Agapanthus Africanus

Hallo Roland,

ich glaube die Lilie ist mir ganz gut gelungen ,bei der Schärfe bin ich mir ,wie immer, nicht ganz sicher.

Mit der Schärfe hab ich so allgemein auch noch ein bisschen Probleme bzw. die Zusammenhänge  von Schärfenebene und  Schärfepunkt ,Schärfebereich , usw.

Hab da eine Bildbeurteilung von dir gelesen  von Ma-Re ,-Einfache Pusteblume- vom 25.10.2016 ( ich hoffe das geht  in Ordnung)darin beschreibst du unter Lösung:

  • Den Schärfepunkt dann nicht auf den vorderen Bereich, sondern kurz dahinter auf etwa den Punkt, der 1/3 hinter der vorderen Abgrenzung des angestrebten Schärfebereichs liegt. Damit wird die gesamte Schärfenebene optimal platziert.

Tja,das verstehe ich leider überhaupt nicht.

Vielleicht wenn du es Grafisch darstellen könntest das wäre super freundlich.

 Deinen  Beitrag -Schärfenebene-hab ich schon dazu gelesen.

Hoffentlich verstehst du was ich meine .

Lg

Geli

 

Kommentare

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Ciao Geli

Diesen Kommentar schreibe ich vor allem deshalb, weil mir dein Bild schlicht auf den ersten Blick gefällt. Vielleicht auch, weil wieder mal eine schlichte Blüte ohne was drauf in der Galerie erscheint. Das animiert mich, bei meiner nächsten Tour für einmal nicht die ganze Zeit, allen möglichen Viechern hinterher zu rennen, sonden mich wieder mal den Pflanzen zu widmen.

Toll finde ich insbesonder die Wahl des Motivs: Zwei offene Blüten, der Rest noch geschlossen; durch das Boukeh wird alles schön freigestellt. Zudem zeigt das Boukeh noch gewisse Strukturen, die in die Nähe eines Vignettierung-Effekts kommen, mit einem angedeuten Verlauf von rechts unten (hell) nach links oben (dunkel).

Bin gespannt, was Roland zur Schärfe sagen wird, ich staune immer wieder, wie stilsicher er die Schärfeebenen, Schärfepunkte, Schärfebereiche etc. erkennt und diese benennen kann. Für mich liegt die Schärfe auf den Stempeln der offenen Blüte rechts unten. Nach hinten taucht die Lilie langsam in die Unschärfe ab; aber exakt das gefällt mir. Die geschlossenen Blüten erhalten dadurch eine weichere  - fast in einem Pinselstrich gemalte - Struktur.

Zudem wirkt der Bildaufbau auf mich äusserst harmonisch: Dei Blüte ist "richtig" platziert; die Unschärfe auf dem Stängel verwischt etwas dessen Erscheinen am unteren Bildrand, dadurch wirkt dieser auch nicht einfach wie abgeschnitten.

Fazit: Dein Bild wirkt auf mich inspirierend!

Mandi

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Hallo Mandi,

schön das dir mein Foto so gut gefällt.

Du scheinst ja jede Menge Ahnung von der Makrofotografie zu haben ,das ist toll.

Und bei MAKROTREFF bist du richtig und du lernst  noch viel mehr dazu .Wie du schon erwähnt hast, ist Roland absolut Spitze in der Bildbeurteilung.

Ich wünsche dir eine schöne Zeit bei MAKROTREFF  und freue mich auf deine schönen Fotos.

 

LG

Geli

 

 

 

 

 

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ADMIN

Hallo Geli,

Dein Lilien-Foto ist wieder einmal sehr klar gegliedert - das ist schonmal gut.

Hier gibt´s nun einiges zu besprechen:

Schärfe:

Die Schärfe liegt auf der unteren offenen rechten Blüte - genau genommen sogar ausschließlich. Die Blüte links daneben sowie die noch geschlossenen Blütenknospen sind alle leicht unscharf. Woran liegt das?

Du hast die Blüte mit der langen Brennweite Deines Objektivs aufgenommen - das ist zunächst einmal gut. Unter anderem dadurch ist der Hintergrund so schön beruhigt.
Zum Weiteren hast Du mit der relativ offenen Blende 4,5 fotografiert - und das ist für diese Lilienblüte zu "offen", anders ausgedrückt, eine zu geringe Schärfentiefe. Die gesamte Dolde ist zu "dick", zu dreidimensional. Um hier zusätzlich mehr Schärfe reinzubekommen, benötigst Du eine größere Schärfentiefe. Die bekommst Du, wenn Du die Blende weiter schließt. Dadurch nimmt dann zwar auch die Tiefenschärfe (= die Schärfe in der Tiefe - also im Hintergrund) zu, aber der Hintergrund ist so schön ruhig, dass er eine etwas stärkere Durchzeichnung vertragen hätte. Blende 5.6 bis 7.1 wäre hier wahrscheinlich die richtige Wahl gewesen - unter Beibehaltung der langen Brennweite Deiner Optik.

Nun das Intermezzo zur

Schärfentiefe

Zunächst betrachten wir den Schärfepunkt.
Wenn Du einen Schmetterling fotografierst, wirst Du in der Regel auf ein Auge scharf stellen - das ist der Schärfenpunkt. Der Schärfenpunkt ist also exakt der Punkt, auf den Du scharf stellst - anders ausgedrückt, auf den Du die Schärfe punktgenau legst.

Befindet sich genau neben dem Falterauge eine kleine Blüte, die ebenfalls voll vom Schärfepunkt getroffen wurde, liegt diese in der gleichen Schärfeebene. Also alles, was sich exakt im rechten Winkel zur optischen Achse (also genau zur Blickrichtung der Makronistin - in dem Fall bist das Du :-)) in gleichem Abstand zum Sensor befindet, ist scharf (wird vom Schärfepunkt getroffen) und liegt damit in dieser Schärfeebene.

Zurück zum Falterauge: Nun ist aber nicht nur genau dieser Punkt scharf, sondern auch ein Bereich davor und dahinter. Und dieser gesamte Bereich ist die Schärfentiefe.

Die Schärfentiefe ist veränderbar. Einer von vielen Faktoren, die sie in ihrer Tiefe verändern, ist die eingestellte Blende:

  • offene Blende (kleine Blendenzahl) ergibt geringe Schärfentiefe
  • geschlossene Blende (hohe Blendenzahl) ergibt größere Schärfentiefe

Wir schauen uns das Ganze an folgender Graphik an:

Grafik Schärfetiefe

Du siehst ganz links die Kamera mit Optik. Die gestrichelte Linie, die vom Objektiv ausgehend exakt gerade nach rechts verläuft, ist die optische Achse. Auf ihr liegt der Schärfepunkt (das "Falterauge"), auf den Du exakt scharf stellst. Und der grün markierte Bereich ist die Schärfentiefe - also alles das, was dann tatsächlich auf dem Foto anschließend scharf ist. Wie gesagt, wird die Tiefe dieses Bereichs unter anderem von der Einstellung der Blende beeinflusst.

Nun wirkt das oben in der Graphik Dargestellte aus Makrosicht etwas übertrieben. Tatsächlich ist die Schärfentiefe im Makrobereich im Verhältnis deutlich geringer als oben gezeichnet - selbst bei völlig geschlossener Blende.


Und damit sind wir wieder bei Deinem Lilienfoto. Durch Deine Wahl der offenen Blende 4.5 ist die Schärfentiefe gering - so gering, dass eben nur die offene Blüte unten rechts von deren Schärfe erfasst wird. Du hättest die Schärfenebene vergrößert, wenn Du auf Blende 5.6 oder noch mehr auf 7.1 gestellt hättest. Dadurch wären weitere Teile der Blütendolde von der Schärfe erfasst worden.

Allerdings - und das schrieb ich oben bereits - wird damit auch der Bereich vor und hinter der Schärfentiefe etwas strukturierter durchgezeichnet wiedergegeben. Die Tiefenschärfe (das ist der letzte ähnlich klingende Begriff) nimmt also ebenfalls etwas zu. Das wäre hier kein Problem gewesen. Aber genau dieses Wechselspiel muss vom Fotografen (insbesondere natürlich auch von der Makronistin - grins) stets berücksichtigt werden. Besser formuliert: darf berücksichtig werden. Denn genau in diesem Wechselspiel von Schärfe und Unschärfe liegt einer der größten Gestaltungs-Hebel seitens des Fotografen/der Makronisten. Es stellt ein riesiges Tor zur kreativen Entfaltung dar.

Also: Experimentiere damit. Das ist ein Schlüssel (neben weiteren) zum glücklichen Fotografieren!  


Ergänzung:

Ups, hier habe ich einen wichtigen Aspekt vergessen zu schreiben; einen Aspekt, auf den ich eigentlich ´raus wollte :-). Mandi hat mich darauf gebracht (siehe unten) - danke! Es geht um die

größtmögliche Ausnutzung der Schärfentiefe - ohne die Blende zu verändern.

Will man nun die komplette Schärfentiefe ausnutzen, legt man den Schärfepunkt nicht auf den vordersten Bereich eines Motivs, sprich auf den Bereich des Motivs, der am nächsten zur Kamera liegt, sondern (kurz) dahinter. Dadurch wird der gesamte Bereich der Schärfentiefe genutzt. Es wird die relativ (= in Abhängigkeit zur jeweiligen Blende) größtmögliche Schärfentiefe sichbar realisiert. Da die Schärfentiefe - wie bereits beschrieben - unter anderem von der Wahl der Blende abhängt, ist es genauso von der eingestellten Blende abhängig, wie weit ich den Schärfepunkt hinter denjenigen Punkt lege, den ich in jedem Fall scharf bekommen möchte (z.B. das Falterauge).

Und nun kommt noch eine wichtige Besonderheit für Makronisten hinzu:

Während in der Regel die Verteilung der Schärfe, wie in der obigen Graphik gezeigt, vor und hinter dem Schärfepunkt 1/3 zu 2/3 beträgt, liegt der Schärfepunkt in der Makrofotografie so ziemlich genau in der Mitte der Schärfentiefe. Das Verhältnis ist also nicht 1/3 vor und 2/3 hinter dem Punkt, sondern 1/2 zu 1/2.

Wieder zurück zum Lilienfoto: Das bedeutet, dass - wenn man den Schärfepunkt beim Einstellen auf die geöffnete Blüte unten rechts legt - ein Teil der Schärfentiefe verschenkt wird - nämlich die vordere Hälfte! Sie liegt im Luftraum vor der Blüte und schärft diesen :-). Aus diesem Grund ist es also sinnvoll, den Schärfepunkt knapp hinter diese Blüte, um die es der Makronistin vorrangig geht, zu platzieren. Die Blüte "rutscht" so in den vorderen Bereich der Schärfentiefe, ist also auch noch voll scharf. Hinter ihr befindet sich nun jedoch ein größerer Bereich ebenfalls innerhalb der Schärfe - bei unveränderter Blende!

Was bedeutet das nun für die Praxis?

Sicherlich gibt es Experten, die in Abhängigkeit zur eingesetzten Blende und Brennweite exakt die jeweilige Schärfezone vor dem eigentlichen Schärfepunkt berechnen und dann bei der Aufnahme die Positionierung der Kamera zum Motiv entsprechend ausmessen.

Ich bin da mehr Pragmatiker, schließlich möchte ich eine Blume noch vor ihrem Verblühen fotografieren :-). Es wird also in der Praxis darauf rauslaufen, zunächst einmal den eigentlichen Schärfepunkt, sprich dasjenige im Motiv, festzulegen, auf den es am meisten ankommt - beim Falterbeispiel sein Auge. Und nun verschiebe ich den tatsächlichen Schärfepunkt geringfügig nach hinten und lege ihn damit knapp hinter das Auge. Wie knapp hier das Knapp ist, das ist dann ein wenig Erfahrungssache und hängt natürlich auch von der eingestellten Blende ab: bei geschlossener Blende ein klein wenig mehr, bei mittlerer Blende entsprechend weniger, bei völlig offener Blende eigentlich überhaupt nicht mehr - wenn ein Makroobjektiv im stärkerem Vergrößerungsbereich eingesetzt wird, da hier bei Offenblende die Schärfentiefe ohnehin extrem gering ist.

Das bedarf alles ein wenig Übung. Achtet man auf diese Feinheiten, bekommt man allerdings mit der Zeit ein Gefühl für die Ausdehnung der Schärfentiefe je Blende und Brennweite. Es lohnt sich!

 

Noch ein paar wenige Worte zum

Bildaufbau:

Der Bildaufbau ist recht statisch. Das liegt unter anderem daran, dass das Bild fast exakt zweigeteilt ist: links bläuliche Blüte(ndolde) - rechts grüner Hintergrund. Das wirkt ein wenig langweilig.

Du hättest dies vermieden durch die Wahl des Hochformats. Die Dolde selbst stellt mit ihrem Stil eine längliche Form dar. Das ist bereits ein Wink für´s Hochformat. Hier leicht schräg reinsetzen von links unten bis knapp rechts neben der Bildmitte oben - und das Ganze sieht richtig gut aus.

Du siehst: mal wieder ein spannendes Bild.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland


PS:
Ich habe zur Abgrenzung dieser Begriffe und ihrer Bedeutung für die Makro-Praxis einen Post erstellt mit oben stehendem, aber etwas allgemeiner formulierten Inhalt:

Schärfepunkt - Schärfeebene - Schärfentiefe - Tiefenschärfe

Nochmals lieber Gruß,

Roland

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Hallo Roland ,

ich bin wieder sprachlos über deine tolle Bildbeurteilung.

Hab alles sorgfältig und mehrmals gelesen und verstehe die Zusammenhänge jetzt noch besser.

Vielen vielen Dank.

LG

Geli

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Hallo

Roland hat es natürlich wieder mal fertig gebracht, sein Intermezzo zur Schärfentiefe derart verständlich zu gestalten, wie das sonst kaum irgendwo zu lesen ist!  In diesem Zusammenhang ist mir beim Bild von Geli noch etwas aufgefallen: Der Schärfepunkt liegt auf jenem Teil des Motivs, der dem Betrachter am nächsten liegt. Damit vergibt man sich natürlich das 1. Drittel der Schärfentiefe. Da sich aber der Stempel einer Pflanze (wie das Auge eines Insekts) als Schärfepunkt aufdrängt, könnte man evtl. den Fokus auf den Stempel der 2. Blüte legen, die links etwas dahinterliegt. Zusammen mit der etwas stärker geschlossenen Blende würden dann mehr Teile der Lilie im Schärfenbereich liegen.

Mit einem lieben Gruss

Mandi

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ADMIN

Hallo Mandi,

vielen Dank für Dein Kompliment und vor allem vielen Dank für Deinen Hinweis. Der ist mehr als berechtigt, wollte ich doch unter anderem insbesondere auf das geringfügige Verschieben des Schärfepunktes hinaus :-)! Irgendwie ist mir aber genau der Aspekt der Frage von Geli vor lauter Schreiben irgendwie "durchgerutscht". Deshalb habe ich oben eine entsprechende Ergänzung eingeschoben.

Ich denke, ich werde den gesamten Inhalt zu diesem Themenkomplex oben in einen eigenen Artikel stellen. Dann kann er jederzeit aufgefunden werden.

Lieber Gruß,

Roland


Ergänzung:

So, der Post ist gemacht und hier zu finden:

Schärfepunkt - Schärfeebene - Schärfentiefe - Tiefenschärfe

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Ciao Roland

Dein Post ist super gemacht: Obwohl es hier um zentrale Grundlagen der Makrofotografie geht, habe ich das noch nirgends so klar formuliert und nachvollziehbar erklärt gefunden. Riesenkompliment! Nun hoffe ich, das dein Post auch entsprechend viele Leser/-innen findet.

Mit liebem Gruss aus der Innerschweiz

Mandi

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