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ADMIN

Hallo Ma-Re,

erst einmal herzlich willkommen hier bei Makrotreff!

Sehr ansehnlich, Dein "Pusteblumen"-Bild! Super weich, softe Übergänge, homogenes Licht.

Die Position der Pflanze im Bild hast Du sehr gut gelöst. Die Diagonale wirkt harmonisch, auch die Positionierung des eigentlichen Fruchtstandes im oberen Bildteil ist stimmig.

Interessant ist auch die "Dämpfung" des Stiels, hervorgerufen durch eine Menge Vegetation davor. Wirkt ein wenig matschig, betont aber den insgesamt weichen, gesofteten Eindruck.

Eine Schärfe ist da, Du hast also Verwacklungen erfolgreich vermieden - so sollte es auch sein beim Einsatz der Spiegelvorauslösung.
Diese Schärfe liegt auf den vorderen "Schirmchen", also auf der zur Kamera gewandten Seite der "Pusteblume". Das ist an sich auch gut so und sieht auch gut aus, schließlich schaut man darauf!
Nun gibt es aber gerade bei diesem Motiv einen weiteren Punkt, auf den man schaut - der sogar das Betrachterauge magisch anzieht: Und das ist der äußere Kreis der Samen-Schirmchen, genau dort, wo sich vor dem Hintergrund abhebt. Dadurch, dass die "Pusteblume" ordentlich rund ist, liegt dieser Rand deutlich hinter der vorderen Fläche - und damit auch schwer erreichbar für jegliche Tiefenschärfenzone! Das ist das Problem. Du hast mit Blende 5.6 fotografiert, also mit einem mittleren Tiefenschärfenbereich. Der reicht - wie Du siehst - absolut nicht aus, um diesen hinteren Rand zu erreichen. Dadurch ist dieser recht unscharf.

Urteile selbst: Betrachte das Foto einmal nur ganz kurz! Der erste Eindruck ist: unscharf! Den gleichen Effekt hast Du, wenn Du das Foto mit leicht zusammengekniffenen Augen anschaust: unscharf! Erst beim zweiten Hinsehen erkennt der Betrachter, das der vordere Bereich, also die Aufsicht auf die vorderen Samen-Schirmchen, scharf, ja sogar absolut scharf ist. Aber: Das dauert zu lange! Das ist für den Betrachter zu müßig. Und außerdem: Die Magnetwirkung des unscharfen, kontrastreichen Randes bleibt - und der ist weiterhin unscharf. Damit eiert das Auge ähnlich einem suchenden Zoom im Nirvana umher und weiß nicht so recht, wohin mit sich selbst.

LÖSUNG: Das ist gar nicht so einfach. Aber erst einmal alle Hebel ziehen, die dann wären:

  • Blende möglichst weit schließen (nicht über die Beugung drüber!)
  • Den Schärfepunkt dann nicht auf den vorderen Bereich, sondern kurz dahinter auf etwa den Punkt, der 1/3 hinter der vorderen Abgrenzung des angestrebten Schärfebereichs liegt. Damit wird die gesamte Schärfenebene optimal platziert.
  • Ein Motiv suchen, bei dem Strukturen im Hintergrund weiter weg liegen und somit bei geschlossener Blende immer noch weich genug abgebildet werden - das ist bei Dir oben gut gelöst!
  • Reicht das alles immer noch nicht, kleineren Abbildungsmaßstab wählen - das hat eine größere Schärfezone zur Folge.
  • Reicht auch das nicht, eine längerbrennweitige Optik wählen. Auch die führt verhältnismäßig gesehen zu einer größeren Schärfenebene.
  • Reicht auch das immer noch nicht aus: Kamera samt Optik einpacken und die Pusteblume bestaunen!

Ich stelle mal ein Foto ein, bei dem es umgekehrt ist: Der Vordergrund, die "Aufsicht" auf die Samen-Schirmchen, ist unscharf, der äußere, dahinter liegende Kranz samt Pflanzenstil ist scharf. Hier ist also auch nicht alles scharf. Dennoch wirkt die Pflanze auf den ersten Blick schärfer.

Olympus E-M1; Sigma 150mm f/2.8 Makro; ISO 200; Blende 8; 1/320 Sek.
 

Hier gehen sicherlich die Meinungen vieler Makronisten auseinander. Ich denke, wichtig ist es, die Unterschiede und deren Auswirkungen zu kennen - und dann für sich zu entscheiden, was man gerne hätte und wie man das dann auch erreicht.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

 

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