Tanz der Elfen

Da will ich mal mit in den Frühlingsreigen einsteigen. Heute Sonne satt und alles ist bereits weit in der Blüte. Die Elfenkrokusse faszinieren mich immer aufs Neue. In ihrer Einfachheit stahlen Sie eine große Eleganz und Zerbrechlichkeit aus, vor allem, wenn Sie das Tanzbein schwingen. 

Kommentare

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Makronist

Hallo Inga,

das sieht sehr verträumt aus. Aber es wirft für mich auch Fragen auf. An anderer Stelle regt Roland an, auf das Innere zu fokusieren, weil man zuerst sowieso auf den orangenen Stempel schaut. Hier funktiert das aber auch ganz gut mit dem Fokus auf dem Rand. Eine fachliche Erläuterung, in welchem Fall was von beiden besser ist, wäre sehr hilfreich für mich. Denn ich kann das nicht genau zuordnen. Ich hoffe, es ist okay, wenn ich das ausgerechnet jetzt unter deinem Foto frage. Ich weiß jetzt nicht wo sonst damit hin ;-)

Liebe Grüße, Jana

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ADMIN

Hallo Jana,

eine sehr gute Frage! 
Es kommt natürlich immer auch etwas auf die Gesamtkomposition an und was man ausdrücken möchte. Dieser Krokus hatte durch die stark abgespreizten Blütenblätter eine sehr ungewöhnliche Form. 
Natürlich habe ich auch eine Aufnahme mit der Schärfe klassisch auf dem gelben Stempel gemacht, sah aber nicht so toll aus (siehe unten). Der lag auf dem Präsentierteller da, einfach langweilig. Wenn die Blütenblätter weiter geschlossen sind und er nur leicht rauslugt, kann man einen geheimen Blick ins Innere werfen, indem man ihn in die Schärfe setzt und der Rest eher in die Unschärfe. 
Mit der Schärfe auf der Spitze des vordersten Blütenblättes konnte ich am besten das Leichte und Tänzerische darstellen. Wichtig war aber, dass die scharfe Spitze sich auch farblich vom Hintergrund abhebt und neben dem Schärfe- auch ein Farbkontrast da ist (bei Markus Bild gibt es für meinen Geschmack zu wenig Farbkontrast). 

Liebe Grüße

Inga

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ADMIN

Hallo Jana,

ja, an anderer Stelle sprach ich von der Priorität des Stempels. Aber hier bei Ingas Bild ist es anders. Der Grund liegt in der Eindeutigkeit der Motividee. Ist das Motiv eher die gesamte Krokusblüte, dann geht in der Regel der Betrachterblick zum Stempel, der dann folgerichtig in der Schärfe liegen sollte.

Doch bei Ingas Bild ist das Hauptmotiv eindeutig nicht der gesamte Krokus, sondern sein vorderes Blütenblatt. Dies kommt unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass Inga eine extrem schmale Schärfeebene darauf gelegt hat (die Schärfeebene einer Blende 1.2, hierbei spielte also die Wahl des eingesetzten Objektivs eine große Rolle). Der Stempel gerät in starke Unschärfe, sieht aber malerisch interessant aus. Aber es ist eindeutig, was das Ziel der Fotografin war: den Betrachterblick auf das vordere Blütenblatt zu lenken. Durch ihre Wahl von Perspektive, Abbildungsmaßstab und eingesetzte Technik hat sie dies klar festgelegt. Beim Bildbetrachter entsteht keinerlei Bedürfnis, den Stempel scharf zu sehen; er genießt die malerische Unschärfe im Stempel und wird dabei vom scharfen Vorderrand des Blütenblattes gehalten.

Was hier einen entscheidenden Unterschied zu dem von dir angesprochenen Bild macht: Der Unterschied zwischen der Schärfe auf dem Blatt und der Unschärfe auf dem Stempel ist bei diesem Bild hier deutlich größer als beim von dir angesprochenen. Das macht die Sache eindeutig. Die Fotografin hat ihre Entscheidung zu dieser Bildidee eindeutig umgesetzt.

Solche Gedanken sind Bestandteil der Entwicklung der Bildidee; sie stehen also beim Fotografieren ganz am Anfang.

Ein anderes Beispiel übrigens ist das Bild von mir mit dem Schattenwurf. Auch hier liegt die Schärfe nicht auf dem Stempel. Und hier wird noch deutlicher, dass er nicht das Hauptmotiv bei der Bildidee war – sondern der Schattenwurf.

Liebe Grüße

Roland

 

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Makronist

Hallo Inga,

vielen Dank für deine ausführliche Erklärung und auch das Vergleichsbild. Das ist natürlich ein großer und nachvollziehbarer Unterschied. Auch das mit dem Farbkontrast erscheint mir plausibel. Da muss ich mein Märzenbecherchen (weiß vor weiß) auch ein wenig in Frage stellen. Aber das war ja wirklich nur ein erster Versuch im Schnelldurchlauf und die Freude über das Objektiv.

Dennoch, auch wenn ich mehr Zeit zur Verfügung habe, stehe ich oft vor eigentlich hübschen Motiven und weiß manchmal nicht, wie ich da am besten herangehe. Gerne verliere ich dabei den Überblick und tue mich mit Bildaufbau und Hintergründen schwer. Schlimmstenfalls fehlt mir die nötige Phantasie. Aber mal schauen, ob ich deine Erklärungen doch irgendwie in der Praxis umgesetzt bekomme. Also dankeschön nochmal :-)

Liebe Grüße, Jana

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