Weißdorn

Was soll ich schreiben ... ich liebe diese alten Linsen.

EXIF-Info:
Nikon D750
Helios 40 (Silber)
f/1.8
ISO: 100
85 mm
1/4000 sec

Kein Beschnitt
 

Kommentare

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo LouisCyphre,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Kann ich verstehen; eigentlich braucht man einem Foto, das mit einem solchen Objektiv-Klassiker erstellt wurde, nicht viele Worte hinzufügen. Dennoch wünschst Du eine Besprechung... :-).

Du hast das russische Helios 40, ich vermute 40-2, eingesetzt – ein rustikales, schweres 1.5/85mm-Objektiv. Hast Du das alte oder die Neuauflage?

Ehe ich weiter ins Detail gehe, bitte ich Dich, die Exif-Daten mitzuteilen. Bei der Verwendung alter manueller Objektive werden sie nicht automatisch übertragen. Das müsstest Du also "händisch" im Textfeld machen. Im wesentlichen sind das folgende Angaben:

verwendete Kamera, genauer Objektivtyp, Blende (Offenblende 1.5?), ISO-Wert, Verschlusszeit. Ich nehme mal an, das kein Bildbeschnitt vorliegt?
(Siehe hierzu unsere Upload-Hinweise.)

Eines ist jetzt schon erkenntlich: und zwar, warum Du diese alten Linsen liebst :-)! Das Helios 40-2 ist eine ganz wunderbare alte Linse...

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

 

Profile picture for user LouisCyphre
Makronist

Hallo Roland,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Die Ergänzungen habe ich hinzugefügt.

Ich habe mich sehr gefreut Eure Seite im Netz zu finden, endlich eine Plattform die sich auch mit alten Objektiven und deren Macken, aber auch Möglichkeiten befasst. Ich fange erst langsam an mich mit diesem Thema genauer zu befassen und schon hat es mich infiziert.

Ich habe gestern Eure aktuelle Printausgabe erhalten ... Hut ab, ein tolles Magazin. Besonders der Artikel über die Vintage-Fotografie und die abgedruckten Bilder dazu.

Ich freue mich hier Erfahrungen zu sammeln, mir die tollen Fotos anzusehen und auch mal ein Bild zur Bewertung einstellen zu können.

Ich wünsche noch allen viel Spaß!

Oliver

Profile picture for user Mainecoon

Makronist

Hallo Oliver,

herzlich Willkommen auch von mir und vielen Dank für das Lob zum Artikel!

Dein Bild gefällt mir sehr gut. Für mich ist der einzige kleine Kritikpunkt, dass sich das Grün inmitten den Blüte so dominant in der Vordergrund und damit in die Unschärfe schiebt.

Hast du noch weitere alte Linsen? Wie bist du auf sie aufmerksam geworden?

Viele Grüße

Mainecoon

Profile picture for user LouisCyphre
Makronist

Hallo Mainecoon,

danke für Deinen Kommentar und die konstruktive Kritik. Man lernt ja nie aus :)

Ja, ich habe noch ein 58er Helios (2.0), ein 50er (1.8) und ein 135er (2.8) Pentacon sowie ein 135er Triotar (4.0). Ich stehe noch ganz am Anfang mich intensiver mit diesen „Schätzchen“ und deren Möglichkeiten zu befassen.

Ich habe durch Zufall einige Bilder gesehen, die mit einem 58er Helios gemacht wurden. Diese haben mich sofort in ihren Bann gezogen da sie „wie gemalt“ aussahen und ein tolles Bokeh an den Tag gelegt haben. Daraufhin habe ich mich mit dem Thema näher befasst und versuche mich jetzt so langsam in die Materie einzuarbeiten.

Viele Grüße

Oliver

 

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo Oliver,

prima, das hört sich ja gut an. Meist findet das zusammen, was zusammen gehört... .-).

Ich freue mich, dass Dir unsere neue Ausgabe Nr. 7 der Zeitschrift MAKROFOTO gefällt. Mein Ziel ist es, sowohl in der Zeitschrift als auch auf Makrotreff neben der klassischen, modernen Makrofotografie auch die Vintage-Makrofotografie zu etablieren – und zwar vordergründig ihre praktische Anwendung.
In vielen Foren steht das Sammeln der guten alten Objektivschätze im Vordergrund, bei uns mehr ihr zielgerichteter praktischer Einsatz. Ich (und auch viele weitere User) werde also sowohl in MAKROFOTO als auch auf unserer Plattform Makrotreff noch viele Fotos zeigen, die mit solchen Objektiven erstellt wurden, und so ihre Einsatzmöglichkeiten in der angewandten Fotografie demonstrieren.

Und beim Makro-Vintage-Workshop werde ich detailliert zeigen, wie man aus vielen dieser Objektiv-Senioren ihre jeweiligen ganz besonderen Fähigkeiten herauskitzeln und auf modernen Sensoren sichtbar machen kann – ein anspruchsvolles, aber umso interessanteres Feld kreativer Fotografie.

Wir widmen uns also gezielt beiden Bereiche der Makrofotografie. In der aktuellen MAKROFOTO Nr. 7 zeige ich in zwei Beispielen die Einsatzbereiche einerseits der modernen, andererseits der Vintage-Makrofotografie; Malen mit der Kamera (von Mainecoon) veranschaulicht die kreativen Möglichkeiten im Zusammenspiel von alten Objektiven mit modernen Sensoren. Die Reportage über die Blauflügelige Ödlandschrecke dagegen ist ausschließlich mit modernen Makroobjektiven möglich und sinnvoll umzusetzen.

Nun zurück zu Deinem Foto. Sorry, aber ich habe noch eine letzte kleine Frage, ehe ich mit der Besprechung ins Detail gehe. Du schreibst, Du hättest die Objektiv-Version Helios 40 in silber. Dann müsste dies die erste Herstellung aus den Jahren 1957 bis 1969 sein – eine sehr edle Ausführung dieses Objektiv-Klassikers. Allerdings gibt´s den nur in der Ausführung mit der größten Blende von 1.5 (1.5/85mm). Heißt dies, dass Deine Angabe f/1.8 oben bedeutet, dass Du das Weißdorn-Foto mit Blende 1.8 gemacht hast – also mit leichtem Blendenschluss?

Lieber Gruß,

Roland

 

Profile picture for user LouisCyphre
Makronist

Hallo Roland,

das hört sich alles super an und lässt auf viele weitere interessante Berichte und Bilder zum Thema Vintage-Fotografie hoffen.

Über Deinen demnächst stattfindenden Workshop habe ich schon gelesen ... ich bin schwer am überlegen :)

Bei dem Objektiv hast Du recht, es ist ein 1.5er aus den 60ern. Das Bild wurde mit Blende 1.8 gemacht.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend

Oliver

 

Profile picture for user Roland

ADMIN

Hallo Oliver,

gut, gehen wir wie angekündigt zu den Details:

Objektive-Charakteristik / Bokeh

Du hast bei Deinem Foto die Blende leicht geschlossen. Ich gehe mal davon aus, dass Du das bewusst gemacht hast – obwohl ich Deine sicherlich vorhandenen Gründe kaum erkennen kann.

Was ist die Auswirkung dieses Blendenschlusses um etwa eine halbe Stufe?

Du hast minimal mehr Schärfentiefe. Das ist so wenig, dass es insbesondere beim recht dreidimensionalen Hauptmotiv in Deinem Foto (Weißdorn-Ast mit Blüten) kaum zum Tragen kommt.

Zum anderen hast Du die Abbildungscharakteristik des Helios 40 geschmälter – und zwar recht deutlich. Eine halbe Blende reicht bereits aus, um die individuelle Unschärfezeichnung eines geeigneten Vintage-Objektivs so stark abzumildern, dass es deutlich sichtbar wird. Dies mag dann Sinn machen, wenn in einem gegebenen Fall die Zeichnung bei Offenblende zu stark ausfällt und z.B. vom Hauptmotiv zu stark ablenkt. Doch selbst in diesem Fall sollte immer sofort abgewogen werden, ob dann nicht der Einsatz eines modernen Objektivs die bessere Lösung ist. Denn dann kommen schnell dessen überlegenen Eigenschaften zum Tragen.

So zeigt also auch die Hintergrund-Zeichnung bei Deinem Weißdorn-Bild bereits eine deutlich schwächere Ausprägung als beim Helios 40 in Offenblende. Deshalb habe ich ein wenig penetrant nach Deiner Blendenangabe 1.8 nachgehakt :-).

Wie gesagt, Ich vermute, Du wirst Deine Gründe gehabt haben für diesen Schritt. Ich (!) finde, die Bokeh-Zeichnung dieses Objektivs ist bei Offenblende wesentlich attraktiver. Und sollte es zu unruhig sein, besteht die Möglichkeit, etwas näher ans Hauptmotiv ranzugehen – was aber voraussetzt, dass die sehr geringe Schärfentiefe entsprechend gelegt wird. Und damit sind wir beim nächsten Punkt:

Schärfepunkt / Schärfentiefe

Du hast bei Deinem Foto den Schärfepunkt auf die hinteren Blüten gelegt.

Man kann das machen, aber im vorliegenden Fall ist es etwas ungünstig. Dadurch, dass das Hauptmotiv relativ weit vom Betrachter entfernt ist (geringer Abbildungsmaßstab), schaut er zunächst auf die vorderen, ihm angebotenen Blüten – und die sind unscharf. Dieser Unschärfeeindruck wird unterstützt durch die von Mainecoon bereits angesprochenen unscharfen grünen Blätter, die ebenfalls vor der Schärfeebene liegen.

Hier kommt das Phänomen zum Tragen, dass der Mensch gewohnheitsmäßig von rechts nach links und, was hier von Bedeutung ist, von vorne nach hinten schaut. Er muss also erst mal optisch über diese Unschärfebrücke "drüberhopsen", um sich auf die dahinter liegenden scharfen Blüten einzulassen.

LÖSUNG:
Befindet sich ein so geringer Entfernungsunterschied zwischen Vorder- und Hintergrundblüten, dass diejenigen, die in die Unschärfe gehen, dennoch relativ strukturreich abgebildet werden (also nicht stark aufgelöst werden), ist es in der Regel besser, den Schärfepunkt und damit die schmale Schärfeebene der Blende 1.5 auf die vorderen, dem Bildbetrachter zugewandten Blüten zu legen.

Tja, und dann kann natürlich eine Aufnahme, die mit solchen Vintage-Objektiven gemacht wurde, eine deutlichere Nachschärfung vertragen. Hier ist noch Luft nach oben.

Trotz der angesprochenen Aspekte zeigt das Weißdorn-Bild, welches Potential in diesem tollen russischen Objektiv liegt – mal ganz abgesehen von seinem super edlen Look :-)!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Profile picture for user LouisCyphre
Makronist

Hallo Roland,

wow, das nenne ich mal eine ausführliche und prompte Beurteilung. Vielen Dank dafür 🙏🏻.

Da ich, was die Fotografie mit diesen Objektiven angeht, erst am Anfang stehe, freue ich mich über Deine hilfreichen Tipps. Deine Infos werde ich mir bei den nächsten Bildern zu Herzen nehmen und versuchen sie umzusetzen.

Danke Dir und schönen Abend

Oliver

 

Neuen Kommentar hinzufügen