Wolfspinne (Lycosidae) – Männchen; © Roland Guenter

Mit dem Woll-Ziest durch´s Jahr – Start in den Frühling

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Mit dem Woll-Ziest durch´s Jahr – Start in den Frühling

So, 15/03/2020 - 15:20
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Der Woll-Ziest (Stachys byzantina) ist eine in unseren Gärten und Parks weit verbreitete Pflanze. Wer dem Hinweis im Artikel Lebensraum Woll-Ziest in der Ausgabe 8 unserer Zeitschrift MAKROFOTO, die weiß-filzigen Blätter aus dem Vorjahr zu belassen, gefolgt ist, kann nun eine sehr interessante Entwicklung im eigenen Garten mitverfolgen, und fotografieren – nämlich das Erscheinen verschiedener Kleintiere bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen.

Olympus E-M1 Mark II; Kowa Prominar 2.8/8.5mm; f/2.8; 1/320s; ISO 200

Woll-Ziest (Stachys byzantina) nach dem Winter. Frische, grüne Blätter stoßen bei den ersten warmen Sonnenstrahlen durch mehrere Schichten von Blättern aus dem Vorjahr hindurch.
 

Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen beginnt sich das Leben in der Natur uns Menschen wieder zu zeigen. Dort, wo Wärme gespeichert wird, erscheinen die ersten Tiere.
Sehr anschaulich kann man diese Entwicklung am Woll-Ziest (Stachys byzantina) beobachten. Im Schutze seiner Vorjahresblätter überwintern zahlreiche Tierarten. Jetzt locken die ersten wärmenden Sonnenstrahlen sie aus ihrer Winterstarre an die Oberfläche der flaumigen Woll-Ziest-Blätter des Vorjahres. Zu den ersten auftauchenden Tieren gehören Wolfspinnen.
 

Olympus E-M1 Mark II; Olympus Zuiko ED 2.8/60mm Macro; f/2.8; 1/160s; ISO 200; Freihand-Focus Stack aus 14 Einzelbildern.

Männchen einer Wolfspinne (Lycosidae) erscheint vorsichtig zwischen den weißlichen Woll-Ziest-Blättern des Vorjahres.
 

Zu dieser Zeit sind sehr schön die männlichen Wolfspinnen mit ihren kräftigen Kieferntastern (Pedipalpen) zu beobachten und fotografieren. In den Stockwerken der alten Woll-Ziest-Blätter vertreiben sie andere Wolfspinnen-Männchen und balzen um die Weibchen.

Olympus E-M1 Mark II; Olympus Zuiko ED 2.8/60mm Macro; f/2.8; 1/400s; ISO 400; Freihand-Focus Stack aus 18 Einzelbildern.

Männchen einer Wolfspinne (Lycosidae) mit seinen kräftigen Kieferntastern.
 

Tipps zum Fotografieren der Wolfspinnen auf Woll-Ziest-Blättern

  • Ruhig vor die Woll-Ziest-Blätter setzen und abwarten, bis die Spinnen kommen. Die Spinnen gewöhnen sich rasch an den Makronisten.
     
  • Tiefe Perspektive wählen; das schafft eine respektvolle Beziehung zwischen Betrachter und Spinne – und Spannung im Bild!
     
  • Entweder mit relativ offener Blende die Spinnen exakt von vorne fotografieren, sodass ihr Gesicht scharf, der Hintergrund jedoch unscharf ist, oder
     
  • Erstellung von Focus Stacking-Aufnahmen mit vollständig geöffneter Blende. Hierbei die Tiere nicht komplett durchstacken, sondern vorne und hinten Unschärfebereiche belassen; das sieht natürlicher aus.


Mehr Fotos und Informationen zum Woll-Ziest, zu den Wolfspinnen im Labyrinth seiner flauschigen Blätter sowie zu seinen weiteren Bewohnern findest Du in einer umfangreichen Reportage in der MAKROFOTO Nr. 8.
 


Olympus E-M1 Mark II; Olympus Zuiko ED 2.8/60mm Macro; f/2.8; 1/320s; ISO 200

Wolfspinnen-Weibchen (Lycosidae) haben deutlich kleinere Kieferntastern als die Männchen.
 

Mitmachen

Wenn Dir tolle Fotos von Wolfspinnen (oder anderen "frühen" Bewohnern in den flauschigen Stockwerken der Woll-Ziest-Blätter) gelingen, stelle sie doch bitte hier unter diesem Post ein. So kann eine tolle und auch informative Sammlung entstehen, die noch mehr Einblicke in den Woll-Ziest als Lebensraum bietet.

Liebe Grüße,

Roland

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von MAKROFOTO. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

Kommentare

Profile picture for user Flora1958
MOD

Hallo Roland,

da können wir uns doch alle freuen. Kaum kommt der Frühling. Und gleich wissen wir dank deinem Post wo wir schnell motivfündig werden können .In unseren eigenen Gärten. Wollziest-Watching ist angesagt. Da fällt die Aufgabe der sozialen Kontake nur halb so schwer.;-)  Suchen wir uns halt neue, wollige Freunde. Garantiert virusfrei, dafür fotogen bis zum Abwinken. Da darf man auf die Ergebnisse gespannt sein. Deine Beispielbilder sind mal wieder klasse und fordern uns um so mehr heraus. Danke dafür.

Liebe Grüße

Gabi

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Gabi,

bei der Erstellung solcher Fotos arbeite ich immer eine Zeit lang mit den jeweiligen Tieren zusammen. Hierbei entstehen tatsächlich Beziehungen (kein Witz!). Ich fühle mich dabei in einer sehr bereichernden Gesellschaft. Keine Spur von Einsamkeit. Keine Spur von Mangel sozialer Kontakte. Für mich sind dies soziale Kontakte. Die bestehen bei mir nicht ausschließlich von Mensch zu Mensch. Die Kontakte zu den mich umgebenden Lebewesen (auch Pflanzen, aber insbesondere Tiere jeglicher Art) empfinde ich als ausgesprochen erfüllend. Und sie hinterlassen keinerlei Defizite. Das trifft auch auf Spinnen zu :-).

Du liegst mit Deiner Feststellung hinsichtlich der sozialen Kontakte also völlig richtig. In Zeiten der vielen Einschränkungen infolge des Corona-Virus ist das Fotografieren im eigenen Garten oder auch auf einem (naturnah eingerichteten) Balkon eine wunderbare Sache, die mehr als nur ein kleiner Ersatz sein kann. Die vergangenen warmen Tagen mit viel Sonnenschein wirkten wie eine Motiv-Maschine: überall brummt und schwirrt es. Überall wachsen und blühen Pflanzen. Eine Menge alte und neue Objektive wollten von mir unbedingt Gassi geführt werden. Ich ließ mich überreden (grins).

Lieber Gruß,

Roland

Profile picture for user Ilas
Makronist

 

 

Hallo Roland,

Wollziest habe ich auch in meinem Garten und mag ihn auch sehr gerne als Hintergrund bei Insektenmakros. Einige Bilder hätte ich auch und versuche mal eines davon einzustellen .

L.G. Astrid

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