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ADMIN

Hallo Gabi,

momentan erleben wir eine "zweite Welle" der Berichterstattung über das massive Arten- und Individuensterben unserer Tiere – nach der ersten Welle im Sommer und ausgelöst durch eine eigentlich überflüssige wissenschaftliche Bestätigung der Ergebnisse der Krefelder Insektenforscher. Warum "eigentlich überflüssig"? Weil die Studien der Krefelder Wissenschaftler so deutlich souverän und als solche auch erkennbar sind, dass sich eine "Bestätigung" erübrigen müsste. Aber so funktioniert Deutschland nun mal...

Ich denke, das Problem ist weniger, dass die "Holzköpfe", wie Du sie nennst, nichts begreifen. Ich bin sicher, das Problem liegt mehr darin, dass sie nichts begreifen wollen! Hier liegen die Interessen anders. Es gibt sehr viele Menschen, die verdienen an der derzeitigen Situation. Und sie sind tatsächlich in ihrer Denke so brutal, dass sie ihren aktuellen materialistischen Mehrgewinn über die negativen Folgen irgendeiner Zukunft anderer stellen. Ihnen sind die Folgen für Menschen und natürlich auch sonstigen Lebewesen, die nach ihrem eigenen Ableben versuchen werden zu leben, schlichtweg egal. Ich werde bei meinen Arbeiten immer wieder und mittlerweile auch zunehmend mit Menschen konfrontiert, die dies klar formulieren. Deshalb wird sich wohl der Ton in dieser Thematik zunehmend verschärfen.

Viele begreifen dies jedoch nicht. Sie meinen immer noch, der Bauer ist der weißbärtige Typ, der sich in gebeugter Haltung aufopfernd mit der großen Handsense die superbunte Steilhang-Wiese hinaufkämpft und alles dafür tut, dass die Blümchen auch weiterhin so schön blühen.

Was zur Zeit medial wirkungsvoll diskutiert wird, wissen wir seit Jahrzehnten. Dieses Wissen musste jedoch der Profitgier vieler Menschen weichen. Und hier stehen nun mal unsere Landwirte als "Krieger vor Ort", als die "Soldaten auf dem Schlachtfeld", oder, etwas sachlicher formuliert, als die unmittelbar Tätigen auf den Wiesen und Äckern in der vordersten Front.

Jedenfalls wird es wenig zielführend sein, weiterhin solche Abschluss-Statements zu formulieren, wie dies die beiden Moderatoren Caro und Gunnar in der ZDF-Xenius-Sendung "Wiese: bunt statt grün!" taten: ... wäre der Wunsch an die Landwirte, vielleicht bei der Düngerei ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl zu beweisen".

[ZDF-Xenius-Sendung "Wiese: bunt statt grün!" siehe weiter oben in unserer Einstellung vom 11.10.2017.]

Hm, was soll hier das Wort "Wunsch"? Was soll hier das Wort "vielleicht"? Was soll hier das Wort "bisschen"? Was soll hier das Wort "Fingerspitzengefühl"?

Viele meinen immer noch, wir wären hier auf einem Wunschbasar. Meinen Caro und Gunnar von Xenius tatsächlich, ihre so lieb formulierte Bitte würde dem Bauern einen ehrlich erstaunten Blick ins Gesicht zaubern, in dessen Folge er seinen Alltags-Wahnsinn beendet und sich ab nun für mehr als eine knappe Handvoll Nutztiere und genauso wenig Nutzpflanzen einsetzt?

Hier läuft einiges schief. Bauern sind, insofern sie einen wirtschaftlich "funktionierenden" Betrieb führen, in der Regel keine Bauern im herkömmlichen Sinne, sondern Unternehmer, zunehmend sogar Energieunternehmer. Landwirtschaft ist keine Kuschelstätte mehr für freilaufende Kühe namens Heidi – außer in eigens dafür inszenierten, theaterreifen Vorzeige-Projekten – sondern ein weitestgehend industrialisiertes Groß-Unternehmen, genauso wie Bosch, Audi oder Bayer AG. Warum käme hier niemand auf die Idee, den "Wusch" zu formulieren, doch vielleicht beim Dieselmotor-Entwickeln ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl zu beweisen.

Es ist seit Jahrzehnten ein grandios erfolgreiches Ziel der Berufsverbände und der Lebensmittelindustrie, der Bevölkerung ein völlig verklärtes Bild der Landwirtschaft zu suggerieren. Allen voran der Bauernverband ist hier in bewundernswertem Ausmaß nichts zu blöde. Es wird Zeit, dies zu durchschauen, allen voran für Multiplikatoren, die dann in anerkennenswerter und angemessener Weise darüber in Sendungen wie Xenius berichten.

Der Ton wird schärfer werden (müssen). Dies wird die Vorstufe sein für einen dann endlich zielführenden und auch psychologisch korrekten Umgang mit diesem Thema.

Lieber Gruß,

Roland

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