Libelle im Vorbeiflug

Libelle im Flug über einer Wiese

Kommentare

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo siggi-man,

jou, die hast du voll im Flug "erwischt".

Folgende Punkte fallen auf:

Tiefenschärfe

Du hast Blende 11 gewählt - und damit sehr viel Tiefenschärfe. Das ist zwar für die Libelle gut, für den Hintergrund aber nicht so gut. Er ist mit seinen Strukturen und Licht-Schatten-Wechseln relativ unruhig und übernimmt die erste "Hauptwirkung" im Bild. Erst beim zweiten Schritt der Erfassung realisiert das Betrachtergehirn, dass da noch eine Libelle ist (ich habe hier mal wieder etwas übertrieben, damit deutlich wird, was ich meine :-) ).

LÖSUNG:
Bei einem solchen Motiv ist es in der Regel sinnvoller, eine mittlere Blende so um 5.6 zu wählen. Die reicht aus, um aus dieser Entfernung die Libelle scharf zu bekommen - man muss sie natürlich in die dann etwas schmalere Schärfenebene bekommen. Der Hintergrund wird deutlich homogener und dient dann auch tatsächlich mehr als "Hintergrund". Gleichzeitiger Vorteil: bei ansonsten gleichen Fotodaten deutlich kürzere Belichtungszeit. Und damit sind wir beim nächsten Punkt:

Punktschärfe

Die Punktschärfe ist nicht voll da. Das wäre auch eher etwas verwunderlich, da du die fliegende Libelle mit einer relativ langsamen 1/124 Sek. fotografiert hast.

LÖSUNG:
Siehe Punkt "Tiefenschärfe". Bei Verwendung einer offeneren Blende wird automatisch auch die Belichtungszeit kürzer. Die Chance, dass dann auch die Libelle knackig scharf abgebildet wird, steigt deutlich.

Bildaufteilung

Die Libelle sitzt mitten im Bild, leicht nach unten versetzt. Das ist hinsichtlich der Bildwirkung eher ungünstig. Um die Libelle herum ist viel Platz, viel Hintergrund, der, wie oben Beschrieben, stark ablenkt. Und es ist auch kein "Raum" im Bild vorhanden, in den die Libelle hinein fliegt.

Mir ist klar, dass es äußerst schwierig ist, bei Flugaufnahmen schon während des Fotografierens eine optimale Bildaufteilung zu realisieren. Da hat man zu viel mit "Libelle in den Sucher kriegen", "Scharfstellen" und dann noch "im richtigen Moment auslösen" zu tun.

LÖSUNG:
Ist das Ganze dann aber zufriedenstellend gelungen, muss - wenn nicht doch schon bei der Entstehung der Aufnahme geglückt - nachträglich per Beschnitt nachgeholfen werden. Jetzt also nachträglich das Bild so beschneiden, dass die Libelle entweder mittig oder leicht nach oben versetzt ins linke Drittel des Bildes positioniert wird, sodass sie dann nach rechts in den größeren, freien Bildraum fliegen kann.

Der rechts im Bild schräg nach oben verlaufende Grashalm stört hierbei ein wenig. Den würde ich (!) per Bildbearbeitung entfernen. Dies ist aber Ansichtssache.

Ansonsten gilt: Die Fotografie von Insekten im Flug ist eine nicht ganz einfache, aber sehr interessante Fotografie! Hier führt - abgesehen von dem einmaligen "Glücksfall" - nur ein Weg zum dauerhaften Makrofoto-Glück: Üben, üben und nochmals üben. Die Ergebnisse werden dann, wenn man es richtig macht, fast automatisch immer besser - und die Fotos immer spektakulärer. Ich kann dich hierzu nur ermutigen. Wenn du diesen Weg gehen willst, wünsche ich dir viel Glück und Freude dabei.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt. Deine Emailadresse ist nötig, um Dich über neue Antworten zu informieren.