Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes)

Hallo,

Ausnahmsweise habe ich einmal 3 Fotos geladen,

Ich glaube es ist eine Wanze.

Eine rotbeinige Baumwanze?

Ich habe alle drei Fotos mit der gleichen Einstellung der Kamera gemacht.

F/6,3

1/1000

Iso 280

105 Makro ohne Stativ

LG Margret

Kommentare

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo Margret,

Gratulation, Du hast richtig bestimmt: Es ist die Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes), eine unserer größten und häufigsten Baumwanzenarten.
Ich werde den lateinischen Namen oben im Titel ergänzen, dann ist diese Bildeinstellung mit den sehr schönen Fotos zukünftig besser über unsere Suchfunktion auffindbar.

Auffallend sind die attraktiven Perspektiven: Bild eins und insbesondere Bild drei sind super! Die Wanze wirkt mächtig, fast dramatisch, von Dir fotografiert auf Augenhöhe, also mit viel "Respekt" gegenüber dem Tier. Das sind wichtige Wirkungselemente!

Bild zwei ist wichtig für die genaue Bestimmung der Wanze, weil hier der Blick auf den Rücken frei ist.

Ein paar Details:

Bild 1:

Schärfe sitzt korrekt, klasse Bild.

Winzige Anmerkung zur Bildaufteilung: Wanze etwas weiter nach unten, dann würde sie "ins Bild hineinschauen".

Bild 2:

Wie gesagt, wichtiges Dokumentarfoto innerhalb der Kleinserie wegen Artbestimmung.

Bild 3:

Herausragende Perspektive!

Wieder winzige Anmerkung (das ist jetzt wirklich ein Popeln mit sehr spitzer Pinzette!):
Diesem Foto hätte Blende 11.0 gut getan, damit der Saugrüssel auch noch mit in die Schärfeebene gerutscht wäre. So, wie Du es fotografiert hast, sitzt die Schärfeebene völlig korrekt, nämlich auf dem Augen Aber der saugende Saugrüssel liegt ein Stück dahinter, wird aber bei dieser Hammer-Perspektive zu einem Teil des Hauptmotivs.

Kann sein, dass dieses eines der dramatischsten Fotos ist, das Du bisher gemacht hast... :-). KLASSE – und GRATULATION!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Profile picture for user Danny

Jippiiiiiiii Jaaaaaaaa    Yessssss,

ich freue mich, vielen Dank

und diese Fotos habe ich mich erst gar nicht getraut einzustellen, wegen den Unscharfen Abschnitten.

ich bin echt aus dem Häuschen.

Aber ich weiss auch das ich trotzdem nicht alles richtig gemacht habe und ich weiter üben muss.

Tut aber gut

Margret

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo Margret,

Du hast allen Grund, Dich zu freuen. Du hast hier sehr viel sehr gut gelöst!

Noch ein Gedanke zu den, wie Du sie nennst, "unscharfen Abschnitten":

Ein Exkurs zu Schärfen und Unschärfen (unter Einbeziehung der Focus Stacking-Technik)

Hinsichtlich der Unschärfen gibt es wirklich nur den oben erklärten Ansatz bei Bild 3 (Saugrüssel). Ansonsten passen die Schärfe-/Unschärfeverteilungen, denn:

Bei einem Foto (oder auch bei einem Hauptmotiv) muss nicht alles scharf sein!

Unschärfen stellen eines der wichtigsten und kraftvollsten Gestaltungsmittel innerhalb der Fotografie dar. Wichtig ist, dass bestimmte Bereiche voll in der Schärfe liegen – wie zum Beispiel die Augen, aber auch andere Körperteile, wenn sie beispielsweise eine bestimmte Funktion ausüben und dieses Thema des Fotos ist, z.B. Mundwerkzeuge bei fressenden Tieren.

Auch innerhalb der Makrofotografie stellt das Spiel mit den Unschärfen ein unverzichtbares Instrument dar. Hier wird zwar immer geredet bis gejammert, man hätte (zu) wenig Schärfentiefe. Oft ist dies aber Ausdruck von mangelnder Kenntnis im Umgang mit derselben. Auch und gerade im Makrobereich erhöhen gut platzierte Unschärfen enorm die Bildwirkung.

Wie ist das bei Focus Stacking?

Das trifft übrigens auch für Focus Stacking zu. Viele sehen hier das große Allheilmittel für sämtliche Schärfe-Wehwehchen in der Makrofotografie. Häufig lese ich sogar, dass bestimmte Experten der Meinung sind, Makrofotografie sei im Grunde überhaupt erst möglich, seitdem es Focus Stacking gibt. Und die focus-stacken dann logischerweise alles, was ihnen draußen so unter Fingernagel-Größe vor die Makrolinse kommt (Vielleicht kommt hier aber auch noch eine gewisse, vieles überdeckende Technik-Verliebtheit dazu?!). Dabei rückt gerade bei dieser neuen Technik der korrekte Umgang mit den Unschärfen besonders stark in den Vordergrund.

Schaue Dir beispielsweise mal die zahlreichen Insektenfotos an, bei denen das Insekt von vorne bis hinten durchgestackt und damit scharf ist. Das Internet ist voll davon, und die Experten betreiben eine regelrechte Technik-Olympiade frei nach dem Motto schneller – weiter – höher. Wer die meisten Stacks macht, ist der große Stack-Meister.

Beispiel Rasterelektronenmikroskop

Aber wie gesagt, schaue Dir diese Fotos einmal genau an. Die meisten davon wirken kalt, starr, nüchtern, tot – ja eigentlich grausam. Mich erinnern die immer an Fotos von Rasterelektronenmikroskopen, bei denen bei vollster Vergrößerung von vorne bis hinten alles scharf ist. Hier gab´s in den 70er bis in die 80er Jahre hinein eine regelrechte Hype. Zahlreiche Hochglanz-Bildbände erschienen und zeigten haufenweise großformatige Alien-Bilder dieser Tiere – und verschwanden schneller, also sie gekommen waren. Man hatte sich innerhalb kürzester Zeit daran satt gesehen, sie ließen sich nicht mehr verkaufen.

Woran liegt das?

Bei Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen gibt es den tollen Reiz des super deutlichen Erkennens vieler Details. Da werden Dinge sichtbar, die man fast alle mit bloßem Auge nicht erkenne kann – und das von vorne bis hinten! Ansonsten liefern sie aber, zumindest in der Regel, keinen weiteren Reiz. Verschwimmungen mit Unschärfen, das Spiel mit harten und weichen Kanten und Übergängen usw. entfällt.  Somit wirken diese Fotos also insgesamt recht einfach und nüchtern.

Hinzu kommt, dass die Darstellungsweise der Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen nicht mit unserem natürlichen Sehen übereinstimmt. Wir sehen stereotypisch, dass heißt grob, wir bilden einen Schnittpunkt (Brennpunkt) mit unseren parallel nebeneinander stehenden Augen, auf den wir dann "scharf stellen". Alles davor und dahinter Befindliche sehen wir unscharf oder zumindest ungenau. Und dieses Sehen empfinden wir als angenehm.

Nach wenigen Jahren verschwanden diese Elekronenmikroskop-Fotos mehr oder weniger wieder dorthin, wo sie hingehören: auf den Schreibtisch von Wissenschaftlern – und da liegen sie bis heute. Heute lassen sich kaum noch Bücher mit ausschließlich diesen Fotos gewinnbringend verkaufen. Man hat sich an dieser Art von Fotos also "ausgeschaut".

Parallelität zu übertriebenem, nicht differenzierendem Focus Stacking

Wenn Focus Stacking übertrieben eingesetzt wird (und das wird es leider viel zu oft), ergeben sich Parallelitäten zu den oben beschriebenen Eigenheiten von Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen. Voll durchgestackte Fotos verzichten ebenfalls häufig auf die bildgestalterischen Werkzeuge aus der Kreativ-Schublade eines Makronisten. Und das ist mehr als schade.

Bei unseren Makrofoto-Workshops ist dies eines der zentralsten Themen. Hier demonstriere ich beispielsweise den großen Unterschied bei der Bildwirkung mit zu wenig Unschärfen gegenüber dem kreativen Einsatz unscharfer Bildelemente – und zwar gerade beim Focus Stacking! Hier wird dann deutlich, das Focus Stacking als relativ neue Technik zwar ganz tolle zusätzliche Einsatzmöglichkeiten liefert, aber eben auch über klare und deutliche Grenzen verfügt. Lernt man beides kennen, ja dann macht es richtig Spaß, mit Focus Stacking zu arbeiten. Denn gerade beim Focus Stacking ist das (gekonnte) Spiel mit den Unschärfen nicht nur besonders wichtig, sondern auch besonders wirkungsvoll.

Good Old-School-Fotos

Also zurück zu DEINEN tollen Fotos: Es sollte also überhaupt nicht Ziel sein, noch viel mehr oder gar alle Körperteile des Hauptmotivs (hier der Baumwanze) in die Schärfe zu bekommen. Bild 1 und insbesondere Bild 2 voll durchzustacken und damit die Wanze voll scharf abzubilden, würde beide Bilder "töten". Nein, auf die bildentscheidenden Partien soll das Augenmerk des Betrachters gelenkt werden, unter anderem durch die Platzierung der Schärfe dorthin. Und das hast Du gemacht, mit der Good Old-School-Methode: Erstellung eines guten, handgemachten Makrofotos mit korrekten Einstellungen und Werten. Die Königsdisziplin wäre nun, bei Bild 3 noch den Rüssel in die Schärfe hineinzuholen – entweder über eine geschlossenere Blendeneinstellung oder, und das wäre noch besser, über einen (kleinen) Stack mit wenigen "Schärfescheibchen", die genau diese Zielsetzung erfüllen, und nicht mehr!

Es bleibt also dabei: Du hast eine sehr gute Arbeit gemacht!

Lieber Gruß,

Roland

 

 

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