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ADMIN

Hallo Gabi,

ist Dein Foto eine kleine Sensation? Bin mir nicht ganz sicher, vielleicht aber ja.

Korrekt ist, dass die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) nach längerem Verweilen auf einer weißen Blüte den gelben Farbstoff mit dem Kot ausscheidet. Gesehen habe ich dies aber noch nie, auch nicht auf einem Foto. Gibt es hierzu überhaupt Fotos? Keine Ahnung. Es kann durchaus sein, dass Du genau diesen Vorgang fotografiert hast. Wenn ja, ist es eine kleine (bis mittlere!) Sensation.

Ich gehe mal detailliert auf die Biologie ein:

Die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) und ihr Farbwechsel

Das Besondere bei der Veränderlichen Krabbenspinne ist ihre Fähigkeit, ihre Farbe der Blütenfarbe anzupassen, auf der sie jagt. Am deutlichsten wird dies auf gelben und weißen Blüten. Macht es sich eine – ich nenne sie ab jetzt kurz und praktisch Misumena – Misumena beispielsweise auf einer Löwenzahnblüte bequem, gleicht sie sich der Gelbfärbung der Blüten an. Dadurch ist sie auf der Blüte perfekt getarnt.

Wer verfärbt sich und wie lange dauert die Verfärbung?

Ausschließlich reife Weibchen von Misumena vatia sind dazu in der Lage. Männchen, die wesentlich kleiner sind, können ihre Farbe nicht verändern.
Der Farbwechsel dauert einige Zeit, nach Dick Jones etwa 3 Tage (1985).

Ist nun ein Misumena-Weibchen der Ansicht, auf einer benachbarten weißen Blüte besteht eine größer Aussicht auf Jagderfolg als auf der gelben, auf der sie sich gerade befindet (oder wenn diese abblüht), wechselt sie dort hin (sie jagt übrigens am liebsten Bienen und Wespen) – und wechselt damit auch ihre Körperfarbe auf Weiß. Dieser Vorgang dauert wieder etwa 3 Tage.

Anatomie des Farbwechsels

Bei der Gelbfärbung wird flüssiger, gelber Farbstoff in die obersten Zellgewebe eingelagert. Beim Wechsel auf Weiß wird dieser Farbstoff ins Körperinnere verlagert. Damit liegen unterhalb der Bereiche, wo vorher der gelbe Farbstoff eingelagert war, mit weißem Guanin gefüllte Drüsen frei, sodass sie sichtbar werden. Dadurch wird die Spinne weiß.

Bleibt Misumena längere Zeit auf einer weißen Blüte, muss sie sich entscheiden: entweder zurück zur gelben (mit der Möglichkeit, sich nochmals umfärben zu können), oder für immer weiß bleiben. Denn nach einigen Tagen der Weißfärbung wird der gelbe Farbstoff mit dem Kot ausgeschieden (diesen Vorgang hast Du wahrscheinlich fotografiert!). Nun ist es für die Spinne nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich, sich gelb zu färben, auch nicht, wenn sie wochenlang auf eine gelbe Blüte hockt.

Steuerung des Farbwechsels

Übrigens wird der Farbwechsel über den Sehsinn gesteuert: Klebt man Misumena ihre Augen zu (was man natürlich normalerweise nicht machen sollte :-)), kann sie sich nicht verfärben, egal, auf welcher Blüte sie gerade hockt.

Zurück zu Deinem Foto:

Wie gesagt: Ob es sich bei der von Dir fotografierten Ausscheidung tatsächlich um den gelben Farbstoffs handelt, kann ich nicht sicher sagen. Aber es sieht meines Erachtens tatsächlich so aus.

Solange wir hier nicht eines Besseren belehrt werden, gehen wir also mal davon aus, dass es Dir gelungen ist, diesen Farbstoff-Ausscheidungsvorgang abzulichten. Ich ändere die Überschrift entsprechend, damit das Foto und dieser Thread über Suchmaschinen gut auffindbar ist. Vielleicht können hierzu Makrotreff-User, allgemeine Makronisten, Leser oder irgendwelche andere Menschen auf dieser Welt etwas beitragen. Es würde mich sehr interessieren.

Aufgrund des sehr interessanten, fast schon spektakulären Hintergrunds möchte ich das Foto mit dem von mir zusammengefassten Inhalt zusätzlich in unsere Rubrik Diskussion aufnehmen. Gib mir bitte Bescheid, ob das für Dich in Ordnung ist.

Übrigens: Das Foto ist absolut nicht so "mißlungen", wie Du es oben beschreibst. Insbesondere das Licht auf dem gelben Ausscheidungstropfen ist klasse. Und das ist das eigentliche Hauptmotiv im Hauptmotiv :-)!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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