• Weißfilzige Blattschneiderbiene, Megachile pilidens - Weibchen
  • Knotenwespe, Cerceris quinquefasciata, Männchen auf Oregano
  • Gasteruption tournieri, Schmalbauchwespe, auf Möhre
  • Gasteruption tournieri, Schmalbauchwespe, auf Möhre

MAKRO-BLITZEN - Die Sache mit dem Hintergrund, Teil 1

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MAKRO-BLITZEN - Die Sache mit dem Hintergrund, Teil 1

Mi, 04/05/2016 - 23:51
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Beim Einsatz von Blitzlicht in der Makrofotografie taucht immer wieder das leidliche Problem mit der Hintergrundgestaltung auf. Im ersten Teil zu diesem Thema erfährst Du, wann ein schwarzer Hintergrund ungünstig ist und wie Du ihn in diesem Fall vermeiden kannst.

Wann ist ein schwarzer Hintergrund sinnvoll, wann nicht?

Zunächst beschäftigen wir uns kurz mit der Frage, ob und wenn ja wann schwarze Hintergründe in der Fotografie schön/sinnvoll beziehungsweise unschön/nicht sinnvoll sind.

Ein schwarzer Hintergrund ist nicht von Haus aus schlecht und damit abzulehnen. Nur wenn er unberabsichtigt entsteht - eben weil man sich nicht der Werkzeuge bewusst ist, mittels derer er vermieden werden kann - , ist er in der Regel sehr unschön. Es gibt aber durchaus gewollte und berechtigte Einsätze für einen solchen schwarzen Hintergrund.

DAS klassische Beispiel hierfür ist eine Bestimmungsbuchreihe Ende der 80ger/Anfang der 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts, die sogenannten Godet-Pflanzenführer. Bei dieser Buchreihe hat der französische Fotograf Jean-Denis Godet Blüten, Blätter, Knospen oder ganze Pflanzen (je nach Buchthema) konsequent vor schwarzem Hintergrund fotografiert und präsentiert. Der Sinn dahinter war, nichts, aber auch absolut gar nichts von den "Objekten" ablenken zu lassen. Die Bestimmungsbuch-Reihe war sehr erfolgreich.

Also, es kommt – wie so oft – auf die Zielsetzung an. Wird bewusst ein schwarzer Hintergrund als fotografisches Stilmittel gewählt, um beispielsweise die volle Konzentration ausschließlich auf das Hauptmotiv zu lenken, ist alles in Ordnung.

Die entscheidende Frage zum schwarzen Hintergrund lautet somit: beabsichtigt oder unbeabsichtigt?

Wie kann ein schwarzer Hintergrund vermieden werden?

Ich erkläre im diesem Teil 1 sowie im Teil 2 über die Hintergrundgestaltung beim Makro-Blitzen, wie unbeabsichtigte schwarze Hintergründe beim Makro-Blitzen vermieden werden können.

Wird Blitzlicht in der Makrofotografie nicht gezielt als künstlerisches Stilmittel eingesetzt, soll es in der Regel möglichst unauffällig sein und die reale Situation naturgetreu abbilden - im Idealfall die Sonne "imitieren". Doch viele Makronisten sind enttäuscht, wenn sie ihre Aufnahmen betrachten und dort gräßliche schwarze Hintergründe entdecken, Löcher, in die man fast hineinzufallen droht! Das kann wirklich furchtbar aussehen, muss aber nicht sein.

Hier siehst Du ein solches Foto:

Gasteruption tournieri, Schmalbauchwespe, auf Möhre
Olympus E-3; Sigma 105mm f2.8 Makro; Bl. 9; ISO 100; Zangenblitz (Blitzkorrektur -1.0)

Eigentlich grausam! Sieht aus, als sei es nachts aufgenommen worden - nur fliegen diese Wespen nachts nicht! Ästhetisch fragwürdig, als Naturdokument bestenfalls tolerabel . Also egal wie, das ist nichts!!

Wie entstehen diese schwarzen Hintergründe? Stelle Dir ein relativ frei stehendes, isoliertes Motiv vor, hinter dem viel freier Raum ist - z.B. eine Blüte, die einzeln steht. Um diese Blüte herum und hinter ihr befinden sich keine weiteren Dinge.
Wird nun diese Blüte frontal oder schräg frontal angeblitzt, fällt ein Teil des Blitzlichts auf die Blüte, ein Teil geht über sie hinweg und an beiden Seiten vorbei nach hinten. Das Licht, das die Blüte trifft, wird von ihr reflektiert und "belichtet" sie. Das Licht, das an ihr vorbei "schießt", verschwindet im leeren Raum, im Nirvana, im Nichts. Dort kann nichts reflektieren. Dort wird nichts belichtet. Damit werden diese Bereiche sehr dunkel abgebildet.

Nun passiert aber noch etwas: Der Teil, der die Blüte trifft, wird zurück reflektiert und gibt der Elektronik der Kamera Informationen über seine Stärke. Der im leeren Raum verschwindende Lichtanteil gibt ebenfalls Informationen zur Kamera - nämlich die, dass hier nichts reflektiert wird, es also hier "scheinbar" sehr dunkel ist und das Motiv "scheinbar" gerne etwas mehr Licht hätte! Nun erhält die Kamera zwei verschiedene Informationen: Für einen Bildteil ist genügend Licht vorhanden (Blütenbereich), für einen anderen Bildteil "scheinbar" zu wenig (leerer Raum). Je nach eingestellter Belichtungsmessung bildet die Kamera einen Mittelwert, der beide Informationen berücksichtigt. Und aufgrund der Information, die sagt, "hier ist es total dunkel" (Hintergrund, der nicht zurück reflektiert), steuert die Elektronik nach und liefert etwas mehr Licht (selbständige Plus-Korrektur von Seiten der Kamera). Ergebnis: Seitlich und hinter dem Motiv verschwindet das "Mehr" an Licht weiterhin wirkungslos im Nichts, die Blüte aber wird überbelichtet. Deshalb korrigiert wiederum der Fotograf und schickt etwas weniger Blitzlicht auf den Weg (Minus-Korrektur), mit dem Ergebnis, dass der Hintergrund noch dunkler bis tief schwarz abgebildet wird. Das sind dann die furchtbaren "schwarzen Löcher" der Makrofotografie. Dieser Effekt tritt um so stärker auf, je größer der Anteil des "Nichts" an der Gesamtfläche des Fotos ist. Bei dem Foto oben beträgt der nicht reflektierende, also schwarze Bereich etwas mehr als die Hälfte der Gesamtfläche des Fotos.

Beim nächsten Bild siehst Du genau die oben beschriebene Situation, nur mit der Ergänzung, dass auf der Blüte zusätzlich eine Biene ein Pollenbad nimmt (was aber natürlich an dem beschriebenen Problem nichts ändert!):

Gelbbinden-Furchenbiene (Halictus scabiosae) auf Pippau (Crepis sp.)
Olympus E-5; Sigma 105mm f2.8 Makro; Bl. 10; ISO 100; Zangenblitz (Blitzkorrektur -2/3)

Auch dieses Foto ist tagsüber bei vollem Sonnenlicht aufgenommen worden. Es könnte seine Berechtigung finden in künstlerischen Ansätzen (Freistellung), oder wenn es eine ganz besondere Situation abbildet (beispeilsweise dann, wenn es das letzte noch lebende Individuum einer aussterbenden Bienen-Art darstellen würde ...). Ansonsten geht´s natürlich besser ...

Wie vermeidet man nun diese "schwarzen Löcher" der Makro-Blitzfotografie?

Die Lösung ergibt sich aus der oben stehenden Ursachenbeschreibung. Achte darauf, Hintergründe zu haben! Es müssen Reflexionsflächen her! Und zwar am besten das, was natürlicherweise auch zu erwarten ist: Blätter, weitere Blüten oder sonst irgendetwas aus dem jeweiligen Lebensraum. Ist da nichts vorhanden, kann man entweder mit der freien Hand (von der ein Makrofotograf ja immer gleich mehrere übrig hat :-) ) eine seitlich stehende Pflanze vorsichtig hinter das Motiv biegen, oder man sucht sich eine neue Situation, oder man akzeptiert die schwarzen Löcher - oder man gibt das Motiv auf und erfreut sich an der Beobachtung!

Bei den beiden folgenden Fotos habe ich eine entsprechend geeignete Situation gesucht (andere Blüten der gleichen Pflanze im Hintergrund).

Bilddaten wie oben; Blitzkorrektur +1/3

Bilddaten wie oben; Blitzkorrektur -1/3

 

Bei der Schmalbauchwespe (linkes Foto) ist die Situation nun besser gelöst. Die Wespe sitzt auf einer von ihr gerne aufgesuchten Nahrungspflanze, der Möhre, die das gesamte Umfeld der Wespe abdeckt. Hier ist kein leerer, schwarzer Hintergrund mehr zu sehen (alles Reflexionsfläche!).

Im rechten Bild ist die Situation ebenfalls besser gelöst als beim ersten Beispiel oben; im Hintergrund ist eine weitere Pippau-Blüte, aber oben rechts ist es immer noch recht dunkel.

Achte beim nächsten Makrofoto-Shooting verstärkt auf die Beschaffenheit des Hintergrunds. Vermeide leeren Raum neben und hinter dem Hauptmotiv. Hier solltest Du viel experimentieren und Dir jeweils die Auswirkungen auf den Fotos ansehen. Du wirst schnell ein Gefühl dafür bekommen, wie Du "schwarze Löcher" reduzieren oder sogar vermeiden kannst.


Auf den folgenden beiden Fotos siehst Du, wie ausgewogen ein Foto trotz des Einsatzes von Blitzlicht wirken kann:

Knotenwespe (Cerceris quinquefasciata) kurz vor dem Abflug auf Oregano-Blüte
Olympus E-M1; Sigma 105mm f2.8 Makro; Bl. 8; ISO 100; Zangenblitz (Blitzkorrektur 0)

 

Grabwespe (Gorytes quinquefasciatus) bei der Nektaraufnahme auf Möhre
Olympus E-M1; Sigma 105mm f2.8 Makro; Bl. 8; ISO 100; Zangenblitz Blitzkorrektur (+1/3)


Natürlich stellt das hier Ausgeführte kein immergültiges Evangelium dar! Es gibt in der Makrofotografie immer wieder Situationen, in denen beim Einsatz von Blitzlicht "schwarze Löcher" nicht vermeidbar sind, die jeweiligen Fotos aber dennoch eine Berechtigung oder sogar zwingende Relevanz haben. Hier gilt wie so oft: keine Regel ohne Ausnahme!

In diesem Sinne viel Spaß beim Umsetzen der Regel als auch bei deren Ausnahme und  -  "Gut Licht"

Roland Günter


Weiterführende Artikel zu diesem Thema hier auf Makrotreff:

MAKRO-BLITZEN – Die Sache mit dem Hintergrund, Teil 2  -  von Roland Günter

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von Makrofoto. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

Kommentare

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Hallo Roland,

Habe gerade deine Ausführungen zum Tema Blitz entdeckt. Vielen Dank dafür . Tue mich doch sehr schwer damit. Obwohl mal jemand zu mir gesagt hat. Keine Angst vor der Arbeit mit Blitzen, ist doch nur Licht!

LG Margret

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