sehr gut. Bei sehr vielen meiner Motive ist sogar der flexible Freihand-Einsatz Voraussetzung.

In diesem Zusammenhang auch ein paar Gedanken zu der von Dir eingesetzten Optik: Das Micro-Nikor 40mm f2.8 ist optisch eine hervorragende Linse. Aber es ist eine relativ kurze Brennweite für die Makrofotografie - mit der Folge, dass Du sehr nahe an das Motiv heran musst. Und das hat oft wiederum zur Folge, dass man als Makronist eine eher ungünstige und damit instabile Körperhaltung einnehmen muss. Längere Brennweiten - beispielsweise 90mm oder 105mm - geben hier mehr Freiheit, mehr "Arbeitskomfort".

Hinzu kommt, dass das Tiefenschärfenverhalten unterschiedlich ist bei unterschiedlichen Brennweiten. Bei kurzen Brennweiten hast Du einen relativ kleinen Tiefenschärfenbereich, der aber nach vorne und auch nach hinten nur allmählich in Unschärfe übergeht. Bei längeren Brennweiten stellt sich das anders dar: Der Tiefenschärfenbereich ist (natürlich bei gleicher Blende!) etwas größer, aber dann erfolgen rasche Übergänge in deutliche Unschärfen vor und vor allem hinter dem Motiv. Somit kann bei längeren Brennweiten auch die Blende mal etwas offener gehalten werden bei ausreichend vorhandener Tiefenschärfe - dies wiederum hilft Dir sehr bei dem Ziel, eine möglichst kurze Verschlusszeit zu erreichen.
Zu weiteren Auswirkungen unterschiedlicher Brennweiten in der Makrowelt habe ich hier auf Makrotreff einen Artikel geschrieben mit dem Titel: "MakroBrennweite - Welche darf´s denn sein?". Auch dort findest Du Informationen, die Dir bei der Einschätzung zu diesem Themenkomplex weiterhelfen werden.

Noch einige Anmerkungen zum Schwebfliegen-Foto oben:
Das Foto weist ein relativ hartes Licht auf. Scheinbar hast Du es bei hohem Sonnenstand, also so um die Mittagszeit, gemacht. Diese Zeit ist generell etwas ungünstig. Besser die Morgen- und Spätnachmittag- bis Abendstunden nutzen - oder diffuses Wetter.

Auch der Hintergrund ist etwas unruhig - sowohl hinsichtlich der Lichtverhältnisse (unruhige helle und dunkle Bildbereiche) als auch bezüglich der unruhigen Strukturen. Siehe hierzu auch den von mir oben angesprochenen Artikel hier auf Makrotreff.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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