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ADMIN

Hallo Christine,

ja, Du hast völlig Recht, was die Schärfe anbetrifft. Du hast das Kunststück geschafft, Pilz, Kugelspringer und Nacktschnecke in die Schärfeebene zu bekommen. Und bei dem Kugelspringer ist das auch in Ordnung.

Bei der Schnecke liegt das Problem mehr in ihrer Position. Sie kriecht gerade von der Hut-Oberfläche auf die Unterseite. Aus der von Dir gewählten tiefen Perspektive ist ihre Oberseite kaum zu sehen – nicht generell "falsch", aber wir stellen es fest. Ihre Fühler sind nur ein Teilstück ausgefahren – nicht "falsch", aber wir stellen es fest. Der vordere Fühler befindet sich vor dem Schneckenkopf und ist damit erst bei sehr genauem Hinschauen erkennbar – auch nicht "falsch". Die Schnecke bzw. Ihr wichtigere vordere Körperteil befindet sich unter dem Pilzhut – natürlich auch nicht "falsch". 

Last not least führ das alles dazu, dass die Schnecke nicht deutlich genug sichtbar ist. Sie sitzt einfach ungünstig. Um sie überhaupt erkennen zu können, musstest Du tatsächlich die Unterseite des Pilzes sehr stark aufhellen. Und damit "kaufst" Du Dir den nächsten Nachteil ein: einen künstlichen Gesamteindruck, wie oben beschrieben.

Hier spielen also viele Faktoren zusammen, die letztendlich zu einem Gesamtbild zusammen kommen. Das ist nicht einfach zu beschreiben. Mir fällt jetzt auch kein Foto ein, das vergleichbar mit Deinem Motiv ist und diese Sache genauer veranschaulicht. Aber ich versuche mal vorsichtig einen beschreibenden Ansatz:

Stelle Dir Deinen Pilz oben im Foto so vor wie abgebildet. Die Schnecke jedoch kriecht oben exakt quer an der Kante des vorderen Hutrandes, ihr Kopf hebt leicht ab, wendet sich suchend schräg in die Luft, leicht zur Fotografin und damit zum Bildbetrachter geneigt. Ihr gesamter Körper und insbesondere ihre voll ausgefahrenen Fühler zeichnen sich super scharf und kontrastreich vor dem dahinter liegenden, unscharfen Hintergrund ab (eine solche Kontrastkante ist wesentlich und sehr wirkungsvoll!). Sie teilt sich das Hauptlicht, das von oben (Himmel) kommt, mit dem Pilzhut – ein sanftes, spannendes, fast mystisch wirkendes Licht mit zart angedeuteten Lichträndern, das sowohl sie als auch den Pilzhut voll durchzeichnet.

Bitte nicht falsch verstehen, das ist natürlich jetzt ein "gesponnenes" Szenario. Hier gibt es also ´ne Menge Konjunktive.
Aber ich habe bei diesem "Phantasiefoto" mal einige Punkte so beschrieben, wie sie, wären sie Realität, äußerst ansprechend rüberkommen würden. Vielleicht siehst Du das anders...

Das mit dem Licht hatte ich schon beschrieben. Auch wenn Du Dein Zusatzlicht bereits sehr stark abgeschwächt hattest, übernimmt es immer noch einen sehr großen Anteil bei der Lichtverteilung im Bild – daher der künstlich wirkende Ansatz.

Mit LED-Lampen aufzuhellen ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Sie sind für eine reine Aufhellung zu hell. Hierfür gibt es tatsächlich die Reflektoren, die deutlich weniger und weicheres Licht auf´s Motiv werfen. Aber selbst hier muss man aufpassen, dass es nicht zu stark wird. Und das regelt man dann am besten über den Abstand.
LED´s oder sonstige Taschenlampen eignen sich mehr für das Setzen von stärkeren Lichtern, zum Beispiel zur Imitation eines durch´s Laubdach fallenden Sonnenstrahls o.Ä.

Als Faustregel könnte man vielleicht folgendes formulieren:

Aufhellung soll schwarze Löcher vermeiden. Sie soll dazu führen, dass auch die Schattenbereiche durchgezeichnet sind – aber auch nicht mehr! Denn: Schatten soll Schatten bleiben!

Hilfreich hierbei ist auch der "Abgleich" mit dem natürlichen Sehen: Lege die Kamera weg und betrachte das Motiv (Pilz) mit Deinen Augen. Wie siehst Du die im Licht liegenden Motivteile? Was siehst Du in den Schattenbereichen? Schaue sie Dir genau an. Diese Schattenbereiche sind in der Regel nicht völlig schwarz. Hier leistet das menschliche Auge mehr als der modernste Kamerasensor. Der Fachbegriff hierfür ist "Dynamik-Umfang". Und das, was wir hier sehen, ist für uns das Richtmaß dafür, was wir als natürlich oder eben als künstlich empfinden.

Oben im Bild hast Du – vielleicht verleitet durch die dort kriechende Schnecke – die eigentliche Schattenseite des Pilzes (seine Unterseite) so stark aufgehellt, dass sie zur "Lichtseite" geworden ist. Damit hast Du die natürlichen Lichtverhältnisse rumgedreht. Und das wirkt unnatürlich.

Lieber Gruß,

Roland

 

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