Lehmwespe

Hallo zusammen,

ich bin mir nicht sicher, ob es sich hier um eine Lehmwespe handelt, da ich die Flügel bei einer Lehmwespe wesentlich länger finde als die hier hier aufgenommenen Wespe. Andererseits arbeitet sie sich eindeutig durch festgebackenen Lehm hindurch.

Vielleicht kann jemand helfen?

Es grüßt

Mainecoon

Kommentare

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ADMIN

Hallo Mainecoon,

ja, das ist eine Lehmwespe, da liegst Du völlig richtig. Hiervon gibt es einige verschiedene, teils schwer zu unterscheidende Arten. Die von Dir fotografierte könnte eine Lehmwespe der Gattung Odynerus oder Symmorphus sein, eventuell Symmorphus murarius. Eine zu 100% sichere Bestimmung ist anhand des Fotos nicht möglich.

Du hast sie bei einer super interessanten Tätigkeit "erwischt": Sie "gewinnt" gerade Lehm, um damit die Zwischenwände ihrer Brutzellen zu bauen. Wie funktioniert das im Einzelnen?

Sie hat irgendwo – je nach Art – eine Röhre in den Boden gegraben oder einen vorhandenen länglichen Hohlraum (z.B. Ausschlupflöcher von Prachtkäfern in Totholz) als Niströhre gewählt. An deren bzw. dessen Ende legt sie ein Ei ab und trägt anschließend gefangene und narkotisierte (ähnliches Verhalten wie Grabwespen!) Beutetiere ein – wieder je nach Lehmwespenart beispielsweise Rüsselkäfer- oder Blattkäferlarven.
Anschließend baut sie eine Trennwand aus Lehm. Hierzu fliegt sie zu einer offenen Lehmstelle am Boden, durchweicht die obere Lehmschicht mit Speichel, sodass sie sich gut ablöst, formt einen feuchten Lehmballen (genau das hast Du fotografiert) und fliegt mit ihm zwischen ihren Kiefernzangen zur Neströhre, um ihn dort einzubauen. Anschließend wird die nächste Brutzelle angelegt, solange, bis die Röhre voll ist. Zum Schluss wird sie – ebenfalls mit Lehm – verschlossen.

Im Inneren schlüpfen die Larven, fressen den eingetragenen Futtervorrat in ihrer jeweiligen Zelle (der sich bis dahin frisch hält, weil die Beutetiere ja noch leben) und entwickeln sich zur Puppe. Je nach Art schlüpfen sie noch im selben oder im kommenden Jahr, und das Ganze Spiel beginnt von vorne.

Also: ein Foto, das eine super interessante Geschichte erzählt. Dazu noch eine tolle Bildaufteilung (Platzierung des Hauptmotivs).
Einzig das Sonnenlicht ist ein wenig hart – aber genau bei dieser Wärme legen diese Wespen nun mal ihre Nester an, was man dann so toll fotografisch dokumentieren kann, wie Du es hier gemacht hast :-)!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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