Gänseblümchen

Die große Herausforderung war hier, den richtigen Abstand und die richtige Perspektive zwischen Tropfen und Motiv zu finden.:)

Kommentare

Profile picture for user Chris Tine

Hallo Klaus,

Ich finde der Abstand der Tropfen ist Dir wirklich wunderbar gelungen.

Mit der Perspektive ist es etwas schwierig, denn die oberen Tropfen sind nicht ganz so scharf geworden, genauso der obere Teil des Grashalms. Das liegt daran das die Kamera nicht gerade genug ausgerichtet war, so das alle Tropfen dadurch auch ganz genau auf einer höhe und in einer linie gewesen wären.

Der Grashalm biegt sich oben im Bild ein wenig schräg nach hinten und deshalb ist er dort etwas unschärfer zu sehen. Genauso wie der oberste Tropfen mit dem Gänseblümchen Spiegelbild. Und ich denke das Foto ist dazu noch ein bisschen zuviel nach geschärft worden um das eventuell damit auszugleichen. Das kommt mir zumindest so vor, ich kann mich natürlich auch irren, da es gleichzeitig auch an dem besagten oberen Teil des Grashalms bis einschließlich dem obersten Tropfen mit dem Gänseblümchen Spiegelbild an den Konturen danach aussieht. 

Aber die Farben und die Idee ist wirklich ganz toll. Und im großen und ganzen ist es trotzdem ein sehr schönes Foto. 

Liebe Grüße Sendet

Christine :-)

Profile picture for user Klaus Schulmann

Hallo Christine,

Danke dafür das du dich mit meiner Arbeit beschäftigt und das Du trotzdem zu dem Ergebnis gekommen bist, das es ein schönes Foto ist.

Du sprichst die fehlende Schärfe besonders bei den oberen Tropfen an. Du gibst teilweise selber die Antwort darauf, warum das so ist. Es liegt an dem gebogenen Grashalm. Es gibt aber einen viel ausschlaggebenderen Grund für die fehlende Schärfe bei einigen der Tropfen. Die Tropfen liegen nicht auf einer Linie, auf einer Ebene. Deshalb ist es technisch nicht möglich, alle Tropfen scharf abzubilden. 

Liebe Grüße

Klaus

Profile picture for user Chris Tine

Hallo Klaus,

Bitte sehr gerne!

Aber das selbe was du mir hier nochmal sagst, nämlich das die Tropfen nicht alle auf einer linie liegen also ebene und deshalb nicht alle scharf sind hatte ich oben doch auch schon erwähnt. Das weis ich doch schon, aber Danke!

Mir gefällt das Foto besonders von der Umsetzung und den Tropfen mit der Spieglung und den Farben. 

Das die oberen Tropfen und der Halm nicht ganz scharf geworden ist war schade.

Liebe Grüße

Christine :-) 

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Klaus,

das ist ein äußerst interessantes Foto. Schauen wir es uns mal genauer an:

Farben / Licht

Die Farben sind der Knaller! Ebenso das Licht. Die sanfte Frische des Blaus in Verbindung mit dem Gelb und dem weichen Weiß dominiert dieses Bild. Das ist wirklich herausragend.

Schärfe

Das "Problem" mit der nachlassenden Schärfe insbesondere am oberen Bildrand sehe ich nicht. Das Spiegelbild im obersten Tropfen ist absolut scharf, und genau da gehört die Schärfe hin. Das ist das Bild im Bild, klasse herausgearbeitet mit den oben beschriebenen Farben und Licht. Was darüber (auf den letzten Zentimetern) passiert, ist nachrangig, wird kaum wahrgenommen.

Wenn es ein "Problem" mit der Schärfe gibt, dann am ehesten beim großen Tropfen unten. Hier ist nicht das Spiegelbild sondern die Randkante des Tropfens scharf. Anders herum wäre besser, aber die scharfe Randkante rettet es ein wenig heraus. Die Gründe, warum dies so ist, sind ersichtlich und wurden auch von Dir beschrieben.

Somit ist, alles in allem, die Schärfe in Ordnung. Eine Überschärfung kann ich bei diesem Foto in der vorliegenden Bildgröße nicht erkennen.

Bildaufbau

Der Bildaufbau Deines Fotos ist das, was am meisten Besprechungsstoff liefert. Was liegt vor?

In den Hintergrund hast Du die Gänseblümchen-Blüte gesetzt – formatfüllend, exakt zentrisch. Es dominieren runde Formen, Kreise. Sowohl die äußeren weißen Zungenblütenblätter als auch die inneren gelben Röhrenblüten bilden Kreise.

Im Vordergrund sind die Tropfen mit den Spiegelbildern – ebenfalls mit den runden Formen der Gänseblümchen-Blüte. Sie stechen schnell ins Auge, weil sie wunderbar scharf sind und leuchten.

Und jetzt kommt das zweite, wesentliche Merkmal (neben Licht und Farben) dieses Fotos: der Grashalm-BALKEN. Er zieht sich schnurgerade mitten durch das Bild. Eine harte Form, wie ein Messer, mitten durch, zusätzlich betont durch eine eigene, ansonsten im Bild nicht vorkommende Farbe.

Gegensätze, die zerreißen

Jetzt haben wir den großen Kontrast: die weichen runden Formen bis hin zu Kreisen, dann die schneidende, schnurgerade Linie.

Was sagt das jetzt dem Betrachter? Anders gefragt: Was willst DU dem Betrachter sagen?

Ich sage es vorweg: Ich weiß es nicht!

Beides sendet unterschiedliche Signale. Die runden Formen stehen für Schwung, Dynamik. Da ist etwas Sanftes, Lebendiges. Die Gerade "erzählt" dem Betrachter aber eher etwas von Festigkeit, Starrheit, Unbeweglichkeit.

Ein weiterer Gegensatz:

Die Blüte im Hintergrund ist fast ganz im Bild drin. Die äußeren weißen Zungenblütenblätter sind zwar angeschnitten. Aber aufgrund der zentrischen Ausrichtung ist sie eigentlich dennoch ganz erfasst. Dem Betrachter ist klar, was dahinter kommt und dass dann dort ein Abschluss ist (das also die Blüte zu Ende ist). Es handelt sich um eine Art geschlossene Komposition.

Ganz im Gegensatz dazu der Grashalm. Er ist oben und unten abgeschnitten. Es ist offensichtlich, dass es an beiden Seiten weitergeht. Wie geht es weiter? Hängen dort weitere Tropfen, ebenfalls mit schönen Spiegelbildern? Ändert sich gar die Form oder der Verlauf des Grashalms – und damit auch die Aufhängung/Größe der Tropfen? Es bleibt offen. Es ist eine Art offene Komposition.

Beides in dieser Form in ein Bild zu packen ist zu viel. Es widerspricht sich. Hinzu kommt der schräge Verlauf der Geraden. In der Kunst spricht man von einer fallenden Linie. Auch die hat eine Bedeutung, eine Wirkung: sie "stürzt" ab, zieht den Betrachter (mit) nach unten. Das ist eine sich völlig widersprechende Information gegenüber den übrigen runden Formen sowie den Farben und dem Licht.

Fazit:

Das Foto lebt neben seiner Farbwirkung durch die Komposition. Diese ist aber stark konträr und verwirrt den Betrachter. Dies wird verstärkt durch die konsequente Reduktion auf eindeutige Bildinhalte: klare Kreise und die Gerade sind absolut bildbestimmend.

Lieber Klaus, das ist DEIN Bildaufbau. Ich habe Dir in meinen Zeilen die Wirkung dieses Bildaufbaus auf mich geschildert. Nun stellt sich die Frage: Wolltest Du das Feuer der Verwirrung in meinem Betrachtergeist bewusst entfachen? Oder hast Du Dir hierbei etwas anderes überlegt? Oder gar nichts?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Du hierzu ein paar Zeilen schreiben würdest.

Ein wahrlich sehr, sehr interessantes Foto. Eine super Bildeinstellung hier bei Makrotreff!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

 

Profile picture for user Klaus Schulmann

Hallo Roland,

Also, ich bin mit dem Ziel losgegangen, Gänseblümchen in Wassertropfen einzufangen. Das war für mich eine sehr große Herausforderung. Es macht mir Spaß, Dinge zu finden und auch mal anders darzustellen. Ich experimentiere gerne.

Grundsätzlich gehe ich bei der Fotografie und bei der Bearbeitung intuitiv vor. Ich arbeite ausschließlich im manuellen Modus und zu ca. 95 % ohne Stativ. Damit ist man bei Motiven, die sich Bewegen, einfach zu langsam. Meine große Leidenschaft sind die Libellen und die Tropfenfotografie. Aber ich decke auch alle anderen Bereiche der Fotografie ab.

Aber jetzt zu den Tropfenbildern mit den Gänseblümchen. Mir war wichtig, das man erkennt, vorher die Abbildung im Tropfen kommt. Also habe ich versucht, möglichst die Blüte in das Bild mit einzubeziehen. Und dadurch ergaben sich nicht mehr so viele Möglichkeiten. Ich werde wahrscheinlich morgen ein weiteres Tropfenbild von mir hochladen. Da sieht man nicht, wie die Abbildung in den Tropfen zustande gekommen ist. Mit dem Bild habe ich große Diskussionen ausgelöst, es gab Menschen, die es für eine Montage hielten. Vielleicht ist das ein Grund mit, weshalb ich es bei den Gänseblümchen so gemacht habe.

Ich wollte das Feuer der Verwirrung beim Betrachter also nicht bewusst entfachen, aber kann sehr gut damit Leben, das ich es zumindest bei Dir entfacht habe.

Mich würde aber mal interessieren, was du anders gemacht hättest? Wie würdest du die Tropfen und die Blüte darstellen? Vielleicht hast du ja mal die Zeit und die Geduld, es selber auszuprobieren.

LG

Klaus

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Klaus,

Deine Bildeinstellung "Gänseblümchen" ist ein hochinteressantes Foto. Ich hatte dies schon erwähnt. Deine Vorgehensweise, Motive su "suchen" und gezielt vor dem Erstellen der Aufnahme zu überlegen, wie Du Dich ihnen näherst, ist eine sehr kreative Art der Fotografie.

Und genau das wird insbesondere beim Gänseblümchenbild ersichtlich. Deine Überlegung, die Blüte, die sich im Tropfen widerspiegelt, mit ins Bild zu "holen", ist super. Die Umsetzung desselben ebenfalls. Von der genialen Farbwiedergabe sowie dem herausragenden Licht fange ich nicht schon wieder an :-).

Nein, das "Problem" ist nur eines: die Gerade! Der lange, gerade Grashalm im Kontext der übrigen Bildinhalte.

Und hier betreten wir nun ein anderes, ein neues Terrain. Die Türe da hinein hast Du selbst geöffnet – nämlich mit Deiner tollen Art, die Motive anzugehen – anders formuliert: mit Deiner vorher entwickelten Bildidee. Denn damit hast Du Dir einen Zusatz-Job verpasst: Du hast eine Idee entwickelt und willst sie nun als genau diese umsetzen. Willst also, dass sie bei dem Betrachter ankommt, dass ihn die von Dir beabsichtige Bildwirkung erreicht. Bestenfalls, dass er Deine Bildintention erkennt.

Und genau auf diese "neue" Ebene habe ich mich eingelassen. Ich habe Dir quasi "den Bildbetrachter" gespielt, habe laut gedacht, was passiert – automatisch passiert – wenn ein Bildbetrachter (D)ein Bild anschaut.

Die Sprache des Künstlers

Wenn Du in dieser Form, wie Du vorgehst, eine Bildidee entwickelst, musst Du bei deren Umsetzung beachten, dass Du Bildwirkungen erzeugst. In Deinem Beispiel oben bedeutet das nicht nur, dass das (sichtbare) Vorhandensein des Gänseblümchens im Bild sowie dessen Spiegelbild in den Tropfen seine Wirkung hat. Oder dass das Licht so, wie Du es ausgewählt hast für Dein Foto, ebenfalls seinen Anteil an der Bildwirkung hat.
Auch die Formen im Bild, insbesondere wenn sie so bildwirksam eingebracht werden wie beim Gänseblümchenbild, haben eine Wirkung. Künstlerisch gesehen stellen sie einen Bestandteil der Komposition dar. Und hier haben sie eine Wirkung, die übergeordnet gilt. Es gibt also kompositorische Bestandteile, die auf uns Menschen bestimmte Wirkungen ausüben, mit denen wir etwas spezielles verbinden. Wichtig ist zu erkennen, dass dabei eine gewisse Objektivität gegeben ist. Damit gehören bestimmte Bestandteile der Komposition zu den allgemeinen Ausdrucksmitteln eines jeden Künstlers.

Das sagt bis hierhin überhaupt nichts darüber aus, wann oder ob bestimmte Ausdrucksmittel gut oder schlecht sind. Dies kann man natürlich auch keinesfalls sagen, denn sie stellen ein Werkzeug des Fotografen/Künstlers dar, mit dem er sein Werk "baut". Und je nach "Bauplan", sprich Zielsetzung, wählt er das eine oder das andere Werkzeug. Schwierig wird´s, wenn er etwas bestimmtes, sagen wir mal abstrakt "A", erreichen will, dafür aber ein Werkzeug mit anderer Aussagekraft, also Werkzeug "B", wählt. Das versteht kein Betrachter, oder zumindest muss er es sehr genau erklärt bekommen (vom Fotografen / Künstler).

Ebenfalls schwierig wird es, wenn der Fotograf/Künstler in einem Bild, bei dem er "nur" eine Aussage transportieren möchte (z.B. positives, harmonisches Gänseblümchen im Garten, das sich in Tautropfen spiegelt), sich bei der Umsetzung aber zwei unterschiedlicher, ja gegensätzlicher Ausdrucksformen bedient. Genau dies ist Dir im Gänseblümchenbild "gelungen" (bitte nicht falsch verstehen, dass ist kein Sarkasmus). Die extrem deutlich runden Formen unterstreichen die Bildaussage positives, harmonisches Gänseblümchen im Garten, das sich in Tautropfen spiegelt, während die extrem scharf abgezeichnete, abfallende schräge Grade des dunkelgrünen Grashalms diese Aussage regelrecht "zerschneidet", also irgendeine andere Aussage von seiner Form und Abbildungsweise her unterstützt. Und diese Bedeutungen bzw. Eigenschaften der Formen sind nun mal gegeben. Damit gehören sie zur Sprache des Künstlers.

Nun liegt es auf der Hand, dass es sinnvoll bzw. sogar notwendig ist, dass ein Fotograf bzw. Künstler (das ist hier das gleiche!) sich über die Wirkungen von Bildsprache bewusst wird und diese lernt. Umgekehrt ist es denke ich nachvollziehbar, dass es zu "Empfindungs-Konflikten" von Seiten des Bildbetrachters kommt, werden diese bildsprachlichen Mittel unbewusst bzw. widersprüchlich eingesetzt. Ausnahme: Genau das ist vom Fotograf gewollt! Dann muss es aber auch offensichtlich sein (daher hatte ich Dich gefragt, ob Du Dir hierzu im Vorfeld speziell etwas überlegt hattest). Dies ist die große Freiheit eines jeden Künstlers!

Konkret zur Bildumsetzung beim Gänseblümchen-Bild:

Bei der Entwicklung und Umsetzung Deiner Bildidee hast Du sehr vieles absolut klasse umgesetzt: die Blüte im Hintergrund, deren Positionierung im Bild, die technischen Aspekte seitens der Kamera (Wahl insb. der Blende), die Schärfe in den Spiegelbildern, das Licht. All das ist wirklich hervorragend – und konsequent stimmig.

Was bleibt, ist die schnurgerade Ausrichtung des Grashalms, die schnurgerade das Bild (zer)schneidet. Ziel sollte es sein: weg von dieser schneidenden Geraden!

Alternative Bildideen

Hierzu fallen mir zwei Ansätze ein:

Ideal wäre einfach ein gebogener Halm – alles andere bliebe so, wie es ist. Dies ist rein (tropfen)physikalisch möglich, muss aber gefunden werden. Und Du hast ja wahrlich schon lange gesucht...

Ein gerader Halm, der aber nicht so extrem "hart" im rechten Winkel zur optischen Achse aufgenommen wird, sondern schräg vom Bild-Vordergrund in den Bild-Hintergrund läuft. Damit verbunden wäre natürlich, dass die Schärfe ausschließlich auf einen Tropfen bzw. dessen Spiegelbild gelegt wird. Die eigentliche Gänseblümchenblüte im Hintergrund sollte dabei idealerweise genau so bleiben, wie Du sie oben im Bild arrangiert hast.
Du siehst, eine Menge hätte, wäre, sollte... Lauter Konjunktive, die zeigen, wie wenig einfach das ist.

Hat jemand noch eine weitere Bildidee?

Dies sind zwei alternative Ansätze. Sicherlich gibt es noch mehr, wahrscheinlich auch bessere. Vielleicht hat hier ein anderer Makronist noch weitere tolle Ideen. Wäre schön, die hier kurz zu formulieren. Das tolle Gänseblümchenbild oben ist es wert!

Lieber Klaus, Du siehst, ich hätte hier nicht so einfach "etwas anders gemacht". Du hast mit Deinem Bild oben ein super tolles Foto mit tierisch viel Diskussions-Potential eingestellt, ein Bild mit enorm hoher Aussagedichte. Darüber kann man viel nachdenken, reden und schreiben (ich krieg langsam Hornhautknubbeln an den Fingern). Aber was man nicht machen kann: es einfach besser machen! Denn dafür hast Du auch bereits viel zu viel gute Vorarbeit zur Aufnahme geleistet.

Dass diese Betrachtungsansätze von enormen Gewicht sind, zeigt alleine die Tatsache, dass sie auch immer ein großes Thema bei meinen Workshops sind. Sehr viele Makronisten sind sich dessen zumindest im Vorfeld nur nicht bewusst.

Lieber Gruß,

Roland

 

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