Sehr ansprechend ist insbesondere der Bildaufbau: Die Positionierung der nach rechts schauenden Libelle in die linke obere Ecke bringt Spannung ins Bild.
Folgende Dinge spreche ich detaillierter an:
Schärfe / Schärfeebene
Die Schärfe liegt korrekt auf dem vorderen Teil der Libelle.
Allerdings verlässt der Libellen-Hinterleib etwa ab Körpermitte die Schärfeebene der Blende 7.1 nach vorne – und wird somit unscharf. Woran liegt das?
LÖSUNG:
Der Libellenkörper ist seitlich fast völlig glatt und eignet sich dadurch besonders gut für eine komplett scharfe Wiedergabe, selbst bei offenerer Blende. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Libelle exakt im rechten Winkel zur optischen Achse sitzt, oder anders ausgedrückt: Die Kamera muss exakt im rechten Winkel zur Libelle ausgerichtet werden.
Beim Libellen-Bild oben hättest Du hierfür mit der Kamera etwas weiter nach rechts schwenken müssen. Dann würde die Libelle auch tatsächlich nach rechts schauen, und nicht nach rechts hinten so wie jetzt. Sie schaut also ganz leicht nach hinten in den Bildhintergrund – als Folge ihrer geringfügig schrägen Sitzposition.
In dieser Übersicht beschreibe ich den Sachverhalt um die Schärfeebene herum genau und erkläre auch, warum dieses Thema so wichtig ist in der Makrofotografie.
Hintergrund
Der Hintergrund ist recht schön beruhigt und sorgt damit für eine weitestgehend gelungene Freistellung des Hauptmotivs, die Libelle. Nur in der rechten Bildhälfte stört ein wenig der schräg verlaufende dunkelgrüne "Balken". Er beunruhigt diesen Teil des Hintergrunds, lenkt ein wenig ab. Allerdings ist gut, dass er dunkel ist. Wäre er hell, würde er noch wesentlich störender wirken. Dann wäre er fast ein "Killer". So geht es also, dennoch möchte ich es ansprechen.
ISO-Wert
Du hast dieses Foto mit dem ISO-Wert 400 gemacht – an sich kein Problem, aber bei Sonnenlicht nicht wirklich nötig. Auch wenn die ISO 400 bei dem von Dir verwendeten Sensor immer noch sehr gute Ergebnisse liefern, gilt beim Fotografieren ein bisschen als Prinzip, die bestmöglichen Werte für eine Aufnahme zu nutzen. Und das wäre in diesem Fall ISO 200 (oder "Low") in Verbindung mit einer Verschlusszeit von 1/200 Sekunde (bzw. 1/100 Sekunde bei "Low"). Die kann bei einer ruhig sitzenden Libelle, aufgenommen mit dieser Brennweite, durchaus gehalten werden.
Und noch idealer wäre gewesen: Kamera exakt im rechten Winkel zur Libelle ausrichten, dann Blende auf 4.5 bis 5.6 öffnen, ISO-Wert auf 200 und die Verschlusszeit auf 1/400 Sekunde belassen.
Bei dieser Variante wäre zusätzlich zum reduzierten Verwacklungsrisiko auch noch der dunkle Balken rechts im Bild mehr in Unschärfe "abgetaucht".
Tja, hätte, wäre, sollte... Die vielen Konjunktive in der Fotografie! Da haben wir sie mal wieder.
Was ich hier mache, ist "Jammern auf hohem Niveau"! Denn:
Hallo Roland, vielen Dank für Deine Tipps und Dein Lob! Was die Position der Kamera anbetrifft hatte ich in diesem Fall Angst mich noch weiter nach rechts zu bewegen um die Libelle nicht wieder aufzuscheuchen, das sind aber auch ziemlich unruhige Gesellen! :-) Um den ISO Wert niedrig zu halten werde ich es mal mit einem Einbein-Stativ probieren, 3-Bein ist mir schon wieder zu umständlich.Falls das Wetter morgen mitspielt werde ich mich noch mal auf "Libellenjagd" begeben.
das mit dem Einbein-Stativ ist eine gute Idee. Eine große Wirkung kann auch ein langer Stock sein, so eine Art "Hirten-Stab", den man vor sich schräg stellt, unter den Arm führt und oben auf die Schulter legt, um sich auf diese Weise mit dem Körper abzustützen – fast ein wenig in den Stock hineinlegt. Dann kann man ziemlich nah an diesem Stab die Kamera halten.
Das alles führt zu einer Art "Dreipunkt-Stabilisierung", die ebenfalls recht flexibel ist, und mit der man mit etwas Übung auch super schnell handeln kann.
Mit einen klassischen Einbein-Stativ ist man zu schwerfällig unterwegs, das sehe ich wie Du.
Egal wie, ich wünsche Dir morgen erst einmal viel Foto-Glück!
Zitat: "... so eine Art "Hirten-Stab", den man vor sich schräg stellt, unter den Arm führt und oben auf die Schulter legt, um sich auf diese Weise mit dem Körper abzustützen"
Hallo, Roland, ich versteh nur Bahnhof. Kannst du das mal bildlich demonstrieren?
Neee, leider nicht, da ich selbst damit nicht arbeite. Deshalb habe ich so ein Teil nicht greifbar. Aber ich werde es bei Bedarf gerne beim Workshop mal "trocken" vorführen.
So ein Hirtenstab wirkt wie ein Bildstabi, das darf man nicht unterschätzen. Wie gesagt, es gehört ein wenig Einarbeitung, Angewöhnung und Übung dazu, dann wird aus ´nem Hirtenstab ein Zauberstab :-)!
Lieber Gruß,
Roland
PS: Wenn sich die Situation mal bietet, werde ich von dieser Praxis ein Foto machen und hier einstellen. Oder ich klemm mir hier im Garten mal ´nen ollen Besenstiel untern Ärmel und mache ein Selfi. Irgendwie kriegen wir das hin...
Kommentare
ADMIN
Hallo Michelser, ein…
Hallo Michelser,
ein schönes Foto eines wunderbaren Tieres.
Sehr ansprechend ist insbesondere der Bildaufbau: Die Positionierung der nach rechts schauenden Libelle in die linke obere Ecke bringt Spannung ins Bild.
Folgende Dinge spreche ich detaillierter an:
Schärfe / Schärfeebene
Die Schärfe liegt korrekt auf dem vorderen Teil der Libelle.
Allerdings verlässt der Libellen-Hinterleib etwa ab Körpermitte die Schärfeebene der Blende 7.1 nach vorne – und wird somit unscharf. Woran liegt das?
LÖSUNG:
Der Libellenkörper ist seitlich fast völlig glatt und eignet sich dadurch besonders gut für eine komplett scharfe Wiedergabe, selbst bei offenerer Blende. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Libelle exakt im rechten Winkel zur optischen Achse sitzt, oder anders ausgedrückt: Die Kamera muss exakt im rechten Winkel zur Libelle ausgerichtet werden.
Beim Libellen-Bild oben hättest Du hierfür mit der Kamera etwas weiter nach rechts schwenken müssen. Dann würde die Libelle auch tatsächlich nach rechts schauen, und nicht nach rechts hinten so wie jetzt. Sie schaut also ganz leicht nach hinten in den Bildhintergrund – als Folge ihrer geringfügig schrägen Sitzposition.
Siehe hierzu den Artikel hier auf Makrotreff
Die Schärfeebene in der Makrofotografie.
In dieser Übersicht beschreibe ich den Sachverhalt um die Schärfeebene herum genau und erkläre auch, warum dieses Thema so wichtig ist in der Makrofotografie.
Hintergrund
Der Hintergrund ist recht schön beruhigt und sorgt damit für eine weitestgehend gelungene Freistellung des Hauptmotivs, die Libelle. Nur in der rechten Bildhälfte stört ein wenig der schräg verlaufende dunkelgrüne "Balken". Er beunruhigt diesen Teil des Hintergrunds, lenkt ein wenig ab. Allerdings ist gut, dass er dunkel ist. Wäre er hell, würde er noch wesentlich störender wirken. Dann wäre er fast ein "Killer". So geht es also, dennoch möchte ich es ansprechen.
ISO-Wert
Du hast dieses Foto mit dem ISO-Wert 400 gemacht – an sich kein Problem, aber bei Sonnenlicht nicht wirklich nötig. Auch wenn die ISO 400 bei dem von Dir verwendeten Sensor immer noch sehr gute Ergebnisse liefern, gilt beim Fotografieren ein bisschen als Prinzip, die bestmöglichen Werte für eine Aufnahme zu nutzen. Und das wäre in diesem Fall ISO 200 (oder "Low") in Verbindung mit einer Verschlusszeit von 1/200 Sekunde (bzw. 1/100 Sekunde bei "Low"). Die kann bei einer ruhig sitzenden Libelle, aufgenommen mit dieser Brennweite, durchaus gehalten werden.
Und noch idealer wäre gewesen: Kamera exakt im rechten Winkel zur Libelle ausrichten, dann Blende auf 4.5 bis 5.6 öffnen, ISO-Wert auf 200 und die Verschlusszeit auf 1/400 Sekunde belassen.
Bei dieser Variante wäre zusätzlich zum reduzierten Verwacklungsrisiko auch noch der dunkle Balken rechts im Bild mehr in Unschärfe "abgetaucht".
Tja, hätte, wäre, sollte... Die vielen Konjunktive in der Fotografie! Da haben wir sie mal wieder.
Was ich hier mache, ist "Jammern auf hohem Niveau"! Denn:
trotz alldem ein tolles Foto!
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",
Roland
Hallo Roland, vielen Dank…
Hallo Roland, vielen Dank für Deine Tipps und Dein Lob! Was die Position der Kamera anbetrifft hatte ich in diesem Fall Angst mich noch weiter nach rechts zu bewegen um die Libelle nicht wieder aufzuscheuchen, das sind aber auch ziemlich unruhige Gesellen! :-) Um den ISO Wert niedrig zu halten werde ich es mal mit einem Einbein-Stativ probieren, 3-Bein ist mir schon wieder zu umständlich.Falls das Wetter morgen mitspielt werde ich mich noch mal auf "Libellenjagd" begeben.
Viele Grüße!
Frank
ADMIN
Hallo Frank, das mit dem…
Hallo Frank,
das mit dem Einbein-Stativ ist eine gute Idee. Eine große Wirkung kann auch ein langer Stock sein, so eine Art "Hirten-Stab", den man vor sich schräg stellt, unter den Arm führt und oben auf die Schulter legt, um sich auf diese Weise mit dem Körper abzustützen – fast ein wenig in den Stock hineinlegt. Dann kann man ziemlich nah an diesem Stab die Kamera halten.
Das alles führt zu einer Art "Dreipunkt-Stabilisierung", die ebenfalls recht flexibel ist, und mit der man mit etwas Übung auch super schnell handeln kann.
Mit einen klassischen Einbein-Stativ ist man zu schwerfällig unterwegs, das sehe ich wie Du.
Egal wie, ich wünsche Dir morgen erst einmal viel Foto-Glück!
Liebe Grüße,
Roland
Makronist
Zitat: "... so eine Art …
Zitat: "... so eine Art "Hirten-Stab", den man vor sich schräg stellt, unter den Arm führt und oben auf die Schulter legt, um sich auf diese Weise mit dem Körper abzustützen"
Hallo, Roland, ich versteh nur Bahnhof. Kannst du das mal bildlich demonstrieren?
fragt
Mainecoon
ADMIN
Neee, leider nicht, da ich…
Neee, leider nicht, da ich selbst damit nicht arbeite. Deshalb habe ich so ein Teil nicht greifbar. Aber ich werde es bei Bedarf gerne beim Workshop mal "trocken" vorführen.
So ein Hirtenstab wirkt wie ein Bildstabi, das darf man nicht unterschätzen. Wie gesagt, es gehört ein wenig Einarbeitung, Angewöhnung und Übung dazu, dann wird aus ´nem Hirtenstab ein Zauberstab :-)!
Lieber Gruß,
Roland
PS: Wenn sich die Situation mal bietet, werde ich von dieser Praxis ein Foto machen und hier einstellen. Oder ich klemm mir hier im Garten mal ´nen ollen Besenstiel untern Ärmel und mache ein Selfi. Irgendwie kriegen wir das hin...
Hallo Roland, die Idee mit…
Hallo Roland, die Idee mit dem Hirtenstab ist auch sehr gut!
Viele Grüße!
Frank
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