Eichenblatt, getüpfelt – Eichen-Miniermotte (Tischeria ekebladella)

Das ist die Rückseite eines Eichenblattes. Erst beim Durchschauen habe ich gesehen, dass in den weißen Flecken offenbar  Tierchen leben. Um welche handelt es sich. Vielleicht kann mir jemand sagen, was das ist.

Ich habe die Vorderseite auch mal angehängt.

(Roland, Bildbesprechung wegen Quali musst du nicht machen ;-) )

Kommentare

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ADMIN

Liebe Gabi,

das ist – wieder einmal – ein sehr interessantes Motiv, was Du da fotografiert hast. Ich kann (noch) nicht genau sagen, um was es sich bei diesen weißen, kreisförmigen Gebilden handelt. Es scheint jeweils ein Gespinst zu sein, in dem eine kleine längliche Larve sitzt (das sieht man auf dem Rückseitenbild ganz gut). Das spricht für Falter-Larven – muss aber nicht sein.

Kannst Du so ein Ding mal vorsichtig aufschneiden? Wenn es Dir gelingt, den "weißen Deckel" anzuheben (vielleicht mit Rasierklinge), dann legst Du das Innenleben frei und kannst es nochmals fotografieren. Und dann reden wir weiter...

Mich würde es sehr interessieren!

Lieber Gruß und, solltest Du Dich ranwagen, viel Erfolg!

Roland

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ADMIN

Hallo Gabi,

jawohl, nun können wir das Geheimnis lüften. Es handelt sich um reife Larven einer Miniermotte, ziemlich sicher der Eichen-Miniermotte (Tischeria ekebladella).

Zur Biologie der Eichen-Miniermotte (Tischeria ekebladella)

Zunächst etwas Systematik und Verbreitung:

Miniermotten sind Schmetterlinge (Lepidoptera) und gehören dort der Familie der Schopfstirnmotten (Tischerioidea) an. Davon gibt es weltweit mit etwa 80 Arten gar nicht so viele, in Mitteleuropa ca. 10 Arten (das gilt bei Insekten als recht übersichtlich!). Bei uns kommen sie insbesondere auf Eichen- und Rosengewächsen vor, sind also spezifisch. Aber das verrät ja bereits der Name Eichen-Miniermotte. Diese kommt also nicht bei Rosen vor – und umgekehrt (ich höre ja schon wieder auf...).

Die Eichen-Miniermotte ist bei uns recht häufig. Sie ist immer wieder in Eichenblättern zu finden, wenn man genau hinschaut. Aber das ist ja eine Königsdisziplin aller Makronisten.

Und noch was Wissenschaftliches zum Verhalten:

Die jungen Motten-Larven minieren im Eichenblatt, das heißt, sie leben zwischen den oberen und unteren Blatthäuten eines Blattes in dessen Inneren und fressen dort das chlorophyllhaltige (grüne) Blattmaterial. Sind sie reif, verpuppen sie sich in einem eigen gespinnten, kreisförmigen Kokon auf dem Blatt.

Das ist genau die Situation, die Du fotografiert hast. Die Kokons sind gesponnen, in ihrem Inneren befinden sich vollreife Larven, die kurz vor der Verpuppung stehen.

Sie fallen mit den Blättern zu Boden, wo die Entwicklung weitergeht. Im kommenden Frühjahr erscheinen dann die fertigen Motten, legen ihre Eier in die frisch austreibenden Eichenblätter, und das Ganze beginnt von vorne.

Du siehst, wieder mal eine super geile, interessante Geschichte, die Du da gefunden und fotografiert hast!


Anmerkung:

Mir ist voll bewusst, dass man geteilter Meinung sein kann über das Öffnen dieser Gespinst-Tasche. Natürlich ist damit dieser kleinen Larve die Schutzwirkung ihres "Zuhauses" genommen worden.
WIR wissen nun, was sich dahinter verbirgt – und können aufgeklärt zukünftig entsprechend respektvoll auch mit dieser Erscheinung umgehen, anstatt sie beispielsweise achtlos in den (Bio)-Müll zu entsorgen und damit alle Larven zu töten. Dennoch sehe ich es so, dass hier jeder seine eigene Grenze ziehen muss – und das ist auch wichtig und gut so.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

PS: Ich werde den Namen der Motte oben nachträglich in die Bildüberschrift setzen. Dadurch ist dieser Thread mittels unserer Suchmaschine besser auffindbar.

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MOD

Guten Morgen, Roland!

Das ist ja mal wieder super interessant!!! Ab und an hatte ich schon einmal so ein Blatt gesehen, jedoch war mir wirklich nicht bewußt, dass darin Leben wohnt. Erst durch die Makrofotografie kommt man hinter das Geheimnis und kann, wie du schon sagst, achtsam damit umgehen. Nun haben wir die eine Larve vielleicht geopfert, jedoch ist die Info für alle hier meiner Meinung nach von Bedeutung hinsichtlich des Umgangs.

Bekommst von mir heute - mal wieder - einen Pokal für die Top-Info :-)

Danke schön für diese interessante Geschichte!

Wünsche dir noch einen schönen Tag

Liebe Grüße

Gabi

(PS. Sorry, wegen meinem unbiologischen Umgang mit dem Zustand Larve-Raupe beim Bild einstellen :-)) )

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