Welcher Zangenblitz?

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Makronist

Hallo Makrofreunde,

spätestens nach meiner zuletzt erhaltenen MAKROFOTO habe ich begriffen, dass ich es nur mit Sonne / Taschenlampen / Ringleuchte und einem zu starken Monsterblitz nicht wirklich weiterbringen werde ...

Deshalb meine Frage an die Profis mit Bitte um Tipps:
Welchen Zangenblitz (zu vernünftigen Kosten) empfehlt Ihr mir?

Equipment: Canon 760D + Makroobjektive

 

Danke für konstruktive Tipps.

Fred

 

Kommentare

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ADMIN

Blitzen in der Makrofotografie

Hallo Fred,

die makrogeblitzten Fotos in unseren MAKROFOTO-Zeitschriften haben Dich anscheinend überzeugt. Dies liegt daran, dass ich (und auch einige andere unserer Autoren) die Makroblitze bewusst so einsetze, dass die häufig störenden Nebeneffekte nicht auftreten oder zumindest minimiert werden. Und eine ganz wichtige und vielen Makronisten nicht bewusste Tatsache ist, dass die meisten geblitzten Fotos meiner biologischen Reportagen so in dieser Form überhaupt erst durch den Einsatz dieser Makroblitztechnik möglich sind! Nahezu die gesamte biologisch-wissenschaftliche Fotografie von Verhaltensweisen von Insekten ist ohne den Einsatz von Blitztechnik nicht machbar.

Dennoch sehen viele Makronisten den Einsatz von Blitzen kritisch, lehnen ihre Benutzung sogar häufig völlig ab. In der Regel liegt das daran, dass sie die Blitztechnik nicht beherrschen und dadurch nicht korrekt anwenden – oder zu viele Fotos gesehen haben von anderen Makronisten, die ihre Blitze falsch, bestenfalls ungeschickt einsetzen. Alleine das macht deutlich, wie diffizil dieses Thema ist.
Und doch bleibt die weitreichende Feststellung: Eine generelle Ablehnung von Blitzeinsatz in der Makrofotografie versperrt den Zugang zu zahlreichen hochinteressanten makrofotografischen Motivbereichen.

Es gibt unzählig viele Möglichkeiten, Blitze in Zangenstellung einzusetzen – gute wie schlechte. Hier spielt neben der Individualität des Makronisten eine große Rolle, bei welcher Art von Makrofotografie die Blitze eingesetzt werden sollen. Da ich Deine makrofotografischen Ziele nicht kenne, benötig ich zur ansatzweisen und seriösen Beantwortung Deiner Frage einige Informationen von Dir:

  • Was sind Deine bevorzugten Motive? Was fotografierst Du also in erster Linie (z.B. Mineralien, Pflanzen, Insekten sitzend, Insekten in Bewegung, Aquarienfotografie?
     
  • Wo hauptsächlich erstellst Du Deine Makrofotos (outdoor, indoor)?
     
  • Bei welchen Abbildungsmaßstäben möchtest Du makroblitzen?
     
  • Mit welchen Makroobjektiven möchtest Du makroblitzen (Brennweite)?

Dieses Thema ist komplex. Pauschale Tips über alle Fotografen und fotografischen Arbeitsweisen hinweg, wie sie an vielen Stellen im Netz verkündet werden, sind wenig hilfreich und frustrieren schnell diejenigen Anwender, die sich für den Einsatz von Blitzen interessieren. Deshalb spreche ich das Thema Makroblitzen immer bei meinen Workshops an und demonstriere die Vor- und Nachteile verschiedener Blitztechniken im Makrobereich sowie die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten.

Hier bei Makrotreff als Online-Plattform sind diesbezüglich schnell Grenzen gesetzt. Aber wenn ich durch die Beantwortung der oben gestellten Fragen mehr Informationen zu Deiner Arbeitsweise habe, kann ich Dir vielleicht zumindest einige grobe Hilfestellungen geben. Wir können es ja mal versuchen... :-).

Lieber Gruß,

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

danke für die ausführliche Antwort. Ich erhebe keinerlei Ansprüche an "hohe Niveaus" - aber was nicht ist, kann ja noch kommen ...
In jedem Fall ist einer meiner Grundsätze "wenn schon, dann richtig" ... weshalb ich mich langsam, aber möglichst zielgerichtet heran zu tasten versuche, ohne mich mit Theorie zu überfrachten.
Zu Deinen Fragen:

-- Ich bin zur Zeit (noch - es wird Winter) darum bemüht, mobil und in freier Natur zu fotografieren, wobei Insekten mein bevorzugtes Motiv sind. Möglichst in natürlichem Ambiente.
Nächstes Ziel wird Kleingetier im Wüstensand und Meeresstrand sein (Ende November).

-- Daneben spiele ich im Winter mit anderen Nah-Motiven (wenngleich nicht direkt in Makrodistanz).
Siehe auch http://view.stern.de/de/mitglieder/fredmaro

-- Ausrüstung:
Canon 760D / Sigma 17-70 Makro / 105 Makro / Raynox 250 / Zwischenringe / Umkehrring / Blitz Sigma EF-500DG / Ringlicht / Helicon Focus / DSLR-Controll für automatisches Stacking via Tablett / sehr gutes Stativ + ein "Makro-Tisch" mit mehreren Novoflex-Schlitten für Motiv und Kamera / Photoshop.

-- Zum gesuchten Zangenblitz:
Aufnahmen im Maßstab 1:1 bis 5:1
Vorzugsweise mit dem Sigma 105 Makro (aber manchmal auch 17-70 Makro), oft mit Zwischenring(en) oder Raynox 250.
Ideal wäre eine mobile Lösung ohne zuviel Kilo und (Reisegepäck) gut verpackbar.
Mein eigenes Unternehmen hält mich permanent weltweit am Reisen und ich nehme gerne Equipment mit,. In der Hoffnung, dass mir unterwegs Zeit bleibt ... (www.fm-nospy.com)

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Zuguterletzt Kompliment zu Eurer fantastischen Zeitung - wenn ich wüsste, wo ich "Euch" empfehlen kann, würde ich das sofort tun ...

Dank auch für die ersten Gehhilfen in diesem, für mich noch ungewohnten Metier.

Herzliche Grüße

Fred (Maro)

 

 

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ADMIN

Hallo Fred,

vielen Dank für die vielen Informationen. Deine Antworten zeigen, dass die Thematik "Zangenblitz" eine nicht ganz so einfache ist, insbesondere, wenn man "wenn schon, dann richtig" einsteigen möchte :-).

Deshalb erst einmal – wie schon angedeutet – ein paar Gedanken zu Deinen Antworten. Eine komplette und umfassende Würdigung dieses Themas würde unseren zur Verfügung stehenden Rahmen hier bei Makrotreff sprengen. Dafür bieten wir die Workshops an.
 

-- Ich bin zur Zeit (noch - es wird Winter) darum bemüht, mobil und in freier Natur zu fotografieren, wobei Insekten mein bevorzugtes Motiv sind. Möglichst in natürlichem Ambiente.

Für diese Anforderung benötigst Du einen Zangenblitz, der möglichst stabil und möglichst nah an der optischen Achse ausgerichtet ist. Warum stabil, liegt auf der Hand. Warum möglichst nah an der optischen Achse, also nah am Objektiv? Weil Du mit weit auseinander stehenden Blitzen ständig in der Vegetation der freien Natur rumfuhrwerkst. Vorne möchtest Du beispielsweise einen auf einem Buchenblatt sitzenden Käfer fotografieren, seitlich und/oder oben stößt Du beim Annähern an das Objekt der Makrobegierde an den gesamten Buchenast, sodass der Baum wackelt. Ergebnis: Käfer futsch.

Die im Handel erhältlichen Makroblitze sind entweder sehr teuer und/oder super ausladend über Schwanenhälse und Ähnliches montiert. Eignen sich also nur bedingt für diese Art von Makrofotografie.


Nächstes Ziel wird Kleingetier im Wüstensand und Meeresstrand sein (Ende November).

Hier liegen völlig andere Voraussetzungen vor: freies Arbeitsfeld, keine oder nur spärliche Vegetation. Hier stören also keine sperrigen Aufhängungen von preiswerten Zangenblitzmodellen.


-- Ausrüstung:
Canon 760D / Sigma 17-70 Makro / 105 Makro / Raynox 250 / Zwischenringe / ...

Für den Einsatz von Zangenblitzen bietet sich zunächst einmal die klassische Makrobrennweite von 105mm sehr gut an. Sie bietet noch genügend Platz zwischen Objektiv und Motiv (Arbeitsabstand) – wichtig für die Lichtführung.
Ist dieser Abstand sehr gering, muss das Licht beider Blitze stark von der Seite zugeführt werden. Das ergibt schnell eine ungünstige Ausleuchtung. Also erst einmal mit den "günstigeren" Verhältnissen warm werden und sich dann allmählich steigern... :-).


Aufnahmen im Maßstab 1:1 bis 5:1

Hier packst Du ein richtig dickes Pfund aus. Du benennst einen gewaltigen Abbildungsmaßstab. Die meisten Menschen, unter ihnen auch viele Makronisten, schätzen Abbildungsmaßstäbe falsch ein. Dies wird stark unterstützt durch völlig falsche Angaben im Internet. Immer wieder sehe ich Fotos von Experten, die tatsächlich beispielsweisen einen Abbildungsmaßstab von 1:2 aufweisen, in der Bildunterschrift aber mit 4:1 angegeben werden. Hier werden die Experten mehr von illusionären Wunschvorstellungen nach Superlativen geritten als von gegebenen Fakten und Wirklichkeiten.

Kurz zur Erläuterung:
Der von Dir angesprochene Bereich beginnt bei 1:1. Da hört aber Dein Makroobjektiv bereits auf! Es geht nur bis 1:1. Das bedeutet, dass Du also mit dem Zangenblitz im Minimum nur mit voll ausgefahrenem Makroobjektiv arbeiten möchtest. Dann geht´s weiter mit zusätzlichen Zwischenringen, Nahlinsen usw. irgendwie bis 5:1. Ist das korrekt?

Bei diesen Maßstäben verringert sich der Abstand zwischen Linse und Motiv derart, dass es eine sehr große Herausforderung wird, da irgendwie noch die Lichtführung unterzubringen. Du musst also bei der Frage nach der Konstruktion zwingend beachten, möglichst ein Auflicht aufs Motiv zustande zu bringen. Die Konstruktion muss demnach so sein, dass die Blitze irgendwie noch in dem super geringen Abstand zwischen Objektiv und Motiv so Platz finden, dass sie an der Seite am Objektiv vorbei aufs Motiv leuchten. Ansonsten hast Du extremes Seitenlicht, gegebenenfalls sogar Gegenlicht.

Willst Du dann diese Maßstäbe auch noch vornehmlich in der freien Natur an lebenden und fluchtbereiten Tieren umsetzen, kannst Du so gut wie alle herkömmlichen Makroblitze, die beispielsweise vorne am Objektiv befestigt werden, vergessen – völlig unabhängig von deren Preis. Denn die kommen bei diesen Abbildungsmaßstäben von zu weit seitlich und hinten ans Motiv (Gegenlicht). Außerdem musst Du sie beim Annähern an das Motiv erst einmal seitlich am Motiv "vorbeischieben". Die meisten Motive reagieren mit sofortiger Flucht – es sei denn, es handelt sich um Pflanzen oder gar Steine :-).

Meinst Du wirklich 1:1 bis 1:5? 1:5 zeigt beispielsweise den Kopf einer Honigbiene nahezu formatfüllend. Die ganze Biene passt da bei weitem nicht mehr rein. Das Arbeiten in solchen Abbildungsmaßstäben an lebenden, sich bewegenden und fluchtbereiten Tieren in freier Natur ist eine Wissenschaft für sich, eine ganz eigene Liga!


Ideal wäre eine mobile Lösung ohne zuviel Kilo und (Reisegepäck) gut verpackbar.

Hm, dieser Punkt ist sehr verständlich, aber jetzt sind wir bei der berühmten eierlegenden Wollmilchsau.


Anmerkung: Ich werde hier der von Dir formulierten Anforderung "wenn schon, dann richtig" gerecht. Irgendwie wurschteln geht immer !

Ich kann Dir versichern, dass Du für die von Dir genannten Ansprüche keine Lösung findest, die für wenig Geld, leicht und gut verpackbar auf irgendeiner Theke bereit liegt, von Dir abgeholt zu werden. Hier muss ein Eigenbau her. Und fast alle Makronisten, die sich ernsthaft, professionell und erfolgreich mit dem Makroblitzen beschäftigen, gehen diesen Weg (deshalb sind das so wenige ). Und dann ist das möglich, was Du in unseren MAKROFOTOS als Ergebnis siehst.

Das ist alles keine so große Kunst, auch, wenn das jetzt hier erst einmal so klingen mag. Entscheidend ist dabei zu wissen, worauf man achten muss. Dazu habe ich Dir oben viele Hinweise geliefert.
Aber wie nun genau dieser Eigenbau für welche Kamera und welche favorisierte Makrooptik aussehen soll/muss – für eine derartige detaillierte Erörterung sind die Möglichkeiten hier bei Makrotreff zu beschnitten. Das lässt sich ausführlich, vollständig und damit auch zielführend besser beim Makrofoto-Workshop erörtern und demonstrieren.

Lieber Gruß,

Roland

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Makronist

Hallo,

falls es nicht unbedingt ein Zangeblitz sein soll, kann ich einen normalen Aufsteckblitz mit selbstgebasteltem Reflektor/Diffusor sehr empfehlen. Funktioniert am besten für AMBs größer als 1:1. Ich verwende meist ein 90mm Makroobjektiv mit einem Raynox DCR-250, damit kommt man auf 2:1. Bei Zangenblitzen, hat man oft das Problem, von unnatürlichen Reflexionen in Spinnenaugen, oder auf glänzenden Insekten. 

Die Art Diffusor, die ich verwende, simuliert quasi einen bedeckten Himmel und sieht auch so ähnlich in den Spiegelungen aus. 

Anbei ein Bild meiner Konstruktion und zwei Beispielbilder. Das Material für den Diffusor ist 0,5mm dickes Polystyrol in weiß, bekommt man z.B. in Modelbauläden. Der Reflektor besteht aus schwarzem 0,8mm dickem Polypropylen und ist innen mit reflektierender Schaumfolie beklebt, gibts zB bei Obi für 2,99€ und wird normalerweise zum Abdecken der Windschutzscheibe im Sommer verwendet.

 

Gruß

Flo

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Erstellt von Oliver (nicht überprüft) on Mi., 23/10/2019 - 11:46 Permalink

Hallo Roland,

ich habe mit Spannung die kleine Diskussion verfolgt und stelle mir derzeit eine ähnliche Frage. Für einen Aufenthalt im Regenwald Costa Ricas suche ich einen wertigen aber nicht zu schweren Zangenblitz für Frosch-Makros. Führt da am Canon macro twin lite mt-26ex-rt ein Weg vorbei? 

Besten Dank für Infos

Oliver

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ADMIN

Hallo Oliver,

die "Eigenheiten" des von Dir oben angesprochenen Macro-Blitzes habe ich weiter oben durchleuchtet. Du musst Dir möglichst vorher bewusst werden, wie Du was in Costa Rica fotografieren möchtest. Viel hängt hier tatsächlich von Deiner Arbeitsweise und von Deinen Motiverwartungen ab. Bei Deinen Zielformulierungen kann rauskommen, dass Du durchaus gut bedient bist mit dieser Makroblitz-Lösung – und dann auch die Vorteile beispielsweise hinsichtlich des geringen Gewichts und der Kompaktheit schätzen darfst.

Solltest Du Dich aber vor die gleichen Probleme gestellt sehen, die ich oben formuliere, ist folgender Weg eine Lösung (sicherlich unter mehreren anderen):

  • Zwei möglichst kompakte, ganz einfache "Normalblitze" in möglichst flacher Bauweise mit einer jeweiligen Leistung plus/minus LZ 30 herum.
  • Beide müssen kabellos mit der Kamera kommunizieren können und über TTL-Blitzsteuerung verfügen.
  • Selbstbau einer Halterung (z.B. mittels Blitzschienen über das Stativgewinde im Kameraboden), die die Blitze letztendlich rechts und links neben das Objektiv und möglichst nah an diesem Objektiv positioniert. Wichtig: Sie sollten hinter dem Objektiv bleiben, also nicht vorne über dem Objektiv herausschauen, und sich möglichst nahe am Objektiv zur Erreichung eines möglichst flachen Anstrahlwinkels befinden (deshalb die flache Bauweise).
  • Beide Blitze mit einem Diffusor versehen.

Und dann fehlen nur noch die Frösche... :-).

Lieber Gruß,

Roland

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Hallo Roland,

vielen Dank für die schnelle Antwort! Ich hatte auch schon über einen Eigenbau nachgedacht, das Ganze ist jedoch am L-Winkel usw. alles nicht ganz ideal zu lösen. Ich denke dass die Canon-Variante zwar sehr teuer ist, aber in Anbetracht der erheblichen Gewichtsbeschränkungen von nur 11 kg (für alles Gepäck) im Regenwald natürlich jedes Gramm zählt. Die Variante von Yongnuo hatte ich auch schon in den Händen, bin aber von der Verarbeitung nicht wirklich überzeugt. Irgendwo muss sich ja auch der Preisunterschied rechtfertigen. Das AF-Hilfslicht ist auf jeden Fall nicht zu vernachlässigen da die kleinen Kerlchen ja überwiegend nachtaktiv sind. Ich bin gespannt. 

Vielen Dank und viele Grüße

Oliver

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