Gemeine Becherjungfer

Eine kleine Libelle, vermutlich eine Gemeine Becherjungfer...

Aufgenommen am Decksteiner Weiher in Köln im August 2016..

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ADMIN

Hallo rian,

ein schönes Bild mit frischen Farben - immer wieder schön, insbesondere in dieser Jahreszeit! Außer auf den Weihnachtsmärkten wird man zur Zeit ja nicht gerade erschlagen von Farbenvielfalt :-).

Zum Foto:
 

Schärfe:

Die Schärfe liegt genau auf dem Libellenkopf - das ist gut so und natürlich auch ein Muss! Sehr schön ist auch, dass Du die Schärfenebene so gut wie möglich mit dem Verlauf der Blattkante "synchronisiert" hast! Dadurch bekommt diese Linie eine schöne bildgebende Wirkung.

Aber irgendetwas ist mit diesem Foto passiert. Ist es überschärft? Ist es zu stark entrauscht worden?

Betrachte den Libellenkopf: Hier sitzt die Punktschärfe, die Haare sind weitestgehend scharf - hier sind aber bereits Artefakte in Form von Säumen und Verwaschungen zu sehen (siehe oben auf der Stirn).

Überhaupt wirken Bildteile, die klar innerhalb der Schärfenebene liegen, stellenweise leicht matschig. Ein deutliches Beispiel hierfür siehst Du am linken Facettenaugenrand auf zwei Uhr beim Übergang zum Kopf, das gleiche am gleichen Auge auf acht Uhr. Schaut man genau hin, findet man viele solcher Stellen.

Du hast mit optimalen Einstellungen und Werten für diese Situation gearbeitet: Blende 8 bei ISO 200. Hier greifen bei Deinem Sensor noch keine deutlich sichtbaren fotophysikalischen Grenzen. Was ist hier also los? Das Vivitar-Objektiv ist zwar nicht das beste seiner Klasse, aber für diese Erscheinungen hier ist es eigentlich zu gut - vor allem bei Blende 8. Dennoch ist die Abbildungscharakteristik auffallend - und ich tippe tatsächlich auf das Objektiv. Hast Du ähnliche Beobachtungen gemacht? Und die wichtige weitere Frage ist: Wie stark hast Du nachgeschärft und entrauscht? In der Beschäftigung mit diesen Fragen wirst Du die Lösung finden.
 

Bildaufteilung:

Wie schon oben angedeutet, verfügt das Foto über eine spannende, Wirkung gebende Komponente: die Linie des Blattrandes. Sie wird noch zusätzlich dadurch betont, dass die Libelle "oben drüber schaut". Der Hintergrund ist so stark beruhigt, dass er von den Hauptkomponenten in keiner Weise ablenkt.

Sicherlich hast Du Dir bei dieser Bildaufteilung etwas gedacht; so etwas ist kein Zufall. Aber betrachte das Bild mal abstrakt: Eigentlich ist die Information links neben der Libelle absolut identisch mit der Information rechts neben ihr. Es geht hier nur um diese Linie, über die die Libelle, leicht nach rechts gerichtet, drüber schaut. Ansonsten nichts weiteres. Und diese Wirkung würde deutlich verstärkt, wenn Du die Libelle noch weiter nach links positioniert hättest, vielleicht sogar nach links oben. Jetzt im Moment sitzt sie - ja, nicht so weit links, aber auch nicht in der Mitte - obwohl der Kopf fast zentrisch liegt. Irgendwie ist das weder Fisch noch Fleisch - weder genau mittig (obwohl: hm, der Kopf ist ja fast mittig), aber auch nicht im Goldenen Schnitt. Und auch von der Höhe her: so etwa in die unspektakuläre Mitte, so ein bisschen nach dem Motto: da kann man erst mal nichts falsch machen.
(Bitte verstehe mich hier nicht falsch: Ich will Dich hier nicht kritisieren, sondern Dir verdeutlichen, wie Bildwirkung wirkt.)

Für den Bildbetrachter entsteht dadurch ein Vakuum: Es ist genau das Vakuum, was der Fotograf geschaffen hat dadurch, dass er nicht konsequent entschieden hat. Er hat damit dieses Vakuum an den Betrachter weitergegeben. Und das "spürt" der Betrachter. Er ist verunsichert: "Was will diese an sich auffällige Bildaufteilung zum Ausdruck bringen? Kann ich es mir eigentlich denken? Oder geht mir hier etwas durch die Lappen, übersehe ich was, was der Fotograf mir sagen wollte, ich aber (vielleicht) nicht eindeutig erkenne?."

Nun stelle Dir Folgendes vor:
Rutscht der Liibellenkopf weiter nach links in Richtung Goldener Schnitt, würde links neben der Libelle der "freie", ja fast "inhaltsleere" Raum (der scheint so inhaltsleer zu sein, dass selbst noch nicht mal die Libelle dorthin schaut - bitte verstehe mich nicht falsch :-) ) kleiner, dafür aber der Raum rechts neben der Libelle größer. Klar, der ist eigentlich genau so "Inhaltsleer", aber eben nur eigentlich! Hier geht nämlich dann der Blick der Libelle rein - und das ist der Große Unterschied! Das ist dann BILDWIRKUNG! Das an sich schon tolle Bild würde aufgrund einer geringer Änderung nochmals deutlich an Spannung gewinnen.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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