Schneckenhäuschen in der Abendsonne

Hallo und Grüezi mitenand

Da ich erst seit Ende Januar im Besitz eines Makro-Objektives bin, ist alles noch etwas neu für mich. Zu meinen beiden ausgewählten Fotos muss ich nun sagen, dass ich schon ein bisschen enttäuscht war, als ich sie zuhause am Bildschirm angeschaut habe. Irgendetwas stimmt nicht mit der Schärfe, vor allem beim Bild "Müscheli-Gruppe". Somit bin ich natürlich sehr dankbar um Tipps und Ratschläge von Profis.

Die Fotos sind in Lanzarote entstanden bei untergehender Abendsonne. Die Sujets wurden weder künstlich arrangiert noch irgendwie umplatziert. Blitz habe ich keinen benutzt und die Fotos sind komplett unbearbeitet. Nehme an, die Schatten sind zu hart?

Zur Kamera und Objektiv: Canon D700 und Canon Makro 100mm IS USM

Kommentare

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ADMIN

Hallo Chrigi14,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Du schreibst, dass du nicht so zufrieden bist mit deinen Schneckenhäuschen-Fotos, die du mit deinem neuen Makroobjektiv gemacht hast. Hier zu den beiden von dir angesprochenen Punkten:

Schärfe:

Das, was ich sehe, zeigt mir, dass die Schärfeleistung deines Objektivs in Ordnung ist. Die Schärfe ist voll da, wo du sie hingelegt hast. Aber - natürlich - sind nicht alle Muscheln scharf. Das liegt aber nicht an einer mangelnden Schärfeleistung der Optik, sondern an der geringen Tiefenschärfe. Du hast zwar mit Blende 9.0 eine relativ geschlossene Blende und damit eine relativ große Tiefenschärfe gewählt, und mit einer Stufe mehr hättest du hier noch ein wenig mehr dazugewonnen, aber dann ist endgültig Schluss mit der Tiefenschärfe. Alles, was dann davor oder dahinter liegt, ist unscharf.

Dies kannst du schön an dem von dir angesprochenen Bild "Müscheli-Gruppe" sehen. Die Schärfe liegt genau auf dem zweiten Schneckenhaus von links. Die vordere Fläche der beiden rechten liegt schon leicht davor - und wirken etwas unscharf. Ich vermute mal, das ist das, was dich unzufrieden stimmt und dir Anlass zur Vermutung gibt, irgendetwas mit der Schärfe würde nicht stimmen.

Doch, es stimmt alles! Du musst nur die geringe Schärfentiefe von Makroobjektiven berücksichtigen, kennen- und einschätzen lernen.
Noch deutlicher tritt dieses "Problem" bei deinem zweiten Foto "Müscheli-Tohuwahobu" auf. Hier sind alle vorderen und alle hinteren Müschelis unscharf. Nur in der Mitte ist ein schmaler Streifen scharf.

LÖSUNG:
Was nicht stimmt, ist die Ausrichtung der Müscheli-Gruppe zur optischen Achse. Du hättest die Kamera mehr nach links ausrichten sollen, so, dass die Müscheli-Reihe nicht schräg von rechts vorne nach links hinten verläuft - das packt keine Schärfenebene im Makrobereich! Besser wäre gewesen, die Kamera so weit nach links auszurichten, dass die Reihe möglichst quer zur optischen Achse liegt. Dann wären bei Blende 9.0 oder besser noch 11.0 zumindest nahezu alle vorderen Müschelis innerhalb der Schärfenebene und damit auch scharf gewesen.

Siehe hierzu den auf Makrotreff veröffentlichten Artikel

Die Schärfenebene in der Makrofotografie.

Hier wird dieses Phänomen genau beschrieben.

Schatten:

Das mit den Schatten ist Geschmacksache. Klar, die Schatten auf deinen beiden Bildern sind kaum bis nicht mehr durchgezeichnet. Das liegt daran, dass die Leuchtkraft der tiefen Sonne noch so stark war, dass der Kamerasensor nicht beide Helligkeitsstufen, die ganz hellen und die ganz dunklen, packt. Der Sensor ist hier überfordert. Du hast dich bei der Aufnahme - korrekterweise - für die richtige Belichtung der hellen Bereiche entschieden, mit dem Ergebnis, dass die dunklen absaufen.
Dafür ist aber auf den Fotos insgesamt eine schöne Lichtstimmung. Würdest du beispielsweise - und das wäre ein Lösungsansatz - die dunklen Bereiche durch Zusatzlicht (Blitz, Relfexfolie oder ähnliches) aufhellen, wären zwar die Schatten etwas durchgezeichnet. Gleichzeitig aber würden beide Fotos an Brillanz verlieren. Du würdest also einen Vorteil mit einem neu hinzukommenden Nachteil "bezahlen" - auch nicht die Super-Lösung!

LÖSUNG:
Meine (!) Lösung wäre: Etwas länger warten, bis die Sonne noch etwas tiefer steht, natürlich aber nicht, bis sie komplett versunken ist :-). Bei etwas tieferem Sonnenstand sind die Sonnenstrahlen schwächer, das geht sehr schnell! Dann ist der Unterschied zwischen den hellen und dunklen Bereichen nicht mehr so groß, sodass der Sensor damit besser klar kommt. Die Brillanz leidet dabei dann kaum. Aber Achtung: Dieses Zeitfenster ist insbesondere bei sehr klarem Himmel kurz! Da muss man sehr aufmerksam sein und sich, sobald es soweit ist, beeilen.

Wie schon erwähnt, wäre dies meine (!) Lösung. Hier gibt es nicht DEN Königsweg. Die Geschmäcker sind unterschiedlich, und entsprechend verschieden sind auch die bevorzugten Lösungen. Bei einer solchen Lichtsituation ist es also am besten, selbst ein wenig zu experimentieren und dann die Ergebnisse zu vergleichen.

Ich mag es nicht, wenn Schattenbereiche zu stark aufgehellt werden. Das wird meines Erachtens häufig überreizt und wirkt dann unnatürlich. In der Natur kann es auch härteres Licht - und damit auch härtere Schatten - geben. Und die dürfen dann auch mal so abgelichtet werden. Das muss im Einzelfall entschieden werden. Allerdings ist es fraglich, ob es sinnvoll ist, immer alle Schatten "weichzuspülen", sprich aufzuhellen. Der Einzelfall ist entscheidend.

Also: Alles in Allem sind die Fotos "gar nicht so schlecht!"

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

 

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Hallo Roland

Vielen herzlichen Dank für Deine Hinweise und Verbesserungs/Korrekturvorschläge! Also werde ich mich in Zukunft bemühen, mehr auf die Achsen zu achten. Das mit der extremen Schärfenebene ist halt schon noch sehr ungewohnt und auf dem Bildschirm der Kamera konnte ich es nicht so gut erkennen.

Auch bin ich Dir dankbar für Deine Bemerkungen wegen dem Schatten. Zuerst wollte ich eigentlich die Schatten mittels Bildbearbeitung etwas aufhellen, weil ich meinte, man müsse dies immer so machen, damit es gut aussieht. Nun denn, so werde ich in Zukunft bei leicht reflektierenden Oberflächen etwas länger warten, bis der Sonnenstand noch flacher wird, um etwas mehr Zeichnung auch in den Schatten zu erhalten. Zwar habe ich jetzt keine Möglichkeit mehr, an einem Strand so faszinierende kleine Müschelis zu fotografieren, aber es lässt sich sicher noch einiges an tollen Fotosujets in nächster Nähe finden... :-)

Herzliche Grüsse,

Christina

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ADMIN

Hallo Christina,

ja, in der Makrofotografie herrschen eigene Gesetze. Aber wenn man sich auf den Weg macht, diese kennen zu lernen, warten bereits am Wegesrand tolle Fotos auf einen, ganz zu schweigen von denjenigen am Ende dieses Weges. Anscheinend bist du auf diesem Weg ...

Liebe Grüße,

Roland

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