Kotwespe (Mellinus arvensis)
Die weitverbreitete Kotwespe bevorzugt Gebiete mit sandigem Untergrund. Sie nistet dort im Spätsommer bis in den Oktober hinein.
Mein Beobachtungsgebiet war ein trockenes, vereinzelt mit Kiefern bestandenes Sand-Heidegebiet. Eine dünne Vegetationsschicht bestehend u.a aus Flechten, Heidekraut, Gräsern usw. bedeckt den Sand, ist aber an einzelnen Stellen (an Böschungen, Fahrspuren oder wo Tiere gegraben haben) aufgerissen. Das seitliche Bodenprofil zeigt unten den Sand und darüber eine etwas 10 cm dicke, durch die darauf wachsenden Pflanzen durchwurzelte, dunklere Erdschicht. Diese Schicht bevorzugen die Wespen offensichtlich bei der Anlage ihrer Niströhren.
Die Nester sind gut zu finden, da sich vor den Niströhren der ausgeworfene Sand anhäuft. Häufig sind mehrere Nester unterschiedlicher Individuen nah beieinander zu finden.
Die Weibchen (11-15mm) sind meistens sichtbar größer als die Männchen (8-11mm). Beide besitzen eine auffällige, u-förmige gelbe Gesichtszeichnung (Bild1).
Bei gutem Wetter -wie hier in den letzten Tagen- wird täglich ein Nest gebaut und mit mehreren Fliegen bestückt. An diesen Larvenproviant wird das Ei geheftet. Nach meiner Beobachtung werden Fliegen unterschiedlicher Art und Größe gejagt.
Man kann schon hören, wenn sich eine Kotwespe „unter Last“ (mit erbeuteter Fliege) nähert: Die Fluggeräusche sind dann deutlich lauter. Häufig wird kurz vorm Ziel in der Nähe des Nesteingangs noch eine Pause eingelegt, gerne an Grashalmen oder auch am Boden (Bild 3).
Ich habe die Wespe auch im Garten am Sandbeet fotografiert. Unter Totholz hat sich dort eine kleine „Böschung“ gebildet. Genau da ist sie rein. Die Naturbeobachtung legt nahe, Böschungen / Abbruchkanten (Topografie) beim „Sandarium“ nicht zu vergessen und auch in Maßen Bewuchs zuzulassen.
Bild 3 hat eigentlich nicht genug Schärfe auf dem Motiv, zeigt aber ganz gut einen Teil des beschriebenen Treibens. Alle Bilder sind geblitzt.
Liebe Grüße
Ingo
PS: Kotwespe übrigens, weil sie wohl an Kothaufen gerne Fliegen jagt...
Kommentare
Hallo Ingo, toll beobachtet…
Hallo Ingo, toll beobachtet und im Bild festgehalten. Auch die Beschreibung ist wieder sehr informativ und lesenswert. Bei den Fotos ist das erste mein Favorit, sehr schönes Porträt. Die Wespe scheint zu signalisieren „bis hierher und nicht weiter“.
Viele Grüße
Udo
Hallo Udo,die Wespe ist so…
Hallo Udo,
"bis hierhin und nicht weiter?" So ist Mellinus arvensis nicht drauf. Die Wespe ist so was von friedlich! Lieblingspausenplätze nach dem ersten Kennenlernen: Diffusor, Fotorucksack, Kamera (schwarz = warm?), meine Klamotten, meine Hände und mein Kopf. Da haben sie ausführlich Pause gemacht, sich geputzt und gesonnt. Nur vor der Linse waren sie leider ziemlich zappelig - bei der Arbeit eben.
Mein persönliches Highlight war das schlechteste aller Fotos. Der "Grabwespen-Guru" Manfred Blösch schrieb in seinem legendären Buch "Die Grabwespen Deutschlands":
„Die als Larvennahrung bestimmten Fliegen werden mit den Mandibeln am Rüssel gepackt und mit der Bauchseite nach oben, fliegend zum Nest gebracht. Ob die Beute dabei zusätzlich mit den Beinen gehalten oder gestützt wird ist nicht bekannt, denn genaue Beobachtungen und fotografische Aufnahmen beim Anflug am Nest sind (…) nicht möglich (…)“ . Das war im Jahr 2000. Hätte ich das Foto damals gemacht, wäre ich "berühmt" geworden ;-).
Liebe Grüße und weiter viel Freude beim Entdecken der Wunderwelt der kleinen Wesen
Ingo
Hallo Ingo,da habe ich der…
Hallo Ingo,
da habe ich der Wespe offensichtlich Unrecht getan indem ich ihr ein aggressives Verhalten unterstellt habe :-)
Tatsächlich habe ich Wespen jahrzehntelang nur als aggressive, lästige und dazu noch schmerzhaft stechende Insekten wahrgenommen. Erst durch das Fotografieren habe ich angefangen zu merken welche faszinierenden und vielfältigen Geschöpfe es sind.
Viele Grüße
Udo
Hallo Ingo,eine schöne und…
Hallo Ingo,
eine schöne und eindrucksvolle Doku! Das Portrait ist natürlich klasse, aber die anderen Fotos zeigen auch sehr anschauliche Ausschnitte aus ihrem Leben. Bei mir auf der Hand hatte sich neulich mal eine kleine Schwebfliege aufwärmen lassen. Solche Augenblicke finde ich für mich dann herzerwärmend :-)
Viele Grüße, Jana
Hallo Jana,freut mich, dass…
Hallo Jana,
freut mich, dass du gerne geschaut und gelesen hast. Danke für die netten Worte!
Liebe Grüße
Ingo
MOD
Hallo Ingo,beeindruckende…
Hallo Ingo,
beeindruckende Bilder, tolle Beschreibung Deiner Begegnung mit dem Insekten, dazu wieder einmal ein sehr informativen Text.Danke! Da freuen wir uns doch immer alle drüber. Nur weiter so.
Liebe Grüße
Gabi
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