ein tolles Motiv, schöne Farben, super Hintergrund, aber - autsch! - Du hast dem Tier die Fühler abgeschnitten! Ich hoffe, Du hast das Bild beschnitten? Könntest Du, wenn Du möchtest, eins mit mehr Platz um die Fliege herum, zeigen?
Erika´s Sicht hinsichtlich der angeschnittenen bzw. abgeschnittenen Fühler teile ich.
Licht und Hintergrund sind wieder sehr ansprechend. An dieser Stelle ein paar ausführliche Gedanken zum Thema
Bildwirkung
Dass Du ein Makronist der tiefen Perspektiven bist, dass hatten wir schon mehrmals feststellen dürfen. Mir gefällt das, mir gefällt die daraus resultierende Spannung.
Einzig eine Frage muss man sich natürlich stellen: Passt eine über eine tiefe Perspektive erzeugte Spannung zum Motiv? Bei einer bedrohlich wirkenden Spinne: keine Frage, ja. Aber bei einer Köcherfliege? Hier würde ich sagen: eigentlich weniger. Allerdings ist die Perspektive beim Bild oben auch nicht ganz so tief (und erzeugt damit auch eine nicht ganz so bedrohliche Wirkung) wie beim Spinnenfoto.
Allerdings kommt nun der Bildausschnitt zusätzlich zum Tragen: Du hast die Köcherfliege mehr als formatfüllend abgebildet. Hinten stößt sie schon fast an, vorne ist sie beschnitten.
Was ist formatfüllend?
Formatfüllend heißt nicht, dass das Hauptmotiv an allen Bildkanten anstupst. Auch bei einer formatfüllenden Abbildung soll/darf ein adäquater "Rahmen" um das Hauptmotiv herum bestehen. Und dieser Rahmen beinhaltet "dienendes Umfeld", in der Kunst spricht man vom "Negativraum" – im Gegensatz zum "Positivraum" (das Hauptmotiv). Wenn also dieser Negativraum auch noch um das Motiv herum "komponiert" vorhanden ist, kann dennoch eine Formatfüllung vorliegen.
Diese super starke Vergrößerung verstärkt zusätzlich die etwas bedrohliche Wirkung, sodass sie also die tiefe (wenn auch nicht ganz so tiefe) Perspektive unterstützt und deren Wirkung verstärkt.
Volles Durchstacken
Und dann wird diese bedrohliche Wirkung durch einen weiteren Aspekt unterstützt: Das Foto ist – samt Vorder- und Hintergrund – komplett durchgestackt. Diese volle Schärfe führt zu einer starken Gehirn- und Wahrnehmungsreaktion beim Betrachter, so ähnlich wie: Wow, das Teil ist extrem nah, das ist ja voll scharf! Es wirkt bedrohlich! Warum? Weil wir anders sehen. Wir bilden mit unseren beiden (stereotypen) Augen eine Schnittpunkt, auf den wir unsere "Linsen" einstellen und den wir dadurch scharf wahrnehmen. Alles davor und dahinter wird mehr oder weniger unscharf – also genau so, wie ungestackte Fotos infolge der Blendeneinstellung wiedergeben. Diese Unschärfen bilden weiche Übergänge, weiche "Bild"bereiche – eine wirksame Erscheinung, um Bedrohlichkeit aufzuheben.
Wird ein Foto nun voll durchgestackt, wird dieses unsere Sehprinzip aufgehoben. Das Ergebnis wirkt für uns verwirrend, verfremdet, bestenfalls ungewohnt und bedrohlich. Das ist oben bei Deinem Foto ein wenig der Fall.
Die bedrohliche Wirkung kommt also von drei Seiten:
tiefe Perspektive
formatfüllende Wiedergabe
volles Durchstacken
Das Motiv ist eine Köcherfliege – der Inbegriff von harmlosem Insekt.
Ich hoffe, Du verstehst meine Erläuterungen. Sehe das bitte nicht als negative Kritik. Vielmehr "denke" ich hier laut vor, was meiner Wahrnehmung entspricht. Ich versuche also, die Wahrnehmung eines Betrachters in Worte umzuwandeln, zu formulieren. Das alles geht sehr schnell und läuft meist völlig unbewusst ab. Das Ergebnis ist dann eine Anziehung oder Ablehnung des Betrachtungsgegenstands.
Mir geht es also keinesfalls darum, Dich bzw. Dein Bild hier zu kritisieren, sondern darum, aufzuzeigen, warum es so wirkt wie es wirkt, warum die von Dir hervorragend eingesetzten Techniken so wirken, wie sie wirken. Denn eines darf ein Fotograf (egal ob Makronist oder sonst was) nicht übersehen: Setzt er Techniken ein, haben sie ihre Wirkung beim Betrachter, egal, aus welchen Gründen er sie einsetzt, und sei es nur, weil ihm die Techniken an sich gefallen.
Zum Focus Stack
Du hörst schon aus dem Geschriebenen heraus: Dieses Mal ist der Focus Stack sehr gut gelungen. Nur an wenigen Stellen treten Unsauberkeiten auf.
Allerdings bedenke: Hier dieses Motiv ist diesbezüglich völlig anders zu sehen als die vorherigen. Hier liegen viel mehr glatte Flächen vor, sind weniger "schwierige" Mini-Kontrastkanten vorhanden, die die Software quälen. Es geht also darum, ein Motiv hinsichtlich seiner Stacking-Freundlichkeit einschätzen zu lernen.
Kommentare
Hallo TmnDo, ein tolles…
Hallo TmnDo,
ein tolles Motiv, schöne Farben, super Hintergrund, aber - autsch! - Du hast dem Tier die Fühler abgeschnitten! Ich hoffe, Du hast das Bild beschnitten? Könntest Du, wenn Du möchtest, eins mit mehr Platz um die Fliege herum, zeigen?
Liebe Grüße
Erika
Hallo Erika Ja Dui hast…
Hallo Erika
Ja Dui hast Recht. Fühler abschneiden geht gar nicht. Ist aber leider so passiert.
Beim Beschneiden des Bildes nicht richtig geguckt, OK geklickt und so war das Original leider futsch. Grrrrr.
Dummer und fataler Fehler meinerseits.
Liebe Grüße
Bernd
ADMIN
Hallo TmnDo, und noch ein…
Hallo TmnDo,
und noch ein Stack, diesmal "voll durchgestackt".
Erika´s Sicht hinsichtlich der angeschnittenen bzw. abgeschnittenen Fühler teile ich.
Licht und Hintergrund sind wieder sehr ansprechend. An dieser Stelle ein paar ausführliche Gedanken zum Thema
Bildwirkung
Dass Du ein Makronist der tiefen Perspektiven bist, dass hatten wir schon mehrmals feststellen dürfen. Mir gefällt das, mir gefällt die daraus resultierende Spannung.
Einzig eine Frage muss man sich natürlich stellen: Passt eine über eine tiefe Perspektive erzeugte Spannung zum Motiv? Bei einer bedrohlich wirkenden Spinne: keine Frage, ja. Aber bei einer Köcherfliege? Hier würde ich sagen: eigentlich weniger. Allerdings ist die Perspektive beim Bild oben auch nicht ganz so tief (und erzeugt damit auch eine nicht ganz so bedrohliche Wirkung) wie beim Spinnenfoto.
Allerdings kommt nun der Bildausschnitt zusätzlich zum Tragen: Du hast die Köcherfliege mehr als formatfüllend abgebildet. Hinten stößt sie schon fast an, vorne ist sie beschnitten.
Was ist formatfüllend?
Formatfüllend heißt nicht, dass das Hauptmotiv an allen Bildkanten anstupst. Auch bei einer formatfüllenden Abbildung soll/darf ein adäquater "Rahmen" um das Hauptmotiv herum bestehen. Und dieser Rahmen beinhaltet "dienendes Umfeld", in der Kunst spricht man vom "Negativraum" – im Gegensatz zum "Positivraum" (das Hauptmotiv). Wenn also dieser Negativraum auch noch um das Motiv herum "komponiert" vorhanden ist, kann dennoch eine Formatfüllung vorliegen.
Diese super starke Vergrößerung verstärkt zusätzlich die etwas bedrohliche Wirkung, sodass sie also die tiefe (wenn auch nicht ganz so tiefe) Perspektive unterstützt und deren Wirkung verstärkt.
Volles Durchstacken
Und dann wird diese bedrohliche Wirkung durch einen weiteren Aspekt unterstützt: Das Foto ist – samt Vorder- und Hintergrund – komplett durchgestackt. Diese volle Schärfe führt zu einer starken Gehirn- und Wahrnehmungsreaktion beim Betrachter, so ähnlich wie: Wow, das Teil ist extrem nah, das ist ja voll scharf! Es wirkt bedrohlich! Warum? Weil wir anders sehen. Wir bilden mit unseren beiden (stereotypen) Augen eine Schnittpunkt, auf den wir unsere "Linsen" einstellen und den wir dadurch scharf wahrnehmen. Alles davor und dahinter wird mehr oder weniger unscharf – also genau so, wie ungestackte Fotos infolge der Blendeneinstellung wiedergeben. Diese Unschärfen bilden weiche Übergänge, weiche "Bild"bereiche – eine wirksame Erscheinung, um Bedrohlichkeit aufzuheben.
Wird ein Foto nun voll durchgestackt, wird dieses unsere Sehprinzip aufgehoben. Das Ergebnis wirkt für uns verwirrend, verfremdet, bestenfalls ungewohnt und bedrohlich. Das ist oben bei Deinem Foto ein wenig der Fall.
Die bedrohliche Wirkung kommt also von drei Seiten:
Das Motiv ist eine Köcherfliege – der Inbegriff von harmlosem Insekt.
Ich hoffe, Du verstehst meine Erläuterungen. Sehe das bitte nicht als negative Kritik. Vielmehr "denke" ich hier laut vor, was meiner Wahrnehmung entspricht. Ich versuche also, die Wahrnehmung eines Betrachters in Worte umzuwandeln, zu formulieren. Das alles geht sehr schnell und läuft meist völlig unbewusst ab. Das Ergebnis ist dann eine Anziehung oder Ablehnung des Betrachtungsgegenstands.
Mir geht es also keinesfalls darum, Dich bzw. Dein Bild hier zu kritisieren, sondern darum, aufzuzeigen, warum es so wirkt wie es wirkt, warum die von Dir hervorragend eingesetzten Techniken so wirken, wie sie wirken. Denn eines darf ein Fotograf (egal ob Makronist oder sonst was) nicht übersehen: Setzt er Techniken ein, haben sie ihre Wirkung beim Betrachter, egal, aus welchen Gründen er sie einsetzt, und sei es nur, weil ihm die Techniken an sich gefallen.
Zum Focus Stack
Du hörst schon aus dem Geschriebenen heraus: Dieses Mal ist der Focus Stack sehr gut gelungen. Nur an wenigen Stellen treten Unsauberkeiten auf.
Allerdings bedenke: Hier dieses Motiv ist diesbezüglich völlig anders zu sehen als die vorherigen. Hier liegen viel mehr glatte Flächen vor, sind weniger "schwierige" Mini-Kontrastkanten vorhanden, die die Software quälen. Es geht also darum, ein Motiv hinsichtlich seiner Stacking-Freundlichkeit einschätzen zu lernen.
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",
Roland
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