Andradit

Hallo liebe Makrofreunde,

zur Abwechslung hier mal was anorgnisches.

Mit viel, viel Mühe geht meine Arbeit so langsam in die richtige Richtung - so hoffe ich doch zumindest. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zahlreichen Versuchen traue ich mich zumindest, meine erste - für mich halbwegs vernünftige Makroaufnahme eines Minerals hier zu präsentieren. Mir ist bewusst, dass es noch einiges zu verbessern gibt, doch ihr findet sicher noch mehr. Aber vielleicht hat jemand ja auch ein paar Verbesserungsvorschläge für mich, die ich dankbar annehmen werde. In erster Linie möchte ich zunächst einmal eine möglichst detailreiche und scharfe Aufnahme erreichen.

Liebe Grüße,

Max

PS: Ich hab noch deutlich schwierigere Fälle an Mineralien mit denen ich überhaupt nicht zurecht komme XD Das frustrierende für mich dabei ist, dass die dinger sich noch nicht mal bewegen. Wie soll es denn nur werden wenn ich mal was lebendiges fotografieren mag?!

 

Zusammenfassung

OM-D E-M5 Mark II + M.ZUIKO DIGITAL ED 60mm 1:2.8 MACRO + Stativ

19 Hochauflösende Aufnahmen gestackt mit Helicon Focus 6 (B,R3,S1) & (B,R20,S1) + Nachbearbeitung in Photoshop CC

Objektmaße: 2 x 2 cm

Granat - Andradit (Inselsilikat)

Fundgebiet: Namibia - Erongo

 

 

 

 

Kommentare

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ADMIN

Hallo Max,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Das sieht doch schonmal ganz gut aus! Und es ist faszinierend, wie mächtig dieser kleine "Felsen" wirkt. Würdest Du angeben, mach bräuchte eine Schubkarre, um dieses Teil zu bewegen - man würde es Dir glauben :-).
Das zeigt bereits, wie detailreich der Andradit rüberkommt. Aber der Reihe nach ...

Stack-Technik:

Der Stack ist weitestgehend sauber - und damit gelungen. Es liegen nur minimalste Unsauberkeiten vor, die in der software-seitigen Nachbearbeitung begründet liegen, nicht in der Erstellung der Fotos. Aber die sind so gering, dass man schon super genau schauen muss, um sie zu finden. Und das tun wir ja nicht ... :-).

Licht:

Das Licht ist neutral - ja fast zu neutral. Und hierin liegt ein kleines Problem. Es ist so neutral, dass es etwas flach wirkt. Es "arbeitet" sowohl die Struktur als auch die Farben des wunderschönen Andradit zu wenig raus. Es lässt den Andradit zu wenig "glitzern", zu wenig leuchten - und verleiht ihm zu wenig Plastizität. 

Nun kann man natürlich über die Nachbearbeitung gerade die Farben verstärken - aber damit bekommt man nie die Wirkung, die das Licht schon bei der Aufnahme selbst hätte erreichen können. Es wirkt dann sehr schnell zu künstlich und übertrieben, denn hier geht es um Nuancen.

Und das mit dem "Glitzern" ist ein wenig Geschmacksache. Ich (!) finde es sehr ansprechend, wenn hier etwas stärkere Reflexe auftreten. Das Licht darf sich brechen, dadurch wird die Vielschichtigkeit und Härte des Andradit deutlich. Weiches Licht ist häufig sehr gut, aber beim Andradit oben verhindert es das Leuchten, lässt ihn flach wirken. Dunkle Bereiche sind nicht wirklich dunkel, sondern mehr dunkelgrau, helle Bereiche eher hellgrau. Und weiße Stellen reflektieren nicht leuchtend, sondern sind "matt überstrahlt".

Auch hier geht es wieder um Nuancen. Natürlich ist es nicht sinnvoll, das Mineral nun voll hart anzuleuchten. Das führt zu viel zu vielen und zu harten Reflexen. Aber genau diese Leuchttechnik - das ist bei der Fotografie von Mineralen (Gestein im Allgemeinen) ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Da tüfteln wahre "Experten" über Jahre raffinierteste Dinge zusammen.

Um dem Mineral beispielsweise mehr Struktur und Tiefe (Plastizität) zu verleihen, ist eine seitliche Lichtführung hilfreich. Häufig erweist es sich als günstig, mit zwei getrennten Lichtquellen zu arbeiten, die dann seitlich positioniert werden - beispielsweise eine mehr links (oben), die andere mehr rechts, je nach Beschaffenheit des Objekts. Dabei gibt dann eine Lichtquelle als Hauptlicht mehr Licht ab als die andere, die insbesondere dem Aufhellen der Schattenbereiche dient.

Das muss nicht alles super kompliziert und vor allem teuer sein. Heute gibt es beispielsweise günstige LED-Taschenlampen, oft als Werbegeschenke. Das könne ganz einfache Teile sein. Die Kunst liegt in dem Ausrichten zum Objekt, hier in diesem Fall zum Andradit mit seiner abwechslungsreichen Struktur. Und diese Struktur muss rausgearbeitet werden. Das geht im Wesentlichen mit Licht! Nicht mit viel Technik und Geldeinsatz, sondern mehr mit Erfahrung und viel Gefriemel und Herumprobieren kommen dann super Ergebnisse raus.
Und ein großer Vorteil liegt ja, wie Du bereits oben geschrieben hast, in dem Umstand, dass der Andradit nicht fliehen kann, sich noch nicht einmal bewegt. Hier hat man also alle Zeit der Welt, und das Licht muss sich auch nicht "beeilen", also nicht kurz leuchten, wie es notwendig ist zum Beispiel beim Blitzen von sich bewegenden Insekten.

Schärfe:

Hier liegt ein kleines Problem vor. Das Foto ist nicht wirklich scharf. Auch dies führt zu einem etwas diffusen, flauen Gesamteindruck. Eine knackige Schärfe ist ganz anders in der Lage, Mikrostrukturen im Mineral rauszuarbeiten und brillant wirken zu lassen. Das fehlt hier. Warum? Ich bin mir hier nicht ganz sicher. Du schreibst, Du hättest mit Stativ gearbeitet. Damit sollten also (Mikro-)Verwacklungen ausgeschlossen sein. Und Du hast im optimalen Blendenbereich der Optik gearbeitet. Eines steht jedenfalls fest: Das 60er Makro von Olympus kann (wesentlich) mehr!

Wie hast Du gestackt? Manuell per Hand? Oder hast Du die Fokus-Braketing-Funktion der Kamera genutzt?

Über nachträgliches Schärfen kannst Du hier auf jeden Fall noch einiges rausholen. Das Foto sieht so aus, als hättest Du noch gar nicht geschärft. Dennoch müsste bei diesem Objektiv bereits mehr Schärfe vorhanden sein. Auch die recht schwachen Kontraste können hierfür nicht alleine verantwortlich sein.


Du schreibst: "Ich hab noch deutlich schwierigere Fälle an Mineralien mit denen ich überhaupt nicht zurecht komme". Was meinst Du damit? Wo liegen die Schwierigkeiten? Womit genau kommst Du nicht zurecht?

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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Herzlichen Dank für deine ausführliche Kritik Roland. Die wird mir auf jeden Fall weiter helfen - auch dran zu bleiben.

Das mit dem Stacken ist aber auch gar nicht mal so einfach, wie ich es mir gedacht habe. Mit Photoshop kriege ich so gut wie keine brauchbaren Ergebnisse, bis ich dann über Umwege zu Helicon Focus gelangt bin und auch dort musste ich noch einiges probieren um es halbwegs vernünftig hinzukriegen. Aber wenn man es mal raus hat....

ja und das mit der Schärfe stört mich natürlich halt auch noch. Da war jetzt meine Hoffnung, dass sich das evtl. hier klären könnte. Auf jedenfalls sind wir uns aber einig, dass da etwas nicht stimmt und das ist ja auch schon mal wichtig zu wissen für mich.

Zu deiner Frage, wie ich denn stacke. Da ich die High-Resolution Funktion der Kamere verwende, kann ich sie leider nicht gleichzeitig mit der Braketing-Funktion nutzen. Von daher habe ich die Kamera am PC angeschlossen, sodass ich sie über die Olympus eigene Software steuern kann. Also Focus ändern und auslösen per Mausklick.

Nachgeschärft hab ich das Bild eigentlich schon. Vermutlich fehlt mir hierbei einfach noch die Übung dabei, ich verstehe da noch nicht so richtig was das wesentliche ist worauf man während des Schärfens achten muss. Da im Netz oft vor "gewarnt" wird es mit der Schärfe zu übertreiben, gehe ich eventuell auch zu zaghaft damit um. 

Das mit dem Licht ist ja wohl noch eine ganz eigene Philosophie mit der ich mich noch stark beschäftigen muss. Aber erst würde ich es gerne mit der Schärft hinbekommen. Bei meinen aller ersten Bilder hatte ich das Mineral über eine lange Belichtungszeit mit einem dünnen LED Strahl von mehreren Seiten bestrahlt. Dadurch hatte ich deutlich mehr funkeln in den Kristallen erreicht. Da könnte ich demnächst vielleicht auch wieder ansetzen. 

Mit dem "schwierigen Fall" meine ich meinen "lieben" Dioptas, bei dem ich ab und zu mal, zwischendurch versuche Fortschritte zu erzielen, doch bei dem klappt es so gut wie gar nicht. Letztendlich sieht er immer aus wie ein künstlich hergestelltes Stück Plastik. Die ganzen Schwierigkeiten und Baustellen an dem Stück Mineral nehmen einfach kein Ende. Es fängt schon an beim Stacken, was ich mittlerweile schon in den Griff kriegen könnte aber es sich als deutlich schwieriger erwies als bei den übrigen. Dann klappt es nicht die Farbe auch nur ansatzweise in der richtigen Form wiederzugeben. Und letzendlich fehlt dem Ganzen auch die Plastizität total. Also wirklich ein Grauen, allein wenn ich an ihn Denke. Aber ich hab ja erst einmal genug einfachere Minerale, der Dioptas scheint mir noch eine ganze Nummer zu hoch zu sein. 

Liebe Grüße

Max 

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Max,

ich kann anhand Deines eingestellten Fotos nicht genau sagen, woran die Unschärfe liegt. Ich hatte Dir geschrieben, Deine Optik in Verbindung mit der E-M5 II können mehr.

Damit Du siehst, was ich damit meine, und Du dies auch besser einschätzen kannst, habe ich ein Foto eines völlig unspektakulären Chalcedons (Breite 5cm) erstellt.

Ich bin kein Experte in Mineralien-Fotografie! Da gibt es ´ne Menge Leute, die sich damit viele Jahre  beschäftigen und richtig gute Fotos machen, mit super ausgetüftelter Lichtführung usw. Ich habe mich vielmehr auf das "Organische" spezialisiert. Also: Ich stelle jetzt hier keine tollen Super-Bilder ein, sondern ein Foto, an dem ich DIR folgende Dinge verdeutlichen möchte:

  • Schärfe
  • Brillanz
  • Lichtführung

Um die anderen Dinge wie Hintergrund, Auflage oder Unsauberkeiten im Mineral geht es hier jetzt nicht.

Ich habe das Foto mit sehr ähnlicher Hardware wie Du gemacht. Somit kannst Du hier also sehr gute Rückschlüsse zu Deiner Technik und deren Anwendung ziehen:

Olympus O-MD E-M1 Mark II, Olympus 60mm Makro, ISO 200, Blende 4.0, 1/60 Sek.
Das Foto ist ein Stack aus 16 Einzelfotos, erstellt mit der Focus-Bracketing-Funktion der Kamera, Focusunterschied Stufe 2. In Photoshop CC habe ich die Einzelfotos zusammengefügt. 

Die erste Einstellung des Fotos ist die von mir bearbeitete Version. Die zweite Einstellung ist vollkommen unbearbeitet, also ohne jegliche Nachbearbeitung. Hier kannst Du also das "Rohmaterial" sehen.

Die Bearbeitung ist sehr defensiv. Ich habe über Lightroom insbesondere etwas Klarheit und Dynamik hinzugegeben, die Lichter leicht gesenkt und die Tiefen etwas angehoben.

Wichtig sind die Einstellungen "Schärfen" und "Rauschreduzierung". Hier hänge ich Dir die von mir vorgenommenen Lightroom-Einstellungen unten an. Damit hast Du einen Richtwert für die entsprechenden Kameraeinstellungen. Die müssten im Wesentlichen auch für die E-M5 Mark II gelten.
Die LR-Schärfeneinstellungen stellen eine Art Grundeinstellung dar. Ich führe anschließend über PS noch eine leichte Nachschärfung durch.

Wichtiger Hinweis:
Vergleiche die Fotos immer in der vollen Vergrößerung! Bei den kleinen Einstellung unten kommt nichts von dem Beschriebenen rüber! Vergrößere sie mit Klick rechte Maustaste  -  öffnen in neuem Tab  - und dann über das Pluszeichen mit der Maus voll vergrößern. Nicht anders betrachten! Nur so kommen die Feinheiten raus, die ich beschreibe und die ich Dir zeigen möchte.

Nun achte bitte insbesondere auf folgende Punkte:

Schärfe:

Betrachte die Schärfe bei höchster Vergrößerung - und vergleiche diese Schärfe mit Deinem Foto. Vergleiche hier insbesondere mit meiner unbearbeiteten Version. Das MUSS im Raw-Format drin sein!

Die bearbeitete Version zeigt Dir, was nach der digitalen Entwicklung möglich ist.

Brillanz:

Betrachte und vergleiche hier insbesondere die Klarheit der Farben und die Kontraste. Ich habe das Foto sehr zurückhaltend bearbeitet. Das meiste liegt also bereits beim Original vor.

Licht:

Betrachte die Plastizität, verursacht durch die Lichtführung. Achte insbesondere auf die Licht- und Schattenbereiche, deren Durchzeichnung und Abstufung.

Ich habe mit zwei LED-Taschenlampen beleuchtet: Das Hauptlicht kommt von links oben, ca. 40 Grad, Abstand etwa 50 cm. Das schwächere Licht kommt von einer Lampe, die einfach rechts auf dem Tisch liegt und die Schattenbereiche aufhellt, Entfernung 20 cm.
Ich habe alles mit Absicht sehr einfach, sehr primitiv gestaltet, damit die Wirkungsweise gut sichtbar ist. Hier lässt sich natürlich - ich sagte es bereits - massiv Aufrüsten, bis hin zu promotionswürdigen Gebilden. Aber darum geht es mir hier jetzt nicht. Aber mit ausgeklügelteren Lösungen lassen sich Brillanzwerte, Plastizität und Lichtwirkung natürlich noch deutlich steigern. In der Lichtführung liegt der Hauptschlüssel.

Ich hoffe, Du bekommst mit diesen konkreten Werten, Vergleichen und Beschreibungen etwas mehr Klarheit für Deine Arbeit.

Lieber Gruß,

Roland

Foto bearbeitet - Stack aus 16 Fotos

Foto unbearbeitet - Stack aus 16 Fotos

LR-Einstellungen Schärfe und Rauschen

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