Der Einstieg in die Makrofotografie: Teil 1

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Der Einstieg in die Makrofotografie: Teil 1

Sa, 27/07/2013 - 11:44
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Auf der Suche nach einer Definition von Makrofotografie bist du sicherlich schon auf die DIN-Norm 19040 gestoßen. Diese beschreibt die Makrofotografie knapp und abstrakt, als alles was mit Abbildungsmaßstäben im Bereich 1:10 bis 10:1 aufgenommen wird. Generell spricht man von Makrofotografie wenn Objekte mit einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:1 fotografiert werden. Das klingt erst mal etwas konfus und in Wirklichkeit ist die Makrofotografie kein starrer Bereich von Abbildungsmaßstäben sondern die Grenzen nach unten sowie oben sind Ansichtssache und verschwimmen je nach Lust und Laune des Fotografen.

Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre. Robert Bresson

1. Was ist Makrofotografie?

Formulieren wir Makrofotografie daher einfach als Fotografie von den kleinen Dingen. Angefangen von Blumen über Grashüpfer bis hin zu Facettenaugen von Insekten.

2. Werkzeuge und Hilfsmittel der Makrofotografie

Im Folgenden soll darauf eingegangen werden mit welchen Werkzeugen und Hilfsmitteln man Makrofotos aufnehmen kann. Zwar bieten viele Digitalkameras von Haus aus einen speziellen Makromodus. Doch wer noch näher in die Welt des Kleinen vordringen möchte braucht weiteres Zubehör.

2.1. Nahlinsen und Achromaten

Ein unkompliziertes und preiswertes Hilfsmittel stellen so genannte Nahlinsen und Achromaten dar. Diese lassen sich wie ein Filter auf das Objektiv der Kamera aufschrauben. Die Stärke einer Nahlinse ist in Dioptrien (dpt) angegeben. Gängige Varianten sind z.B. +2, +4 oder +10 dpt. Durch die Nahlinse verkürzt sich die Brennweite des Objektivs, d.h. die Naheinstellgrenze nimmt ab und man kann dementsprechend näher an das Objekt heran.

Der Nachteil dieser Linsen ist, die im Vergleich zu einem richtigen Makroobjektiv geringere Abbildungsqualität sowie die Entstehung von Farbsäumen (chromatische Aberration) an den Rändern des Objekts. Daher sind Achromaten, die die chromatische Aberration weitgehend ausgleichen, die bessere, wenn auch teurere Wahl.

Doch gerade für Einsteiger sind die günstigen Nahlinsen eine gute Möglichkeit erste Erfahrungen in der Welt der Makrofotografie zu sammeln. Folgendes Foto zeigt verschiedene Nahlinsen im Einsatz:

Hier wurde ein Kaktus mit einem normalen 50 mm Objektiv mit verschiedenen Nahlinsen fotografiert.

Um auf sehr günstige und unkomplizierte Weise mit der Makrofotografie loszulegen besorge dir passende Nahlinsen für deine Kamera!

2.2. Makroobjektive

Makroobjektive sind speziell für die Makrofotografie entwickelte Objektive. Die neuesten Modelle erreichen hierbei meist ausnahmslos den Abbildungsmaßstab von 1:1. Es gibt spezielle Lupenobjektive, wie das Canon MP-E 2,8/65, die sogar Vergrößerungen von 5:1 ermöglichen. Bei Makroobjektiven handelt es sich weitgehend um Festbrennweiten, wie 90 oder 105mm.

Mit Makroobjektiven lassen sich, in Bezug auf die Abbildungsqualität, die besten Ergebnisse im Bereich der Makrofotografie erzielen. Doch wenn der Abbildungsmaßstab von 1:1 überschritten werden soll, bspw. um kleinere Tiere wie Fliegen oder Insektenaugen abzubilden, sind andere Hilfsmittel wie Zwischenringe, Nahlinsen/Achromaten oder Retroadapter nötig (Es sei denn man ist glücklicher Besitzer eines Canon MP-E 2,8/65), die im Folgenden vorgestellt werden.

2.3 Zwischenringe

Mit Hilfe von Zwischenringen lässt sich der Abstand vom Objektiv zum Sensor der Kamera verlängern. Das ermöglicht die Vergrößerung des Abbildungsmaßstabs, da man, ähnlich wie bei der Nahlinse, näher an das Motiv herankommt. Zwischenringe sind relativ günstig und haben den Vorteil, dass sie die optische Qualität nicht beeinträchtigen. Allerdings fehlt den meisten Zwischenringen ein elektrischer Anschluss an die Kamera, weshalb man auf Autofokus und Blendensteuerung verzichten muss. Abhilfe schaffen hier etwas teurere Zwischenringe, die die benötigten Anschlüsse aufweisen.

Ein weiterer Nachteil ist die Abnahme der Lichtstärke. Zudem sind Objektive generell auf die von ihnen erreichte maximale Abbildungsleistung  optimiert. D.h. wenn man diese mit Hilfe der Zwischenringe überschreitet, nimmt die Abbildungsqualität stark ab. Verwendet man jedoch zusätzlich einen Retroadapter, der im Folgenden vorgestellt wird, lässt sich diese Problematik umgehen.

2.4 Retroadapter (Umkehrring)

Mit einem Retroadapter lässt sich ein Objektiv verkehrt herum an die Kamera anschließen. Wer bereits durch das „falsche“ Ende eines Fernglases geschaut hat, wird sich an den Lupeneffekt erinnern. Diesen Effekt macht man sich bei Objektiven in Retrostellung zunutze, um sehr hohe Abbildungsmaßstäbe zu erreichen. Dabei muss beachtet werden, dass nun nicht mehr die längste Brennweite für die höchste Vergrößerung sorgt, sondern die kürzeste Brennweite (z.B. 18 mm). Optimal sind hierbei Objektive, bei denen sich die Blende noch manuell einstellen lässt. Denn jegliche Automatik (Blendensteuerung, Autofokus etc.) geht, wie bei der Verwendung von Zwischenringen, verloren.

Die Kombination aus Retroadapter und Zwischenringen ist eine preisgünstige Methode, um sehr hohe Abbildungsmaßstäbe mit guter Abbildungsqualität zu erreichen.

Für eine wirklich hohe Vergrößerung besorge dir ein günstiges gebrauchtes Weitwinkelobjektiv, z.B. mit 24 mm (Noch geringere Brennweiten wie 16 mm ermöglichen zwar eine noch höhere Vergrößerung, doch das Handling (z.B. die benötigte Lichtmenge) wird umso schwerer, desto kleiner die Brennweite!) und ein paar Zwischenringe, sowie einen Retroadapter. Mit dieser Kombination kannst du preiswert und einfach mit hohen Abbildungsmaßstäben experimentieren!

Die folgenden Fotos zeigen die Möglichkeiten, die sich mit einem Retroadapter in der Makrofotografie ergeben:

Vergleich zwischen einem Makroobjektiv (Tamron 90 mm), mit dem man einen Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht und einem Weitwinkelobjektiv, das mit einem Retroadapter in Retrostellung an die Kamera angebracht wurde. Noch näher ans Motiv kommt man bspw., in dem man zusätzlich zum Retroadapter noch Zwischenringe oder Nahlinsen verwendet. Oder man nutzt ein Objektiv mit noch kleinerer Brennweite (z.B. 18 mm).

3. So geht’s weiter

Mit der Vorstellung der Werkzeuge und Hilfsmittel der Makrofotografie endet der erste Teil der Serie „Einstieg in die Makrofotografie“. Ich hoffe der kurze Überblick konnte den Einen oder Anderen ermutigen in die Makrofotografie einzusteigen.

Der zweite Teil der Serie, der in Kürze erscheinen wird, behandelt die Herausforderungen der Makrofotografie und gibt eine Anleitun,g wie diese zu meistern sind. Denn während man die ersten Erfahrungen in diesem Bereich sammelt, stößt man sehr schnell auf Probleme, wie verwackelte Bilder, Lichtmangel, geringe Schärfentiefe u.v.m.

Genau hier setzt „Der Einstieg in die Makrofotografie: Teil 2“ an (In Kürze).

Valentin Gutekunst ist der Gründer von Makrotreff und Herausgeber von Makrofoto und selbst ein ambitionierter Makrofotograf. Mit seinen Fotos möchte er den Menschen die Faszination und Schönheit der Natur und deren Geschöpfe wieder näher bringen. Und damit das Bewusstsein schaffen, dass es gilt diese Artenvielfalt zu bewahren! Neben der Aufklärungsarbeit rund um die biologische Vielfalt, gibt er sein Wissen und seine Erfahrung mit viel Freude und Engagement weiter und auch aus seinen Makrotricks macht er kein großes Geheimnis.

Kommentare

Erstellt von M.Franzius (nicht überprüft) on Sa, 15/10/2016 - 18:54 Permanenter Link

Die Angabe eines Maßstabs ist m.E. in der heutigen Zeit irreführend, da dieser sich auf die Sensorgröße und die Objektgröße bezieht:
Eine abgelichteten Fläche in der Größe von 24x36 mm entspricht bei einem Kleinbildsensor einem Abbildungsmaßstab von 1:1,
die gleiche Fläche entspricht bei einem FourThirds Sensor einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:2,
und schließlich bei einem 2/3" Sensor einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:4.
Die Angabe der abgelichteten Fläche hingegen ist unabhängig von der Sensorgröße und damit eindeutig!

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