"Blatt-Landschaften"
Am Boden zerstört - Blatt einer Rotbuche (Fagus sylvatica)
"Am Boden zerstört" werden die Buchenblätter von kleinen sonderbaren Lebewesen.
Sonst würde das Laub meterhoch liegen.
Doch das ist eine andere Geschichte.
Im Herbst, bevor der Frost durch das Gefrieren des Wassers die Blätter zerstört, ziehen die Laubbäume wichtige Stoffe aus ihnen ab.
Sie "ernten" quasi die in den Blättern gespeicherten Stoffe.
Für die Bunt-Färbung der Blätter ist das Chlorophyll verantwortlich,
eigentlich das Fehlen des Chlorophylls, wenn es aus den Blättern abgezogen wurde.
Im Frühjar und Sommer hat es die anderen Blattfarben überdeckt.
Jetzt, wo es abgezogen wird, können Carotine und Anthocyane ihre Leuchtkraft zeigen.
Neue Farben der Abbauprodukte kommen dazu.
Die Blätter werden je nach Baumart gelb, rot, bunt, braun.
Und weil der Abtransport nicht immer ganz reibungslos funktioniert, gibt es die sonderbarsten Farbverteilungen.
Es entstehen ganze "Landschaften", "Blatt-Landschaften" im kleinen Maßstab.
Die Buchenblätter entwickeln eine ganz eigene Ästhetik ohne viel Farbe.
Nicht die Perfektion ist für die Schönheit des Herbstes verantwortlich,
sondern Unregelmäßigkeiten, Fehler und Mangel.
Diese Einsicht könnte uns in manchen Lebenssituationen hilfreich sein.
Die Aufnahme entstand freihand mit künstlicher Zusatzbeleuchtung einer LED-Lampe.
Anmerkung des Moderators:
Diese Diskussion ist unvollständig, da die Userin Ina um die Löschung ihres Accounts gebeten hat.
Kommentare
Hallo Ina,…
Hallo Ina,
Danke für Deine lobenden Worte, ich gebe zu, das tut schon gut.
Du machst Dir ja immer sehr ausführliche Gedanken - und ich kann sehr gut nachvollziehen, was Dich da so umtreibt.
Die eingetretenen Pfade verlassen, quer denken, was ausprobieren, Grenzen überschreiten -
das bringt einen vorwärts in der Entwicklung, nicht die "Hausmannskost" die jeder macht.
In der Natur funktioniert Evolution genau so.
Und was hier "richtig" ist, kann dort "falsch" sein.
Aber auch die "Hausmannskost" ist wichtig, das bringt Ruhe, Gewohntes, erdet, bietet geistige Heimat.
Jetzt stellt sich die Frage:
Wieviel braucht der Einzelne von jedem?
Manche essen dauernd Schnitzel und Sauerkraut, egal wo auf der Welt und Marmeladenbrot zum Frühstück.
Andere sind mutiger und riskieren auch mal einen Dünnpfiff.
Ich gehöre definitiv zu den Anderen, habe aber trotz allen möglichen internationalen Frühstücken und sonstigen Mahlzeiten so selten irgendwelche Beschwerden gehabt, dass ich mich kaum daran erinnern kann.
Aber ich habe, wie jeder Andere auch, meine persönlichen Grenzen, die ich nicht überscheiten möchte, aber trotzdem immer wieder verschiebe.
Weil beim Denken alleine noch kein Schaden entsteht, ziehe ich meine Denk-Grenzen ziemlich weit.
Oft muss ich leider feststellen, dass das nicht verstanden wird, "Mir gefällt nicht was du denkst" sind so Kommentare.
Es sind aber nur Gedanken, keine Meinungen.
Und oft sind die Gedanken für Andere nicht nachvollziehbar, weil sie nicht bereit sind, darauf einzugehen, oder das vielleicht auch nicht können.
Noch schlimmer ist, wenn mir eine Meinung unterstellt wird, die ich definitiv nicht habe, weil sie z.B. meine Gedanken nicht nachvollziehen können und dadurch falsch interpretieren.
Nur wenn es mir ans Leben geht oder meine Gesundheit, sind die Grenzen enger gesteckt.
Motorradfahren - nicht mehr, habe zu viele Schutzengel verbraucht.
Base Jumping - nein, die Statistik spricht eine zu deutliche Sprache.
Kunstflug - ja, Achterbahnfahren - nein, ist schlimmer (für mich)..
Aber was kann ich beim Fotografieren falsch machen?
Gibt es ein "Falsch" überhaupt?
Ich kann Rechte, Menschen, Tiere, Pflanzen verletzen (will ich nicht).
Gestaltung, Bildaussage, Farben, "Goldener Schnitt", Bildaussagen, Schärfe, etc. - Soll jeder machen wie er will.
Es gibt mehrheitsfähige Fotos, die gefallen, die sind notwendig, wenn ich sie im Netz verbreiten will um gute Bewertungen zu bekommen, oder aber wenn ich davon meinen Lebensunterhalt bestreite, sonst kauft die keiner.
Das mache ich auch manchmal, man will auch mal Bestätigungen erfahren.
Hier auf Makrotreff bin ich anders unterwegs.
Ich möchte die Augen für die Natur öffnen, dass es wichtig ist, sie zu erhalten!
Ich denke, mit schönen, ästheischen Fotos, mit Fotos die Seltenes zeigen, die einen Erkenntnisgewinn bringen, die Alltägliches aus einer anderen Sicht bringen, Provokationen, Bildern die nur dokumentieren,
kann man auch Naturbegeisterung wecken, ein Ziel auch von Makrotreff oder "Mission", wie die Macher das nennen.
Ich versuche von Allem etwas zu bringen, mit der mir möglichen maximalen Qualität.
Meine Herausforderung ist, das mit dem geringst möglichsten Aufwand zu tun.
Das heißt mit einer "Knipse" möchte ich gute Ergebnisse erzielen. Das ist eine selbstgewählte Beschneidung der Möglichkeiten.
Wegen der "Knipse" werde ich immer wieder von Systemkamerabesitzern von oben herab betrachtet. Aber Resultat sind wichtig!
Was gut ist, liegt in meinem Ermessen, die Messlatte lege ich so hoch wie ich will, orientiere mich aber auch an anderen.
Das zwingt mich viel mehr, mich mit der Physik und Technik sowie deren Grenzen auseinanderzusetzen und "vielleicht ist es auch das anders sein wollen?"
(Ich gebe aber zu, dass mich eine bessere Kamera und das notwendige Zubehör und vor allem Dinge wie "Focus-Stacking" schon reizen würden. Aber da reduziere ich mich immer wieder selbst.)
Manchmal sieht man Details in Fotos erst nach einer "gewissen Bearbeitung". Das ist erlaubt, aber die Realität sollt schon noch dargestellt werden. Ich möchte allerdings auch nicht zu glattgeleckte oder gefakte Fotos wie in den vielen bunten Blättern am Kiosk sehen.
Es handelt sich hier wirklich um "Kunst", wie du ausführlich beschreibst.
Der "Künstler" können jedoch die Kamera, die Bildbearbeitung oder der Mensch oder alle sein, denn alle Fotos sind subjektiv.
Meine Fotos dürfen auch gerne kritisiert werden, daran kann ich wachsen, aber bitte nicht dogmatisch oder verletzend.
Jeder kann mal falsch liegen, falls es "falsch" gibt.
Klar gibt es Grenzen, "Ethik", doch wie oft verstoßen wir alle gegen Regeln?
Aber mir geht das Wohl des Tieres oder der Pflanze über alles.
Eine kleine Unannehmlichkeit für das Motiv kann es immer mal geben, versuche ich aber zu vermeiden.
(Werden wir artgerecht gehalten, z.B. im Büro?)
Die "Ethik" hier finde ich sinnvoll, sollte aber überarbeitet werden.
In der Ethik-Richtlinie z.B. steht "Blitzen vermeiden".
Dann gibt es aber "Blitzanleitungen" in Form von
"Wirkungsweise von Blitzlicht in der Makrofotografie - ein Beispiel"
"MAKRO-BLITZEN - die Sache mit dem Hintergrund, Teil 1 und 2"
"Bauanleitung: Diffusor für den Zangenblitz Canon MT-24EX"
Immerhin wird hinterfragt:
"Schädigt Blitzlicht Insektenaugen?"
Fotografie geht nun mal nicht ohne Licht! Und deshalb sind das wichtige Themen.
Was ich hier aber auch nicht will, Makrotreff mit meinen Fotos zumüllen.
Ich denke, zu Selbstdarstellung gibt es bessere Plattformen wie die sozialen Netzwerke, wozu ich auch Flickr ect. zähle.
Aber an Fotos zu lernen finde ich gut. Roland und Valentin machen da einen guten Job.
So nun habe ich, anstatt zu fotografieren, mal wieder rumphilosophiert. Brauche ich auch manchmal.
(Wenn es zu schlimm wird, holt mich meine Frau wieder auf den Boden.)
Jetzt wünsche ich dir "All the Best"
(Das gibts auch als "All the Best - Live" von Carla Bruni und Marianne Faithfull.
Dort habe sie auch den "Biomüll" in Form von Atemgeräuschen dringelassen.
Carla klingt etwas kurzatmig und gerade auch deshalb mag ich die Aufnahme.)
Water Castle
ADMIN
Hallo water castle,…
Hallo water castle,
auch hier ist bereits viel gesagt worden, was ich gerne so stehen lasse.
Zwei Fragen habe ich, mehr inhaltlicher Art:
Du sprichst von "zerstören", wenn ein Laubblatt zu Boden fällt und – ja, dort eigentlich nicht "zerstört" sondern vielmehr zersetzt wird. Aus biologischer Sicht ist dies ein höchst sinnvoller, produktiver Vorgang, der vielen Tieren ihr Leben schenkt. Das Blatt wird von Pflanzen, Pilzen und Tieren nach System und Konzept in seine Einzelteile zerlegt und übernimmt dabei viele Funktionen, ohne die unsere Ökosysteme nicht mehr funktionieren würden. Warum denkst Du da an "Zerstörung"?
Du schreibst:
"Die Buchenblätter entwickeln eine ganz eigene Ästhetik ohne viel Farbe."
Wie kommst Du darauf? Welche Farben fehlen Dir beim Welkungsprozess von Rotbuchenblättern?
Lieber Gruß,
Roland
Hallo Roland,…
Hallo Roland,
zu Deinen Fragen inhaltlicher Art.
"Zerstörung oder Zersetzung"
Aus meiner Sicht, der Sicht des Fotografen, sehe ich nicht die "Zersetzung" des Blattes.
Die Zersetzung als biologischer Vorgang ist mir sehr wohl bekannt und den wollte ich auch nicht dokumentieren.
Mir geht es um die Darstellung des "Zerstörens" der sichtbaren Bestandteile eines Rotbuchen-Blattes,
der optischen Zerstörung, könnte man sagen.
Zerstört wird das ursprüngliche Blattbild, aus grün wird braun oder gelb.
Zerstört werden die Strukturen des Blattes, zuerst die feinen, später die gröberen.
Das will ich fotografisch darstellen, eine Momentaufnahme aus diesem Zerstörungsprozess.
Die Floskel oder den Aphorismus "Am Boden zerstört", habe ich bei der Beschreibung deshalb bewusst zwischen Hochkommata gesetzt.
Die erste Zerstörung, die am Baum, durch das Verschwinden der grünen Blattfarbe, ist für die meisten von uns die Offensichtlichste.
Rotbuchenblätter gehören für mich persönlich zu den schönsten Blättern meiner Heimat.
Wenn sich im Frühling aus den langen, spitzen Knospen das Blatt entfaltet, in den schönsten Hellgrün-Variationen, die man sich vorstellen kann,
sind das Glücksmomente für mich, wenn ich das erleben darf.
Der Sommer ist optisch weniger spektakulär.
Doch der Herbst bringt wieder drastische Änderungen. Wenn das Grün durch Gelb bis Braun ersetzt wird, noch auf dem Baum und dann später am Boden.
Und damit komme ich zur zweiten Frage.
"Welche Farben fehlen Dir beim Welkungsprozess von Rotbuchenblättern?"
Keine Farbe fehlt, ist meine klare Antwort.
Es gibt aber Blätter, die können Farbe einfach besser (meine persönliche Meinung und Geschmackssache).
Der Ahorn gegenüber meines Küchenfensters kann "Knallgelb".
Der Ahorn des Fotos "Lands End" kann "bunt".
Es gibt den "Indian Summer" - Farben extrem.
Aber wem sage ich das?
Aus diesem Empfinden, durch den Vergleich mit anderen Blättern, haben die Buchenblätter "nicht viel Farbe".
Speziell bei diesem Foto hier wirkt das ganze Blatt etwas uniform olivgrün (auf meinem Tablet)
und der Focus wird nicht von einer dominierenden Farbgebung beherrscht, sondern von Strukturen, dem Eindruck von Tiefe, von Schärfe und Unschärfe und einer Farbe, die dem Tode näher ist als dem Leben.
Das ist es, was ich empfinde.
Zum Abschluß
noch eine Anmerkung zum Titel "Am Boden zerstört"
Der Titel soll für mich Neugierde wecken, kurz und knackig sein, auch wegen der Beschränktheit des Platzes auf dem Foto.
Dafür erscheinen mir Floskeln oder Aphorismen ganz gut geeignet. Man sollte die vielleicht nicht zu wörtlich nehmen.
"Am Boden zersetzt" kenne ich so nicht ;-)
Durch den "Quatsch", den ich aus Sicht Anderer manchmal verbreite, ergeben sich interessante Diskussionen, wird Neugierde aber auch Widerstand erweckt.
Nachdem ich bei Wikipedia nachgelesen habe über Floskeln, ist mir erst aufgefallen, wie meine Aussage auch ankommen kann.
"Das Gesagte wird durch Floskeln und andere Sprachschablonen so sehr aufgeladen,
dass eine eindeutige Stellungnahme nicht mehr zu erkennen ist.
Dies stößt beim Hörer auf Missfallen. Daher und aus Unkenntnis der eigentlichen Definition von Floskel wird der Begriff im Alltag oft mit negativer Bedeutung verwendet."
Gleiches gilt für den Aphorismus, sofern es einer ist.
"Sein häufigstes Bauprinzip ist die Antithese, ..., die oft auch noch polemisch zugespitzt wird."
Mir zeigt das Beispiel hier, wie ernst Ihr Euren Job nehmt und dass ich mit meinen Beschreibungen bewusster umgehen sollte.
Oder sollten wir alle einfach etwas großzügiger sein, toleranter mit unseren Mitmenschen, Aussagen nicht immer wörtlich nehmen?
Ich spiele mit Licht, aber auch mit Worten, unternehme einen Balanceakt zwischen Handwerk und Kunst, wie ich sie empfinde.
Wenn es inakzeptable Grenzüberschreitungen gibt, ist das nicht bösartig, sondern ich kenne die Grenzen vielleicht einfach nicht. (Thema "Ethik", gut dass ich darauf hingewiesen wurde.)
Die Grenzen der Fotografie bei Makrotreff versuche ich immer noch herauszufinden.
("Nerven schonen" nicht wegen Dir ;-) Es beurteilen auch Andere.)
Eigentlich sollte man dann eine Fotoserie einstellen. Ist das erwünscht?
Diese Fragen treiben mich um und ich teste gerne Grenzen aus, das bringt mich weiter.
Die Freude an der Fotografie sollte bei allem aber immer im Vordergrund stehen!
In diesem Sinne wünsche ich Dir ein Schönes Wochenende.
Water Castle
ADMIN
Hallo water castle,…
Hallo water castle,
meine Fragestellungen hatten weder etwas mit Intoleranz noch mit mangelnder Großzügigkeit zu tun. Ich wollte das Erfragte einfach nur wissen – schließlich kam von Dir die Bitte, Dein Foto zu besprechen. Dazu benötige ich Informationen, insbesondere wenn der Kern Deines Fotos die Deutung, sprich, die Botschaft hinter dem Bild, ist.
Lieber Gruß,
Roland
Hallo Roland,…
Hallo Roland,
Wenn zwei die gleiche Sprache sprechen, sich aber trotzdem nicht verstehen.
Meine Frage
"Oder sollten wir alle einfach etwas großzügiger sein, toleranter mit unseren Mitmenschen, Aussagen nicht immer wörtlich nehmen?"
Deine Reaktion
"Meine Fragestellungen hatten weder etwas mit Intoleranz noch mit mangelnder Großzügigkeit zu tun."
Warum nimmst Du diese Frage so persönlich und setzst "toleranter" mit "Intoleranz" gleich und beziehst das dann noch explizit auf "DICH" oder Deine speziellen Fragestellungen zu diesem Foto?
Das war definitiv nicht das, was ich sagen wollte oder gesagt habe, aber es trifft Dich offensichtlich an einer verletzlichen Stelle.
Dafür möchte ich mich entschuldigen. Es war nie meine Absicht, Dich zu verletzen!
Wir bewegen uns in der Öffentlichkeit des Internets, in der wir alle mehr oder weniger exakt kommunizieren und Fehler machen oder Interpretationsmöglichkeiten der eigenen Texte eröffnen, die wir vorher nicht gesehen haben. Durch diese Öffentlichkeit fühlt sich mancher, einschließlich mir, dazu verpflichtet, die "falsche Sicht" auf sich zu korrigieren, in Sorge um seinen Ruf, seine Reputation.
Weil mir das Parkett hier zu glatt ist, es gab schon andere Ausrutscher, habe ich eine Lösung für mich überlegt.
Also
Die ersten beiden kommen für mich nicht in Frage,
also bleibt die dritte Option.
Ich werde mich aus Makro-Treff zurückziehen,
wünsche auch Allen viel Freude mit Eurem Hobby!
Eine weise Aussage von Gabi (Flora1958)
"Ich denke, es ist alles gesagt.
Kehren wir zurück zu dem was Freude bereitet.
Wir sind doch hier um uns gemeinsam an unseren Makro Fotos zu erfreuen, zu lernen und um uns zu verbessern.
Eine große Portion Artenwissen bekommen wir auch noch mitgeliefert.
Laßt uns also wieder Fotos produzieren und sie von Rolands Pinzette "sezieren". :-)
Nur so kommen wir weiter und haben Spaß daran.
In dem Sinne wünsche ich euch weiterhin schöne Motive und allzeit gutes Licht."
Dem kann ich mich nur anschließen.
Water Castle
Neuen Kommentar hinzufügen