Ein kleines Schneckchen auf einem Waldpilz

Hallo Roland,

Heute Nachmittag war ich endlich mal im Wald und habe mein Glück mit den ersten Pilz Fotos versucht. 

Ich habe auch gleich mehrere geeignete Motive gefunden und das erste wollte ich gleich mal einstellen.

Ein kleines Schneckchen auf einem Waldpilz mit etwas schleim drum herum und ich glaube ein kleiner Kugelspringer ist auch noch mit am Werk.

Pilze kann ich leider nicht bestimmen und deshalb würde ich auch nie einen davon essen. ;-) Frische Champignons sind mir da viel lieber. ;-)

Das Foto ist nicht beschnitten und die Iso ist ein wenig hoch, trotz Taschenlampe (da nur dezent eingesetzt.) Um die Schnecke richtig scharf abzubilden habe ich die Blende 13 gewählt. Beim anderen Objektiv dem 180er reicht mir schon die Blende 10. Ich habe die Fotos erst mal mit der kürzeren 100er Brennweite versucht. Also es kann vielleicht leicht rauschen und irgendwie ist das an jedem Endgerät manchmal etwas anders zu erkennen. Die Spinnenfäden oder Schleimfäden die da sind habe ich bewusst belassen.

Die Taschenlampe die zum Einsatz kam habe ich wie gesagt ganz dezent eingesetzt und auf die Schnecke scharf gestellt. Deshalb ist der vordere Pilzrand auch nicht scharf zu sehen. Ich habe aber auch noch Fotos gemacht ohne Insekten und bei denen habe ich dann auf den vorderen Rand scharf gestellt.

Es war ein bisschen ungewohntes Gewurschtel mit der Taschenlampe und dem Reflektor den ich nicht so gut einsetzen konnte, da er dauernd umgefallen oder am Hang weggerutscht ist. Man braucht da noch ein paar Hände mehr und ich werde mir doch noch mal ein Taschenlampenhalter und ein Reflektorhalter besorgen müssen.

Naja das ganze braucht ein bisschen Übung

Liebe Grüße sendet Christine   

 

 

Canon Eos 80D

Mit Bohnensack und Taschenlampe

Kommentare

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ADMIN

Hallo Christine,

ein "Dreifach-Motiv".

Bei so etwas muss man sehr achtsam sein. Ein Pilzmotiv ist etwas völlig anderes als ein Pilz-mit-Schnecke-Motiv, und das wiederum ist was völlig anderes als ein Pilz-mit-Schnecke-und-Kugelspringer-Motiv.

Wenn Du Tiere zusammen mit Pflanzen oder, wie hier, mit Pilzen fotografierst, reicht es nicht, wenn die einfach nur mit drauf auf dem Bild sind. Sie müssen genau so wie der "Untergrund" toll in Szene gesetzt sein. Für sie gelten all die gleichen Kriterien wie Stellung, Erkennbarkeit usw. wie für die Pflanze/den Pilz.

Hier im Bild bedeutet das: Der Kugelspringer passt noch ganz gut; ihn erkennt man sofort. Und er sitzt auch auf einer optisch attraktiven Pilzstelle.
Die Schnecke windet sich da am Rand aber eher so um den Pilzhut wie – ja, wir hatten das mal vergleichbar bei einem Foto von Gabi – wie Marder-Kot, oder so ähnlich. Man muss schon genauer hinschauen, um zu sehen, dass es sich hierbei nicht um irgendeine Sauerei handelt, sondern um eine biodiversitäre Bereicherung in Form eines zusätzlichen, in sich funktionierenden weiteren Lebewesens. Und damit schwankt die Anwesenheit dieser kotähnlichen Schnecke zwischen störend und bereichernd. Wollen wir Makronisten das? Nein, wir wollen eindeutig gute Bilder mit bereichernden Motiven!

Noch ein paar Sätze zum

Licht:

Das Foto wirkt im Gesamten sehr kalt. Woran liegt das?

Das Licht ist zu stark, um natürlich zu wirken, und zu schwach um künstl(er)isch zu wirken.

Genau zwischen diesen beiden Zielsetzungen sollte man sich als Fotograf vor der Aufnahme entscheiden. Entweder setzt man zugeführtes Licht als Aufhelllicht ein – das bedeutet:

  • dienend
  • schwach, so dass es als eigenes Licht zumindest nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, bestenfalls überhaupt nicht
  • natürliche Schatten erhalten

Oder man fügt künstliches Licht als Haupt-Gestaltungselement hinzu. Dann ist alles möglich. Dann sind wir mehr bei künstlerischer als bei Naturfotografie. Hier sind die Übergänge fließend.

Oben bei Deinem Foto hast Du irgendetwas dazwischen gemacht: Das zugefügte Licht ist sofort sicht- und als solches erkennbar; natürliche Schatten, die vom Himmelslicht kommen, sind völlig überdeckt. Dadurch wirkt die Aufnahme kalt, ja schon fast tot. Für eine rein künstlerische Inszenierung ist die Wirkung der zusätzlichen Lichtquelle aber zu gering.

Also, was solltest Du beim nächsten Wald-Pilz-Besuch unbedingt mitnehmen?  --> Das feste Vorhaben, mit dem Pilz vor der Aufnahme intensiv, diplomatisch und abschließend zu klären, ob er lieber natürlich oder doch eher künstlerisch verewigt werden möchte:-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

 

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Hallo Roland,

Also erst einmal Dankeschön für deinen Kommentar.

Nun der Reihe nach das ist ein bisschen schwierig zu verstehen und ich möchte gerne folgen, denn die Schnecke ist meiner Meinung nach nicht nur einfach so mit auf dem Bild. Sie war zuvor schon auf dem Pilz und ich habe extra etwas abgewartet bis sie so langsam und schön nach unten gekrochen ist und in Position war. Nur so ist der Stiel vom Pilz auch noch mit scharf geworden.

Ich habe zuvor ein Foto mit der Schnecke oben auf dem Pilz gemacht und da hat die Schärfe nicht mehr ausgereicht um den Stiel mit ihr gemeinsam scharf zu stellen, sondern nur noch der Pilzhut mit der Schnecke als Plattform.

Ich habe den Fokus genau auf die Schnecke scharf gestellt, als sie die Fühler ausgestreckt hat, seitlich herunter geglitten war und in die Kamera schaute. Meiner Meinung nach kann man die Schnecke sehr gut erkennen. Siehe mal bitte den Screeanshot vom RAW im roten Ramen das Fokusfeld.

Der Kugelspringer ist da schon eher nur mit auf dem Bild, den könnte ich ohne Probleme noch weg Retuschieren. Anfangs habe ich darüber eigentlich auch nachgedacht, ihn aber dann doch mal im Foto belassen.

Er ist auch nicht so besonders scharf abgebildet, auch wenn man ihn soweit gut erkennen kann, weshalb ich ihn auch letzteres noch dort gelassen habe.

Also um auf den Punkt zu kommen, wie sollte ich deiner Meinung nach vorgehen um den Pilz gemeinsam mit der Schnecke gleichmäßig durchgehend scharfzustellen? Ich bin beim Foto von Gabi laut deinem Kommentar davon ausgegangen, als vergleich nur mal genannt, das immer auf das Tier in erster Linie scharf gestellt werden sollte. 

Dein Kommentar bei Gabi: 

Wenn Du ein Tier auf einer Pflanze, einem Pilz oder sonst was fotografierst, wird dieses Tier in der Regel zum Hauptmotiv Nr. 1. Das hat zur Folge, dass sich die Makronistin deutlich auf dieses Tier fokussieren muss – und das führt in der Regel zu einem völlig anderen Bild(-Ausschnitt), eventuell auch zu einer geänderten Bildperspektive, als wenn die Pflanze, hier der Pilz, ohne dieses Tier fotografiert würde.

Das Ergebnis muss sein: Das Tier muss sofort und voll als solches erkennbar sein, unverwechselbar (mit Kot anderer Tiere), und möglichst attraktiv und/oder typisch. Dann – und erst dann – geht der Makronistinnen-Fokus rüber zum Pilz

1. Also meiner Meinung nach sieht man auf meinem Foto sehr deutlich das es sich um eine Schnecke auf dem Pilz handelt und auch ein Schnecken Typisches verhalten, ( die Schnecke beim kriechen und fressen. 

2.Kot sieht für mich schon etwas anders aus.

3.In welcher Position hätte die Schnecke sitzen sollen um attraktiv und typisch zu sein?

Hätte ich das Foto mehr beschneiden sollen um die Schnecke mehr hervorzuheben, oder näher herangehen damit sie Größer erscheint und vom Pilz nur einen Ausschnitt zeigen sollen, oder den Stiel anschneiden. Ich habe den Stiel bewusst unten extra nicht beschnitten, da hierzu auch schon etwas bei einem Kommentar von Gabi stand und da ich das eigentlich auch so generell bei so einem Motiv nicht mache.

Gibt es ein beispiel, wie so ein dreifach Foto oder auch nur ein zweifach Foto als vergleich wie es richtig sein sollte aussehen könnte, damit ich es mir aneignen kann.? Mich würde das sehr interessieren, denn ich werde das dann bei der nächsten Gelegenheit ganz sicher versuchen.

Zu dem Licht zu kommen, ok damit muss ich natürlich noch richtig experimentieren lernen damit habe ich noch keine Erfahrungen gemacht und auch die geeignete Halterungen werde ich mir noch besorgen, denn die Lampe und der Reflektor lassen sich so nicht überall wo es gebraucht wird richtig befestigen und rutschen dauernd weg.

Meine Frage aber, von welcher Richtung sollte das Licht denn am besten kommen und welchen Abstand betragen? Ich habe den Pilz nur etwas von unten angestrahlt, ganz schwach gedimmt und seitlich und auch die Schnecke damit nur leicht angestrahlt, schon deshalb sollte man sie gut erkennen.

Dann in Waldlichtungen gibt es am Tage immer etwas natürliches Licht, wie sollte ich dann vorgehen um entweder nur natürliches oder nur künstliches Licht zu verwenden und nicht beides gemischt.?

Liebe Grüße und einen schönen Abend

Christine

 

 

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Zwei bearbeitete Variationen

Hier noch einmal ein etwas wärmerer Weißabgleich und neuer Beschnitt, einmal im 16:9 und einmal im 6:5 Format um die Schnecke etwas mehr hervorzuheben. Diese Lichtsituation sollte jetzt etwas Mystischer wirken. Allerdings leidet durch den Beschnitt die Bildqualität wahrscheinlich etwas.

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ADMIN

Hallo Christine,

ja, Du hast völlig Recht, was die Schärfe anbetrifft. Du hast das Kunststück geschafft, Pilz, Kugelspringer und Nacktschnecke in die Schärfeebene zu bekommen. Und bei dem Kugelspringer ist das auch in Ordnung.

Bei der Schnecke liegt das Problem mehr in ihrer Position. Sie kriecht gerade von der Hut-Oberfläche auf die Unterseite. Aus der von Dir gewählten tiefen Perspektive ist ihre Oberseite kaum zu sehen – nicht generell "falsch", aber wir stellen es fest. Ihre Fühler sind nur ein Teilstück ausgefahren – nicht "falsch", aber wir stellen es fest. Der vordere Fühler befindet sich vor dem Schneckenkopf und ist damit erst bei sehr genauem Hinschauen erkennbar – auch nicht "falsch". Die Schnecke bzw. Ihr wichtigere vordere Körperteil befindet sich unter dem Pilzhut – natürlich auch nicht "falsch". 

Last not least führ das alles dazu, dass die Schnecke nicht deutlich genug sichtbar ist. Sie sitzt einfach ungünstig. Um sie überhaupt erkennen zu können, musstest Du tatsächlich die Unterseite des Pilzes sehr stark aufhellen. Und damit "kaufst" Du Dir den nächsten Nachteil ein: einen künstlichen Gesamteindruck, wie oben beschrieben.

Hier spielen also viele Faktoren zusammen, die letztendlich zu einem Gesamtbild zusammen kommen. Das ist nicht einfach zu beschreiben. Mir fällt jetzt auch kein Foto ein, das vergleichbar mit Deinem Motiv ist und diese Sache genauer veranschaulicht. Aber ich versuche mal vorsichtig einen beschreibenden Ansatz:

Stelle Dir Deinen Pilz oben im Foto so vor wie abgebildet. Die Schnecke jedoch kriecht oben exakt quer an der Kante des vorderen Hutrandes, ihr Kopf hebt leicht ab, wendet sich suchend schräg in die Luft, leicht zur Fotografin und damit zum Bildbetrachter geneigt. Ihr gesamter Körper und insbesondere ihre voll ausgefahrenen Fühler zeichnen sich super scharf und kontrastreich vor dem dahinter liegenden, unscharfen Hintergrund ab (eine solche Kontrastkante ist wesentlich und sehr wirkungsvoll!). Sie teilt sich das Hauptlicht, das von oben (Himmel) kommt, mit dem Pilzhut – ein sanftes, spannendes, fast mystisch wirkendes Licht mit zart angedeuteten Lichträndern, das sowohl sie als auch den Pilzhut voll durchzeichnet.

Bitte nicht falsch verstehen, das ist natürlich jetzt ein "gesponnenes" Szenario. Hier gibt es also ´ne Menge Konjunktive.
Aber ich habe bei diesem "Phantasiefoto" mal einige Punkte so beschrieben, wie sie, wären sie Realität, äußerst ansprechend rüberkommen würden. Vielleicht siehst Du das anders...

Das mit dem Licht hatte ich schon beschrieben. Auch wenn Du Dein Zusatzlicht bereits sehr stark abgeschwächt hattest, übernimmt es immer noch einen sehr großen Anteil bei der Lichtverteilung im Bild – daher der künstlich wirkende Ansatz.

Mit LED-Lampen aufzuhellen ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Sie sind für eine reine Aufhellung zu hell. Hierfür gibt es tatsächlich die Reflektoren, die deutlich weniger und weicheres Licht auf´s Motiv werfen. Aber selbst hier muss man aufpassen, dass es nicht zu stark wird. Und das regelt man dann am besten über den Abstand.
LED´s oder sonstige Taschenlampen eignen sich mehr für das Setzen von stärkeren Lichtern, zum Beispiel zur Imitation eines durch´s Laubdach fallenden Sonnenstrahls o.Ä.

Als Faustregel könnte man vielleicht folgendes formulieren:

Aufhellung soll schwarze Löcher vermeiden. Sie soll dazu führen, dass auch die Schattenbereiche durchgezeichnet sind – aber auch nicht mehr! Denn: Schatten soll Schatten bleiben!

Hilfreich hierbei ist auch der "Abgleich" mit dem natürlichen Sehen: Lege die Kamera weg und betrachte das Motiv (Pilz) mit Deinen Augen. Wie siehst Du die im Licht liegenden Motivteile? Was siehst Du in den Schattenbereichen? Schaue sie Dir genau an. Diese Schattenbereiche sind in der Regel nicht völlig schwarz. Hier leistet das menschliche Auge mehr als der modernste Kamerasensor. Der Fachbegriff hierfür ist "Dynamik-Umfang". Und das, was wir hier sehen, ist für uns das Richtmaß dafür, was wir als natürlich oder eben als künstlich empfinden.

Oben im Bild hast Du – vielleicht verleitet durch die dort kriechende Schnecke – die eigentliche Schattenseite des Pilzes (seine Unterseite) so stark aufgehellt, dass sie zur "Lichtseite" geworden ist. Damit hast Du die natürlichen Lichtverhältnisse rumgedreht. Und das wirkt unnatürlich.

Lieber Gruß,

Roland

 

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Lieber Roland,

Vielen Dank für deine sehr gut erklärte und hilfreiche Antwort, das kann ich alles sehr gut nachvollziehen und ich stimme dir zu.

So ein Traumfoto mit deiner Fantasie Schnecke, das wäre sicherlich und ohne Zweifel wunderschön anzuschauen. Vielleicht haben wir ja mal das Glück so ein wundervolles Foto zu schießen. Das wäre ja wie ein 6er im Lotto, eine sehr schöne Vorstellung und auch sehr nach meinem Geschmack.

Und ja Du hast schon recht mit deiner Vermutung, ich habe die untere Pilz Seite etwas aufgehellt verleitet durch die Schnecke. Durch das aufhellen sieht man die Schnecke natürlich noch besser, aber etwas dunkler Gefällt mir natürlich auch der Pilz und der Hintergrund viel besser. Naja man kann manchmal nicht alles haben. Ich habe aus der gegebenen Situation bzw. der Aufnahmesituation versucht das Beste herauszuholen. Es freut mich aber sehr das die Schärfeebene gestimmt hat.

Mit den LED und dem Reflektor werde ich es versuchen so wie du beschrieben hast. Mir war anfangs nämlich nicht ganz so klar, dass die natürlichen Schatten immer noch erhalten bleiben müssen und in welcher Situation solche Beleuchtung hauptsächlich eingesetzt wird. Irgendwo habe ich im Internet schon mal gelesen, das man unter den Pilzhut leuchten sollte um die Schatten zu entfernen, bzw. den Pilz gut auszuleuchten und deshalb habe ich das auch mal so ausprobiert und mir nicht so viel dabei gedacht, außer an deinen Tipp von letzt, die Taschenlampe dabei noch etwas zu dimmen.

Ich wünsche dir ein erfolgreiches, angenehmes, schönes Wochenende und sende dir

Liebe Grüße

Christine

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