Prima erwischt, die Honigbiene. Hier fliegen sie seit einigen Tagen auch fleißig durch die Lande...
Zum Foto:
Schärfe
Die abfliegende Biene ist leicht unscharf. Diese Unschärfe resultiert aus der Stärke ihrer Eigenbewegung im Flug, also ihrer Fluggeschwindigkeit. Hierfür ist eine 1/800 Sekunde grenzwertig. Sie ist etwas zu lang.
LÖSUNG:
Für solche Situationen sollte mindestens eine 1/1250 – 1/1500 Sekunde gewählt werden. Damit wird eine anfliegende oder abfliegende (Honig)biene in der Regel scharf. Um dies zu kompensieren, hättest Du noch etwas Luft beim ISO-Wert gehabt. Wenn Du diesen auf etwa 400 einstellst, wird die Zeit entsprechend kürzer.
Genau zu diesem Thema habe ich in der MAKROFOTO Nr. 5 einen ausführlichen Artikel geschrieben. Hier kannst Du im Beitrag "Insekten im Flug fotografieren" alles Wichtige nachlesen. So findest Du in diesem Artikel auch genaue Angaben zu notwendigen Verschlusszeiten für bestimmte Flugsituationen bei Insekten.
Licht
Das Licht im Bild wirkt fast künstlich. Hast Du neben dem Sonnenlicht eine weitere Lichtquelle eingesetzt? Insgesamt wirkt das Licht ein wenig flach.
Perspektive
Du hast die abfliegende Biene schräg von oben fotografiert. Dadurch ist zusätzlich ein Blick in die Blüte möglich.
Allerdings wirkt durch diese Aufnahmerichtung auch durch diese Perspektive das Bild etwas flach (zusätzlich zur Lichtcharakteristik). Diese Perspektive schafft kaum Raumtiefe. Die erhältst Du erst, wenn Du deutlich mehr Hintergrund mit ins Bild holst.
LÖSUNG:
Eine flachere Bildperspektive bringt deutlich mehr Raum und damit mehr Tiefe ins Bild. Wenn die Kamera weiter runter kommt – fast auf den Boden – fliegt die Biene "auf Augenhöhe". Dann erst ist der Betrachter "innerhalb" ihres Lebensraumes, erst dann "fliegt er mit ihr".
Der Insektenflug ist ein toller, nahezu "Ehrfurcht erfüllender" Vorgang. Er kommt erst richtig zur Geltung, wenn er auch dementsprechend "respektvoll" dargestellt wird. Hierbei spielt die Perspektive eine entscheidende Bedeutung. Erst, wenn die Insekten für uns auf Augenhöhe fliegen, kommt die Faszination dieses Flugs voll zur Geltung.
Ich hänge Dir zur Verdeutlichung ein paar Fotos an, die von einem sehr niedrigen Kamerastandpunkt aus gemacht wurden. Beachte insbesondere die hierdurch entstandene TIEFENwirkung. Damit erhalten solche Fotos eine komplett veränderte Gesamtwirkung.
Mit dem Fotografieren von einem Insekt im Flug hast Du Dir die Latte für Deine "ersten Makroversuche" ziemlich hoch gehängt. Das ist ein bisschen so, wie wenn man den Führerschein auf dem Nürburgring macht :-).
Aber: Insekten im Flug zu fotografieren ist ein sehr spannendes Thema. Hier lohnt es sich, dran zu bleiben...
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",
Roland
Olympus E-M1 Mark II; Sigma 105mm F2.8 Makro; ISO 1000; 1/1600 Sek.; Blende 6.3
Honigbiene (Apis mellifera) im Anflug auf Turkestanische Tulpe (Tulipa turkestanica) auf kargem Untergrund (brauner Hintergrund!)
Hier "reicht" eine 1/1600 Sekunde aus, um die schwerfällige Honigbiene im Anflug scharf abzubilden.
Olympus E-M1 Mark II; Sigma 150mm F2.8 Makro; ISO 1250; 1/2500 Sek.; Blende 6.3
Wildbiene im Anflug auf Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Bei dieser kleinen Wildbiene ist der Anflug schon etwas "wilder", sodass mindestens eine 1/2500 Sekunde nötig ist, um sie scharf abzubilden.
Dünen-Blattschneiderbiene (Megachila maritima) beim Abflug von einer Blüte der Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides)
Obwohl körperlich etwa gleich groß wie eine Honigbiene, saust diese Wildbienen rasend schnell von einer Blüte zur nächsten, sodass eine noch kürzere Verschlusszeit nötig ist, um sie bei ihrer Arbeit scharf abzubilden.
Olympus E-M1 Mark II; Sigma 150mm F2.8 Makro; ISO 1000; 1/2500 Sek.; Blende 5.6
Honigbiene (Apis mellifera) im Anflug auf Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Eine weitere Honigbiene im Anflug auf eine Küchenschellen-Blüte. Aufgrund hoher Temperaturen war sie recht "mobil" unterwegs, sodass hier eine kürzere Belichtungszeit als "normalerweise" bei diese schwerfälligeren Bienenart nötig war.
wow, danke für diese umfangreiche und vor allem konstruktive Kritik. Ich werde deine Tipps beim nächsten Einsatz berücksichtigen. Vielleicht gelingt es mir dann schon besser.
Lieben Gruß, Harald
P.S.: eine andere Lichtquelle habe ich nicht verwendet. Sonne pur
Kommentare
ADMIN
Hallo halomile, herzlich…
Hallo halomile,
herzlich willkommen bei Makrotreff!
Prima erwischt, die Honigbiene. Hier fliegen sie seit einigen Tagen auch fleißig durch die Lande...
Zum Foto:
Schärfe
Die abfliegende Biene ist leicht unscharf. Diese Unschärfe resultiert aus der Stärke ihrer Eigenbewegung im Flug, also ihrer Fluggeschwindigkeit. Hierfür ist eine 1/800 Sekunde grenzwertig. Sie ist etwas zu lang.
LÖSUNG:
Für solche Situationen sollte mindestens eine 1/1250 – 1/1500 Sekunde gewählt werden. Damit wird eine anfliegende oder abfliegende (Honig)biene in der Regel scharf. Um dies zu kompensieren, hättest Du noch etwas Luft beim ISO-Wert gehabt. Wenn Du diesen auf etwa 400 einstellst, wird die Zeit entsprechend kürzer.
Genau zu diesem Thema habe ich in der MAKROFOTO Nr. 5 einen ausführlichen Artikel geschrieben. Hier kannst Du im Beitrag "Insekten im Flug fotografieren" alles Wichtige nachlesen. So findest Du in diesem Artikel auch genaue Angaben zu notwendigen Verschlusszeiten für bestimmte Flugsituationen bei Insekten.
Licht
Das Licht im Bild wirkt fast künstlich. Hast Du neben dem Sonnenlicht eine weitere Lichtquelle eingesetzt? Insgesamt wirkt das Licht ein wenig flach.
Perspektive
Du hast die abfliegende Biene schräg von oben fotografiert. Dadurch ist zusätzlich ein Blick in die Blüte möglich.
Allerdings wirkt durch diese Aufnahmerichtung auch durch diese Perspektive das Bild etwas flach (zusätzlich zur Lichtcharakteristik). Diese Perspektive schafft kaum Raumtiefe. Die erhältst Du erst, wenn Du deutlich mehr Hintergrund mit ins Bild holst.
LÖSUNG:
Eine flachere Bildperspektive bringt deutlich mehr Raum und damit mehr Tiefe ins Bild. Wenn die Kamera weiter runter kommt – fast auf den Boden – fliegt die Biene "auf Augenhöhe". Dann erst ist der Betrachter "innerhalb" ihres Lebensraumes, erst dann "fliegt er mit ihr".
Der Insektenflug ist ein toller, nahezu "Ehrfurcht erfüllender" Vorgang. Er kommt erst richtig zur Geltung, wenn er auch dementsprechend "respektvoll" dargestellt wird. Hierbei spielt die Perspektive eine entscheidende Bedeutung. Erst, wenn die Insekten für uns auf Augenhöhe fliegen, kommt die Faszination dieses Flugs voll zur Geltung.
Ich hänge Dir zur Verdeutlichung ein paar Fotos an, die von einem sehr niedrigen Kamerastandpunkt aus gemacht wurden. Beachte insbesondere die hierdurch entstandene TIEFENwirkung. Damit erhalten solche Fotos eine komplett veränderte Gesamtwirkung.
Mit dem Fotografieren von einem Insekt im Flug hast Du Dir die Latte für Deine "ersten Makroversuche" ziemlich hoch gehängt. Das ist ein bisschen so, wie wenn man den Führerschein auf dem Nürburgring macht :-).
Aber: Insekten im Flug zu fotografieren ist ein sehr spannendes Thema. Hier lohnt es sich, dran zu bleiben...
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",
Roland
Olympus E-M1 Mark II; Sigma 105mm F2.8 Makro; ISO 1000; 1/1600 Sek.; Blende 6.3
Honigbiene (Apis mellifera) im Anflug auf Turkestanische Tulpe (Tulipa turkestanica) auf kargem Untergrund (brauner Hintergrund!)
Hier "reicht" eine 1/1600 Sekunde aus, um die schwerfällige Honigbiene im Anflug scharf abzubilden.
Olympus E-M1 Mark II; Sigma 150mm F2.8 Makro; ISO 1250; 1/2500 Sek.; Blende 6.3
Wildbiene im Anflug auf Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Bei dieser kleinen Wildbiene ist der Anflug schon etwas "wilder", sodass mindestens eine 1/2500 Sekunde nötig ist, um sie scharf abzubilden.
Olympus E-M1; Sigma 150mm F2.8 Makro; ISO 1000; 1/3200 Sek.; Blende 8.0
Dünen-Blattschneiderbiene (Megachila maritima) beim Abflug von einer Blüte der Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides)
Obwohl körperlich etwa gleich groß wie eine Honigbiene, saust diese Wildbienen rasend schnell von einer Blüte zur nächsten, sodass eine noch kürzere Verschlusszeit nötig ist, um sie bei ihrer Arbeit scharf abzubilden.
Olympus E-M1 Mark II; Sigma 150mm F2.8 Makro; ISO 1000; 1/2500 Sek.; Blende 5.6
Honigbiene (Apis mellifera) im Anflug auf Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Eine weitere Honigbiene im Anflug auf eine Küchenschellen-Blüte. Aufgrund hoher Temperaturen war sie recht "mobil" unterwegs, sodass hier eine kürzere Belichtungszeit als "normalerweise" bei diese schwerfälligeren Bienenart nötig war.
Hallo Roland, wow, danke…
Hallo Roland,
wow, danke für diese umfangreiche und vor allem konstruktive Kritik. Ich werde deine Tipps beim nächsten Einsatz berücksichtigen. Vielleicht gelingt es mir dann schon besser.
Lieben Gruß, Harald
P.S.: eine andere Lichtquelle habe ich nicht verwendet. Sonne pur
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