Vor dem Feind versteckt ??? – Spinne und Schlupfwespe (Ichneumonidae)

Die Aufnahme ist schon etwas älter und es waren die Anfänge meiner Versuche in Makro ( April 2012 ) Erst am PC habe ich gesehn , dass sich auf der kleinen Spinne, die ich im Flieder erwischt hatte, eine kleine Raupe versteckt hatte. Habe den Kontrast etwas erhöht. Die helle Fläche etwas abgedunkelt und leicht nachgeschärft. Abschließend noch etwas beschnitten damit das Bild etwas harmonischer wirkt.

Hat dies schon mal jemand gesehen. Ist es vielleicht ein Parasit der sich am Ende von der Spinner ernährt oder ist das nur Zufall.

Kommentare

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ADMIN

Hallo elfe,

das, was Du da fotografiert hast, ist mega interessant! Es handelt sich tatsächlich nicht um einen Zufall, sondern vielmehr um ein Beispiel für biologische Vielfalt: Eine Schlupfwespe (Ichneumonidae) hat ein Ei an die Spinne gelegt, aus dem eine Larve geschlüpft ist und sich nun von der Spinne ernährt – von außen! Biologen nennen das

Ektoparasitismus,

im Gegensatz zu Endoparasitismus, bei dem der Parasit im Inneren des Wirts lebt und frisst.
Ziel der kleinen heranwachsenden Schlupfwespenlarve ist es, ihre Wirtsspinne möglichst lange am Leben zu halten – logisch! Nur lebend kann sie weiterhin für ihre eigene erfolgreiche Entwicklung "herhalten". Folgerichtig ernährt sie sich deshalb anfangs von nicht lebenswichtigen Körperteilen und -organen, wie beispielsweise den Geschlechtsorganen. So wächst sie auf der Spinne zu beachtlicher Größe heran – diese Phase hast Du fotografiert.

Erst am Ende der Entwicklung der Wespenlarve, wenn sie nun eine Menge "Futter" benötigt, tötet sie die Wirtsspinne, frisst sich dann meist in deren Körperinneres (Schutz!) und verpuppt sich dort. In der Regel noch im gleichen Jahr schlüpft die reife Schlupfwespe, die – je nach Art – entweder eine zweite Generation gründet oder überwintert.

Das mag nun alles für uns Menschen etwas grausam klingen, aber so funktionieren unsere Ökosysteme, so funktioniert Biologische Vielfalt. Diese sogenannten Wirt-Parasit-Beziehungen sind in wesentlich größerer Anzahl vorhanden und verbreitet, als den meisten Menschen bewusst ist. Ohne sie würden sämtlich Ökosysteme kollabieren.

Du siehst, Du hast eine super tolle Aufnahme gemacht, mit einer super tollen Geschichte dahinter.

Ich bin so aus dem Häuschen, dass ich zum Foto selbst (fototechnische Inhalte) gar nichts mehr sage. Der Inhalt überwiegt bei diesem Foto, und den lasse hier alleine stehen – und gehe weiter vor Freude ums Lagerfeuer tanzen... :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

[PS: Ich ergänze den Titel mit dem Wespennamen, sodass diese Geschichte zukünftig gut auffindbar ist.]

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Makronist

Jetzt bin ich aber stolz wie Bolle. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet. Die Geschichte dahinter ist wirklich hochinteressant. Hatte schon mal im Internet nachgeschaut , aber nicht gefunden. Wusste nicht nach was ich suchen sollte.

Vielen Dank also für diesen so ausführlichen Bericht zu diesem Thema. Werde mich also weiterhin bemühen solche aussergewöhnliche Dinge zu entdecken.

Gruß Elke

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