Guten Morgen Zusammen,
ich hatte es damals leider nicht geschafft, den Fragenbogen auszufüllen. In Rolands Auswertung habe ich aber lesen können, dass der Aspekt der Kreativität auch in der klassischen Makrofotografie etwas mehr Beachtung bekommen sollte.
Nun ist die Frage, soll bei möglichst großem Abbildungsmaßstab dem Hintergrund mehr Bedeutung beigemessen werden, wie in Roland's schönem Wespenfoto oder darf der Abbildungsmaßstab auch etwas kleiner sein zu Gunsten eines Rahmens zum Beispiel?
Ich habe hier ein Foto mit einem klassischen Makroobjektiv gemacht. Jedes Jahr bühen in Nachbar's Garten die Herbstanemonen unter einem roten Fächerahorn und ich finde das immer wieder auf's Neue sehr zauberhaft. Ich meine, dass das Makroobjektiv die Strukturen bis zu einem gewissen Grad auch malerisch abbilden kann. Vielleicht bin ich aber ja auf dem Holzweg ;-)
Liebe Grüße, Jana
Kommentare
ADMIN
Hallo Jana,du sprichst ein…
Hallo Jana,
du sprichst ein wichtiges Thema an:
Wieviel Raum darf/soll auf bei Makrofotos der Hintergrund bzw. der Rahmen bekommen?
Das lässt sich natürlich nicht generell beantworten. Aber die Frage alleine deutet schon darauf hin, dass dieser Aspekt eine hohe Relevanz hat.
Am Anfang eines jeden Bildes steht die Bildidee. Lautet die Bildidee beispielsweise Marienkäfer, ist es durchaus möglich, "nur" diesen zu fotografieren, dafür aber in seiner vollen Pracht – z. B. durch einen Fokus Vollstack im hohem Abbildungsmaßstab.
Lautet dagegen die Bildidee Marienkäfer in seiner Umwelt, kommt der Rahmen mit ins Spiel. Nun wird der Marienkäfer kleiner ins Bild genommen – also mit einem kleineren Abbildungsmaßstab fotografiert –, sodass ein größerer Raum um das eigentliche Hauptmotiv entsteht, der nun gefüllt werden kann. Ich nenne das bewusst so – gefüllt werden kann. Denn hier kann nun aktiv Bildgestaltung vorgenommen werden.
Der Negativraum
Nun kommt also zum eigentlichen Hauptmotiv eine weitere, stark bildbeeinflussende Komponente dazu. Diesen Raum – grob gesagt alle Unschärfen um das Hauptmotiv herum – nennt man in der Kunst Negativraum (im Gegensatz zum Positivraum + Hauptmotiv).
Ein gutes Beispiel hierfür ist das schon von dir angesprochene Feldwespen-Foto oder dieses wunderbare Foto der Herbstanemone hier von dir. Bei beiden Fotos wirkt nicht mehr alleine das Hauptmotiv; die Hintergründe bzw. das Umfeld, in dem sich das jeweilige Hauptmotiv befindet, wird zum weiteren elementaren Bestandteil des Bildes.
Der Trend
In der Makrofotografie ist sehr häufig eine stark objektbezogene Fotografie zu finden; d. h. das Hauptmotiv ist der mehr oder weniger alleinige Bestandteil des Fotos. Das liegt ein wenig daran, dass (verständlicherweise) viele Makronisten total fasziniert von der Vergrößerung des eingesetzten Makroobjektivs und der damit gegebenen Nähe zum Motiv sind. Da kann schonmal schnell vergessen werden, dass es ja noch weitere Bildfläche gibt, die man als Fotograf füllen kann – nämlich der ganze Raum drumherum, also der Negativraum. Interessant dabei: Der Negativraum ist oft wesentlich größer als derjenige, den das Hauptmotiv abdeckt. Es liegt also nahe, diesen nach bestimmten Kriterien zu füllen, z. B. gestalterisch oder informativ (z. B. Lebensrauminformationen).
Blick über den Tellerrand
Übrigens ist es interessant, sich unter diesem Gesichtspunkt mal Bilder großer Meister beispielsweise des Impressionismus anzuschauen. Bei vielen ihrer Werke hat der Negativraum eine deutlich größere Bedeutung als bei vielen heutigen (Makro-)Fotografen.
FAZIT
Der Hintergrund bzw. das Umfeld des Hauptmotivs ist immer Bestandteil des Fotos. Er kann ausschließlich bis stark dienend für das Hauptmotiv sein, z. B. stark monoton als klassische Freistellung. Er kann aber auch eine eigene Zusatzaussage im Bild übernehmen – z. B. Informationen über den Lebensraum des abgebildeten Motivs (wenn es sich um ein Naturmotiv handelt) liefern oder dem Bild eine hohe Gestaltungswirkung verleihen.
Die Entscheidung darüber, welche Variante man wählt, hängt von der Bildidee ab; sie steht am Anfang eines jeden Fotos.
Schade ist, sich als Makronist über die Möglichkeiten und damit die Bedeutung des Negativraums eines Bildes nicht bewusst zu sein. Denn dann lotet man sein kreatives Potential nicht vollständig aus.
Zum Foto selbst
Alle drei Blüten befinden sich in der Schärfeebene, auf der mittleren Blüte, dem eigentlichen Hauptmotiv, liegt ein wunderbares Licht.
Dieses Foto ist klasse komponiert: Die drei Blüten werden sehr bildwirksam durch den braunen senkrechten Ast links sowie den braunen, in der Waagerechten gebogenen Ast oben sehr harmonisch eingerahmt.
Der sonnenbeschienene Hintergrund hinter diesem Ästen verleiht aufgrund seiner Helligkeit dem Bild eine leicht Bildtiefe, weil: Hell zieht das Betrachterauge an. Es wird also in den unscharfen Hintergrund hineingezogen. Dadurch erhält das Bild eine leichte plastische Wirkung.
Einen Aspekt möchte ich etwas kritisch ansprechen:
Der Hintergrund ist insgesamt recht unruhig. Dadurch lenkt er ein wenig vom eigentlichen Hauptmotiv, den drei Anemonenblüten, ab. Es ist ein schmaler Grat der Abwägung; für mich ist es noch so gerade in Ordnung. Aber ich bin sicher, manchem Betrachter wird der Hintergrund etwas zu unruhig sein und damit zu stark von den Blüten ablenken.
Wie gesagt, für mich ist das ein wunderbares Bild, das zusätzlich sehr viel Inhalt für die fotografische Debatte liefert :-). Deshalb
GRATULATION zu diesem TOP-Foto!
In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht"
Roland
Hallo Roland,vielen…
Hallo Roland,
vielen herzlichen Dank für die Auszeichnung und dass du dir so ausführlich Zeit für diese ganzen Erläuterungen genommen hast, die wirklich sehr hilfreich sind.
Bei der Unruhe bin ich bei dir, das war einer der Gründe für meine Unsicherheit. Aber Offenblende hat hier nicht so gut funktioniert. Ich mag diese Stelle in diesem ziemlich verwilderten Garten sehr, kann aber nicht hinein treten. Muss das immer vom Wegrand aus machen, was mich einschränkt in der Bildgestaltung. Das Schöne ist allerdings, dass im Sommer immer die Sonne genau dahinter aufgeht. Ich habe so viele Fotos über die Jahre, aber dieses gefällt mir mit am besten :-)
Liebe Grüße, Jana
MOD
Hallo Jana,Glückwunsch zum…
Hallo Jana,
Glückwunsch zum verdienten Toppi! Genau so findet man die Herbstanemonen oft gepflanzt, im vorderen leichten Schattenbereich von Bäumen und Sträuchern. Die schönen Blüten mit ihrem naturgegebenen Umfeld. Eine sehr gelungene Variante.
Liebe Grüße
Gabi
Hallo Gabi,vielen Dank dass…
Hallo Gabi,
vielen Dank dass auch dir mein Foto so gefällt.
Liebe Grüße, Jana
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